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Veröffentlicht am 03.11.2025

Friseur Geplauder

Miese kleine Morde. Crime Story
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Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt ...

Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt fest, dass die meist weiblichen Kunden sich ganz ungeniert alles von der Leber weg reden. Wovon sie sprechen? Es wird durchaus auch über die Ehegatten gelästert, die man nicht ungern loswerden würde, wäre da nicht der Ehevertrag oder ähnliches. Wenn man da den passenden Service anzubieten hätte, könnte man vielleicht schnell reich werden. Und tatsächlich, als er einer frustrierten Ehefrau ein entsprechendes Angebot unterbreitet, hat er seinen ersten Auftrag.

Da hofft Lars tatsächlich auf das schnelle Geld. Und er arbeitet erstmal an seinem Image und seinem Äußeren. Als es an die Ausführung seiner Aufträge geht, kommt er ins Nachdenken. Wie kann er die Sache am besten anpacken? Schließlich will er ja nicht erwischt werden. Alles muss so aussehen, als ob der Tod zumindest eine insoweit natürliche Ursache hat, bei der niemand auf die Idee kommt, da ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu. Dementsprechend ertrinkt das erste Opfer. Lars hat Glück, niemand merkt etwas. Und das Geld in der Kasse klingelt sehr schön.

Diese Erzählung wird von Wolfram Koch ruhig und mit einem gewissen Humor vorgelesen. Dafür benötigt er als ungekürzte Lesung ein wenig über zwei Stunden.

Dieser Lars ist schon ein Hallodri. Der Plan, die Welt oder seine Kundinnen oder Kunden von unliebsamen Mitbürgern zu befreien, ist schon frech. Siegt die Frechheit? Man ist beim Lesen nicht ganz sicher, wie man seine Sympathien verteilen soll. Aber wie Lars seine Verbrechen plant, so dass zwischen den Maschen hindurchschlüpfend kann, das ringt einem doch eine gewisse Bewunderung ab. Aber irgendwie ist es nicht hundertprozentig glaubwürdig, dass ein relativ normaler Mensch plötzlich zum relativ erfolgreichen Auftragsmörder wird. Immerhin als spannende Geschichte mit einer unerwarteten Wendung funktioniert diese Story gut.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein unauffälliger Mann

Der Mann, der den Zügen nachsah
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Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat ...

Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat und nun mit dem verbliebenen Geld das Weite suchen wird. Dabei verhöhnt er Popinga noch, er sei kein guter Buchhalter, er habe ja nichts gemerkt. In Kees Popinga zerbricht etwas und er fragt sich, wozu das alles noch. Er will in gewisser Weise auf den Spuren seines Chefs wandeln, was zu einem Todesfall führt. Popinga flieht nach Paris und dort wird auch noch der Rest seines Lebens umgekrempelt.

Was passiert, wenn jede sicher geglaubte Lebensgrundlage sich durch fremdes Verschulden in Nichts auflöst? Popinga ist klar, dass er nicht nur seinen Job verliert. Auch mit dem Haus hat er sich übernommen. Zumindest in dem Sinne, dass er keine Rücklagen hat, um eine Durststrecke zu überbrücken. Anstatt mit seiner Frau zu sprechen und zu planen, wie man mit der Situation umgehen kann, zieht er sich zurück. Er entzieht sich durch Flucht und lässt seine Familie ohne Erklärung zurück. Ein nachvollziehbares Ziel hat er nicht. Popinga lässt sich treiben und rutscht dabei mehr und mehr ab.

Georges Simenon hat soweit bekannt um die 400 Bücher geschrieben. Bekannt ist er für seinen Kommissar Maigret, aber wie man hier sieht, gibt es auch noch mehr. Mit dem Roman um Kees Popinga legt er ein Gedankenspiel vor. Wie geht ein Mensch damit um, wenn ihm förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Man kann da auch gerade durch die Wache gehen. Bei Popinga gewinnt man allerdings den Eindruck, er habe eher auf die Gelegenheit zum Ausbruch gewartet. Er will wohl mal das Leben als Verbrecher ausprobieren. Das muss man nicht mögen, aber die Frechheit, mit der Popinga vorgeht, hat schon was. Erstaunlich, wie lange er damit durchkommt. Georges Simenon ist ein Schriftsteller, von dem man immer noch etwas entdecken kann.


