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Veröffentlicht am 03.11.2025

Feinfühlig erzählt, aber noch Luft nach oben

Da, wo ich dich sehen kann
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Bereits mit dem ersten Blick auf das Cover von Jasmin Schreibers Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ breitet sich ein beklemmendes Gefühl in mir aus: Auf dem schwarzen Cover befindet sich im unteren Drittel ...

Bereits mit dem ersten Blick auf das Cover von Jasmin Schreibers Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ breitet sich ein beklemmendes Gefühl in mir aus: Auf dem schwarzen Cover befindet sich im unteren Drittel eine sehr kleine, einsam wirkende Person in weiß. Darüber steht in großen Lettern der Titel in einem Farbverlauf von rot bis blassblau im Zentrum, drum herum ist durch das Universum angedeutet.
Von einem Tag auf den anderen verändert sich für die neunjährige Maja der Mittelpunkt ihres Universums: Ihre Mutter Emma ist tot – umgebracht vom geliebten Papa Frank, der Maja scheinbar mit Aufmerksamkeit überhäuft, manipuliert und instrumentalisiert hat. Emma indes wurde von ihm überJahre hinweg systematisch abschottet, erniedrigt und sowohl emotional als auch physisch gequält. Doch nicht nur Maja leidet nach der Tat unter dem Verlust ihrer Eltern, Ängsten und Schuldgefühlen. Auch für Emmas Eltern Per und Brigitte, sowie Emmas beste Freundin Liv und schließlich auch für Franks Eltern ist nichts mehr wie es mal war.
Das Thema ihres Romans ist Jasmin Schreiber eine Herzensangelegenheit, dass merkt man im gesamten Roman, aber auch mit Blick auf die Widmung. Denn sie hat eine solche Tat in der direkten Nachbarschaft erlebt.
In ihrem Buch rückt sie in den einzelnen Kapiteln immer eine andere Figur ins Zentrum und liefert dem Leser dabei erschütternde Einblicke in das Seelenleben der einzelnen Charaktere, die zwar alle anders mit der grauenvollen Tat und dem Verlust von Mutter, Tochter oder Freundin umgehen, aber allesamt äußerst verstört und traumatisiert sind und unter erheblichen Schuldgefühlen und Sprachlosigkeit leiden. Schreiber veranschaulicht weniger die Gewalt bzw. den Femizid an sich, als viel mehr die verheerenden Auswirkungen.
Der Roman ist nicht chronologisch aufgebaut. Stattdessen wechseln sich gegenwärtige Szenen, mit Rückblenden in denen u.a. auch die getötete Emma eine Stimme erhält und hypothetischen Szenarien ab, in denen sich die Charaktere ausmalen, wie Emma durch eine alternative Handlung oder Reaktion ihrerseits zu retten gewesen wäre. Zeitungsartikel und offizielle Dokumente, wie Gerichtsbeschlüsse verleihen dem Ganzen Authentizität. Für mich sind es insbesondere die „was-wäre-wenn-Kapitel“, die