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Veröffentlicht am 18.09.2025

Cohen

Maror
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Im Jahr 2003 wird der Polizist Avi zu einem Tatort gerufen. Eine Autobombe ist explodiert und mehrere Menschen wurden getötet. Chief Inspector Cohen leitet den Einsatz und er beauftragt Avi mit weiteren ...

Im Jahr 2003 wird der Polizist Avi zu einem Tatort gerufen. Eine Autobombe ist explodiert und mehrere Menschen wurden getötet. Chief Inspector Cohen leitet den Einsatz und er beauftragt Avi mit weiteren Ermittlungen. Dann geht es zurück ins Jahr 1974. Es sind die Anfangsjahre Cohens bei der Polizei. Mit seinem Partner untersucht er eine Reihe von Morden an jungen Frauen. Eine der ersten Getöteten war wohl eine Cousine. Nun ist wieder eine junge Frau getötet worden. In Verdacht gerät ihr Lebensgefährte. Die Beweislage ist allerdings dünn. Als ein weitere Verdächtiger gefunden wird, erscheint für Cohen die Sache klar.

Über mehrere Jahrzehnte spannt sich die Handlung dieses Thrillers. Israel ist teilweise von Krieg und Gewalt geprägt. Doch teilweise wollen die Menschen auch nur in ihrem Staat in Sicherheit leben. Was sind sie bereit dafür einzusetzen? Cohen beginnt als kleiner Streifenpolizist, wie er selber sagt. Über die Zeit baut er sich allerdings seine Netzwerke auf, in die er auch Kollegen hineinzieht. Nicht immer geht es damit ganz mit rechten Dingen zu. Und auch die politische Situation verändert sich. Auch über die Jahre hin und über Ländergrenzen scheinen viele Fäden bei Cohen zusammenzulaufen.

Sowohl das Cover als auch der Klappentext lassen auf einen spannenden Thriller schließen. Dass sich die Handlung über mehrere Jahrzehnte ausdehnt, wird erst während der Lektüre klar. Auch dass es manchmal reichlich brutal zugeht, merkt man erst beim Lesen. Um die Lösung von Fällen scheint es weniger zu gehen. Dafür erhält man eine ernüchternde Beschreibung um die Vorgänge zwischen Polizisten und Gangstern. Eher nebenbei erwähnt, werden Hintergründe zu den Entwicklungen in Israel. Gerade die Themen, die man als interessant empfunden hätte werden nur angerissen. In Laufe der Lektüre dieses immerhin über sechshundertseitigen Romans sind schon einige Zusammenhänge zu erkennen. Und an den schonungslos präzisen Schilderungen erkennt man die genaue Recherche. Ob dieser Thriller die Erwartungen erfüllen kann, muss jeder Leser oder jede Leserin selbst entscheiden.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Auslandskorrespondent

Deine Margot
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Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ...

Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ihren Vater als Erich angeredet haben und unterschrieb mit Margot? Als sie ein Kind war hat Viljas Familie eine zeitlang in Ost-Berlin gewohnt. Noch vor der Wende sind sie wieder zurück in ihre Heimat nach Finnland gezogen. Vilja macht sich auf den Weg nach Berlin, um Spuren ihrer Eltern aufzuspüren. Es ist 2011 und nach der langen Zeit ist es schwierig etwas zu finden. Vilja lässt aber nicht locker.

Eine junge Finnin reist in ihre eigene Vergangenheit und damit auch in die damals noch existierende DDR, von deren Untergang im Jahr der Ankunft 1981 noch nichts zu ahnen war. Markus, Viljas Vater war Journalist bei einer sozialistischen finnischen Zeitung. Er wollte berichten, wie gut es in dem sozialistischen Deutschland läuft. Markus findet schnell Kontakt in Ost-Berlin, seiner Frau Rosa fällt das nicht so leicht, doch auch sie findet eine gute Freundin. Vilja ist zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre und ihr Bruder Matias vier.

