Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln ...
Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln anwendbar oder in Verbindung mit Tarot oder Skat-Karten.
Ich lege seit mehr als 30 Jahren Karten. Es gehört für mich als Hexe einfach dazu. Wobei ich mir selbst selten bis gar nicht lege, sondern Freunden oder Bekannten, oder Bekannten von Bekannten. Das wird sich jetzt vielleicht ändern, denn dieses kleine Kompendium ist ideal auch für solche, die sich selbst die Karten legen wollen.
Im Unterschied zum Tarot besitzt das Lenormand nur 36 Karten, quasi die gleiche Anzahl, wie sie auch in üblichen Skat-Karten zu finden sind. Die Symbole sind kryptischer als die des Tarot, die Bedeutung vielschichtiger, wie ich in diesem Buch gelernt habe. Ich selbst besitze seit Jahren Lenormand-Karten, habe sie aber bisher niemals genutzt. Ich bin sicher, dies wird sich sehr bald ändern.
Das Buch ist so aufgebaut, dass die Bedeutung der Karten der Mittel-, aber auch der wichtigste Teil des ganzen ist. Zuerst lernt man ein wenig über die Geschichte und die Bedeutung des Decks. Was ich bereits in "Alchemie" gelesen hatte, wurde hier ein wenig vertieft. Offensichtlich benutzten Alchemisten das Deck in ihren Werken. Leider ging die Autorin ebenfalls nicht näher darauf ein, WIE genau die Karten benutzt wurden.
Das Buch schließt mit einigen Fallbeispielen ab, in der Watzdorf ihre Erlebnisse mit einigen Klienten schildert. Was ich hier vor allem interessant fand, war der Fall, in dem auch eine (Psycho)Therapeutin eingebunden wurde. Ich weiß, dass Therapeuten sehr aufgeschlossen sind, hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie auch die Möglichkeit der Karten in Betracht ziehen in ihrer Behandlung. Insofern empfand ich diesen Fall als sehr informativ.
Doch wieder zurück zum Mittelteil. Watzdorf stellt jede einzelne der 36 Karten vor mit einer allgemeinen Bedetung, ehe sie ins Detail geht. Und im Gegensatz zu gängigen Interpretationen, die sich vor allem auf Liebe/Beziehung und Karriere/Geld konzentrieren, bringt die Autorin hier weitere Interpretationsmöglichkeiten, die auch auf Chakra- und Energiewerke eingehen, sich mit Kindern und Erziehung, Haustieren und sogar seelische und psychische Zustände eingehen. Eine solche Inklusivität habe ich zuvor noch nie gesehen und malte mir ein Lächeln auf die Lippen. Es stimmt, die meisten Klienten wollen vor allem etwas über Liebe oder Karriere hören, doch es gibt immer den einen Ausrutscher, der tiefer sehen will (so wie ich). Für solche Interessierten ist dieses Buch wie gemacht.
Überrascht war ich von der Klarheit der Bedeutungen. Im Unterschied zum gängigen Tarot, dessen Interpretation sehr viel mit dem Legenden zu tun hat, geben die Lenormandkarten klare und eindeutige Antworten. Kein Heruminterpretieren, sondern wirkliche Antworten. Etwas, was mir neu war und mir sehr gut gefallen hat an diesem Buch.
Alles in allem stellt das Kompendium ein Rundumpaket dar für mich. Klare Sprache, keine schwammigen Begriffe, die sich hier- oder dorthin interpretieren lassen, sondern offene Fragen beantworten. Frau Watzdorf hat noch ein zweites Lenormand-Werk geschrieben, dass vermutlich über kurz oder lang in meinem Bücherregal landen wird. Denn dieses Kompendium hat mich wirklich überzeugt. Ein hervorragendes Werk sowohl für Einsteiger wie auch für Fortgeschrittene in die Karten.
Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so ...
Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so besonders ist. Erst als die Stoffkatze Taro in ihr Leben tritt, da beginnt die Welt sich plötzlich anders zu drehen und Sophie, Taro, ihr Bruder Finn und ihre beiden Freunde Alex und Celine werden in ein magisches Abenteuer gezogen, von dem sie bisher glaubten, es gehöre in Bücher oder Videospiele ...
