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Veröffentlicht am 22.01.2026

Das Schicksal eines Dorfes

Ankica
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Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr ...

Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr interessierten Mutter und ohne Vater wächst sie zu einer jungen Frau heran, die die Missstände im Dorf anprangert und damit erst recht den Unwillen der Bewohner erregt.

Als sie dann zur Vampirin erklärt wird, bleibt Ankica nichts anderes als die Flucht. Flucht in eine Welt, die so viel größer ist als sie bisher gedacht hat. Sie trifft auf ihrer Reise eine junge Frau etwa in ihrem Alter namens Szofia. Diese nimmt sich ihrer an und bringt ihr Benehmen und eine bessere Sprache bei. Und als das Heimweh zu groß wird, beschließt Ankica, ins heimatliche Dorf zurückzukehren ...

Eines möchte ich hier vorneweg stellen: Dieser Roman ist alles andere als leichte Kost. Was darin geschildert wird, ist nichts für schwache Nerven. Dieser Roman ist weit entfernt von den üblichen gehypten Vampirromanen, wie es nur geht.

Ankica hat es nicht leicht in ihrem Leben. Von Kind an lernt sie, dass ihr Vater gestorben sei, doch das scheint nicht der Fall zu sein, sondern eine Scheingeschichte, mit der ihre Mutter das uneheliche Kind und, vor allem, sich selbst schützen wollte. Dass die Mutter kaum Interesse an ihrem Sprössling hat zeigt sich in den ersten Kapiteln immer wieder. Selbst eine heranwachsende Ankica prallt ungebremst mit ihrer Mutter zusammen, die nichts weiter als Schimpfe und manchmal Schläge austeilt.

Was mich beeindruckte ist Ankicas Wille zum Leben. Stur geht sie ihren Weg, und merkt gar nicht, wie sehr sie ihr Umfeld mit ihrem Verhalten verändert. Ankica hinterfragt früh die Geschlechterrollen in ihrem Dorf: Warum dürfen die Jungen ihren Spaß haben und Mädchen nicht? Warum soll es einer Frau verboten sein, ihre Meinung zu äußern, sowohl in der Öffentlichkeit und erst recht zu Hause in ihren eigenen Vier Wänden?

Ankica, von einem inneren Feuer getrieben, trifft auf den als Vampir verschrienen Almos und schläft mit ihm. Was sie damit für sich selbst auslöst, ist ihr nicht bewusst, nur dass er das Feuer erst wirklich zum glühen gebracht hat.

Eine Zeitlang glaubte ich während der Lektüre, dass Ankica schlicht unter einem übersteigerten Sexualtrieb leidet, denn zumindest in der ersten Hälfte des Buches ist kaum ein Mann vor ihr sicher. Doch dann kommt nach und nach ihre schlimmes Geheimnis zum Vorschein, das mich persönlich sehr getroffen hat. Als Siebenjährige verging sich ein Mann an ihr - und das über zwei Jahre lang jeden Freitag bis Ankica schließlich Asyl in der Kirche suchte und der Pfarrer von der ganzen Sache erfuhr.

Missbrauch von Kindern ist immer noch ein brandaktuelles Thema, in dem regelmäßig neue Skandale an die Öffentlichkeit dringen. Was es für Auswirkungen auf das betroffene Kind hat, da bleibt meist nicht viel mehr als das übliche "es begab sich in Therapie". Nun, ich gehe offen mit meiner psychischen Erkrankung um und habe mehrmals solche Opfer getroffen bei meinen diversen Aufenthalten im Krankenhaus. Oftmals ist es nicht mit einem halben oder einem Jahr Therapie getan. Viele Opfer sind für den Rest ihres Leben psychisch geschädigt, einige schlopfen gar in die Täterrolle, wenn sie erwachsen sind. Ankicas Erlebnis, und das über Jahre hinweg, hat sie tiefer verletzt als sie den ganzen Roman über zugeben will.