Veröffentlicht am 18.10.2025

Frau mit Willen

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer ...

Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer besten Freundin Ingi durch das Nachtleben. Doch nicht nur das Partyleben hat es ihr angetan. Sie will Abteilungsleiterin der Buchhaltung im Frohner werden. Angelika ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Mutter hat sie alleine groß gezogen und Angelika will ein anderes Leben. Das erste Mal lernt sie, die Zahlen phantasievoll zu gestalten, als der Direktor des Hotels sie darum bittet, um den Anwälten etwas vorzugaukeln.

An eine wahre Geschichte angelehnt spinnt die Autorin eine Geschichte über eine zunächst junge Frau, die es mit Geschick und Dreistigkeit schafft, ihren Arbeitgeber über Jahre hinweg um bemerkenswerte Summen zu erleichtern. Voller Enthusiasmus und Fleiß beginnt Angelika ihr Arbeitsleben. Durch die Machenschaften des Direktors wird doch ernüchtert, weiß aber auch, die man die Zahlen nach einem gewünschten Bild zurechtstricken kann. Als sie dann selbst ungewollt allein erziehend ist, sieht sie keine andere Wahl als sich den ein oder anderen geheimen Kredit bei ihrem Arbeitgeber zu gewähren. Alles genau dokumentiert, schließlich wird sie alles zurückzahlen, bis auf das Verbrauchsmaterial jedenfalls.

Die Presseveröffentlichungen geben der Story einen Rahmen vor, in dem sich die Autorin sicher einige Freiheiten erlauben konnte. Dadurch entsteht eine Erzählung um eine junge Frau, die zunächst noch Träume hatte, die aber auch vor ihrer eigenen Courage zurückschreckte und das Vertraute wählte. So saß sie dann da mit einem nicht ungewolltem Kind, dass eine bessere Mutter haben sollte als ihre eigene gewesen war. Leider verläuft sie Sache nicht so glatt wie gewünscht und der Filius entwickelt sich zumindest bemerkenswert. Angelika sieht sich gezwungen, immer mehr Geld zu leihen. Leider werden einem Angelika und ihr Umfeld nicht so wirklich sympathisch, man bringt zwar Verständnis auf, aber in einigen Momenten wirkt ihr Verhalten doch übertrieben. Man kommt an den Rand des Genervtseins. Auch der witzige Wiener Schmäh kann das nicht gänzlich übertönen. Wohl viel würde die Mutter für ihr Kind tun, aber muss nicht auch mal Schluss sein? Immerhin bleibt einiges der Phantasie überlassen, so das man sich noch eine andere Angelika denken kann.

Wohin der Leuchter auf dem Titelbild gehören könnte, ist nicht genau zu sagen. Wohl passte er in ein Hotel, aber auch in einen bürgerlichen Altbau.

Veröffentlicht am 18.09.2025

Cohen

Maror
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Im Jahr 2003 wird der Polizist Avi zu einem Tatort gerufen. Eine Autobombe ist explodiert und mehrere Menschen wurden getötet. Chief Inspector Cohen leitet den Einsatz und er beauftragt Avi mit weiteren ...

Im Jahr 2003 wird der Polizist Avi zu einem Tatort gerufen. Eine Autobombe ist explodiert und mehrere Menschen wurden getötet. Chief Inspector Cohen leitet den Einsatz und er beauftragt Avi mit weiteren Ermittlungen. Dann geht es zurück ins Jahr 1974. Es sind die Anfangsjahre Cohens bei der Polizei. Mit seinem Partner untersucht er eine Reihe von Morden an jungen Frauen. Eine der ersten Getöteten war wohl eine Cousine. Nun ist wieder eine junge Frau getötet worden. In Verdacht gerät ihr Lebensgefährte. Die Beweislage ist allerdings dünn. Als ein weitere Verdächtiger gefunden wird, erscheint für Cohen die Sache klar.