Eine neue Reihe hält mit diesem Buch Einzug in die Buchläden: Sophie Red Dot. Und wie spannend und cool diese Serie ist! Nicht nur für Kinder, auch für mich als reife Erwachsene. Ich habe mit gefiebert mit den Kids, als sie ihr erstes von hoffentlich vielen Abenteuern erlebten.
Dieses Buch ist eine Urban Fantasy, platziert in Paris der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit (2025). Sophie lebt mit ihrem Bruder Finn und ihren doch ein wenig außergewöhnlichen Eltern in einem Haus in Paris. Sophie wünscht sich seit Jahren nichts mehr als eine Katze, doch ihre Mutter ist allergisch, so kann also kein Stubentiger Einzug halten.
Das ändert sich erst einmal nicht, als die beiden, Sophie und ihre Mutter, den Laden der magischen Tiere betreten, der von einer alten chinesischen Frau geführt wird. Hier findet Sophie Taro, eine schwarze Stoffkatze, und ist ganz verliebt in ihn . Als sie später am Abend auf dem Eiffelturm steht mit ihrer Familie und ein Meteoritenschauer über Paris niedergeht, wünscht Sophie sich, dass Taro lebendig wird - und ihr Wunsch wird erfüllt.
Was mich an diesem Roman faszinierte, war die komplexe Welt, in die die Autoren ihre Leser da werfen. Plötzlich ist alles möglich, selbst Sprünge durch die Zeit oder Teleportation. Und Sophie steht dem nicht allein gegenüber, sie hat ihre besten Freunde Alex und Celine mit dabei, und natürlich ihren großen Bruder Finn. Und das ist nur der Anfang. Taro kann sprechen, und er ist sehr vehement damit - es sei denn Sophies Eltern sind mit im Raum, dann miaut er plötzlich nur noch.
Als Leser landet man kopfüber mit Sophie, Taro und allen anderen in einer magischen Welt, die sich nicht schämen muss, ganz im Gegenteil. Sie ist groß, magisch und uralt. Den Autoren ist es hier gelungen, eine komplexe Welt innerhalb der Realität zu schaffen. Etwas was viele Erwachsenenautoren scheinbar nicht mehr hinkriegen. Und Sophie, überwältigt aber doch nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen, steht mittendrin und muss feststellen, dass sie in große Fußstapfen treten muss.
Es ist selten, dass mich ein Kinder- oder Jugendbuch dermaßen begeistert, aber hier kann ich kaum das Erscheinen des zweiten Bandes erwarten, so sehr hat mich das Buch mitgerissen mit seinen charmanten Charakteren, der spannenden Handlung und einer tiefen Geschichte, an deren Oberfläche gerade einmal gekratzt wurde.
Ein hervorragendes Buch voller Abenteuer und Magie mit außergewöhnlichen Figuren, die auf eine lange und tiefe Geschichte zurückblicken. Meines Erachtens sollte dieses Buch in keinem Jugendbuch-Regal fehlen, gerade in solchen, die Abenteuer und Fantasy mögen.
Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird ...
Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird Larkas aus dem Blauen heraus angegriffen, Runlands Vater stirbt in den Armen seines Sohnes. Und der muss erkennen, dass sein bester Freund Mal der Verräter ist, der den feindlichen Truppen die Tore geöffnet hat.
Gemeinsam mit der Halbzwergin Neria macht Runland sich auf, den König zu informieren und seinen Namen wieder reinzuwaschen. Denn Mal beschuldigt ihn, der Verräter am Tor gewesen zu sein ...
Vor zwei Jahren meldete ich mich bei Lovelybooks auf eine Leserunde - und gewann das entsprechende Buch. Das war mein erster Kontakt zu Mario Hackel. Seitdem habe ich so gut wie alles von ihm gelesen, was noch nicht gelesen ist, wartet noch darauf, gelesen zu werden.