Aber was hat es mit diesen "Vampiren" auf sich? Es sind keine Vampire, wie wir sie aus der Literatur, Film und Fernsehen kennen. Ankica stellt uns die Gruppe grob vor, als sie selbst Kontakt sucht. Es sind Menschen, die verstoßen wurden, Menschen, die aneckten und nun im nahen Wald leben. Das Beißen gilt bei ihnen als eine Art innitationsritual. Keiner von ihnen ist auf Blut angewiesen, eine der Vampirinnen hat sogar ein Kind, das sie selbst ausgettragen hat. Also keine jahrhundertealten Schimmer-Vampire, wie sie heute so typisch sind. Menschen, die entweder selbst die Dorfgemeinschaft verlassen haben oder dazu gezwungen wurden.

Doch der Aberglaube lebt weiter. Ankica muss fliehen, weil sie als Vampir verschrien wird. Sie zieht aus und schafft es bis in die nächste größere Stadt. Dort findet sie Anstellung als Wäscherin, aber es hält sie nicht lange an ihrem Arbeitsplatz. Mit Miau zusammen kehrt sie einfach von einem Sonntagsausflug nicht zurück. Miau wird von ihr ebenfalls zur "Vampirin" gemacht, doch sie ist anders. Miau mag keine Männer, sie liebt Frauen und verführt auf dem weiteren Weg der beiden jedes Mädchen, das sie finden kann. Ein Grund mehr für Ankica, sie an einer STelle zu verlassen, nachdem sie in Kontakt mit Szofia gekommen ist.

Szofia ist Ankicas Seelenverwandte, ein Freigeist, die Gedichte schreibt und in verlassenen Häusern lebt. Sie ist die erste, die an Ankicas Geheimnis rührt, was beinahe zum Bruch der Freundschaft führt. Ankica will die Sache einfach vergessen. Dann trennen sich die beiden Frauen und sie beschließt ins heimatliche Dorf zurückzukehren.

Dort allerdings warten noch immer die Anschuldigungen auf sie, und die "Vampire" im Wald wenden sich ebenfalls gegen sie, nehmen sie gefangen und sperren sie in einen Sarg. Ankica versuchte nach ihrer Rückkehr, sich anzupassen. Sie heiratete sogar einen Mann, den junge Bela, und ist schwanger von ihm. Die Gruppe im Wald droht ihr, ihr das Kind nach der Geburt wegzunehmen und ins Dorf zu bringen, wo es von Fremden aufgezogen werden soll.

Während dieser Gefangenschaft wird Ankica von zwei Priestern gefunden. Doch anstatt sie zu retten, versuchen sie den Vampir aus ihr auszutreiben. Als sie schließlich beichtet, dass sie schwanger und damit kein Vampir sein kann, geht der Jüngere der beiden sogar soweit, eine Abtreibung an ihr durchführen zu lassen.

Ich könnte an dieser Stelle weiter erzählen und den gesamten Inhalt des Romans wiedergeben, doch ich denke, ich bin nun weit genug gegangen, um meinen Eingangsabsatz zu erklären. Dieser Roman ist wirklich nicht leicht zu lesen. Zum einen das Thema, dann das, was mit Ankica passiert (und die Abtreibung ist NICHT das schlimmste, was ihr widerfährt von Seiten der Kirche), zum anderen aber auch der Stil und die Tatsache, dass dieses Buch in der Gegenwart geschrieben wurde, womit ich immer große Probleme habe. Der Stil ist ein wenig altertümlich, eben wie im 19. Jahrhundert geschrieben wurde. An für sich eine gute Wahl, denn auf diese Weise verschärft sich der Horror, den man liest, noch. Auf der anderen aber ebenfalls nicht der leichteste Stil zu lesen, gerade zu Beginn, als Ankica noch mächtig Gossensprache gebraucht.

Stellenweise war ich wirklich geschockt darüber, was Ankica passiert, und das ist schwer bei jemanden wie mir. Dieses Buch hat mich nachdenklich gemacht über einiges, vor allem aber darüber, wie dankbar wir Frauen von heute solchen Frauen wie Ankica dankbar sein sollten für das Martyrium, durch das sie gingen, damit wir heute so frei leben können, wie wir es tun. Ich zumindest möchte nicht im 19. Jahrhunder-Ungarn in irgendeinem Dorf landen, mich würde man vermutlich entweder hängen oder verbrennen (beides kommt im Roman vor).

