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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2026

✎ Franziska Thaufelder - Warum Karl immer keine Zeit hat

Warum Karl immer keine Zeit hat
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Wir hatten große Erwartungen an „Warum Karl immer keine Zeit hat“ von Franziska Thaufelder. Die Hoffnung war ziemlich konkret: Vielleicht finden wir darin eine verständliche Erklärung für dieses ständige ...

Wir hatten große Erwartungen an „Warum Karl immer keine Zeit hat“ von Franziska Thaufelder. Die Hoffnung war ziemlich konkret: Vielleicht finden wir darin eine verständliche Erklärung für dieses ständige Aufschieben, das wir von unserer 8-Jährigen nur zu gut kennen. Ein Buch, das Zusammenhänge nicht nur erzählt, sondern auch greifbar macht, was dahintersteckt.

Schon der erste Eindruck führte jedoch in eine andere Richtung. Das Querformat ließ ein klassisches Bilderbuch erwarten - farbenfroh, zugänglich, auch für jüngere Kinder geeignet. Stattdessen zeigt sich schnell ein anderes Bild: Der Großteil der rund 40 Seiten besteht aus dichtem Text, aufgeteilt in sieben Kapitel. Die Illustrationen sind zwar großformatig, tauchen aber nur am Ende der Abschnitte auf. Dazwischen liegen mehrere Seiten reiner Fließtext. Für Kinder kann das schnell zäh, fast schon abschreckend wirken. Das Format selbst bleibt dadurch irgendwie unbegründet und fühlt sich nicht konsequent durchdacht an.

Eine kompaktere Aufbereitung mit mehr begleitenden Bildern hätte den Zugang deutlich erleichtert. So entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Inhalt und visueller Unterstützung, das gerade bei einem Kinderbuch ins Gewicht fällt.

Inhaltlich trägt die Geschichte dennoch. Sie entwickelt ihre Botschaft ruhig und verzichtet auf moralischen Druck. Besonders die Begegnungen mit den verschiedenen Tieren bleiben im Kopf, weil sie unterschiedliche Sichtweisen eröffnen, ohne etwas vorzugeben. Genau dort liegt für uns die Stärke des Buches: Es regt zum Nachdenken an, ohne Antworten aufzuzwingen.

Die Altersempfehlung ab etwa sechs Jahren erscheint grundsätzlich stimmig, allerdings eher im oberen Bereich dieser Spanne. Jüngere Kinder könnten durch die dichte Textstruktur schnell das Interesse verlieren, während ältere durchaus Zugang zur Geschichte finden können. Die Kapitelstruktur hilft dabei, den Lesefluss zu unterbrechen und kleine Etappen zu schaffen - sowohl beim Vorlesen als auch beim Selbsterlesen.

Am Ende bleibt ein gemischter Eindruck. Die inhaltliche Idee überzeugt, die gestalterische Umsetzung bleibt dahinter zurück. Seine Wirkung entfaltet das Buch weniger im Moment des Lesens als in den Gesprächen, die danach entstehen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 28.12.2025

✎ Emily Henry - Great Big Beautiful Life

Great Big Beautiful Life
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„Great Big Beautiful Life“ ist kein Buch, welches ich selbst in die Hand genommen hätte. Familiengeschichten sprechen mich an, Liebesromane dagegen selten, weil mir ihre Dramaturgie oft austauschbar erscheint. ...

„Great Big Beautiful Life“ ist kein Buch, welches ich selbst in die Hand genommen hätte. Familiengeschichten sprechen mich an, Liebesromane dagegen selten, weil mir ihre Dramaturgie oft austauschbar erscheint. Dieses Buch landete dennoch bei mir, ausgeliehen von einer Bekannten, und bekam eine faire Chance. Das Ergebnis war solide Unterhaltung, ohne dass ich mich gegen meinen eigenen Lesegeschmack verbiegen musste.

Emily Henry war mir zuvor kein Begriff. Hypes aus sozialen Netzwerken erreichen mich kaum. Neugier entsteht bei mir eher durch Rezensionen oder einen überzeugenden Klappentext. In diesem Fall war es schlicht der Umstand, dass das Buch bereits da lag.

Der Stil erwies sich als zugänglich und flüssig. Über weite Strecken wollte ich weiterlesen, weil sich das Erzählen angenehm anfühlte. Gegen Ende traten kleinere Längen auf, die den Gesamteindruck jedoch nicht ernsthaft schwächten. Einige Entwicklungen ließen sich früh erahnen, was im Romance-Genre wenig überrascht. Gleichzeitig gab es Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte; ein zentraler Handlungsstrang löste sich zum Beispiel völlig anders auf, als ich es die ganze Zeit dachte.

