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Veröffentlicht am 12.08.2025

Blossoms of Fire

Blossoms of Fire
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Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen ...

Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen einzigen, sondern gleich einen ganzen Drachenclan zu bieten hat. An der Seite von Kräuterhexe Briar kommen wir ihrem einzigartigen Geheimnis auf die Spur.

Das Buch erschien am 25. April 2025 im Loomlight Verlag und umfasst 396 Seiten.

Formal fällt zunächst die Triggerwarnung ins Auge, auf die gleich zu Beginn hingewiesen wird. Die potentiell aufwühlenden Elemente werden auf der letzten Seite des Buches aufgelistet, sodass der Leser selbst frei entscheiden kann, ob er Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder lieber gleich mit der Lektüre beginnt.

Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heilkrautes oder einer Pflanze, welches im Laufe des Abschnitts eine Rolle spielt. So lernt man ganz beiläufig einige ihrer Anwendungsbereiche kennen. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass das Verkaufen von Waldmeister Kopfschmerzen lindern kann? Hieraus ergibt sich eine völlig neue, informative Komponente der Geschichte, die mich besonders fasziniert hat. Die Länge der Kapitel ist dabei ideal für eine kurze Kaffee- oder Teepause: im Schnitt enthalten die Abschnitte zwischen 7 und 15 Seiten.

Die Orte, die in der Geschichte benannt werden, existieren tatsächlich, was sicherlich dem ein oder anderen Anreiz für einen Kurztrip bietet. Die Erzählung beginnt zunächst im traumhaften Edinburgh und führt uns später auf eine raue Insel westlich von Schottland.

Was das Genre betrifft, mischt die Autorin romantische und fantastische Elemente, um diese kunstvoll miteinander zu verstricken. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die Existenz von Drachen, sondern trifft auch Zwerge und selbstverständlich Hexen an. Jedoch würde ich das Buch auf der Skala etwas weiter Richtung Roman verorten, da das Element der fantastischen Wesen zwischenzeitlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Unsere Protagonistin, Briar Delga, dürfte den meisten Lesern sympathisch sein: Ein starker, weiblicher Charakter, der sich nicht den Mund verbieten lässt. Im Umgang mit anderen Charakteren zeigt sie sich extrovertiert und selbstbewusst. Am Rande wird außerdem beschrieben, dass sie keine Modelmaße hat, ihren Körper aber schön findet, so wie er ist. Das immer noch aktuelle Thema Body Positivity wird somit im Roman aufgegriffen. Darüber hinaus tritt im Verlauf der Geschichte auch ein lesbischer Nebencharakter auf, was die Erzählung inklusiv und LGBTQIA+-freundlich macht. Trotzdem benennt Briar auch einige ihrer Schwächen, was ihr wiederum Menschlichkeit verleiht und sie als Figur greifbar macht: Im Rahmen eines Festes gibt sie zu, dass die bevorstehende soziale Interaktion ihr Angst macht und sie „planen muss, damit [sie sich] entspannen kann“ (vgl. S. 198).

Darragh bildet als angeblicher Draufgänger zuerst einmal das genaue Gegenstück. Muskulös gebaut und mit nautisch anmutenden Tattoos auf dem Oberkörper füllt er sicher das Klischee eines Schotten, den so leicht nichts aus der Bahn werfen kann, zur Gänze aus. Umso bedeutungsvoller erscheint dadurch die Offenbarung, dass auch ihn Ängste und der ein oder anderen unausgefochtene Zwist mit seinem Bruder Basil plagen. Die Vergangenheit der beiden erklärt die Motive hinter ihren Handlungen und gibt beiden Charakteren die nötige Tiefe.

Darüber hinaus kann natürlich keine Hexe, die etwas auf sich hält, ohne tierischen Begleiter auskommen. Um was, beziehungsweise um wen genau es sich handelt wird hier noch nicht verraten, es sei aber gesagt, dass es sich um eine eher unkonventionelle Verbündete handelt, die der Handlung einerseits viel Witz und andererseits eine mystische Nuance verleiht.