Was mich vermutlich am meisten erschüttert hat war das Schweigen der Kirche darüber, was einer der ihren angerichtet hat. Einzig der Dorfpfarrer fühlte sich zumindest schuldig, doch er wusste es auch nicht besser und kannte die Hintergründe nicht. Einem solchen Menschen wie Melvin gehören nicht in die Öffentlichkeit, sondern in eine geschlossene Anstalt. Sein Hass auf Ankica war einfach unvorstellbar für mich - und ich hege seit 35 Jahren Rachegedanken einigen Personen meines früheren Umfeldes.

Dies ist ein eindringlicher Roman, der uns allen etwas zu erzählen hat. Dabei trägt er keine seidene Maske, sondern reisst sie uns herunter. Die ungeschönte Wahrheit schlägt dem Leser ins Gesicht. Ankica kann nur eines: weitermachen. Und zumindest teilweise verstehe ich, wie schwer das ist und auch, warum sie am Ende beschließt, dass es dieses letzte Mal zuviel war. Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Die Feinde rüsten auf

Die Chroniken von Wetherid II
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Vrenli und seine Freund sind ausgezogen, denn einmal mehr droht Wethered eine Gefahr: der Dämon Xaroth wurde beschworen und droht, Chaos auf den Kontinent zu streuen. Die Gefährten müssen die sieben Artefakte ...

Vrenli und seine Freund sind ausgezogen, denn einmal mehr droht Wethered eine Gefahr: der Dämon Xaroth wurde beschworen und droht, Chaos auf den Kontinent zu streuen. Die Gefährten müssen die sieben Artefakte finden, die als einziges Mittel gelten, um Xaroth wieder zurück in die Höllen zu verbannen ...

Wir sind also noch einmal nach Wetherid zurückgekehrt. Ich bin mir allerdings an dieser Stelle nicht ganz sicher, ob es sich bei diesem Band um einen Teil 2 oder einen Teil 2.2 handelt. Die Handlung setzt später in der Geschichte ein, doch dem Autoren sei Dank, er hat eine Zusammenfassung geschrieben, sodass der geneigte Leser gut informiert in dieses Buch einsteigen kann. Es gibt auch einen weiteren Band unter dem gleichen Titel, es könnte sich demnach tatsächlich um einen Teil 2.2 handeln, sicher bin ich mir dessen aber nicht, denn dieses Buch endet auf einen wirklich sehr bösen Cliffhanger - insofern also sei bereits eine Warnung ausgesprochen.

Was ich nach der Lektüre von Buch 1 letzte Woche anmerkte, kann ich hier und jetzt komplett in den Wind schreiben. So gut wie alle meine Kritikpunkte sind hinfällig. Die Figuren handeln überlegt, die Bösen haben ein Motiv und sind nicht nur böse, weil sie böse sind, die Naivität ist nahezu komplett verschwunden. Und wo sie noch auftaucht, da ist sie Teil des Plots und treibt diesen hervorragend voran.

Wir erleben hier auch den Großteil der Handlung aus der Sicht der "Bösen" und können tiefer in sie und ihre Motivation eindringen. Es erschließt sich mir immer noch nicht, warum sie so vehement Wetherid bekriegen wollen, denn sie haben einen eigenen Kontitent ganz für sich, aber in Hinblick auf den Dämon, der offensichtlich in die Herzen und Seelen hineinsehen und sie manipulieren kann,

Dölder hat seine Welt auch um einiges erweitert. Wir erfahren von neuen Inseln, von einem Eiskontinent, denn die Gemeinschaft ist um ein MItglied von dort angewachsen. Ebenso tauchen hier die Eiselfen auf, wir sind damit bei vier verschiedenen Elfenvölkern, die sich alle an ihre Umwelt angepasst haben.

Die Handlung selbst ist übersichtlich in Teile, hier Kapitel genannt, aufgeteilt. Hinter jedem Kapitel verbirgt sich ein neuer Abschnitt, meist mit einem neuen Handlungsort. So erfährt der Leser erster Hand, wie Verrat und doppelter Verrat die Wüstenvölker in einen neuen Krieg treibt (ich nehme jetzt einfach einmal an, dass die Menschen es sich nicht bieten lassen, was da passiert ist), oder wie sich deutliche Risse in dem Bündnis zwischen den Waldläufern und den Druiden bilden. Die Frage bleibt, was weiter im Glorreichen Tal geschehen wird und wie es um die Hauptstadt Astinhod steht nach dem offenen Verrat der Räten Lady Merdiva.