wirklich unter die Haut gegangen sind, denn sie offenbaren die Schuld- und Versagensgefühle Livs und der Eltern besonders deutlich. Dabei wirken sie für Außenstehende zwar nachvollziehbar gleichzeitig aber auch vollkommen irrational. Wo schon die Erwachsenen mit ihren Emotionen nicht umzugehen wissen, ist es für Maja besonders schwierig: Immer wieder wird sie von Todesängsten und Horrorvisionen heimgesucht und entwickelt ebenfalls das Gefühl versagt zu haben und die Verantwortung am Tod der Mutter zu tragen. Als wäre das alles nicht sowieso schon mehr als Maja ertragen kann, pochen die Großeltern väterlicherseits plötzlich auf das Sorgerecht. Inmitten des bürokratischen Wirrwarrs droht Maja nun völlig zu zerbrechen – und nicht nur sie. Das Geschehen und die Reaktionen der Charaktere sind vollkommen unvorhersehbar und sorgen damit für ein durchgängig hohes Spannungsniveau (obwohl das Wort Spannung unpassend wirkt).
Die Schilderungen mit Blick auf die verschiedenen Charaktere sind Jasmin Schreiber wirklich überragend gelungen und haben mich voll vereinnahmt. Dass sie dabei nicht in überschwängliche Sentimentalität abdriftet, sondern durch den personalen Erzählstil einen sehr realistischen Eindruck aber gleichzeitig auch eine gewissen Distanz zu den Charakteren schafft, mag ich besonders. Die Thematik verdient einfach den pietätvollen Umgang.
Ein paar kleine Schwachstellen hat das Buch in meinen Augen trotzdem. So haben sich besonders im letzten Drittel ein paar logische Fehler eingeschlichen und die Gewichtung der geschilderten Ereignisse hätte ich mir teilweise einen etwas anderen Fokus gewünscht. Gern hätte ich mehr über den Sorgerechtsstreit gelesen als lediglich die offiziellen Dokumente und auch der Klinikaufenthalt Majas wird nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir weitere Details gewünscht. Livs Mutter hat dafür aus meiner Sicht zu viel Raum bekommen. Vor allem hat mich aber die recht einseitig negative Sicht auf Männer, die viele Charaktere zeigen, ein wenig gestört. Aufklärung über Femizide ist zweifelsfrei unerlässlich, darf aber nicht zu Schubladendenken führen. Die im Anschluss angeführten Hilfestellen – sowohl für Gewalt gegen Frauen, als auch für Gewalt gegen Männer – relativieren diese Kritik allerdings wieder.
Statt einer großen Handlung bietet „Da, wo ich dich sehen kann“ einen ergreifenden und tiefgehenden Blick auf Femizide und vor allem auf die Auswirkungen bei den Hinterbliebenen. Die reale Wirkung und die pietätvollen Schilderungen dieser Thematik machen den Roman überaus lesenswert und lassen kleine Schwächen in den Hintergrund treten.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Das WIE ist entscheidend

