Spannendes Hin und Her
Rebel Witch. Der rote Nachtfalter, Band 2Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, ...
Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, weil Henriette Schreurs und Moritz Frinberg für mich Rune und Gideon so gut verkörpert haben, dass ich es auch so beenden wollte.
Der erste Band hat mich vor allem gereizt, weil beide Figuren gegenüber einander Skepsis empfunden haben und auch gegeneinander gearbeitet haben, aber dennoch etwas zwischen ihnen entstanden ist, was einen tollen Sog entwickelt hat. Für Band 2 war natürlich die Frage, kann diese Erzählweise erhalten bleiben? Wenn ja, funktioniert sie auch dann? Und wenn die Autorin sich für einen ganz anderen Hergang entschieden hat, wie würde das klappen? Ich war schon echt sehr gespannt, wie sich Band 2 aufbauen lässt, gerade nach dem Ende von Band 1. Die Antwort ist, die Zutaten aus Band 1 bleiben erhalten und ich war schon froh drum. Gerade durch die Ausgangssituation für den Abschluss ließ es sich gut durchziehen, dass Gideon und Rune wieder auf völlig unterschiedlichen Seiten stehen und gegeneinander arbeiten. Doch letztlich haben wir mit Cressida eine Figur, die nun im Licht agieren kann und sich zu einer Antagonistin entwickelt, die so einer Reihe verdammt gut tut. Ich finde sie furchtbar, sie ist kaum zu ertragen, aber sie ist wichtig, um die Handlung mit all ihren Wendungen zu erklären. Ich musste ein bisschen daran denken, dass Cressida ähnlich wie Jonathan Randall aus der „Outlander“-Reihe wirkt und das erklärt sicherlich viel, für jeden, der die Reihe kennt.
Denn sie ist auch der Grund, warum Rune und Gideon letztlich wieder in Kontakt kommen. Auch wenn Rune durch Gideon Seiten von Cressida erkennt, die sie verurteilt, so steht sie gleichzeitig für eine Chance für Hexen in Freiheit und es war daher mitreißend zu erleben, wie in Rune zwei Herzen schlugen, für was sie sich entscheiden soll. Es war auch in der Erzählung geschickt gemacht, dass wir in das Gefühlschaos von beiden Figuren intensiv gucken konnten und dass trotzdem manche Entscheidungen außen vorblieben, sodass wir dann überrascht wurden. Manchmal nervt mich das, wenn es bei anderen Büchern passiert, weil ich dann das Gefühl habe, es wirkt durch Geheimnisse künstlich. Das kann ich hier keinesfalls behaupten. Hier ist es einfach clever und gut gemacht. Zumal so auch die Chemie zwischen Rune und Gideon funktioniert. Denn gerade durch das, was wir nicht sofort erfahren, werden manche Szenen noch intensiver und schöner.
Was für mich an diesem zweiten Band aber schwierig ist, das ist das immer wieder aufkommende Rätsel, reichen nicht auch mal Dilogien anstatt von Trilogien? Ich bin eigentlich absolut dafür, aber die von Ciccarelli erschaffene Welt hat sich doch reicher als das herausgestellt, was hier nun angeboten wurde. Man hat sich in Band 1 unweigerlich mit den Hexen solidarisiert, weil sie in Gefahr leben. In Band 2 wiederum wandelt sich das Bild, weil mit Cressida ein schlimmes Exemplar die Macht an sich gerissen hat. Wir haben also komplette Gegensätze. Und was soll ich sagen: Da sagt meine Intuition, dass ein dritter Band dann genau richtig gewesen, um eine Balance zwischen den beiden Seiten herzustellen. Als ich „Rebel Witch“ als Hörbuch gestartet habe, hatte ich nicht mehr im Kopf, wie viele Bände geplant sind, aber irgendwann hat sich doch deutlich gezeigt, dass es ins Finale geht und da muss ich einfach sagen, dass diese Vermittlung zwischen lange verfeindeten Seiten zu simpel gehalten wurde. Man würde sich wünschen, es wäre so einfach, gerade angesichts der ganzen Konflikte in der Welt, aber das ist es nicht und Ciccarelli hätte sich selbst übertreffen können, indem sie das noch richtig angegangen wäre.
So wirkte es am Ende zu einfach und zu lapidar. Deswegen sind letztlich auch zwei Antagonisten, neben Cressida noch jemand, am Ende relativ schnell abgearbeitet worden, weil es Raum brauchte, um mal eben die Weltordnung umzustoßen. Natürlich hätte man nicht nur eine inhaltliche Annäherung erzählen können, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, was man noch hätte machen können. Aber um die Magie noch mehr zu verstehen etc., da war genug Potenzial da. Ich würde so einen dritten Band sicherlich nicht leichtfertig einfordern. Unterm Strich war es aber eine Reihe, die mich mit einer frischen Prämisse überzeugen konnte.
Fazit: „Rebel Witch“ war erneut ein wildes Abenteuer, das die clevere Erzählweise aus Band 1 wieder aufgreift und wieder funktioniert. Das Hin und Her zwischen Gideon und Rune ist einfach voller Sog. Gleichzeitig bleibt aber Bedauern, dass es sich die Autorin am Ende doch etwas einfach gemacht hat. Ein dritter Band wäre eigentlich fast schon sinnvoll gewesen.