Über mehrere Jahrzehnte spannt sich die Handlung dieses Thrillers. Israel ist teilweise von Krieg und Gewalt geprägt. Doch teilweise wollen die Menschen auch nur in ihrem Staat in Sicherheit leben. Was sind sie bereit dafür einzusetzen? Cohen beginnt als kleiner Streifenpolizist, wie er selber sagt. Über die Zeit baut er sich allerdings seine Netzwerke auf, in die er auch Kollegen hineinzieht. Nicht immer geht es damit ganz mit rechten Dingen zu. Und auch die politische Situation verändert sich. Auch über die Jahre hin und über Ländergrenzen scheinen viele Fäden bei Cohen zusammenzulaufen.

Sowohl das Cover als auch der Klappentext lassen auf einen spannenden Thriller schließen. Dass sich die Handlung über mehrere Jahrzehnte ausdehnt, wird erst während der Lektüre klar. Auch dass es manchmal reichlich brutal zugeht, merkt man erst beim Lesen. Um die Lösung von Fällen scheint es weniger zu gehen. Dafür erhält man eine ernüchternde Beschreibung um die Vorgänge zwischen Polizisten und Gangstern. Eher nebenbei erwähnt, werden Hintergründe zu den Entwicklungen in Israel. Gerade die Themen, die man als interessant empfunden hätte werden nur angerissen. In Laufe der Lektüre dieses immerhin über sechshundertseitigen Romans sind schon einige Zusammenhänge zu erkennen. Und an den schonungslos präzisen Schilderungen erkennt man die genaue Recherche. Ob dieser Thriller die Erwartungen erfüllen kann, muss jeder Leser oder jede Leserin selbst entscheiden.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Auslandskorrespondent

Deine Margot
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Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ...

Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ihren Vater als Erich angeredet haben und unterschrieb mit Margot? Als sie ein Kind war hat Viljas Familie eine zeitlang in Ost-Berlin gewohnt. Noch vor der Wende sind sie wieder zurück in ihre Heimat nach Finnland gezogen. Vilja macht sich auf den Weg nach Berlin, um Spuren ihrer Eltern aufzuspüren. Es ist 2011 und nach der langen Zeit ist es schwierig etwas zu finden. Vilja lässt aber nicht locker.

Eine junge Finnin reist in ihre eigene Vergangenheit und damit auch in die damals noch existierende DDR, von deren Untergang im Jahr der Ankunft 1981 noch nichts zu ahnen war. Markus, Viljas Vater war Journalist bei einer sozialistischen finnischen Zeitung. Er wollte berichten, wie gut es in dem sozialistischen Deutschland läuft. Markus findet schnell Kontakt in Ost-Berlin, seiner Frau Rosa fällt das nicht so leicht, doch auch sie findet eine gute Freundin. Vilja ist zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre und ihr Bruder Matias vier.

Eine richtig coole Idee ist es, die Wendezeit mal von außen zu betrachten. Eine finnische Autorin, die in ihrer Kindheit tatsächlich in Ost-Berlin lebte, schreibt über eine Kindheit im Osten Deutschlands, über eine Familie, einen Auslandskorrespondenten und verschiedene Bürger der DDR. Es entspinnt sich eine Familiengeschichte, die spannend ist, aber auch einige Rätsel aufgibt. Dazu wird über die damals aktuelle politische Lage berichtet. Die Menschen, die in Ost-Berlin lebten, waren danach recht zufrieden mit ihrem Leben. Aus heutiger Zeit fragt man sich schon, in welchen Kreises sich Menschen aus dem Ausland bewegen durften, auch wenn sie eine sozialistische Einstellung hatten. Die Darstellung wirkt etwas verklärend. Die Geschichte von Viljas Familie ist dagegen, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, so doch grundsätzlich spannend und dramatisch. Ob man dem allen jedoch so folgen kann, wenn man die Wendezeit bewußter erlebt hat, muß man beim Lesen selbst entscheiden. Anstaunten eine tolle Idee, aus der sich eine fesselnde Geschichte entwickelt.