Mein Freund Rilke
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Mit der Veröffentlichung der Graphic Novel „Mein Freund Rilke“ hat sich für Autorin und Rilke-Fan Melanie Garanin ein Herzensprojekt erfüllt. Zwischen Biografie und Fiktion lässt sie den berühmten Dichter ...

Mit der Veröffentlichung der Graphic Novel „Mein Freund Rilke“ hat sich für Autorin und Rilke-Fan Melanie Garanin ein Herzensprojekt erfüllt. Zwischen Biografie und Fiktion lässt sie den berühmten Dichter zu seinem 150. Geburtstag modern und voller Poesie auferstehen.
Journalistin Ellen recherchiert für einen Bericht über Rilke. Dass sie dem längst verstorbenen Dichter dabei jedoch persönlich begegnet, hätte sie sich nicht träumen lassen. Dass sie eine Affäre mit dem frauenliebenden Poeten beginnt erst recht nicht.
Das etwas ungewöhnliche Cover hat schnell mein Interesse geweckt. Die interessante Illustration zeigt die beiden Protagonisten Ellen und Rilke, sowie „Die Gazelle“ vor dem stilisiert dargestellten Grand Palais und spiegelt damit schon einiges vom Inhalt der Graphic Novel wider.
Die Orientierung auf den ersten Seiten fiel mir zugegebenermaßen noch etwas schwer, nach kurzer Zeit lässt sich die Struktur der Autorin jedoch deutlich erkennen. In unterschiedlichen Farbgebungen und Schriftarten unterscheidet sie zwischen rein biografischen Fakten aus Rilkes vergangenem Leben, der gegenwärtigen Bekanntschaft zwischen einem irrealen Rilke und der Journalistin Ellen, sowie Zitaten aus Rilkes Werken. Melanie Garanin fordert ihre Leser mit ihrem Werk durchaus heraus und lädt zum Mitdenken und zur weiteren Recherche (z. B. mithilfe von Zitatregister und Leseliste) über den Dichter ein. Eine gewisse Grundkenntnis über Leben und Werke des Protagonisten erleichtern die Lektüre erheblich. Dabei unterhält sie auf ausgesprochen niveauvolle Art und Weise. Mit knapp 180 Seiten handelt es sich bei „Mein Freund Rilke“ um eine recht umfangreiche Graphic Novel, die ich aber dank des interessanten Illustrationsstils und der teils recht humorvollen Dialoge – es ist einfach köstlich wie Ellen und Rilke oftmals aneinander vorbeireden – kaum aus der Hand legen konnte. Nur die Gliederung in drei Kapitel erschien mir unnötig oder hätte aufgrund der Länge ruhig noch weiter unterteilt werden können. Die unzähligen eingebundenen Zitate aus Rilkes Werken wirken in vielen Situationen passend und poetisch, in anderen herrlich deplatziert und zusammenhanglos eingeworfen – sehr treffend für die irrealen Wirklichkeit der Handlung und Rilkes Grundsatz, dass nicht das was, sondern viel mehr das wie entscheidend ist. Für den lebendig gewordenen Lyriker ist schließlich nicht wichtig was man ausdrückt, sondern wie man es ausdrückt.
Etwas störend habe ich beim Lesen manchmal Ellens oft abgehackte Sprechweise empfunden. Dabei gefällt die Entwicklung der Journalistin von der anfangs etwas unzufriedenen, wenig selbstbewussten und mittelmäßig engagierten Frau zu der viel lebendigeren und neugierigen Protagonistin, die sich nicht von Fassaden blenden lässt, sondern hinter die Dinge schaut ansonsten sehr gut.
Besonderen Spaß hat mir der etwas überraschende Schluss hinter Nachwort, Zitatregister und Leseliste gemacht. Denn der große Dichter ist nicht bereit einfach so von der Bildfläche zu verschwinden. Wie es allerdings weitergehen könnte, bleibt der Fantasie der Leser überlassen.
Insgesamt eine schöne, gehaltvolle Graphic Novel, die Rilkes Leben und seine Werke in gelungenen Worten, Zitaten und interessanten Illustrationen mit der modernen Welt verbindet. Nicht nur für Rilke-Fans eine spannende Lektüre.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Strudel aus Manipulation, Lügen und Gewalt

No Way Home
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„No Way Home“ ist für mich der erste Roman des Autors T. C. Boyle. Gerade eben den Roman beendet, bin ich mir noch unschlüssig, ob er mir nun gefällt oder nicht. Fesselnd finde ich ihn allerdings allemal. ...