Eine richtig coole Idee ist es, die Wendezeit mal von außen zu betrachten. Eine finnische Autorin, die in ihrer Kindheit tatsächlich in Ost-Berlin lebte, schreibt über eine Kindheit im Osten Deutschlands, über eine Familie, einen Auslandskorrespondenten und verschiedene Bürger der DDR. Es entspinnt sich eine Familiengeschichte, die spannend ist, aber auch einige Rätsel aufgibt. Dazu wird über die damals aktuelle politische Lage berichtet. Die Menschen, die in Ost-Berlin lebten, waren danach recht zufrieden mit ihrem Leben. Aus heutiger Zeit fragt man sich schon, in welchen Kreises sich Menschen aus dem Ausland bewegen durften, auch wenn sie eine sozialistische Einstellung hatten. Die Darstellung wirkt etwas verklärend. Die Geschichte von Viljas Familie ist dagegen, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, so doch grundsätzlich spannend und dramatisch. Ob man dem allen jedoch so folgen kann, wenn man die Wendezeit bewußter erlebt hat, muß man beim Lesen selbst entscheiden. Anstaunten eine tolle Idee, aus der sich eine fesselnde Geschichte entwickelt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Das Boot

Nachtschein
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Rubens Freundin Iva ist verschwunden, nachdem sie sich zum letzten Mal am See getroffen haben. In Verdacht gerät Ruben, weil er mit auf dem Boot war bevor es nach einem Brand gesunken ist. Rosa Zambrano ...

Rubens Freundin Iva ist verschwunden, nachdem sie sich zum letzten Mal am See getroffen haben. In Verdacht gerät Ruben, weil er mit auf dem Boot war bevor es nach einem Brand gesunken ist. Rosa Zambrano von der Seepolizei und ihre Kollegen ermitteln in der Sache. Dabei ist erstmal wenig klar, weder wieso es gebrannt hat noch um wen es sich bei der Toten handelt. Besonders schwer fällt es Rosa Ivas Mutter darauf vorzubereiten, dass es sich bei der Toten möglicherweise um ihre Tochter handelt. Man hofft ja immer, das Schlimmste könnte abgewendet werden. Leider gibt es für Ivas Mutter diesen Ausweg nicht.

Dies ist der zweite Band einer Reihe um die Seepolizei Zürich. Rosa Zambrano ist so eine Art Streifenpolizistin auf dem Wasser. Eigentlich soll sie ihre Kompetenzen anders nutzen, aber sie ist sehr gewieft und sie kann sich in die Fälle hineindenken. Dadurch werden auch andere Stellen auf sie aufmerksam. Rosa bekommt ein Jobangebot, dass sie verlockend findet. Es würde auch ihren privaten Plänen entgegenkommen. Mit ihrem Ex-Freund Leo hat sie nicht mehr gerechnet und doch ist er wieder aufgetaucht.

Wenn man den Titel im Regal sieht, denkt man, oh Zurich, das gibt es nicht so häufig. Das entführt einen an einen unbekannten Ort, der aber erreichbar ist. Per Bahn mit Umsteigen an der Grenze. Allerdings kann es passieren, dass einen dieser Krimi nicht so hundertprozentig packt. Der Streß im Privatleben erscheint zwar durchaus verständlich, manchmal jedoch auch ein wenig übertrieben. Der Fall erscheint sehr verschlungen. Wenn es manchmal nicht so recht vorangeht, wird die Zeit mit einem Sprung überbrückt. Wenn das doch im wahren Leben auch hin und wieder geben würde. Im Krimi könnte es wie ein Bruch wirken, je nach dem wie lang die Lücke ist. Die Lösung kommt dann fast wie von selbst und man ahnt es schon. Es kann sein, dass man sich etwas mehr versprochen hat, dennoch war dieser Kriminalroman ein unterhaltsamer Zeitvertreib.

Veröffentlicht am 14.08.2025

Lebensaufgabe

Sword Catcher - Die Chroniken von Castellan
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Kel ist eine Waise ohne Zukunft als er vom Herrscherhaus Aurelian ausgewählt wird. Er soll mit dem gleichaltrigen Herrschersohn Conor aufwachsen und im Falle eines Falles als Sword Catcher dienen. Das ...

Kel ist eine Waise ohne Zukunft als er vom Herrscherhaus Aurelian ausgewählt wird. Er soll mit dem gleichaltrigen Herrschersohn Conor aufwachsen und im Falle eines Falles als Sword Catcher dienen. Das heißt nichts anderes als dass Kel sein Leben für den Thronfolger opfern muss oder auch mal als Doppelgänger einspringen soll, wenn Conor nicht verfügbar ist. Als aus den Jungen junge Männer geworden sind, hat sich ihre Beziehung gefestigt. Kel wird jedoch von dem Lumpensammler König, der eine Art Herrscher über die Gauner ist, kontaktiert, muss Kel einige seiner Ansichten überdenken. Dann wird Kel durch eine Verwechslung verletzt und die Heilerin Lin wird in den Palast geholt.

