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Veröffentlicht am 22.11.2025

Traumaberg

Echo
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Sam eilt ans Krankenbett seines Lebensgefährten Nick. Dieser war mit seinem Bergtouren-Kumpel Augustine zu einer Tour aufgebrochen und schwerverletzt wiedergekommen. Augustine ist nicht nach hause zurückgekehrt. ...

Sam eilt ans Krankenbett seines Lebensgefährten Nick. Dieser war mit seinem Bergtouren-Kumpel Augustine zu einer Tour aufgebrochen und schwerverletzt wiedergekommen. Augustine ist nicht nach hause zurückgekehrt. Was ist passiert? Nick kann sich zunächst nicht äußern. Seine schweren Gesichtsverletzungen hindern ihn am Sprechen und er ist von der Narkose noch benommen. Es scheint allerdings so als sei Nick verändert. Sam weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Er muss zugeben, er hat Angst vor dem neuen Gesicht. Dann bricht Nicks Pflegerin die Behandlung ab und verlässt fluchtartig das Krankenhaus. Für Sam wird die Situation immer unheimlicher.

Wenn man erwartet, von einer Bergtour zu lesen, bei der etwas schief geht, wird man in gewisser Weise enttäuscht. Zwar liest man in Nicks Berichten davon, mehr geht es aber darum, was danach geschieht. Wie geht Sam, der auch eine gewisse Beziehung zu den Bergen hat, mit der Situation um? Wie verläuft Nicks Heilung, wenn sie überhaupt möglich ist? Wie ist das mit dem neuen schrecklichen Gesicht? Und was hat Nick noch vom Berg mitgebracht? Und was hat er oben gelassen? In Nicks Umgebung häufen isch die seltsamen Ereignisse. Und auch Sam spürt seine Veränderung, will sie jedoch nicht wahrhaben.

Dieser Roman ist nicht ganz leicht einzuordnen, es gibt Horror-, Thriller-, Suspense- und andere Elemente. Vielleicht hat der Autor ein wenig zu viel hineingemischt. Dennoch sind die Berichte von Nick und Sam spannend und gut zu lesen. Vielleicht ist man dem Horror-Genre nicht so zugetan, dann kann man überlegen, ob der Roman wirklich richtig für einen ist. Die verschiedenen Sichtweisen machen die Handlung nachvollziehbar und man will wissen, ob es eine Lösung geben kann, die Nick wenigstens seine Ganzheit zurückbringen kann. Man zweifelt und bleibt am Ball, weil man die Hoffnung nicht aufgeben will. Insgesamt ein interessantes Buch, dass vielleicht das Interesse an weiteren Büchern des Autors wecken kann.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Ungleiche Schwestern

Fifty-Fifty
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Ein ehemaliger Bürgermeister New Yorks wird brutal ermordet in seinem Haus aufgefunden. Zwei Notrufe gehen bei der Polizei ein. Getrennt voneinander haben die Schwestern Sofia und Alexandra Avellino den ...

Ein ehemaliger Bürgermeister New Yorks wird brutal ermordet in seinem Haus aufgefunden. Zwei Notrufe gehen bei der Polizei ein. Getrennt voneinander haben die Schwestern Sofia und Alexandra Avellino den Notfall gemeldet. Beide werden verhaftet, weil es Spuren von ihnen am Tatort gibt. Und die Schwestern beschuldigen jeweils die andere, es getan zu haben. Die Staatsanwaltschaft will die Fälle gemeinsam verhandeln. Eddie Flynn übernimmt Sofias Verteidigung. Kate Brooks nimmt sich Alexandras Sache an. Anwalt und Anwältin sind gleichermaßen überzeugt, dass die jeweilige Mandantin unschuldig ist. Wo soll das Motiv zu der Tat liegen?