Positiv aufgefallen sind mir die durchweg ungewöhnlichen Namen der Charaktere, welche ihre Persönlichkeiten jedoch gut widerspiegeln. Gleichzeitig handelt es sich, soweit ich das beurteilen kann, um altenglische Namen, die das Setting des Romans respektieren.

Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist ebenfalls bemerkenswert: Besonders scheinbar nebensächliche Momente, die die Gewohnheiten und Traditionen im Drachenclan näher beschreiben, überzeugen mit ihrer Immersionskraft. Trotzdem ist anzumerken, dass das Buch sich definitiv nicht für ein jüngeres Publikum eignet – wie die Triggerwarnung bereits vorbringt gibt es einige sehr explizite Szenen.

Stellenweise wirkt die Entwicklung der romantischen Beziehung und auch die Handlung selbst leider etwas gehetzt: wichtige Momente wie der erste Kuss finden im Roman relativ früh statt. So steigen wir auch nach wenigen Seiten sofort mit einem großen Ereignis in den eigentlichen Plot ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dies allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Autorin ein in sich geschlossenes Leseerlebnis bieten wollte und eine ausführlichere Beschreibung einen Anschlussband verlangt hätte.

Dennoch kommt die Spannung in den letzten Zügen der Geschichte nicht zu kurz, da nach Abschluss der Haupthandlung noch ein letztes Rätsel auf unsere Kräuterhexe wartet, das sie um jeden Preis lösen muss. Allerdings sollte man hier nicht aus ein komplexes Gespinst aus Intrigen und ineinander verworrenen Lügen hoffen: Der Fokus der Erzählung liegt bis zum Schluss auf der Beziehung zwischen den Hauptfiguren und nicht darauf, den Leser in die Irre zu führen, wie es in so manchem Kriminalroman sicherlich der Fall gewesen wäre. Für meinen Geschmack fiel die finale Auflösung deshalb leider ein wenig antiklimaktisch aus.

Alles in allem hat sich „Blossoms of Fire“ als Romantasy-Erzählung, die den Mut hat, vieles anders zu machen als es im Genre üblich ist, definitiv einen Platz auf meinem Bücherregal erkämpft. Die Handlung spricht eine Vielzahl von Interessenkreisen an – sei es Hexen oder Magie im Generellen, Drachen oder auch Kräuterkunde. Trotzdem kommt die Erzählung ohne einen zweiten oder dritten Band aus, was heutzutage eher die Ausnahme bildet. Auch wenn die Konflikte, die die Geschichte bietet, etwas zu schnell aufgelöst werden, kommt dennoch etwas Spannung auf.

Wer ein Buch mit Charakteren sucht, die einem schnell ans Herz wachsen und eine Handlung, die eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlt, aber dennoch nicht auf fantastische Wesen verzichtet, der ist hier genau richtig. Für Romanleser, die ins Romantasy-Genre hineinschnuppern wollen, ist „Blossoms of Fire“ ebenfalls eine echte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Anima Daemonis

Anima Daemonis
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Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. ...

Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. Die Geschichte entführt uns auf 297 Seiten in die tiefsten Abgründe der Hölle, wo Dämonen menschliche Seelen unermüdlich läutern um ihnen eine Wiedergeburt zu erlauben. Jedoch ist unsere Protagonistin keineswegs eines natürlichen Todes gestorben oder gar ermordet worden. Nein, sie hat sich ganz bewusst dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen, um in der sagenumwobenen Unterwelt nach einem ganz besonderen Dämon zu suchen.

