Wieder versöhnt
Ember KingMit „Ember King“ von Marie Niehoff findet die Dragenbound-Reihe ihr Ende. Nach dem ersten Band wäre ein Wunsch gewesen, dass es gerne ewig so weitergehen kann. Dann kam aber Band 2, der für mich viel zu ...
Mit „Ember King“ von Marie Niehoff findet die Dragenbound-Reihe ihr Ende. Nach dem ersten Band wäre ein Wunsch gewesen, dass es gerne ewig so weitergehen kann. Dann kam aber Band 2, der für mich viel zu einseitig eine Liebesgeschichte erzählt hat und dabei völlig vergessen hat, auch die Handlung voranzutreiben. Das war also Ernüchterung. Aber mir war klar, dass ich die Reihe sauber beenden will. Kann mich „Ember King“ also wieder mit der Reihe versöhnen?
Ich beantworte es gleich vorweg: Ja, ich wurde versöhnt. Zwar ist auch wieder nicht der Zauber von Band 1 erzeugt worden, aber das ist nach so einem schwachen Zwischenband auch echt schwierig. Zumal die Bücher auch echt gleichmäßig veröffentlicht wurden, sodass es sich erst recht wie aus einem Guss anfühlte und da verschwanden die Eindrücke aus Band 2 nicht einfach. Dennoch ist der große Kritikpunkt nicht noch einmal zu wiederholen. Denn diesmal stand die Handlung klar im Vordergrund und die Liebesgeschichte war deutlich mehr zurückgestellt. Als sie dann wieder mehr in den Fokus rücken kann, passiert das dennoch nicht so, wie es zuvor in dem Band war. Da war ich doch sehr dankbar, weil Yessa und Cassim so auch reifer und erwachsener miteinander wirkten. Und weil man umgekehrt merken konnten, dass sie sich einem Endziel verschrieben hatten, und nicht nur der Zweisamkeit.
Eins bleibt aber schade. Das World Building war in Band 1 sehr eng gehalten und da hat es auch wunderbar funktioniert, weil man wusste, es kommt ja noch was. Durch die enge Fokussierung auf Yessa und Cassim in Band 2 kam da aber auch nicht wesentlich mehr. Band 3 ist da schon am größten erzählt, ohne Frage, aber Ylving als Antagonist bleibt eine Präsenz im Off. Wir haben zwar eine dritte Perspektive, die ich aus Spoilergründen hier nicht näher benennen würde, aber ich hätte darauf sofort verzichtet, wenn wir einfach nicht immer nur erlebt hätten, wie Ylving es sich gemütlich macht und andere die Konfrontation suchen lässt. Wäre er ein richtiger Antagonist gewesen, dann hätte man das richtig ausbauen müssen. So haben Yessa und Cassim für mich eher keine unbekannte Größe agiert. Dabei lebt gerade Fantasy auch von einem Antagonisten, der einem idealerweise den Atem raubt. Obwohl Cassim Ylving sehr nah kennengelernt hat, aber auch davon bekommen wir recht wenig vermittelt. Da waren so einige andere Widersacher, die nicht dessen Macht haben, doch deutlich bedrohlicher.
Ansonsten bin ich aber doch sehr zufrieden, wie Band 3 erzählt wurde. Yessa musste viel für sich alleine agieren, aber so musste und konnte sie sich noch einmal anders beweisen. Wir haben zudem eine Splittung des Geschehens im Camp und bei den Rebellen gehabt. So haben alle nochmal einen Anteil gehabt und die Welten verschwammen so besser. Mir hat auch sehr gefallen, dass wir ganz neue Teamdynamiken angeboten bekommen hat. Man hat Charaktere, die nur kleinere Auftritte bis dato hatten, näher kennengelernt und sogar noch überraschend lieb gewonnen. Es gab auch noch ein paar enthüllte Geheimnisse, es gab gerade am Ende viele heroische Momente, die zwischen Spannung, Grausamkeit, Emotionen und doch auch Freude geprägt waren. Da waren die Rezepturen aus Band 1 dann deutlich zu spüren. Das zeigt mir im Nachhinein auch, dass die ganze Reihe großartig hätte werden können. Aber man lernt mit seinen Aufgaben.
Fazit: „Ember King“ hat für mich zum Glück die Dragenbound-Reihe von Marie Niehoff versöhnlich zu Ende gebracht. Der große Knackpunkt aus Band 2 wurde genau umgekehrt. Zwar bleibt der große Böse nicht die Präsenz, die es bräuchte, aber trotzdem gab es noch genug Charakterentwicklung, viele Entwicklungen allgemein und ein episches Ende.