Im fünften Band um den Anwalt Eddie Flynn ist er als einsamer Cowboy unterwegs. Obwohl seine Ehe auseinander gegangen ist, findet Eddie Halt in seinem Umfeld. Richter Harry Ford und seine Ermittlerin Harper unterstützen ihn. Und fast bedauert er, dass Kate Brooks die gegnerische Anwältin ist. Doch wo liegt in diesem Fall die Wahrheit. Beide Schwestern stehen unter Verdacht und gegen beide liegen Indizien vor, die den Verdacht gegen sie erhärten. Doch wieso sollte eine der Schwestern ihren Vater umbringen wollen. Jedoch stellt sich heraus, dass Frank Avelino einen Termin bei seinem Anwalt gemacht hatte, möglicherweise um sein Testament zu ändern. Hat das etwa die Ereignisse ausgelöst?

Wie bei Steve Cavanagh schon gewohnt, ist dieser Thriller sehr spannend. Die Schwestern Sofia und Alexandra wirken gleich verdächtig. Und so kann man sich nicht für eine als Verdächtige entscheiden. Wenn man glaubt, man sei auf der richtigen Spur, wird man doch wieder eines Besseren belehrt. Was allerdings als ein wenig störend empfunden werden könnte, wenn zu viele Menschen sterben und Flynn sich die Schuld gibt und dann im Selbstmitleid zerfließt. Vielleicht würden Sachen gerade anders laufen, wenn er überzeugt wäre, es wert zu sein. Zum Glück bekommt der Autor zum Schluss hin insofern die Kurve, dass er einen packenden Showdown präsentiert. Auch ein gewissermaßen positiver Ausblick wird gegeben.

Veröffentlicht am 03.11.2025

Friseur Geplauder

Miese kleine Morde. Crime Story
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Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt ...

Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt fest, dass die meist weiblichen Kunden sich ganz ungeniert alles von der Leber weg reden. Wovon sie sprechen? Es wird durchaus auch über die Ehegatten gelästert, die man nicht ungern loswerden würde, wäre da nicht der Ehevertrag oder ähnliches. Wenn man da den passenden Service anzubieten hätte, könnte man vielleicht schnell reich werden. Und tatsächlich, als er einer frustrierten Ehefrau ein entsprechendes Angebot unterbreitet, hat er seinen ersten Auftrag.

Da hofft Lars tatsächlich auf das schnelle Geld. Und er arbeitet erstmal an seinem Image und seinem Äußeren. Als es an die Ausführung seiner Aufträge geht, kommt er ins Nachdenken. Wie kann er die Sache am besten anpacken? Schließlich will er ja nicht erwischt werden. Alles muss so aussehen, als ob der Tod zumindest eine insoweit natürliche Ursache hat, bei der niemand auf die Idee kommt, da ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu. Dementsprechend ertrinkt das erste Opfer. Lars hat Glück, niemand merkt etwas. Und das Geld in der Kasse klingelt sehr schön.

Diese Erzählung wird von Wolfram Koch ruhig und mit einem gewissen Humor vorgelesen. Dafür benötigt er als ungekürzte Lesung ein wenig über zwei Stunden.

Dieser Lars ist schon ein Hallodri. Der Plan, die Welt oder seine Kundinnen oder Kunden von unliebsamen Mitbürgern zu befreien, ist schon frech. Siegt die Frechheit? Man ist beim Lesen nicht ganz sicher, wie man seine Sympathien verteilen soll. Aber wie Lars seine Verbrechen plant, so dass zwischen den Maschen hindurchschlüpfend kann, das ringt einem doch eine gewisse Bewunderung ab. Aber irgendwie ist es nicht hundertprozentig glaubwürdig, dass ein relativ normaler Mensch plötzlich zum relativ erfolgreichen Auftragsmörder wird. Immerhin als spannende Geschichte mit einer unerwarteten Wendung funktioniert diese Story gut.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein unauffälliger Mann

Der Mann, der den Zügen nachsah
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Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat ...

Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat und nun mit dem verbliebenen Geld das Weite suchen wird. Dabei verhöhnt er Popinga noch, er sei kein guter Buchhalter, er habe ja nichts gemerkt. In Kees Popinga zerbricht etwas und er fragt sich, wozu das alles noch. Er will in gewisser Weise auf den Spuren seines Chefs wandeln, was zu einem Todesfall führt. Popinga flieht nach Paris und dort wird auch noch der Rest seines Lebens umgekrempelt.