Auf den ersten Seiten des Buches finden wir gleich eine Triggerwarnung, denn Teile der Handlung könnten potenziell verstörend wirken und negative Emotionen auslösen. Darunter fällt sicherlich auch der Selbstmord der Protagonistin. Eine sinnvolle Neuerung, die von immer mehr Autoren und Autorinnen aufgegriffen wird und neuerdings auch vorne im Buch positioniert wird, statt ganz hinten, wo sie leicht übersehen werden könnte. Von der Handlung wird dennoch nichts verraten, weshalb man sich keine Gedanken um Spoiler machen muss.
Das Buch wartet mit einem schönen mehrfarbigen Farbschnitt auf und auch die ungewöhnliche Schriftart wirkt sehr wertig. Jedoch scheint das Hauptmotiv auf dem Cover etwas unglücklich positioniert, da leicht nach links verschoben. Bei genauerem Hinsehen sind auch Positionierungsmarkierungen sichtbar. Es könnte sich bei meinem vom Verlag zur Verfügung gestellten Exemplar jedoch auch um einen Fehldruck handeln.
Unsere Protagonistin ist Änlin, jedoch wechseln wir hin und wieder auch zur Perspektive von Mephisto: dem Dämon, den sie hofft, zu finden. Der Name über dem Kapitel gibt jeweils an, wessen Sichtweise behandelt wird. Die Abschnitte sind etwa 10 Seiten lang und damit weder zu lang noch zu kurz für eine kurze Pause oder einen ruhigen Moment vor dem Schlafen. Dabei deutet ein kleines Emblem jeweils an, wann wir die Gegenwart für einen kurzen Rückblick verlassen, was der Geschichte die nötige Struktur verleiht. Über diese Flashbacks erschließt sich Stück für Stück die Vergangenheit der Charaktere. Trotz der vielen Persönlichkeiten mit teils eigensinnigen Namen fällt es trotzdem nicht schwer, der Handlung zu folgen. Ein schönes Extra wäre allerdings eine Karte der Hölle gewesen, sodass man sich Änlins Weg noch besser hätte vorstellen können.

Der Roman spielt mit unserem Verständnis des Lebens nach dem Tod und der Wesen der Unterwelt. Denn in „Anima Daemonis“ sind keineswegs die Dämonen die verachtenswerten Gestalten, getrieben nur von Boshaftigkeit und Sünde, sondern die Menschen. Seelen, die sich versündigt haben, bleibt bekanntlich der Eingang zum Paradies verwehrt und sie fahren stattdessen zur Hölle. Doch dass es mitunter die Dämonen sind, die sich vor diesen dunklen Seelen fürchten, die sie eigentlich rehabilitieren sollen, ist ein eindeutig weniger Häufig behandelter Umstand. Ein spannender Gedanke, der uns während der gesamten Lektüre weiterhin begleitet. Das Buch scheint außerdem von einer oder mehreren Mythologien inspiriert zu sein, die aber nicht namentlich genannt werden und damit schwer zu identifizieren sind.
Über einen direkten Einstieg starten wir gleich ins Geschehen und begleiten Änlin auf ihrer ereignisreichen Reise; sehen durch ihre Augen wie Seelen bestraft werden und welche moralischen Abgründe sich auftun. Und eben diese sollen auch für unsere Hauptcharaktere von zentraler Bedeutung werden. Mit der Königin der Hölle, Morwen, schließt Mephisto ein Wette ab. Wird Änlin es schaffen, zu ihm zu kommen, ohne dabei ihre Reinheit einzubüßen?
Im weiteren Verlauf bietet das Buch zahlreiche starke, weibliche Charaktere, die für Spannung sorgen. Schließlich will man auch wissen, ob die Protagonistin ihr Ziel tatsächlich erreichen wird oder ob sie doch aufgeben muss. Dabei liegt der Fokus jedoch eher auf dem Plot als auf den Figuren, die stellenweise doch etwas emotionslos und hölzern wirken.
Erst gegen Ende offenbart die Geschichte allerdings ihre Vielschichtigkeit und zeigt, was sie so lesenswert macht. Fans von Thrillern sollten hier allein schon aufgrund des Elements des Mysteriösen auf ihre Kosten kommen. Alle Fäden kommen schließlich an einem Punkt zusammen und alle Fragen werden beantwortet – in einer Wendung, die weder ich, noch irgendjemand unserer Lesegruppe kommen gesehen hat.
Eine Fortsetzung der Geschichte ist wohl eher ausgeschlossen, denn Änlins Geschichte ist erzählt, es sei denn, etwas verändert sich. Dann wäre die Möglichkeit für eine Romanze mit Mephisto da, jedoch halte ich dies eher für unwahrscheinlich.
Alles in allem hat mich „Anima Daemonis“ trotz anfänglicher Startschwierigkeiten letztendlich doch voll und ganz überzeugt. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch kleinere Verlage mitunter echte Juwelen veröffentlichen und es nicht immer der neueste Dark Fantasy Roman von Piper oder Bastei Lübbe sein muss. Die Geschichte ist vielschichtig und verworren, jedoch klar erzählt, sodass es sogar empfehlenswert ist, das Buch noch ein zweites Mal zu lesen, nachdem man erst einmal über den enormen Plottwist Bescheid weiß. Eine klare Empfehlung von mir, auch für Genrefremde, denn hier kommen viele verschiedene Elemente zusammen, die dafür sorgen, dass der Leser ein echtes Abenteuer erleben kann.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Die Totenbändiger