Was das heißt? Nun, eines ganz sicher, ich mag den Schreibstil. Und ich mag darüber hinaus, was ich da immer zu lesen bekomme: solide Fantasy mit reichlich Action, tiefgreifenden Charakteren und spannenden Plots. Und darüber hinaus einem Worldbuilding, das seinesgleichen zumindest im deutschsprachigem Raum sucht. Ja, richtig. Eine so komplexe Welt wie in Hackels Werken ist mir hierzulande noch nicht begegnet, nur aus Ami-Landen bekannt. Seine Welt wächst mit jedem Buch, das sich lese. Nicht nur geografisch, sondern auch an Geschichte. Dem Leser wird nicht einfach nur gesagt, dass die Welt soundso alt ist, die Geschichten stammen aus unterschiedlichen Zeitaltern. Wenn es etwas gibt, was ich wirklich an diesem Autor zu kritisieren habe, dann dass, das er offensichtlich an drei bis vier Zyklen zur gleichen Zeit arbeitet - und dafür hat er ebenfalls meinen Respekt.
Runland ist nun sein neuer Zyklus und spielt vor den Ereignissen in Palineas (wer sich noch erinneert, ich besprach dessen ersten beide Bände 2025). Die Welt ist noch nicht von Elfen beherrscht, sondern der Lamerth ist ein eigenes Königreich, in dem sich so ziemlich alle Völker tummeln, es aber eine Hochburg der Menschen zu sein scheint.
Larkas selbst bleibt in den Beschreibungen etwas blass, aber der Leser verbringt auch nicht zuviel Zeit dort. Dafür wird die Bergwarth sehr ausführlich geschildert, spielt doch ein guter Teil der Handlung am Hof des Königs.
Runland, oder Stapfer, wie er sich später nennt nach dem Spitznamen, den sein Vater ihm gegeben hat, ist zu Beginn ein normaler ... Na ja, etwas zwischen einem Jungen und einem Mann. Er ist reif, ja, aber er ist auch recht naiv zu Beginn. Doch diese Naivität verfliegt sehr schnell. Runland wächst erstaunlich viel in diesem Roman, von einem naiven Jungen zu einem Anführer, der schwere Entscheidungen zu treffen hat, von denen er immer mehr lernt, auch die Schicksale von anderen abhängen.
Ihm zur Seite stehen die Halbzwergin Neria und der Halbelf Falvoril. Ja, eben jener, der zeitlich später, in der Palineas-Trilogie, eine tragende Rolle zu spielen hat. Hier erlebt man ihn als einen jungen und spitzzüngigen Halbelf, der noch nicht so recht seinen Platz in der Welt gefunden hat. Die Wortduelle, die er sich mit Neria liefert, sind wirklich zum Schmunzeln, und Runland muss wirklich eine Engelsgeduld für beide haben. Neria bleibt leider über den Verlauf des Romans sehr blass. Man erfährt ein wenig über sie und ihre Herkunft, aber wirklich zu wachsen scheint sie nicht. Sie sehnt sich nach einem Ort, den sie Zuhause nennen kann, und sie fühlt echte Freundschaft zu Runland - vielleicht sogar ein bisschen mehr. Es ist schade, dass ihr Charakter so blass bleibt und ich hoffe, das wird sich ändern.
Neben Falvoril gibt es natürlich auch noch einen anderen Bekannten aus Palineas: Alprey hat ebenfalls einige Auftritte, bleibt aber wieder überwiegend nebulös, wie man ihn kennt.
Die Handlung ist eine klassische Abenteuerreise mit anschließender Queste. Hackel bleibt sich selbst true und hat alles spannend mit kleinen Seitenabenteuern gestaltet, womit er seine Leser wach und bei Stange hält.
Ich freue mich auf weitere Bände, denn dieser erste Teil hat mir sehr viel Spaß und Vergnügen bereitet - ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, um ehrlich zu sein. Es ist ein tieferer Einblick in Hackels Fantasy-Welt, noch dazu einer, der seine Leser in die Geschichte Eristrias entführt und zeigt, wie bestimmte Orte früher einmal ausgesehen haben. Ein solides und spannendes Buch, auch für Leser geeignet, die sich noch nicht in Eristria auskennen.
Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ...
Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ist anders als seine älteren Brüder, die vor nicht allzu langer Zeit bei einer Epidemie gestorben sind. Jacob ist gebildet und hat den Wunsch, Dorfpfarrer zu werden. Der hiesige Priester unterstützt ihn in diesem Wunsch, arrangiert sogar, dass Jacob geprüft wird. Und er besteht und freut sich bereits auf die Ausbildung - so sein Vater endlich zustimmt.
Und dann wird die Familie auf dem Weg, Waren an eines der nahegelegenen Klöster zu liefern, überfallen und Jacob gefangen genommen und gezwungen, Schanzendienst im weit entfernten Böhmen zu leisten. Den Tod seiner Familie vor Augen schwört der Priesteranwärter Rache und liest Zeichen, die seinen Rachedurst zu unterstützen scheinen.
Dies ist der Beginn einer Trilogie, die während der Zeit des 30jährigen Krieges spielt. Da die Handlung am Ende nicht abgeschlossen ist, würde ich davon ausgehen, dass die gleichen Protagonisten auch in den restlichen beiden Bänden die sind, die die Handlung vorantreiben.
Soeder weiß, wie er diese Welt der frühen Neuzeit zum Leben erwecken kann. Als Leser fühlte man sich wie in einem Sog, der eine Zeitreise ermöglicht. Und er bringt mehr als nur den Krieg in seinen Roman ein. Es geht ebenso um die Hexenverfolgung (dazu an späterer Stelle mehr), um Strategien und auch um währe Figuren, die an der Seite der Protagonstien auftreten.
Seht gut geschildert fand ich die Art, wie zu dieser Zeit mit Schusswaffen umgegangen wurde, sowohl Handfeuerwaffen wie auch die großen Kanonen. Es ist kein einfaches: Bumm, du bist tot!, sondern es braucht Präzession und Geschick, und sehr viel Zeit, denn diese Waffen hatten im Übermaß nur einen Schuss und mussten dann nachgeladen werden.
Überhaupt sind Soeders Darstellungen von Schlachten und Kriegen sehr dicht und beinahe klaustrophobisch zu nennen. Man liest nicht nur, man ist mit dabei und riecht das Schwarzpulver und das Blut, spürt das Adrenalin, aber auch die Angst, die Unsicherheit. Man hört den Lärm, wenn eine der großen Kanonen losgehen, und sieht dabei zu, wenn diese gekühlt werden, ehe man den nächsten Schuss anbringen kann. Männer und Pferde schreien und sterben, den Schmerz der eigenen Wunden. Wirklich sehr überzeugend und nahe an der damaligen Realität geschildert!
Die Protagonisten starten als komplexe Charaktere. Jacob, ein wenig naiv und weltfremd, doch sich so sehr bemühend und doch wissend, dass er auf dem Hof doch nur wieder scheitern wird. Anna, die ihrer Mutter über die Schulter sieht und lernt, und doch schon selbst Salben und Tinkturen anfertigen kann und die meisten Heilkräuter selbst im Schlaf hinunterbeten könnte. Ernst, der sich noch immer in seiner ersten Schlacht sieht und doch mittlerweile weiser und älter ist und stolz darauf, was er in all den Jahren geleistet hat.
Und dann ist da noch Heinrich. Von Anfang an sticht er hervor aus den Figuren. Warum? Nun, würde man Heinrich in die heutige Zeit versetzen, er wäre vermutlich bald so bekannt wie Gacy, The Son of Sam oder ähnliche Serienkiller. Heinrich ist ein Psychopath wie er im Buche steht und der einzige Charakter im Buch, der nicht wirklich wachsen will. Während die anderen sich verändern durch Schicksalsschläge und ihren eigenen Entscheidungen, aber auch durch die Umwelt, bleibt er stagnant auf seiner Stufe stehen. Umgeben von seinen eigenen Leuten, die sein Vater ihm aus der heimischen Grafschaft mitgegeben hat, hat Heinrich auch nicht wirklich Grund zu wachsen oder sich zu verändern. Er spielt die Menschen um sich, versucht ständig seinen Vorteil zu erringen. Als Leser ist man zugleich angewidert und fasziniert von diesem Mann.
