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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2026

Humorvoll wie eh und je

Prost, auf die Fischer
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Auch der 12. Fall von Tischler, Fink und Co. (Resi natürlich nicht zu vergessen ) ist wieder sehr gelungen. Die Geschichte, die die Leser schon zum wiederholten Mal nach Brunngries einlädt, lebt auch diesmal ...

Auch der 12. Fall von Tischler, Fink und Co. (Resi natürlich nicht zu vergessen ) ist wieder sehr gelungen. Die Geschichte, die die Leser schon zum wiederholten Mal nach Brunngries einlädt, lebt auch diesmal weniger von brutaler Spannung als vielmehr von scharfem Witz, liebevoll gezeichneten Figuren und bayerischem Lokalkolorit. All diese Punkt machen ihn super amüsant und einfach angenehm zu lesen.

Die einzelnen Charaktere sind auch hier an einigen Stellen wieder wundervoll überzeichnet, ohne völlig in Karikaturen überzugehen. Besonders das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Charakteren und ihren Macken ist schön mitzuerleben. Besonders hat mich auch gefreut, dass Fink immer mehr aus sich herausgeht und auch mal Kontra gibt.

Der Kriminalfall selbst ist solide konstruiert und bietet einen guten Rahmen, auch für die unterschiedlichen Nebenschauplätze, die sich auch schon in früheren Bänden voranentwickelt haben.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass es sich auch beim 12. Prost um einen sehr unterhaltsamen, angenehm zu lesenden Krimi mit Charme, Wortwitz und bayerischem Flair handelt und dass auch nach der Lösung des Falls noch einige offene Enden bleiben, die es in den nächsten Bänden weiterzuverfolgen gilt.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Teils schwere, aber auch zutiefst wichtige Themen

Niemands Töchter
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So richtig aufmerksam geworden auf das Buch bin ich zunächst eher durch das Coverdesign, ich bin einfach ein großer Fan von Covern, die im Stil von Gemälden gestaltet sind. Aber auch der Klappentext hat ...

So richtig aufmerksam geworden auf das Buch bin ich zunächst eher durch das Coverdesign, ich bin einfach ein großer Fan von Covern, die im Stil von Gemälden gestaltet sind. Aber auch der Klappentext hat mich dann gleich gepackt und in mir die Neugierde geweckt herauszufinden, was es mit all diesen Fragen über Verantwortung, familiäre (Ver-)Bindungen und gesellschaftliche Strukturen so auf sich hat.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Alma, die in den 1980er‑Jahren in der Eifel aufwächst, und Isabell, die 2019 in Berlin lebt und den Verlust ihrer Mutter nie ganz überwunden hat. Was die beide, für den Leser meiner Meinung nach schon früh deutlich, verbindet ist eine schmerzhafte Leerstelle in sich, die ihr Fühlen und auch ihre Beziehungen prägt.
Insgesamt wird die gesamte Geschichte über Mütter, Töchter und das (oft auch unterbewusste) Weitergeben von transgenerationalen Wunden von Judith Hoersch in einem wunderbar ruhigen, eher melancholischen Ton erzählt. Die verschiedenen Perspektiven der Frauen bauen langsam immer mehr ein Gesamtbild der Lage auf und bringen teils auch eine unterschwellige Spannung mit sich, was schön zu lesen ist.
Alles in allem ein eindrückliches, bewegendes Buch, das nicht nur Fragen von individuellem Interesse verarbeitet, sondern auch gesellschaftliche Themen toll verarbeitet. Worüber ich mir noch etwas unschlüssig bin, ist u.A. die Tatsache, wie ich dazu stehe, dass manche (durchaus meiner Meinung nach hochrelevante aber auch oft schwierige) Themen, wie z.B. Vergewaltigungen hier nur relativ kurz, in einem Nebensatz erwähnt werden. Da hätte es sicherlich Potential gegeben, das noch etwas auszuarbeiten.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Ein ehrlicher, warmherziger Coming-of-Age-Roman

Und morgen dann erwachsen
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Die Geschichte ist ein einfühlsamer Roman über das Erwachsenwerden mit all seinen Unsicherheiten, Hoffnungen und kleinen Katastrophen. Im Mittelpunkt steht eine (namenslose) Hauptfigur, die sich zwischen ...

Die Geschichte ist ein einfühlsamer Roman über das Erwachsenwerden mit all seinen Unsicherheiten, Hoffnungen und kleinen Katastrophen. Im Mittelpunkt steht eine (namenslose) Hauptfigur, die sich zwischen jugendlicher Freiheit und den Erwartungen der Erwachsenenwelt wiederfindet und das auch in seiner Freundesgruppe, in den verschiedensten Formen miterlebt.

Ein wichtiges Motiv ist dabei auch der Vergleich zwischen dem was nach außen sichtbar ist und den inneren Krisen der Figuren: Für Außenstehende wirken die Partys, Witze und Social Media-Posts vielleicht zunächst sorglos, innerlich kämpfen die Protagonisten aber mit Krisen, Leistungsdruck und dem Gefühl, hinter den eigenen und gesellschaftlichen Erwartungen zurückzubleiben. Das geheimnisvolle Notizbuch ( es wirkt ein wenig, als wäre es wie eine erste Version des Buches) bündelt diese Konflikte symbolisch sehr schön, weil es dazu zwingt, die Dinge konkret zu benennen und sich auch damit auseinander zu setzen.