Unheilige Zeiten
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Was, wenn die Seelen derjenigen Menschen, die dem Leben gewaltsam entrissen wurden, nicht friedlich ins Jenseits dahingleiten, sondern als Geister Jagd auf die Lebensenergie anderer machen?
„Die Totenbändiger ...

Was, wenn die Seelen derjenigen Menschen, die dem Leben gewaltsam entrissen wurden, nicht friedlich ins Jenseits dahingleiten, sondern als Geister Jagd auf die Lebensenergie anderer machen?
„Die Totenbändiger – Unheilige Zeiten“ bildet auf 490 Seiten den ersten Sammelband der gleichnamigen Urban Fantasy Reihe von Nadine Erdmann. In diesem Jahr erschienen alle Bände als Taschenbücher im Kleinstverlag Kuneli. Die Reihe war zunächst digital in drei Staffeln, zu je acht Kurzbänden veröffentlicht worden. Nun wurden jeweils vier Bände in einem Printexemplar zusammengefasst, sodass Band eins „Unheilige Zeiten“ und Band zwei „Äquinoktium“ gemeinsam die erste Staffel bilden. Darüber hinaus schrieb die Autorin anstelle eines siebten Bandes noch einen zusätzlichen Short. Eine Erweiterung des Totenbändiger-Universums ist für die Zukunft geplant.
Wir folgen gleich mehreren Charakteren der Familie Hunt, die in sich bereits eine außergewöhnliche Struktur aufweist. Mehr als die Hälfte der Mitglieder sind Totenbändiger – Menschen, die mit der Fähigkeit geboren wurden, die Todesenergie von Geistern zu neutralisieren. Diese entstehen wiederum wenn eine Person gewaltsam zu Tode kommt, etwa durch einen Unfall oder Mord. Sky und Jules Hunt, die leiblichen Kinder von Sue, etwa, haben diese Gabe von ihr geerbt. Die Eltern entschieden sich außerdem dazu, Gabriel, Ella und später auch Camren aufzunehmen, welche ebenfalls Geister bändigen können. Lediglich Connor; Sky’s Freund, Großmutter Edna und Phil; Sue’s Ehemann, teilen diese Eigenschaft nicht mit dem Rest der Familie. Camren, dessen Herkunft unklar und düster ist, übernimmt am häufigsten die Rolle des Protagonisten, doch wir lernen auch noch andere Figuren kennen, die weitere Handlungsstränge übernehmen. Wir befinden uns dabei stets in der Gegenwart, in London Hampstead.