Dölder hat hier wirklich einen Quantensprung zur "Gabe der Elfen" hingelegt. Während dort die meisten Kämpfe seltsam müde und umständlich geschrieben, wirft er sie hier in einigen kurzen Sätzen hervorragend hin. Plötzlich funktioniert die Action, die Spannung, alles. Ich war vollkommen verblüfft darüber, wie es dem Autoren gelungen ist, eine solche schnelle Entwicklung hinzulegen. Es macht wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen, und das von Anfang bis zum Ende.

Alles in allem bleibt ein Buch, das Spaß macht und seinen Vorgänger um Welten überstrahlt. Kurzweilig und spannend, dass man am Ende Nägel kaut, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Das Geheimnis der Alchemie

Ein Pakt aus Asche und Blut
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Cat ist freie Photografin und träumt davon, durch China zu reisen. Ihr Leben geht eigentlich in geordneten Bahnen bis zu jenem Tag, als ihr Nachbar ihr den Auftrag gibt, die HInterlassenschaften eines ...

Cat ist freie Photografin und träumt davon, durch China zu reisen. Ihr Leben geht eigentlich in geordneten Bahnen bis zu jenem Tag, als ihr Nachbar ihr den Auftrag gibt, die HInterlassenschaften eines Waldbrandes zu fotografieren. Dort findet sie nicht nur einen nicht verbrannten Baum, sondern auch Mark, einen Feuerwehrmann, der während des Waldbrandes verletzt wurde.

Währenddessen müht Melanie sich ab damit, die Hinterlassenschaften ihrer plötzlich verstorbenen Mutter aus dem geerbten Haus zu werfen. Es gab kein enges Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, und Melanie trauert noch immer um ihre Großmutter, die, ebenfalls in diesem Haus lebend, sie aufgezogen hat. Und dann sieht sie das Gesicht am Fenster, das eigentlich gar kein Gesicht ist ...

Im Jahre 1460 ist Helene verzweifelt, denn ihre Schwester Anna ist der Hexerei angeklagt. Ihr droht der Feuertod. Doch wie kann sie deren Unschuld beweisen?

Solche, Jahrhunderte übergreifende Thriller sind zumindest mir noch nicht allzu oft über den Weg gelaufen. Und von der Handvoll, die ich über die Jahre gelesen habe, kann ich ohne Zweifel "Ein Pakt aus Asche und Blut" als den besten bezeichnen. Die Recherche des mittelalterlichen Teils des Buches ist hervorragend, die Charaktere sind lebhaft (sowohl in Gegenwart wie auch in Vergangenheit) und die Handlung spannend geschildert mit einem dramatischen Höhepunkt am Ende. Was will ein Thriller-Leser mehr?

Riedel gelingt hier ein wahres Meisterstück. Zu Beginn ist der Leser verwirrt über die drei Handlungsorte. Was zum Kuckuck haben Ratingen in NRW, ein entlegenes Haus in der Lübecker Bucht und eine mittelalterliche Hexenjagd miteinander zu tun? Nun, das ergibt sich im Verlauf des Romans.

Die Charaktere sind, wie ich bereits geschrieben habe, sehr gut angelegt und springen geradezu aus den Seiten heraus dem Leser in den Kopf. Man sieht sie förmlich vor sich, und zwar alle. Sie wachsen, lernen und leiden, ausnahmslos alle. Selbst die Nebencharaktere, auch wenn sie blasser sind aus die Protagonisten, sind lebhaft geschildert und bereichern den Roman um vieles.

Die Handlungsorte, überwiegend Ratingen, dann noch die Bucht in der Nähe von Lübeck, sind klar skizziert, auch sie kann der Leser sich gut vorstellen, selbst wenn er noch nie dort gewesen ist. Mir ist zwar nicht ganz klar, wo genau das Haus von Melanies Familie sein soll, aber so gut kenne ich mich zugegebenermaßen auch nicht in der Umgebung von Lübeck aus. Bin immer noch zu neu hier oben im Norden. Ratingen ist mir dagegen noch ein Begriff, und ich weiß von zumindest einem Gesuch dort, aber das nur nebenbei.