„No Way Home“ ist für mich der erste Roman des Autors T. C. Boyle. Gerade eben den Roman beendet, bin ich mir noch unschlüssig, ob er mir nun gefällt oder nicht. Fesselnd finde ich ihn allerdings allemal.
Das Cover wirkt eher unscheinbar, passt aber inhaltlich gut zum Roman: Am rechten Rand des Buches sind verschwommen Gesicht und Arm einer Frau dargestellt. Dahinter sind offenbar die Wüste Nevadas und die Hochhäuser L. A. als Setting angedeutet.
Nach dem Tod seiner Mutter reist der junge Arzt Terry von L. A. nach Nevada um Beerdigung und Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Dort lernt er Bethany kennen, die nach der Trennung von Ex-Freund Jesse aktuell obdachlos ist. Die beiden verbringen eine gemeinsame Nacht miteinander und Bethany quartiert sich anschließend ohne Terrys Wissen im Haus seiner Mutter ein. Es entwickelt sich eine toxische Dreiecksbeziehung voller Selbstsucht, Lügen und Gewalt, denn auch Jesse kann nicht von Bethany lassen.
T. C. Boyle zeigt in seinem Roman auf eindrucksvolle Weise, welche Macht und welchen Einfluss die Liebe und die Eifersucht auf Menschen haben kann – und wie sie Leben in Trümmer legt. Es ist nicht die Handlung die mich an den Roman fesselt - an einigen Stellen hätte für meinen Geschmack ruhig ein wenig gestrafft werden können - sondern viel mehr das Bedürfnis die Protagonisten in ihrer Verblendung zu schütteln und ihnen das Realitätsbewusstsein zurückzugeben, insbesondere Terry. Boyles Schreibstil liest sich sehr gefällig, interessant sind vor allem die verschiedenen Sichtweisen von Terry, Bethany und Jesse auf ein und dasselbe Ereignis. Hier offenbaren sich auf faszinierende Weise Egozentrik, verschrobene Selbstwahrnehmung, vielleicht sogar Selbstbetrug und das bedenkenlose Streben nach dem eigenen Vorteil. Es zeigt sich aber auch, dass die Protagonisten aus zwei vollkommen verschiedenen Welten mit anderen Moral- und Wertvorstellungen kommen. Während Terry eigentlich ein sehr vernunftbezogenes, bodenständiges Leben führt, leben Bethany und Jesse in den Tag hinein. Manchmal ziemlich hitzköpfig und oft verantwortungslos, nehmen sie nur allzu gern jeden Spaß mit, der sich ihnen bietet. Dass jemand wie Jesse junge Menschen unterrichtet, ist meiner Meinung nach ein ziemlich erschreckender Gedanke. Ebenso erschütternd ist es aber auch, wie Bethany es immer wieder gelingt den eigentlich so rationalen Terry trotz aller einschneidenden Folgen immer wieder um den Finger zu wickeln und zu manipulieren.
„No Way Home“ watet weder als unterhaltsame feel-good Literatur noch mit großartiger Handlung auf, offenbart aber stattdessen eine ausgesprochen interessante Charakter- und Beziehungsstudie. Ziemlich befremdlich, aber eben doch greifbar und vor allem packend.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein Leben zwischen Luxus und Menschlichkeit

Cartier. Der Glanz von Gold
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„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei ...