„Die Totenbändiger“ wartet mit sensationellem Worldbuilding auf, dass offensichtlich bis ins allerkleinste Detail durchdacht wurde. Gerade deshalb fällt es leicht, sich auf die Geschichte einzulassen. Die Welt, die Nadine Erdmann beschreibt, wirkt erschreckend realistisch, sodass ein immersives Erlebnis geboten wird. Wir lernen einerseits unterschiedliche Geistertypen kennen, erfahren aber auch, welche Auswirkungen die Existenz von Geistern auf das alltägliche Leben hat. So werden Totenbändiger von der Gesellschaft zwar toleriert, jedoch immer mit Missgunst betrachtet: denn sie können nicht nur die Energie von Geistern in sich aufnehmen, sondern theoretisch auch die der Lebenden. Aus diesem Grund haben sie oft Schwierigkeiten, einen Job oder eine Wohnung zu finden. Da Geister sich von Eisen und Silber fernhalten, werden entsprechende Zäune genutzt und Fäden des teuren Metalls in Westen eingenäht, um „Normalos“, die keinerlei Fähigkeiten besitzen, zu beschützen.
Gekonnt mischt die Autorin verschiedene Elemente unterschiedlicher Genre wie Krimi, Thriller, Fantasy und LGBTQIA+-Roman. Was gewagt klingt, sorgt im Gegenteil für ein abwechslungsreiches Abenteuer, welches auch über den ersten Band hinweg fesselt und Lust auf mehr macht. Dank der hohen Anzahl an Figuren werden sowohl lesbische, schwule, aber auch polyamore Liebe repräsentiert, was selbst im entsprechenden Genre eher selten der Fall ist. Ebenso wenig wird die Diversität im Buch vernachlässigt: Wir lernen im Laufe der Geschichte unter anderem eine Afrobritin und einen Pakistani sowie einen Menschen mit Albinismus kennen.
Die Figuren verwenden alltägliche Umgangssprache inklusive Schimpfwörtern, Anglizismen und sexuellen Andeutungen, weshalb das Buch wohl für Jugendliche ab 16 Jahren zu empfehlen ist. Anzumerken ist allerdings der problematische Aspekt der Selbstverletzung, der mäßig detailliert beschrieben wird. Diesbezüglich wäre eine Triggerwarnung wünschenswert gewesen, da betroffene Personen andernfalls durch die Lektüre von unangenehmen Erinnerungen überrascht werden könnten.

Anzumerken ist außerdem, dass bereits im Laufe des ersten Bandes eine ungewöhnlich große Menge an Charakteren präsentiert werden, sodass man schnell den Überblick über Verwandschaftsverhältnisse verlieren kann, wenn man die Geschichte nicht in kurzer Zeit beendet. Ein Figurenregister oder etwa ein Stammbaum hätte hier für eine Übersicht gesorgt, auf die man bei Bedarf zurückgreifen kann. Sicherlich ist eine gewisse Anzahl an Figuren für einen gelungenen Found-Family-Trope unerlässlich, jedoch teilt sich dadurch auf der Fokus auf, was dazu führt, dass nicht alle Persönlichkeiten so ausführlich beschrieben werden, wie es in anderen Geschichten der Fall gewesen wäre. Anstelle einiger Actionszenen hätte man stattdessen ein paar zusätzliche Slice-of-Life-Momente einstreuen können, um diesem Eindruck entgegenzuwirken. Gegen Ende fiel leider auch ein wenig die Spannung weg, da die unterschiedlichen Charaktere zwar häufig in brenzlige Situationen kommen, sie aber stets in kurzer Zeit Hilfe erhalten und ich ohne bleibende Schäden aus der Situation befreien können. Dadurch fiel es leider auch schwerer, sich mit den Figuren zu identifizieren.

Alles ist allem ist Nadine Erdmann mit ihrer Urban Fantasy Reihe ein innvovativer Mix aus unterschiedlichen Genre gelungen, mit denen sie ein großes Publikum anspricht und dieses auch durch moderne Tropes wie Found Family und LGBTQIA+-Liebe zu begeistern weiß. Mithilfe von überraschenden Plot Twists und regelmäßigen Perspektivwechseln baut sie ein Welt auf, die neugierig macht und mit plausiblen Eklärungen für Fantasy-Elemente für bestmögliche Immersion sorgt.
Trotz der großen Vielzahl an Charakteren macht es Spaß, das düstere London zu erkunden und mit dem Spuk Squad auf Geisterjagd zu gehen. Gelegenheit, die Figuren besser kennenzulernen bieten sicherlich auch die Folgebände. Schließlich handelt es sich bei „Unheilige Zeiten“ nur um den Auftakt zur ersten Staffel.
Aus diesem Grund kann ich das Buch ohne Vorbehalte weiterempfehlen – vor allem für Jugendliche, die im Fantasy-Genre zuhause sind, aber Lust haben, ein bisschen Krimi-Luft zu schnuppern.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

When Angels fall

When Angels fall
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Der neue Stern am Urban-Fantasy-Romance-Himmel „When Angels Fall“ von Lisa Mariah, erschienen am 31.10.2025 im Dunkelstern-Verlag, entführt uns in eine Welt voller Engel und erinnert uns daran, dass kein ...