Die Handlungen sind spannend geschildert. Als Leser hat man hier und da das Gefühl, entweder im Trüben zu fischen oder alles bereits zu wissen, nur um dann festzustellen, dass man doch nicht alles weiß und man sich sogar geirrt hat die eine oder andere Sache betreffend. Die angewandten Zauber sind der Epoche entsprechend und ebenfalls nachvollziehbar. Dass Helene an einer Stelle Flugsalbe herstellt war mir von dem Moment an klar, als sie das Fett erwähnte. Dass sie sie dann selbst benutzte aus Neugier und wie es geschildert wurde, das war ein weiterer Glanz dieses Romans.

Kommen wir zur Action, denn davon gibts genug in diesem Buch. Und sie ist ebenfalls gut geschildert. Hier und da ein wenig chaotisch, ja, aber das muss so sein und ist richtig. Niemand denkt klar und löst Matheaufgaben, während er oder sie um sein oder ihr Leben kämpft. Ein wenig war ich an einer Stelle überrascht, wie schnell Knochen brechen können, aber gut. Stellte sich dann ohnehin als Schwindel heraus.

Alles in allem kann ich nur sagen, ich bin begeistert von diesem Roman. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und mein Kopfkino lief die ganze Zeit auf Hochtouren. Dass ich am Ende falsch lag mit meiner Theorie stört mich nicht, im Gegenteil. Es ist so selten geworden, dass mir das passiert, dass ich es genieße, einmal daneben gelegen zu haben. Es zeigt, wie umsichtig die Autorin gewesen ist, falsche Fährten zu legen. Ein verdammt gutes Buch, das eine breite Leserschaft verdient!

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Ein kleines Buch mit großer Wirkung

Neun Leben
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Ginger verbraucht ihr achtes Leben, als sie von einem Auto angefahren wird. Doch sie ist nicht das einzige Opfer dieses Unfalls. Da gibt es noch das Mädchen Julia, das danach im Koma liegt und vielleicht ...

Ginger verbraucht ihr achtes Leben, als sie von einem Auto angefahren wird. Doch sie ist nicht das einzige Opfer dieses Unfalls. Da gibt es noch das Mädchen Julia, das danach im Koma liegt und vielleicht sterben wird. Kann Ginger Julia helfen?

Als ich dieses Buch bei Lovelybooks sah war es keine Frage für mich, mich auf die Leserunde zu bewerben. Und käme Hölle und Feuer, ich WOLLTE dieses Buch lesen! Ich wurde nicht enttäuscht.

Was den Leser erwartet ist kein normales Buch, es ist ein Bilderbuch mit einer kurzen Geschichte darin. Kein Kinder-Bilderbuch, sondern eher für Heranwachsende und Erwachsene gedacht. Etwas ungewöhnlich, gewiss, aber warum nicht etwas ungewöhnlichem eine Chance einräumen? Enttäuscht wird man bei diesem kleinen Buch sicher nicht.

Das Märchen wird aus Gingers Sicht berichtet. Es ist herzzerreißend, wie die Sanitäter sich um die schwer verletzte Julia kümmern, aber die Katze am Straßenrand liegenlassen. Tiere sind nach der deutschen Rechtssprechung noch immer "Dinge", etwas worüber ich mich schon seit Jahrzehnten aufrege. Tiere sind mehr als Dinge, es sind Lebewesen, und als solche haben sie etwas besseres verdient, als am Straßenrand elendig zu verrecken. Sicher, in der realen Welt hätte die Polizei sich vielleicht gekümmert und Ginger entweder zu einem Tierarzt gebracht oder es beendet. So ist es hier aber nicht. Ginger bleibt zurück, unfähig sich zu regen und muss zusehen, wie Autowrack und Verletzte abtransportiert werden, ehe sie allein in ihrem Schmerz zurückbleibt.