Insgesamt wirken die Figuren allesamt lebendig und glaubwürdig. Ihre Dialoge sind realistisch, oft humorvoll und spiegeln die typischen Gedankengänge einer Generation wider, die sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. Sehr gut gelungen ist dabei für mich auch die Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe. Neben witzigen Momenten gibt es auch immer wieder nachdenkliche Passagen, die zum Innehalten einladen.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht verständlich, sodass man schnell in die Geschichte eintaucht. Auch dass auf "typische" Jugendsprache verzichtet wird, tut dem Lesegenuss keinen Abbruch, im Gegenteil, es hilft, besser in die Geschichte hineinzukommen, weil man eben nicht sofort in einem Chaos aus ( für einen selbst eventuell total zusammenhangslosen) Anglizismen/Neologismen, etc. landet.

Alles in allem gelingt es Lenssen, die Atmosphäre einer Jugend voller Träume und Zweifel einzufangen, ein Gefühl, mit dem eigentlich alle auf irgendeine Art etwas anfangen können, denn jung sind/ waren wir alle mal !

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Super spannendes Beziehungs- und Vertrauensgeflecht

Wem du traust
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Es handelt es sich bei dieser Geschichte um einen psychologischen Kriminalroman, der Themen wie Vertrauen, Verrat und die Abgründe hinter der Fassade einer scheinbar perfekten Vorstadtfamile stehen, aufgreift.

Im ...

Es handelt es sich bei dieser Geschichte um einen psychologischen Kriminalroman, der Themen wie Vertrauen, Verrat und die Abgründe hinter der Fassade einer scheinbar perfekten Vorstadtfamile stehen, aufgreift.

Im Mittelpunkt steht Eva ( aus deren Perspektive auch die einzelnen Kapitel geschrieben sind), die mit ihrem Mann Daniel und dem gemeinsamen Sohn ein ruhiges Leben am Stadtrand führt. Als eines Abends Sofia, die fünfzehnjährige Tochter von Evas bester Freundin Susanne und zugleich Babysitterin der Familie, nach einer Fahrt mit Daniel nicht nach Hause zurückkehrt, gerät dieses scheinbar perfekte Leben ins Wanken.

Was mir unter Anderem sehr gut am Schreibstil hier gefallen hat, war dass die Autorin gerade ihren weiblichen Protagonistinnen (Eva und Susanne) eine sehr schöne, vielschichtige Charakterentwicklung gegeben hat; Aus inniger Vertrautheit wird unter Stress eine Beziehung, in der Misstrauen, versteckte Vorwürfe und Rivalität im Vordergrund stehen . Auch die Kontraste der Lebensmodelle (kleine Vorstadtfamilie mit Haus versus schickes Penthouse-Leben) setzt sie dabei geschickt ein.

Insgesamt wird weniger auf blutige Details als auf psychologische Spannung und Kontraste gesetzt, was angenehm zu lesen ist.
Die Auflösung und die gesamte Geschichte drum herum konnten mich dann aber leider nicht ganz überzeugen, der Plan der Mädchen schien für mich irgendwie nicht ganz nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Schöner Auftakt einer unterhaltsamen Cozy-Crime-Reihe mit Geisterelementen

The Morrisey Mysteries 1. Ein Mord in 3B
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Im Mittelpunkt der Geschichte steht Meg Dawson, die nach einem gescheiterten Karriereschritt einen Neuanfang in der Stadt, eben sogar im Gebäude ihrer Kindheit wagt. Nur um sich dann kurz darauf mitten ...

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Meg Dawson, die nach einem gescheiterten Karriereschritt einen Neuanfang in der Stadt, eben sogar im Gebäude ihrer Kindheit wagt. Nur um sich dann kurz darauf mitten in einem Mordfall wiederzufinden, in dem sie zusammen mit ihrer Geisterfreundin Ripley zu ermitteln beginnt.

Scott gelingt es, Meg sympathisch, nahbar und humorvoll zu zeichnen und auch ihr Talent Geister sehen und sich mit ihnen unterhalten zu können, schön einzubetten. Die Bewohner der anderen Apartments ( gerade Megs Freund aus Kindheitstagen; Laurie) sorgen für zusätzliche Wärme, aber auch für genügend Chaos, um die Handlung lebendig zu halten.

Der Kriminalfall ist voller Verwicklungen, die stückchenweise ans Licht kommen, nie aber unnötig brutal oder düster, sondern ganz im Stile des Cozy Crime, angenehm zu lesen. Das Buch lebt eher von cleveren Dialogen, Feingefühl für zwischenmenschliche Beziehungen und einer wachsenden Spannung, die bis zum Schluss trägt. Auch wenn ich persönlich zwischendrin die Menge an Verdächtigen, die immer wieder ( teils leider auch etwas "wie aus dem Nichts") neu eingeführt wurden, etwas "over the top" fand. Aber dadurch blieb natürlich die Geschichte auch spannend, weil immer wenn man das Gefühl hatte ganz nah dran zu sein, eben ein neuer Handlungsstrang den Alten überlagerte.

Insgesamt ein gelungener Auftakt, der Lust auf die weiteren Übersetzungen der anderen Fälle macht.

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