Der neue Stern am Urban-Fantasy-Romance-Himmel „When Angels Fall“ von Lisa Mariah, erschienen am 31.10.2025 im Dunkelstern-Verlag, entführt uns in eine Welt voller Engel und erinnert uns daran, dass kein Wesen jemals ausschließlich gut oder böse sein kann – was zählt, sind unsere Entscheidungen.

Optisch funkelt dieser Stern besonders hell – dem Buch liegt beim Kauf direkt auf der Seite des Verlags eine Gebrauchsanweisung für den neuen Dunkelstern und auch eine Charakterkarte bei. Auch der Vor- und Nachsatz des Buches ist gestaltet – er zeigt jeweils eine gotische Kathedrale aus weißen und schwarzen Steinen erbaut, um die beiden Engelsvölker zu repräsentieren. Auf den ersten Seiten finden wir einen Hinweis auf die Triggerwarnung, die wir hinten im Buch konsultieren können, sodass jeder selbst entscheiden kann, ob er mögliche Spoiler in Kauf nimmt, oder nicht. Außerdem werden wir mit einer Playlist aus thematischen passenden Songs begrüßt. Ich nutze diese gerne, um mich auf das Buch einzustimmen oder auch zwischendurch, wenn ich gerade nicht lesen kann, um gedanklich bei der Story zu bleiben. Wie üblich für den Dunkelstern-Verlag finden wir unten auf den Seiten auch wieder die typische Stern-Illustration. Darüber hinaus gibt es sehr schöne Feder- und Nelken-Zeichnungen bei Kapitelbeginn. Die Titel der einzelnen Abschnitte sind auf Englisch verfasst.
Ein Vorwort erklärt uns gewissermaßen die „Spielregeln“ der beiden Welten, in denen wir uns bewegen werden: die der Unter- und der Menschenwelt. Die Lichtengel leben in letzterer, hauptsächlich in der Hauptstadt Umbrane Heaven. Dabei verstecken sie ihr Wesen nicht, sondern werden von den Menschen als gleichwertig behandelt oder aber dafür geschätzt, dass sie ihren Schutzauftrag ausführen. So wird jedem Lichtengel bei der Geburt ein Schützling zugewiesen. Diesen schützen sie vor Einflüssen, aber auch vor der Dunkelheit. Ein Umstand, der den Schattenengeln deutlich missfällt – wieso sollten sie den Menschen dienen? Es kommt zur Rebellion und die Schattenengel, unter dem Anführer Maphas, werden in die Unterwelt verbannt. Ein Ort, an dem keine Pflanzen wachsen, da es weder Regen noch einen Tag-Nacht-Rhythmus gibt und wo selbst die gefallenen Engel langsam von der Dunkelheit verschlungen werden. Die Lichtengel dagegen leben friedlich unter der Herrschaft ihres Anführers Camael.

Wir befinden uns in der Moderne und lernen die beiden Protagonisten Idalia und Zion über einen Rückblick kennen. Die beiden sind noch Kinder, als sie Zion vollkommen allein und ohne Gedächtnis auf einem Spielplatz trifft. Zwar ist es offensichtlich, dass er den Schattenengeln angehört, dennoch nimmt ihre Familie ihn wie einen Sohn auf. Über die Jahre entwickelt sich eine zaghafte, unschuldige Liebe zwischen den beiden – bis Zion Idalia schließlich ohne ein Wort der Erklärung zurücklässt und damit ihr Herz bricht. Allerdings ist es kein Abschied für immer. Ein neuer Anführer präsentiert sich den Lichtengeln, nachdem Camael ermordert wurde. Law – doch es ist Zion, der das Volk lediglich manipuliert hat, damit es ihn liebt und unterstützt. Einzig Idalia und ihr näherer Bekanntenkreis bleibt von dieser Gehirnwäsche verschont. Um die Schattenengel wieder in die Menschenwelt zu führen, muss Zion jedoch unsterblich werden, was nur möglich ist, in dem er ein Verbindungsritual mit jemandem eingeht. Die perfekte Kandidatin scheint schnell gefunden. Doch als Idalia begreift, dass Zion ebenfalls dem Untergang geweiht ist, wenn seine Auserwählte stirbt, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung…