Die Geschichte wird konsequent aus Alices Perspektive erzählt. Gerade im letzten Drittel fehlte mir stellenweise der Einblick in Gespräche zwischen Hayden und Margaret. Ihr wiederholtes Aufeinandertreffen über einen langen Zeitraum bleibt in entscheidenden Momenten ausgespart, was erzählerisch konsequent, emotional aber etwas unbefriedigend wirkt.

Vermutlich wird mir dieser Liebesroman nicht dauerhaft im Gedächtnis bleiben. Als kurzweilige Lektüre funktioniert er jedoch und ich kann mir vorstellen, zwischendurch erneut zu einem Buch dieser Autorin zu greifen, ohne große Erwartungen, aber auch ohne Vorbehalte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 25.12.2025

✎ Michael Stavarič - Als der Elsternkönig sein Weiß verlor

Als der Elsternkönig sein Weiß verlor
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Der Kunstanstifter Verlag veröffentlicht nach meiner bisherigen Erfahrung Bilderbücher, die bewusst mit Erwartungen brechen. Formal wirken sie wie Kinderliteratur, inhaltlich arbeiten sie jedoch mit Verdichtung, ...

Der Kunstanstifter Verlag veröffentlicht nach meiner bisherigen Erfahrung Bilderbücher, die bewusst mit Erwartungen brechen. Formal wirken sie wie Kinderliteratur, inhaltlich arbeiten sie jedoch mit Verdichtung, Andeutung und Brüchen. Der Sinn erschließt sich nicht beim schnellen Lesen, sondern erst durch genaues Hinsehen und das Wahrnehmen der Leerstellen zwischen den Zeilen.

Genauso habe ich „Als der Elsternkönig sein Weiß verlor“ von Michael Stavarič erlebt. Die Altersempfehlung ab fünf Jahren erscheint mir realitätsfern. Kindern fehlen dafür die biografischen Erfahrungen und inneren Konflikte, auf die der Text stillschweigend baut. Erst Jugendliche, noch deutlicher Erwachsene, können die sprachlichen Verschiebungen, die Mehrdeutigkeit und die emotionale Schwere vollständig erfassen.

Diese Distanz wird durch die Illustrationen verstärkt. Die Bildwelt bleibt überwiegend in Schwarzweiß, Farbe taucht nur punktuell auf. Für ein klassisches Kinderbuch fehlt der visuelle Reiz; stattdessen unterstützen die Bilder die melancholische Grundhaltung und die innere Spannung des Textes.

In dem kurzen Textraum verhandelt Stavarič eine erstaunliche Anzahl von Themen: Selbstakzeptanz und Fremdzuschreibung, Erwartungen von außen, Missgunst, innere Unzufriedenheit, Widerstand gegen vorgegebene Rollen und die Einsicht, dass nicht alles erklärbar oder auflösbar sein muss. Diese Motive stehen nicht nebeneinander, sondern greifen ineinander und erzeugen ein Gefühl von Unruhe, das bewusst nicht beruhigt wird.

Genau daher empfinde ich die Geschichte als zu düster, zu abstrakt, als emotional überfordernd für kleine Kinder - besonders im Kontext eines Bilderbuchs. Auch die Distanz der Sprache, die keine Identifikationsfigur anbietet, sondern Beobachtung verlangt, ist nichts, mit was Kinder in diesem Alter etwas anfangen können. Dies bestätigt für mich, dass das Buch nicht gefallen will, sondern fordert.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.12.2025

✎ Selma Noort - Das kleine Haus am Fluss

Das kleine Haus am Fluss
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Ich hatte mich auf die Lektüre des Kinderromans „Das kleine Haus am Fluss“ gefreut, weil der Klappentext eine dichte, gefühlsnahe Handlung versprach.

Der Einstieg liefert die erwartete Wucht. Der LKW-Unfall ...

Ich hatte mich auf die Lektüre des Kinderromans „Das kleine Haus am Fluss“ gefreut, weil der Klappentext eine dichte, gefühlsnahe Handlung versprach.

Der Einstieg liefert die erwartete Wucht. Der LKW-Unfall spielt direkt eine zentrale Rolle, doch die Erwähnung dessen nimmt dem Moment die notwendige Fallhöhe. Die Szene bleibt intensiv, verliert für mich aber sofort ihren Nachhall.