Was passiert, wenn jede sicher geglaubte Lebensgrundlage sich durch fremdes Verschulden in Nichts auflöst? Popinga ist klar, dass er nicht nur seinen Job verliert. Auch mit dem Haus hat er sich übernommen. Zumindest in dem Sinne, dass er keine Rücklagen hat, um eine Durststrecke zu überbrücken. Anstatt mit seiner Frau zu sprechen und zu planen, wie man mit der Situation umgehen kann, zieht er sich zurück. Er entzieht sich durch Flucht und lässt seine Familie ohne Erklärung zurück. Ein nachvollziehbares Ziel hat er nicht. Popinga lässt sich treiben und rutscht dabei mehr und mehr ab.

Georges Simenon hat soweit bekannt um die 400 Bücher geschrieben. Bekannt ist er für seinen Kommissar Maigret, aber wie man hier sieht, gibt es auch noch mehr. Mit dem Roman um Kees Popinga legt er ein Gedankenspiel vor. Wie geht ein Mensch damit um, wenn ihm förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Man kann da auch gerade durch die Wache gehen. Bei Popinga gewinnt man allerdings den Eindruck, er habe eher auf die Gelegenheit zum Ausbruch gewartet. Er will wohl mal das Leben als Verbrecher ausprobieren. Das muss man nicht mögen, aber die Frechheit, mit der Popinga vorgeht, hat schon was. Erstaunlich, wie lange er damit durchkommt. Georges Simenon ist ein Schriftsteller, von dem man immer noch etwas entdecken kann.


Veröffentlicht am 18.10.2025

Frau mit Willen

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer ...

Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer besten Freundin Ingi durch das Nachtleben. Doch nicht nur das Partyleben hat es ihr angetan. Sie will Abteilungsleiterin der Buchhaltung im Frohner werden. Angelika ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Mutter hat sie alleine groß gezogen und Angelika will ein anderes Leben. Das erste Mal lernt sie, die Zahlen phantasievoll zu gestalten, als der Direktor des Hotels sie darum bittet, um den Anwälten etwas vorzugaukeln.

An eine wahre Geschichte angelehnt spinnt die Autorin eine Geschichte über eine zunächst junge Frau, die es mit Geschick und Dreistigkeit schafft, ihren Arbeitgeber über Jahre hinweg um bemerkenswerte Summen zu erleichtern. Voller Enthusiasmus und Fleiß beginnt Angelika ihr Arbeitsleben. Durch die Machenschaften des Direktors wird doch ernüchtert, weiß aber auch, die man die Zahlen nach einem gewünschten Bild zurechtstricken kann. Als sie dann selbst ungewollt allein erziehend ist, sieht sie keine andere Wahl als sich den ein oder anderen geheimen Kredit bei ihrem Arbeitgeber zu gewähren. Alles genau dokumentiert, schließlich wird sie alles zurückzahlen, bis auf das Verbrauchsmaterial jedenfalls.

Die Presseveröffentlichungen geben der Story einen Rahmen vor, in dem sich die Autorin sicher einige Freiheiten erlauben konnte. Dadurch entsteht eine Erzählung um eine junge Frau, die zunächst noch Träume hatte, die aber auch vor ihrer eigenen Courage zurückschreckte und das Vertraute wählte. So saß sie dann da mit einem nicht ungewolltem Kind, dass eine bessere Mutter haben sollte als ihre eigene gewesen war. Leider verläuft sie Sache nicht so glatt wie gewünscht und der Filius entwickelt sich zumindest bemerkenswert. Angelika sieht sich gezwungen, immer mehr Geld zu leihen. Leider werden einem Angelika und ihr Umfeld nicht so wirklich sympathisch, man bringt zwar Verständnis auf, aber in einigen Momenten wirkt ihr Verhalten doch übertrieben. Man kommt an den Rand des Genervtseins. Auch der witzige Wiener Schmäh kann das nicht gänzlich übertönen. Wohl viel würde die Mutter für ihr Kind tun, aber muss nicht auch mal Schluss sein? Immerhin bleibt einiges der Phantasie überlassen, so das man sich noch eine andere Angelika denken kann.

Wohin der Leuchter auf dem Titelbild gehören könnte, ist nicht genau zu sagen. Wohl passte er in ein Hotel, aber auch in einen bürgerlichen Altbau.