Der 30jährige Krieg war eigentlich nicht ein Krieg, sondern viele kleinere Kriege, die gerade den deutschsprachigen Raum Europas so sehr verwüsteten, dass große Teile des heutigen Deutschlands an dessen Ende schlicht leer waren. Es war eine unruhige Zeit, und eine gefährliche Zeit gerade für Bauern und Bürger - vor allem für Frauen, die nicht nur mit Maßenvergewaltigungen, sondern auch mit der Anklage der Hexerei zu rechnen hatten. Dies macht Soeder immer wieder deutlich im Verlauf des Romans, und als Leser ist man schockiert, wenn Anna davon berichtet, warum ihr winziges Haus nicht überfüllt ist mit Soldaten. Man kann auch ihren Hass auf den Pfarrer mehr als nur verstehen. Und der, nun, ich denke, er hat den Hexenhammer einmal zuviel gelesen. Heute ist klar, dass dessen Autor, Heinrich Kramer, höchstwahrscheinlich geistesgestört war und schlicht Angst vor Frauen hatte. Damals aber wurde dessen Wort für wahre Münze genommen. Und das kostete vielen tausend, vor allem Frauen, aber auch Männern, das Leben. Was mich während des Lesens etwas verwirrte war allerdings die Tatsache, dass die Protestanten NICHT auf den Hexenwahn aufspringen, meines Wissens war das in der Realität genau anders herum und es waren die Katholiken, die sich immer weiter distanzierten, während die Protestanten gegen sogenannte Hexen wüteten. Aber das mag sich im Verlauf der Bände noch ändern. Wir werden sehen.
Ein Wort noch über die Fechtkunst, die im Roman erwähnt ist und die Jacob von einem Meister beigebracht wird. Wie ich bereits erwähnte in einer früheren Rezension war ich früher einmal Mitglied in einem Fechtverein und kenne mich dementsprechend in der Materie aus: Die, leider sehr wenigen, Lektionen, die Jacob hier erhält, sind sehr gut geschildert und geben das Fechten tatsächlich wieder. In der Danksagung wird erwähnt, dass tatsächlich ein Fechter über die entsprechenden Stellen gesehen hat und ich muss Soeder dafür wirklich loben. Bisher hatte ich noch nie den Fall, dass ein Autor sich tatsächlich die Mühe machte, solche "Kleinigkeiten" spezifisch zu recherchieren, bzw. einen Kenner der Materie darüber sehen zu lassen. Wirklich ein großes Lob, und diese schlichte kleine Tatsache macht den Roman um so viel glaubhafter.
Alles in allem kann ich sagen, dass ich dem Erscheinen des zweiten Bandes entgegenfiebere. Der Roman ist sehr gut und verdient an anderer Stelle von mir fünf Sterne, und ich gebe diese nicht sehr oft. Wer sich für diese Zeit interessiert oder einfach nur einen guten historischen Roman lesen möchte, der wird hier sehr gut bedient.
Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr ...
Wir schreiben das 19. Jahrhundert irgendwo in den Tiefen Ungarns. Ankica ist ein aufgewecktes Mädchen, das in einem winzigen Dorf aufwächst und dort immer wieder aneckt. Mit einer nicht wirklich an ihr interessierten Mutter und ohne Vater wächst sie zu einer jungen Frau heran, die die Missstände im Dorf anprangert und damit erst recht den Unwillen der Bewohner erregt.
Als sie dann zur Vampirin erklärt wird, bleibt Ankica nichts anderes als die Flucht. Flucht in eine Welt, die so viel größer ist als sie bisher gedacht hat. Sie trifft auf ihrer Reise eine junge Frau etwa in ihrem Alter namens Szofia. Diese nimmt sich ihrer an und bringt ihr Benehmen und eine bessere Sprache bei. Und als das Heimweh zu groß wird, beschließt Ankica, ins heimatliche Dorf zurückzukehren ...
Eines möchte ich hier vorneweg stellen: Dieser Roman ist alles andere als leichte Kost. Was darin geschildert wird, ist nichts für schwache Nerven. Dieser Roman ist weit entfernt von den üblichen gehypten Vampirromanen, wie es nur geht.