Selma Noort legt zahlreiche gesellschaftliche und familiäre Belastungen übereinander. Die älteren Figuren tragen die Folgen eines langen Lebens, welches sie teilweise zunehmend überfordert. Die nachfolgende Generation navigiert Migration, komplexe Familienstrukturen und psychische Krisen. Juss und Amber stehen als Kinder im Zentrum eines Geflechts aus Verlust, Übergang und stillen Brüchen, das sich in Gegenwart und Vergangenheit spiegelt. Diese thematische Fülle wird handhabbar erzählt, aber der erzählerische Zug bleibt gedämpft, weil es sehr viel auf engem Raum ist.

Die Szenen zwischen Juss und Amber bilden den lebendigsten Teil. Ihre impulsive Art wirkte auf mich stellenweise jünger, aber gerade diese Unmittelbarkeit bringt Energie und erinnert an eine Kindheit, die noch ohne ständige Selbstinszenierung auskommt. Ihre Freiheit wirkt nicht künstlich, sondern wie ein Rückgriff auf ein kindliches Erleben, das heute meiner persönlichen Erfahrung nach in städtischer Umgebung selten geworden ist.

Der Roman vermittelt trotz ernster Themen ein Gefühl von Zusammenhalt. Die leise Hoffnung, die zwischen den Zeilen aufscheint, entsteht nicht aus Dramatisierung, sondern aus der Beobachtung alltäglicher Verletzlichkeit. Verlust und Neubeginn liegen oft nah beieinander …

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 04.11.2025

✎ Leonardo Mazzeo - Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr

Tierische Helden
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Das Buch „Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr“ von Leonardo Mazzeo lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück …

Das Konzept ist einfach: Tiere werden zu Helden, ihre Geschichten werden erzählt - ...

Das Buch „Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr“ von Leonardo Mazzeo lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück …

Das Konzept ist einfach: Tiere werden zu Helden, ihre Geschichten werden erzählt - zumindest aus ihrer Perspektive. Weil die Erzählung bewusst aus der Sicht der Tiere gehalten ist, erfährt man nur Bruchstücke der Handlung, also das, was meistens sie selbst getan und gefühlt haben.

Jede Geschichte bekommt zwei Doppelseiten im Buch. Bilder dominieren, der Text bleibt knapp. Das macht das Lesen für Kinder schnell möglich, aber auch oberflächlich.

Meine Tochter, gerade Zweitklässlerin, schnappte sich das Buch eigenständig und las eine Geschichte. Danach nutzten wir gemeinsam das Internet, um mehr über die Tiere zu recherchieren und vor allem, um Originalfotos zu sehen, denn im Buch gibt es nur Illustrationen.

Ich als Erwachsene kannte bereits ein paar der Geschichten und habe sogar 2 Filme gesehen, die meisten waren mir jedoch unbekannt.

Mich schockiert, dass es eine Geschichte wie die von Laika, der Hündin, die ins Weltall flog, in das Buch geschafft hat.

Auf den ersten Blick klingt das heroisch und erstaunlich. Doch bei genauerem Hinsehen und Nachlesen wird klar, dass es sich hier um Tierversuche handelte, und Laika sogar wenige Stunden nach dem Start verstarb. Für uns war dies keine Heldinnengeschichte, sondern eine, die traurige Fragen aufwirft.

Im Rückblick überzeugt das Buch durch seine Bilder und durch den Ansatz, Kinder mit wahren Tiergeschichten zu erreichen. Es fehlt jedoch Tiefe. Kurztexte und Illustrierbarkeit reichen nicht immer aus, wenn komplexere Themen wie Mut, Loyalität oder ethische Dimensionen angesprochen werden.

Ich finde: Wer ein kindgerecht gestaltetes Tierbilderbuch ab etwa sechs Jahren sucht, ist gut bedient, doch wer nach inhaltlicher Tiefe, Reflexion oder kritischer Auseinandersetzung sucht, wird unzufrieden sein. Vor allem denke ich, dass Erwachsene die Geschichten mit zusätzlicher Recherche begleiten sollten, wenn sie nicht bloß oberflächlich bleiben wollen.

Die illustratorische Gestaltung von Bianca Austria ist stark und trägt das Buch visuell, der Textumfang jedoch limitiert die Tiefe.

©2025 Mademoiselle Cake