Die Kapitel sind entweder aus Idalias oder Zions Perspektive geschrieben – dies wird zu Beginn angegeben – und eher kurz gehalten. Auf diese Art und Weise kann der Leser sich in die Gedankenwelten der beiden Protagonisten sehr gut einfühlen und ihre Intentionen nachvollziehen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass die Nebencharaktere weniger Aufmerksamkeit bekommen und teilweise nicht besonders vielschichtig geschrieben sind. Themen wie physische und psychische Gewalt geben der Geschichte Tiefe und erklären das Verhalten der Charaktere, während tropes wie Found Family die nötige Leichtigkeit verleihen, um diese dunklen Themen zu behandeln. Dennoch beschäftigt sich das Buch mit intensiven Gefühlen, weshalb ein Blick in die Triggerwarnung zu Beginn für einige Leser sicher empfehlenswert ist. Sprachlich bedient sich die Autorin der modernen Umgangssprache, schreckt aber auch vor Kraftausdrücken wie „Fuck“ oder „Wichser“ nicht zurück.
Das Ende der Geschichte kommt sehr überraschend und konnte mich persönlich nicht ganz überzeugen, bringt aber definitiv einen unerwarteten Plottwist mit sich.

When Angels fall“ erzählt die Geschichte einer tragischen Liebe, die nicht sein darf, aber dennoch vom Schicksal vorbestimmt wurde. Eine Liebe, die so stark ist, dass sie alle Gesetze des Himmels und der Unterwelt überstrahlt und zeigt, dass kein Wesen jemals vorzeitig verurteilt werden sollte. Dass der erste Eindruck durchaus täuschen kann und man nie genau wissen kann, was hinter dem Verhalten anderer steckt.
Wer Lust auf eine etwas andere Liebesgeschichte hat, die über die Grenzen der Welten hinausgeht, wird hier einen neuen Stern finden, der ganz für sich allein im Regal funkelt – der Band steht für sich und ist keine Fortsetzung geplant.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Off to the races

Off to the Races
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Die neue Sportromanze « Off to the races » von Elsie Silver, erschienen am 28. November 2025 im Lyx-Verlag zeigt uns eindringlich auf, wie tief moralische Verpflichtungen gehen können – und was wir bereit ...

Die neue Sportromanze « Off to the races » von Elsie Silver, erschienen am 28. November 2025 im Lyx-Verlag zeigt uns eindringlich auf, wie tief moralische Verpflichtungen gehen können – und was wir bereit sind dafür zu opfern. Ein so tiefgehendes Dilemma erfährt unser männlicher Hauptcharakter: Vaughn Harding. Will er den Namen seines Großvaters von den Anschuldigungen reinwaschen oder konzentriert er sich lieber auf sein ganz persönliches Stück vom Glück? Er muss sich entscheiden und das vor einer atemberaubend authentischen Kulisse – der Gold Rush Ranch in Ruby Creek, Kanada.  

« Off to the races » bildet den Auftakt zu einer vierteiligen Reihe, dessen letzter Teil im Sommer nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Der zweite Teil ist ab Ende Februar erhältlich.
Äußerlich wartet das Buch mit einem schönen Farbschnitt in rustikalen Rot- und Brauntönen auf, die perfekt mit dem intensiven Pink des Covers harmonisieren. Im Vorsatz finden wir außerdem ein Artwork der beiden Protagonisten, welchem im selben Farbschema gehalten ist. Elsie Silver verzichtet auch in diesem Fall nicht auf eine Triggerwarnung – auf diese wird auf den ersten Seiten des Buches hingewiesen, die Liste selbst befindet sich aber hinten im Buch, sodass der Leser selbst entscheiden kann, ob er potentielle Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder nicht. Außerdem sind die Seitenzahlen jeweils mit einer Hufeisen- und die erste Seite eines neuen Kapitels mit einer Pferde-Illustration dekoriert.