„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei Personen schnell in die Handlung.
Das Cover besticht mit seinen weißen und goldenen Farben mit schlichter Eleganz und passt damit wunderbar zu der Marke Cartier und dem Schmuck den Jeanne im Laufe des Romans entwirft. Der Buchtitel hebt sich in goldenen Glitterbuchstaben deutlich hervor.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges blicken die Cartiers voller Tatendrang in die Zukunft. Während seine jüngeren Brüder mit ihren Ehefrauen in die Filialen nach New York und London zurückkehren, erwecken Louis und seine langjährige Freundin, Vertraute und Designerin Jeanne die Pariser Filiale zu neuem Leben. Doch während das Geschäft in den wilden 20ern boomt, gibt es im Privatleben der Cartiers einige Unwegsamkeiten und vor allem Jeanne trifft es hart. Als dann die Weltwirtschaftskrise hereinbricht, bleibt auch das Geschäft der Cartiers nicht verschont.
Sophie Villards Saga eröffnet ihren Lesern einen interessanten Blick auf die Familie Cartier, sowie das Unternehmen und seine Stardesignerin. Historische Fakten werden mit fiktionalen Ideen angereichert und gelegentlich ein wenig angepasst. Dieser zweite Band der Saga beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 in Paris und endet mitten im Zweiten Weltkrieg im Frühjahr 1942 in New York und umfasst damit einen ziemlich langen Zeitraum. Sophie Villard erzählt die Geschichte auf mehreren Handlungsebenen an den verschiedenen Orten und mit Blick auf die verschiedenen Personen. Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen und bietet mit einigen überraschenden Wendungen, dem teils ungewissen Ausgang und den vielen Erzählsträngen durchaus Spannungspotenzial – vor allem für diejenigen Leser, die mit der Unternehmensgeschichte weniger vertraut sind. Etwas bedauerlich ist meiner Meinung nach nur, dass der Prolog schon recht viel vom Ausgang der Saga vorwegnimmt. Während der Lektüre trifft man auf viele berühmte, historische Persönlichkeiten, allen voran aber auf einige starke Frauen, die teils ehrgeizig und karriereorientiert sind und für ihre Rechte oder ihre Familie bereit sind zu kämpfen.
Insbesondere Pierre Cartiers Frau Elma hat einiges zu tun ihren Gatten von unüberlegten Handlungen abzuhalten. Ihre souveräne und gewitzte Art macht sie zu einer Sympathiefigur. Ebenso wie die Londoner Cartier Verkäuferin Miss Winter, die sich gemeinsam mit einer Kollegin der Konkurrenz für Frauenrechte einsetzt. Auch Coco Chanel und die ungarische Gräfin Jacquelin Almásy wissen genau, was sie wollen und verfolgen ehrgeizig ihre Ziele. Im Mittelpunkt des Buches stehen aber zweifelsfrei Louis Cartier und Jeanne Toussaint. Louis ist der älteste der drei Cartier Brüder und trägt auch als kreativer Kopf zuverlässig und souverän die größte Verantwortung. Das Verhältnis zu seiner erwachsenen Tochter ist schwierig, das zu seiner Ex-Frau noch schwieriger. Mit Jeanne hat er seit Jahren eine Vertraute und Geliebte an seiner Seite. Das Verlangen, das er plötzlich für die junge Gräfin Almásy entwickelt und sein Wunsch aus den bekannten Strukturen auszubrechen, wirkt beinahe wie eine Midlife-Crisis. Seine Gefühle sind Louis kaum vorzuwerfen, seine Rücksichtslosigkeit und Hinhaltetaktik mit der er beide Frauen im Unklaren lässt, machen ihn mir aber im Verlauf des Buches herzlich unsympathisch. Jeanne, die in ihrem Beruf sowohl kreativ als auch rational wirkt, erscheint in Bezug auf ihre große Liebe Louis mitunter verblendet und naiv, erhofft sie doch seit geraumer Zeit einen Heiratsantrag. Mit ihrem erbitterten beruflichen Gegner Moreau hat Jeanne es auch nicht leicht, ist dem Unternehmen Cartier aber mit allergrößter Loyalität und Passion ergeben. Immer wieder ist sie es, die rettende Ideen und Entwürfe hervorbringt. Auf eine angemessenen Anerkennung ihrer Tätigkeit wartet Jeanne jedoch lange. In den schweren Zeiten stehen ihre Freunde, allen voran Coco Chanel ihr stets zur Seite.
Alles in allem bietet der zweite Teil der Familiensaga einen gelungenen Einblick hinter die Kulissen der Luxusmarke Cartier – spannend und mit Spannungen. Für alle Luxusliebhaber und an der Entwicklung von Familienunternehmen Interessierte ein unbedingtes must-read und auch Freunde historischer Romane kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Manchmal braucht es einen Perspektivwechsel

A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
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„A Taste of Cornwall – Eine Prise Liebe“ ist der behagliche Auftaktsroman zu Katharina Herzogs neuer Cornwall-Reihe: Für die erfolgreiche Londoner Restaurantkritikerin Sophie folgt plötzlich eine Katastrophe ...