Dies ist der erste Band einer Reihe, die soweit bekannt als Trilogie angelegt ist. In dieser mittelalterlichen Welt herrscht das Haus Aurelian. Es wird einiges unternommen, um an der Macht zu bleiben. Conor hat ein Alter erreicht, in dem an eine strategische Hochzeit zu denken ist. Allerdings ist er auch in einem Alter, in dem junge Menschen dazu neigen zu rebellieren. Für Kel bricht eine Zeit der Unsicherheit heran, denn er weiß nicht, wie genau seine zukünftige Stellung sein wird. Dann findet Kel heraus, dass es in der Stadt Bestrebungen gibt, die sich gegen Conor und seine Familie richten.

Wenn man Werke der Autorin kennt, weiß man ungefähr, was man zu erwarten hat. Doch einiges ist schon anders. Hier hat sie eine neue Welt erfunden, in der die Magie zumindest noch nicht so offensichtlich ist. Eine Welt, die anmutet wie im Mittelalter, ohne viele Technologien. Das Konzept des Sword Catchers, der an die Stelle eines anderen tritt, ist schon etwas fies. Der Sword Catcher muss schließlich auf ein eigenes Leben verzichten. Was also, wenn eigene Gedanken und Gefühle kommen. Die Heilerin Lin ist eine Kämpferin gegen unglückliche Umstände und gegen gefährliche Krankheiten. Damit wird sie zu einer sympathischen Figur und auch zu einer Art Gegenspielerin von Conor, der manchmal ein wenig zerstörerisch wirkt. Teilweise werden Ereignisse mitreißend geschildert. Manchmal geht es allerdings etwas zu viel ums Drumherum. Natürlich ist es ein erster Band, in dem man als Lesender herangeführt wird und in dem vieles erklärt wird. Doch ist das Tempo mitunter sehr gedrosselt. Das wird zwar großenteils wettgemacht durch ein rasantes, durchaus brutales Finale, aber so ganz hundertprozentig überzeugt das Buch nicht. Für eingeschworene Fans wahrscheinlich trotzdem ein Muss.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Tourist verschwunden

Vertrauen
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Inspektor Avi Avraham ist nicht zufrieden mit seinem Job. Es muss doch noch mehr geben. Immer die gleichen elenden Fälle. Und so geht es weiter. Vor einem Krankenhaus wird ein neugeborenes Mädchen gefunden, ...

Inspektor Avi Avraham ist nicht zufrieden mit seinem Job. Es muss doch noch mehr geben. Immer die gleichen elenden Fälle. Und so geht es weiter. Vor einem Krankenhaus wird ein neugeborenes Mädchen gefunden, dass längst ins Krankenhaus hätte gebracht werden müssen. Aus einem Hotel ist ein Tourist verschwunden und Fremde, die behauptet haben ihn zu kennen, haben die Rechnung bezahlt und die Koffer mitgenommen. Den Tod seiner ehemaligen Vorgesetzten hat er auch noch nicht überwunden. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit der Bearbeitung des Normalen zu beginnen. Zunächst fährt Avi zu dem Hotel, aus dem der Tourist verschwunden ist.

In seinem vierten Fall hadert Inspektor Avi Avraham mit seiner Arbeit und sich selbst. Er ist jetzt Mitte vierzig und das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Wenigstens seine Ehe ist ein Halt, auch wenn sie nicht perfekt ist. Im Hotel merkt angekommen, gewinnt Avraham den Eindruck, dass dieses Verschwinden doch recht seltsam ist und er beginnt, den Hintergrund des Mannes zu erforschen. Auch das Auffinden des kleinen Mädchens stellt sich als eigenartiger heraus als gedacht. Die Kleine ist zu früh geboren und zunächst mal muss alles getan werden, um ihren Zustand zu stabilisieren. Dann gilt es herauszufinden, weshalb das Kind ausgesetzt wurde.

Ganz verzwickt sind die Fälle, mit denen es Avi Avraham zu tun bekommt. Langsam entwickelt sich ein Bild und der Spürsinn des Inspektors wird angefacht. Da muss doch etwas sein, so empfindet man es auch beim Lesen. Es gibt die oberflächlich Lösung und die richtige. Natürlich gibt Avraham nicht auf. Manchmal spielt ihm der Zufall in die Hände, manchmal ein kleines Puzzleteil, das er sich erarbeitet. Einiges erweist sich als anders als zunächst gedacht. Hin und wieder geht es etwas langsam voran und nicht immer hat man das Gefühl, alles verstanden zu haben, aber grundsätzlich gestaltet sich die Lektüre spannend und interessant in einem Setting, dass einem fremd, aber nicht so fremd ist. Der Roman wurde im Übrigen vor dem jetzigen Krieg geschrieben.