Billie Black ist der Gegenpart zu Vaughn Harding – schlagfertig, kompetent und abgebrüht. Wir bekommen eine starke weibliche Hauptfigur, die sich ihrer Erfolge bewusst ist und sich durchzusetzen weiß. Eine Frau, in einer mnnerdominierten Ebene, die sich nicht einfach den Mund verbieten lässt. Das passt unserem Protagonisten allerdings so gar nicht. Er ist es gewöhnt, jede zu bekommen, die er haben will. Aber mit Billie wird die Sache kompliziert. Er weiß, dass es keine gute Idee ist, ihr professionelles Verhältnis zu untergraben, aber er will sie trotzdem und kann nichts dagegen tun. Dabei liegt es ganz bei ihm: Will er Billie umwerben oder doch lieber die Farm seines Großvaters retten? Daraus entwickelt sich eine interessante Dynamik mit sehr viel Spannung und Funken, die nur so sprühen. Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist offensichtlich, aber keiner von beiden lässt sich darauf ein.
Billie lenkt sich mit der Aufgabe ab, das Vertrauen des Problempferdes Double Diablo zu erlangen. Denn er soll der Ranch möglichst bald zu Ruhm verhelfen, indem er das große Derby für sie einfährt. Doch so einfach ist das nicht – Billie muss sich Zeit nehmen, ihn kennenzulernen und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine einzigartige Freundschaft.

Elsie Silver überrascht mit einer sehr realistischen Erzählung. An Schimpfwörtern, sexuellen Andeutungen und Umgangssprache fehlt es keinesfalls. Außerdem zählt die Geschichte auch die ein oder andere Pop-Culture-Referenz (etwa « Unsere kleine Farm » oder « Games of Thrones »), was die Distanz zwischen Handlung und Leser noch weiter verringert und es erlaubt, schnell in die Geschichte einzutauchen. Wer allerdings auf eine unschuldige Romanze gehofft hat, findet hier jedoch nicht ganz, was er sucht. Auch wenn die Entwicklung der Beziehung zwischen Billie und Vaughn fesselnd ist, ist die körperliche Ebene trotzdem sehr präsent. Den Spice würde ich mit 4,5 von 5 🌶️  einschätzen, denn es gibt doch einige sehr explizit beschriebene Sexszenen und auch zwischendrin immer mal wieder Andeutungen. Dies ist typisch für die Autorin, deshalb sollten Leser, die schon mit anderen ihrer Werke vertraut sind, vorgewarnt sein.
Ein bisschen Kitsch ist allerdings auch vorprogrammiert, besonders gegen Ende. Wem das nicht so gut bekommt, sollte vielleicht lieber anderen Autoren eine Chance geben.


Gefallen hat mir vor allem, dass auch die Ebene zwischen Mensch und Tier nicht vernachlässigt wurde. So konnte man Billie’s Fortschritt mit Double Diablo genauso verfolgen, wie die Entwicklungen zwischen ihr und Vaughn. Oft treten bei Sportromanzen genau solche Aspekte leider in dem Hintergrund, um den Protagonisten mehr Raum zu geben.  
Positiv aufgefallen ist mir außerdem Billie’s absolutes Feuer für den Sport und wie engagiert sie sich für das Tierwohl einsetzt. Dadurch wirkt sie gleich noch ein Stück sympathischer als andere Figuren. Außerdem fügt sich ihre Geschichte erst im Laufe der Handlung zusammen, sodass zusätzlich noch ein wenig Spannung aufgebaut wird. Wer ist sie wirklich? Wo kommt sie her?

Alles in allem ist Elsie Silver mit « Off to the Races » ein starker Auftakt zu ihrer neuen Sports-Romance-Reihe gelungen, die sicherlich viele Leser überzeugen wird. Vor allem, da es ihr gelingt, die Aspekte des Sports (in diesem Fall: die bedingungslose Liebe zu einem Pferd und die besondere Verbindung, die daraus wachsen kann) und die sich entwickelnde romantische Beziehung ausgeglichen wiederzugeben, sodass keine der beiden Handlungsstränge zu kurz kommt. Außerdem hat sie mit Billie Black eine starke Protagonistin geschaffen, die sich von Männern nichts sagen lässt.
Wer Lust auf eine prickelnde, neue Pferderomanze mit einer Extra-Portion Spice hat, sollte sich diese Geschichte nicht entgehen lassen.  

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