Die Rettung kommt in Form einer Frau, die Ginger mit zu sich nach Hause nimmt und ihr hilft. Die Frau ist mehr als nur eine Frau, sie ist magisch und sie weiß Dinge. Dinge wie, dass Ginger nun ihr letztes, ihr neuntes Leben lebt. Dinge wie, dass das Mädchen am Straßenrand Julia heißt und im Krankenhaus um ihr Leben kämpft. Und sie weiß, dass Ginger und Julia miteinander verbunden sind. Ginger wird vor eine Wahl gestellt. Für einen Menschen eine schreckliche Wahl.

Wie weit würden wir gehen für einen Wildfremden, dessen Leben zu retten. Für Familienmitglieder ist es leicht(er). Es ist einerseits eine Pflicht zu helfen, andererseits wird man vielleicht vom Rest der Familie für den Rest seines Lebens schief angesehen, weil man eben nicht das entscheidene getan hat, um jenem Angehörigen zu helfen. Aber darum geht es nicht. Es geht um jemanden, den man nicht kennt, es geht um zwei Leben. Wer wäre wirklich bereit, sein Leben zu geben, um jemanden, den man einmal gesehen, nie ein Wort gesprochen hat? Wer würde dieses Opfer bringen? Und ich meine es hier ehrlich. Sehe in dein Herz, Leser, sehe tief hinein und stelle dir diese Frage: Würdest du dein Leben beenden, damit ein Wildfremder leben kann?

Es ist eine tiefgehende Frage, die sich hier stellt. So tiefgehend und ergreifend, dass es mir beim Lesen die Kehle zusammengeschnürt hat. Nein, nicht für jemanden, den ich nicht kenne. Nicht solange ich lebe. Ich habe einen Organspendeausweis, mit Ausnahme meiner rechten Augenhaut (weil erkrankt seit Kindertagen) können sich die Mediziner nach meinem Tod bedienen. Danach. Und dann ist es mir herzlich gleich, an wen meine Organe gehen. Ich werde dann hoffentlich auf dem Weg in ein besseres Leben sein. Aber vor die Frage gestellt zu werden, ob man geht, um einen anderen zu retten? Nein, diese Frage beantworte ich klar mit Nein. Und das von jemanden, der immer noch mit Suizidgedanken kämpft, wenn auch nicht mehr täglich.

Um von diesem schweren Thema wegzukommen noch einige Worte über die Bilder in diesem Bilderbuch: Sie wurden gemalt von einer 15 Jährigen. Jawohl, 15 Jahre ist die Künstlerin jung, und sie hat ihre Arbeit herausragend getan. Die Bilder sind wunderschön gestaltet, die Farben brillant, die Figuren erkennt man eindeutig. Sie machen einen guten Teil des Reizes und des Zaubers des Bandes aus und ich drücke der jugendlichen Künstlerin beide Daumen für ihren Lebensweg. Schon allein für die Bilder lohnt es sich, das Buch zu kaufen.

Ein wunderschöner kleiner Band, der aber harte Fragen in einer kleinen magischen Geschichte aufwirft. Das Buch ist für Kinder nicht oder nur bedingt geeignet, aber für Heranwachsende und Erwachsene sicherlich eine wunderschöne Erweiterung ihrer Bibliothek - und ein Band, zu dem man sicher immer einmal wieder greifen wird.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Am Anfang

Palineas: Erstes Buch - Aufbruch
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Palineas ist ein ganz normaler Junge - oder er glaubt es zu sein. Klar, er hat seine Träume, große Träume, in denen er die Welt bereist, aber am Ende ist er doch nur der Sohn des Wirtes - oder so war ...

Palineas ist ein ganz normaler Junge - oder er glaubt es zu sein. Klar, er hat seine Träume, große Träume, in denen er die Welt bereist, aber am Ende ist er doch nur der Sohn des Wirtes - oder so war es, ehe auf dem Dorfplatz ein eigenartiges Tor erscheint ...

Vor einigen Tagen besprach ich das zweite Buch der Reihe. Dank des Autors Mario Hackel, erhielt ich daraufhin die Möglichkeit, den ersten Teil seiner Triologie zu lesen. Dafür erst einmal einen großen Dank! Es war die Lektüre mehr als wert.