Ankica hat es nicht leicht in ihrem Leben. Von Kind an lernt sie, dass ihr Vater gestorben sei, doch das scheint nicht der Fall zu sein, sondern eine Scheingeschichte, mit der ihre Mutter das uneheliche Kind und, vor allem, sich selbst schützen wollte. Dass die Mutter kaum Interesse an ihrem Sprössling hat zeigt sich in den ersten Kapiteln immer wieder. Selbst eine heranwachsende Ankica prallt ungebremst mit ihrer Mutter zusammen, die nichts weiter als Schimpfe und manchmal Schläge austeilt.
Was mich beeindruckte ist Ankicas Wille zum Leben. Stur geht sie ihren Weg, und merkt gar nicht, wie sehr sie ihr Umfeld mit ihrem Verhalten verändert. Ankica hinterfragt früh die Geschlechterrollen in ihrem Dorf: Warum dürfen die Jungen ihren Spaß haben und Mädchen nicht? Warum soll es einer Frau verboten sein, ihre Meinung zu äußern, sowohl in der Öffentlichkeit und erst recht zu Hause in ihren eigenen Vier Wänden?
Ankica, von einem inneren Feuer getrieben, trifft auf den als Vampir verschrienen Almos und schläft mit ihm. Was sie damit für sich selbst auslöst, ist ihr nicht bewusst, nur dass er das Feuer erst wirklich zum glühen gebracht hat.
Eine Zeitlang glaubte ich während der Lektüre, dass Ankica schlicht unter einem übersteigerten Sexualtrieb leidet, denn zumindest in der ersten Hälfte des Buches ist kaum ein Mann vor ihr sicher. Doch dann kommt nach und nach ihre schlimmes Geheimnis zum Vorschein, das mich persönlich sehr getroffen hat. Als Siebenjährige verging sich ein Mann an ihr - und das über zwei Jahre lang jeden Freitag bis Ankica schließlich Asyl in der Kirche suchte und der Pfarrer von der ganzen Sache erfuhr.
Missbrauch von Kindern ist immer noch ein brandaktuelles Thema, in dem regelmäßig neue Skandale an die Öffentlichkeit dringen. Was es für Auswirkungen auf das betroffene Kind hat, da bleibt meist nicht viel mehr als das übliche "es begab sich in Therapie". Nun, ich gehe offen mit meiner psychischen Erkrankung um und habe mehrmals solche Opfer getroffen bei meinen diversen Aufenthalten im Krankenhaus. Oftmals ist es nicht mit einem halben oder einem Jahr Therapie getan. Viele Opfer sind für den Rest ihres Leben psychisch geschädigt, einige schlopfen gar in die Täterrolle, wenn sie erwachsen sind. Ankicas Erlebnis, und das über Jahre hinweg, hat sie tiefer verletzt als sie den ganzen Roman über zugeben will.
Aber was hat es mit diesen "Vampiren" auf sich? Es sind keine Vampire, wie wir sie aus der Literatur, Film und Fernsehen kennen. Ankica stellt uns die Gruppe grob vor, als sie selbst Kontakt sucht. Es sind Menschen, die verstoßen wurden, Menschen, die aneckten und nun im nahen Wald leben. Das Beißen gilt bei ihnen als eine Art innitationsritual. Keiner von ihnen ist auf Blut angewiesen, eine der Vampirinnen hat sogar ein Kind, das sie selbst ausgettragen hat. Also keine jahrhundertealten Schimmer-Vampire, wie sie heute so typisch sind. Menschen, die entweder selbst die Dorfgemeinschaft verlassen haben oder dazu gezwungen wurden.
Doch der Aberglaube lebt weiter. Ankica muss fliehen, weil sie als Vampir verschrien wird. Sie zieht aus und schafft es bis in die nächste größere Stadt. Dort findet sie Anstellung als Wäscherin, aber es hält sie nicht lange an ihrem Arbeitsplatz. Mit Miau zusammen kehrt sie einfach von einem Sonntagsausflug nicht zurück. Miau wird von ihr ebenfalls zur "Vampirin" gemacht, doch sie ist anders. Miau mag keine Männer, sie liebt Frauen und verführt auf dem weiteren Weg der beiden jedes Mädchen, das sie finden kann. Ein Grund mehr für Ankica, sie an einer STelle zu verlassen, nachdem sie in Kontakt mit Szofia gekommen ist.