„A Taste of Cornwall – Eine Prise Liebe“ ist der behagliche Auftaktsroman zu Katharina Herzogs neuer Cornwall-Reihe: Für die erfolgreiche Londoner Restaurantkritikerin Sophie folgt plötzlich eine Katastrophe auf die nächste. Erst zieht ihre lebenslustige Mutter bei ihr ein, dann findet sie sich nach einer desaströsen Restaurantkritik mitten in einem medialen Shitstorm wieder, wird schließlich auch noch nach Port Haven „strafversetzt“ mit dem Auftrag das heruntergekommene Pub Smuggler’s Inn in ein Spitzenrestaurant zu verwandeln und ganz nebenbei lässt die pubertäre Tochter auch noch ihre chronisch schlechte Laune an ihr aus. Einzig Koch Lennox unterstützt Sophie im Umgang mit dem exzentrischen Personal und den verschrobenen Dorfbewohnern Port Havens.
Das hübsche Cover mit der außergewöhnlichen Teekanne auf blauem Hintergrund regt unmittelbar zum Schmunzeln an und deutet treffsicher auf das hin, was den Leser hier erwartet – ein unterhaltsamer Wohlfühlroman mit viel Cornwallflair, erfrischenden Charakteren und einer großen Prise Liebe.
Durch Katharina Herzogs bildlichen und atmosphärischen Schreibstil fühle ich mich beinahe nach Port Haven versetzt und kann den heruntergekommenen Pub quasi vor mir sehen. Auch die Figuren werden mit ihren verschiedenen Charakterzügen wunderbar dargestellt und sind teilweise sehr vielschichtig angelegt. In den insgesamt 360 Seiten, die sich locker-leicht runterlesen, werden so einige Themen angeschnitten: angefangen bei der Macht der Medien und vor allem Social Media, über Eltern-Kind-Beziehungen, Vorurteile, Neubeginn, Großstadt vs. Fischerdorf und natürlich die Liebe. Sehr eindrücklich sind mitunter auch die Gedanken und Gefühle beschrieben – allen voran bei Protagonistin Sophie, aber auch bei Lennox und dem geheimniskrämerischen Model Annabelle, um die sich der zweite Band der Cornwall-Reihe dreht. Kleine Spannungsspitzen hat der Roman durchaus zu bieten, schließlich tritt Sophie mehr als einmal ins Fettnäpfchen. Doch genretypisch und in Erwartung eines Happy-End bleibt das Spannungsniveau überschaubar.
Die Charaktere haben allesamt ihre Eigenheiten und sind teils liebenswert schrullig. Sophies exzentrische Mutter Tanya, die auf Feng-Shui, pflanzliche Behandlungsmethoden und ihren eigenwilligen Kater Thomas behütet, schenkt dem Roman so frische und amüsante Momente. Tochter Riley ist ein typisch mürrischer Teenager und von dem Umzug in die Einöde, in der es ihr schwerfällt Fuß zu fassen, alles andere als begeistert. Doch in ihrer großen Tierliebe und ihrer Hilfsbereitschaft, wenn es darauf ankommt, zeigt sich ihr gutes Herz. Sehr rätselhaft tritt Model Annabelle in Erscheinung, die kurz nach ihrer Restauranteröffnung und Sophies fataler Kritik von der Bildfläche der Öffentlichkeit in eine Privatklinik verschwindet. Sie erscheint jedoch weit weniger oberflächlich als es das gängige Klischee über die Glanz- und Glamourbranche vermuten lässt. Ich bin sehr gespannt, welche Geheimnisse sich im zweiten Teil offenbaren. Der gutmütige Koch Lennox meint es offensichtlich gut mit Sophie und ist bereit zu vermitteln. Zwischen den beiden ist weit mehr als nur ein Knistern auszumachen. Doch auch ihn verfolgen die Dämonen seiner Vergangenheit und die Sorge, ob Sophie Port Haven nicht bald wieder den Rücken kehrt. Sophie selbst ist in meinen Augen vor allem zu Beginn nicht uneingeschränkt sympathisch, was sie meiner Meinung nach nur authentischer macht. In London ist sie eine perfektionistische Karrierefrau, wie sie im Buche steht, die unter dem Shitstorm in den Sozialen Medien leidet und es braucht für sie einen Neubeginn in Port Haven um die wahren Werte in ihrem Leben zu erkennen und über alte Trauma hinwegzufinden. Zwar ist ihr Ehrgeiz auch hier ungebrochen, doch ihr Fokus und ihre Erkenntnisse verändern sich nach und nach immens und dann ist da auch noch Lennox, für den sie weit mehr als nur Freundschaft empfindet. Doch die Chance mit neuer Jobperspektive zurück nach London zu gehen lockt und ist allgegenwärtig.
Ein überaus gelungener Wohlfühlroman, der zwar nicht durch großen Tiefgang, dafür aber mit unheimlich liebenswert verschrobenen Charakteren, ganz viel Atmosphäre und jede Menge Liebe besticht – ein absolut lesenswerter Sommerroman mit viel Cornwallfeeling für eine wundervolle Auszeit vom Alltag.

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