Hackel selbst schreibt im Vorwort, dass diese Story schon alt ist und er wenig daran geändert hat bevor der Veröffentlichung. Das geht einigen so, mir selbst inklusive. Vor einigen Jahren holte ich ein uraltes Manuskript hervor, das ich mit 13 schrieb, und ich war bas erstaunt darüber, welche Qualität ich damals bereits mein eigen nannte. Noch polieren und aufhübschen, das eine oder andere ändern, dann wäre es vielleicht bereit für eine weitere Runde durch die Verlage (seinerzeit hatte es schon mehr als 20 Verlage gesehen und wurde immer abgelehnt). Und ich denke, es ist immer richtig, wenn man sich auf seine alten Ideen verlässt. Die größte Kreativität besitzen wir Menschen in der Kindheit und Jugend. Warum also nicht die alten Ideen neu aufgreifen? Den Zyklus, an dem ich jetzt schreibe, fand seine Geburt, als ich 15 war.

Anyway, zurück zum Buch. Was mich in Teil 2 überwältigte waren die ganzen Figuren, mit denen Hackel aufwartete. Ich war froh um das Personenregister am Ende, sodass ich dort nachsehen konnte, wer welche Rolle spielt. Mit Band 1 haben sich da für mich noch offene Fragen geschlossen, die ich hatte. Ich bleibe dabei, man kann Band 2 lesen ohne die Kenntnis von Teil 1, aber es wird um einiges leichter, WENN man "Aufbruch" gelesen hat.

Die Welt, in die Hackel seine Leser entführt, ist keine märchenhafte, wenn aber doch bunte Weltt. Es herrscht ein Kalter Krieg zwischen Menschen und Elfen, letztere gewannen die letzte heiße Phase und schoben die Menschen in Gebiete ab, die sie für richtig hielten. Die Menschen wiederum sind alles andere als begeistert, doch die meisten wollen einfach nur ihr Leben leben. Da die Elfen sich weitestgehend aus den menschlichen Belangen heraushalten ist das kein zu großes Problem. Nur dort, wo beide Rassen aufeinandertreffen gibt es immer wieder böses Blut.

Hackel spart nicht an Blut, wenn auch nur bedingt in Schlachtenform. Die Spannungen und das Leben in Städten ist immer zu einem gewissen Maße auch gefährlich. Schade ist es, dass es vor allem Palineas trifft - oder auch nicht? So erhält sein Charakter die Chance zu wachsen und erwachsen zu werden, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Charaktere sind interessant und teilweise mysteriös. Man muss einfach weiterlesen, weil man hinter die Masken sehen will, die die meisten in der Öffentlichkeit tragen. Nicht jeder, der gut ist, ist in seinem Herzen gut. Gerade bei Palineas trifft das auf doppelte Weise zu. Wie wir aus Buch 2 wissen, oder zu wissen glauben, ist da nicht nur Finsternis in ihm, doch er kann kaum gegen die dunkle Seite seiner Seele ankämpfen. Das macht ihn zu einem faszinierenden Charakter, der eigentlich nur die Wahl hat zwischen schlecht und richtig schlecht. Dennoch bleibt irgendwie die Hoffnung, dass er das Dunkle in sich bekämpfen kann so wie er sich auch einen Teil Naivität erhalten konnte.

Über das System der Drachen sprach ich bereits in meiner Rezension zum zweiten Teil, doch ich finde es immer noch faszinierend. Palineas, der keine Ahnung hat, wer dieser alte Greis ist, zu dem er geschleppt wird, weiß trotzdem, was sich unter der Verkleidung versteckt. Die größte Überraschung dagegen erlebt der Leser am Ende des letzten Kapitels. Auch wenn ich es wusste, es hat mich trotzdem überrascht. Diese Enthüllung war hervorragend gemacht!

Was bleibt ist ein solider erster Teil einer Triologie, die Leser von High Fantasy eigentlich verschlingen sollten. Sicher, es gibt ein paar Schwächen im Roman, aber die schiebe ich eher auf die Tatsache, dass der Autor eben viel vom Original übrig ließ. Der Geschichte an sich tut es keinen Abbruch, wirklich nicht. Ein gutes Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, nachdem man mit dem Lesen begonnen hat.

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