Szofia ist Ankicas Seelenverwandte, ein Freigeist, die Gedichte schreibt und in verlassenen Häusern lebt. Sie ist die erste, die an Ankicas Geheimnis rührt, was beinahe zum Bruch der Freundschaft führt. Ankica will die Sache einfach vergessen. Dann trennen sich die beiden Frauen und sie beschließt ins heimatliche Dorf zurückzukehren.
Dort allerdings warten noch immer die Anschuldigungen auf sie, und die "Vampire" im Wald wenden sich ebenfalls gegen sie, nehmen sie gefangen und sperren sie in einen Sarg. Ankica versuchte nach ihrer Rückkehr, sich anzupassen. Sie heiratete sogar einen Mann, den junge Bela, und ist schwanger von ihm. Die Gruppe im Wald droht ihr, ihr das Kind nach der Geburt wegzunehmen und ins Dorf zu bringen, wo es von Fremden aufgezogen werden soll.
Während dieser Gefangenschaft wird Ankica von zwei Priestern gefunden. Doch anstatt sie zu retten, versuchen sie den Vampir aus ihr auszutreiben. Als sie schließlich beichtet, dass sie schwanger und damit kein Vampir sein kann, geht der Jüngere der beiden sogar soweit, eine Abtreibung an ihr durchführen zu lassen.
Ich könnte an dieser Stelle weiter erzählen und den gesamten Inhalt des Romans wiedergeben, doch ich denke, ich bin nun weit genug gegangen, um meinen Eingangsabsatz zu erklären. Dieser Roman ist wirklich nicht leicht zu lesen. Zum einen das Thema, dann das, was mit Ankica passiert (und die Abtreibung ist NICHT das schlimmste, was ihr widerfährt von Seiten der Kirche), zum anderen aber auch der Stil und die Tatsache, dass dieses Buch in der Gegenwart geschrieben wurde, womit ich immer große Probleme habe. Der Stil ist ein wenig altertümlich, eben wie im 19. Jahrhundert geschrieben wurde. An für sich eine gute Wahl, denn auf diese Weise verschärft sich der Horror, den man liest, noch. Auf der anderen aber ebenfalls nicht der leichteste Stil zu lesen, gerade zu Beginn, als Ankica noch mächtig Gossensprache gebraucht.
Stellenweise war ich wirklich geschockt darüber, was Ankica passiert, und das ist schwer bei jemanden wie mir. Dieses Buch hat mich nachdenklich gemacht über einiges, vor allem aber darüber, wie dankbar wir Frauen von heute solchen Frauen wie Ankica dankbar sein sollten für das Martyrium, durch das sie gingen, damit wir heute so frei leben können, wie wir es tun. Ich zumindest möchte nicht im 19. Jahrhunder-Ungarn in irgendeinem Dorf landen, mich würde man vermutlich entweder hängen oder verbrennen (beides kommt im Roman vor).
Was mich vermutlich am meisten erschüttert hat war das Schweigen der Kirche darüber, was einer der ihren angerichtet hat. Einzig der Dorfpfarrer fühlte sich zumindest schuldig, doch er wusste es auch nicht besser und kannte die Hintergründe nicht. Einem solchen Menschen wie Melvin gehören nicht in die Öffentlichkeit, sondern in eine geschlossene Anstalt. Sein Hass auf Ankica war einfach unvorstellbar für mich - und ich hege seit 35 Jahren Rachegedanken einigen Personen meines früheren Umfeldes.
Dies ist ein eindringlicher Roman, der uns allen etwas zu erzählen hat. Dabei trägt er keine seidene Maske, sondern reisst sie uns herunter. Die ungeschönte Wahrheit schlägt dem Leser ins Gesicht. Ankica kann nur eines: weitermachen. Und zumindest teilweise verstehe ich, wie schwer das ist und auch, warum sie am Ende beschließt, dass es dieses letzte Mal zuviel war. Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt.