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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2025

Düster und erschreckend

Dark Places - Gefährliche Erinnerung
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Libby hat als kleines Kind die Ermordung ihrer Familie erlebt, ihr großer Bruder wird als Mörder verhaftet. Jetzt, als erwachsene Frau, führt sie ein einsames und unglückliches Leben, welches noch immer ...

Libby hat als kleines Kind die Ermordung ihrer Familie erlebt, ihr großer Bruder wird als Mörder verhaftet. Jetzt, als erwachsene Frau, führt sie ein einsames und unglückliches Leben, welches noch immer durch das Trauma ihrer Kindheit geprägt ist. Da es aber immer mehr Personen gibt, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln, beginnt sie über die Ermordung ihrer Familie nachzuforschen.

Das Buch ist in zwei Zeitebenen aufgebaut, einmal aus Libbys Sicht in heutiger Zeit, die versucht die Ereignisse, die zum Mord geführt haben, zu rekonstruieren. Zum anderen Rückblicke in die Vergangenheit aus Sicht der Familie selbst.

Libby war mir anfangs sehr unsympathisch. Obwohl mittlerweile über 30 sieht sie sich immer noch als das kleine traumatisierte Kind von damals, schafft es kaum ihr Leben in den Griff zu bekommen und erwartet, dass andere ihre Probleme lösen. Im Laufe des Romans jedoch wird Libby jedoch immer menschlicher, vielleicht nicht wirklich nett, aber man merkt, dass sie auch gute Seiten an sich hat.

Insgesamt sind die Charaktere sehr schwierig. Obwohl man viele Handlungen nachvollziehen kann, sind viele Reaktionen stark an der Grenze zum Erträglichen oder es geht sogar darüber hinaus. Es handelt sich um keine an sich netten Personen, sondern um Menschen die sich im Grenzbereich der Gesellschaft aufhalten und mit allen Mitteln versuchen ihren Platz zu finden oder ihn zumindest zu halten.

Obwohl es sicher brutalere Thriller gibt, habe ich durch die bedrückende Atmosphäre des Buches jede grausame oder unangenehme Szene wesentlich stärker wahrgenommen. Es waren tatsächlich manchmal einfach kleine Details, die es mir ermöglicht haben, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der einzelnen Personen nachzuempfinden.

„Dark Places“ hat mir gezeigt, wie durch ein paar schlechte Entscheidungen, die Dynamik einer Kleinstadt und die Vorurteile gegenüber einer Familie nahe an der Armutsgrenze, eine Situation völlig eskalieren kann. Ich habe mich während des Lesens oft gefragt, ob es in einem anderen Setting überhaupt zu den Morden hätte kommen können.

Besonders bedrückend war es vor allem für mich, dass man die Rückblicke aus der Sicht von Libbys Mutter und ihrem Bruder miterlebt hat. Man konnte die Familie mit all ihren Fehlern, aber auch ihren Hoffnungen und Bemühungen kennen lernen und wusste trotzdem von Anfang an, dass sie ein brutales und tragisches Ende nehmen würden.

Zeitweise war mir der Thriller zwar etwas zu langatmig und zu sehr auf das Selbstmitleid und Trauma von Libby fixiert. Trotzdem war es für mich insgesamt spannend, da ich mir während des Lesens wirklich nie ganz sicher sein konnte, wer der Mörder war und am Ende fast jeden einmal im Verdacht hatte. Auch wenn es für mich nicht der beste Thriller von Gillian Flynn ist, wurde ich doch regelmäßig auf falsche Fährten gelockt, sodass das Ende für mich überraschend kam.

Für mich war es ein faszinierendes Buch, welches mir die Abgründe, aber die Stärken der menschlichen Seele aufgezeigt hat. Es war düster, beklemmend und vermittelte mir eine ganz neue Dimension von Hoffnungslosigkeit, die mich in ihrer Endgültigkeit erschreckt hat. Bis auf ein paar langatmige Abschnitte, gerade zu Anfang, hat das Buch mich insgesamt in seinen Bann gezogen und mein Gehirn ordentlich durcheinander gewirbelt, wie ich es bereits von Gillian Flynn kenne.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Subtile Frauenpower

Die Kryptografin
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Margot studiert als eine von wenigen Frauen Mathematik und wird aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als Mitarbeiterin für den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes angeworben. Die anfangs verheißungsvolle ...

Margot studiert als eine von wenigen Frauen Mathematik und wird aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als Mitarbeiterin für den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes angeworben. Die anfangs verheißungsvolle Stelle birgt jedoch seine eigenen Herausforderungen.

Margot muss sich mit Vorurteilen, Mobbing und ihrem eigenen Seelenleben auseinander setzen, welches noch vom zweiten Weltkrieg traumatisiert ist. Dabei hilft ihr einerseits ihre Freundin Sue, welche selbst gerne eine erfolgreiche Journalistin werden möchte, jedoch stattdessen verzweifelt versucht ihren kleineren verwaisten Geschwistern ein sicheres Zuhause zu bieten, auch wenn es sie fast an ihre Belastungsgrenze bringt. Und natürlich Willi, welcher mit seiner sanften und verständnisvollen Art einer meiner Lieblingscharaktere ist.

Der Roman beeindruckt durch seine sanften Töne. Die Story an sich ist nicht wirklich überraschend, mir hat sie jedoch einen völlig neuen Blickwinkel auf die Nachkriegszeit eröffnet. Es sind so viele Frauen gewesen, die durch ihre Stärke geholfen haben, dass es weitergehen konnte. Stellvertretend Margot, die ihren Weg geht und sich langsam selbst akzeptieren lernt und ihre Kriegstraumata überwindet. Aber auch Sue, die alles in ihrer Macht stehende für ihre Familie tut. Sie möchte Geschwistern ein Zuhause bieten, muss aber gleichzeitig für den Lebensunterhalt sorgen. Es sind hier nicht die großen Töne der Männer, die Karriere machen und damit alle beindrucken, sondern Frauen, die durch ihre subtile Art alles zusammen halten und damit neue Perspektiven ermöglichen.

Genauso wie Margot ist das Buch eher ruhig und zeigt auf subtile Art, was Frauen leisten können, wenn sie zusammen halten und sich erlauben ihre Träume zu leben. Die Story birgt vielleicht nicht viele Überraschungen und es hätte für mich etwas mehr von der Kryptografie handeln können, trotzdem hat es mich durchweg interessiert, wie es weitergeht und die einzelnen Personen ihre Probleme lösen. Insgesamt hat mir der Roman ein gutes und hoffnungsvolles Gefühl gegeben, denn in uns allen steckt mehr Positives und Besonderes, als man auf den ersten Blick vielleicht erkennen kann.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Wenig überraschend…

Atlas - Die Geschichte von Pa Salt
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Die sieben Schwestern treffen sich, um sich gemeinsam von ihrem Vater zu verabschieden. Dabei erfahren sie durch Pa Salts Tagebücher seine bewegende Lebensgeschichte und wie es zu ihrer Adoption kam.

Genauso ...

Die sieben Schwestern treffen sich, um sich gemeinsam von ihrem Vater zu verabschieden. Dabei erfahren sie durch Pa Salts Tagebücher seine bewegende Lebensgeschichte und wie es zu ihrer Adoption kam.

Genauso wie bei den Bänden der Reihe, bin ich auch beim letzten Buch hin- und hergerissen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass Lucinda Rileys Sohn das Buch zu Ende schreiben musste oder ob es an der Thematik an sich lag, aber mir hat einiges an Spannung gefehlt. Natürlich wurden zum einen viele schöne, emotionale Momente beschrieben und ich habe mich sehr gefreut alle sieben Schwestern noch einmal wiederzusehen. Doch auf der anderen Seite gab es in dem Roman kaum überraschende Entwicklungen, da man ja bereits die anderen Bände kennt und gelesen hat, wie es zu den Adoptionen kam. Natürlich war es faszinierend, welche Rolle Pa Salt jeweils gespielt hat, aber so außergewöhnlich war sein Wirken meistens nicht, dass es für ein wirkliches Aha-Erlebnis gesorgt hätte.

Für mich persönlich lag auch der Abstand zu den ersten Bänden zu weit zurück. Gerade durch die vielen Figuren viel es mir teilweise schwer mich zu erinnern, wer jetzt genau wer war und wie sie mit den Schwestern zusammenhingen. Eigentlich müsste man noch einmal alle vorherigen Bände lesen, um wirklich zu erkennen, wie verknüpft alles miteinander ist.

Trotzdem finde ich es beeindruckend wie die alte Mythologie der sieben Schwestern ins Moderne übertragen wurde und wie sich alles im letzten Buch findet und zu einem Ende kommt.

Ich bin froh den Roman gelesen zu haben, da er einen guten Abschluss für die Reihe gebildet hat und ich mich von jeder Figur noch einmal verabschieden konnte. Trotzdem war er mir zeitweise viel zu langatmig und ich hätte mir mehr Szenen gewünscht die nur Pa Salt erlebt hat. So jedoch wurde vieles aus den vorherigen Bänden wiederholt und es wirkte zeitweise sehr konstruiert, nur um eine Verbindung zu allen sieben Schwestern herzustellen.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Crashkurs moderner Beziehungsformen

Open Hearts
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Nachdem sich Mistys Verlobter nach einer langjährigen Beziehung von ihr trennt, zieht Misty zunächst zu ihrer Mutter, um wieder auf die Beine zu kommen. Als sie wieder mit dem Daten beginnt, trifft sie ...

Nachdem sich Mistys Verlobter nach einer langjährigen Beziehung von ihr trennt, zieht Misty zunächst zu ihrer Mutter, um wieder auf die Beine zu kommen. Als sie wieder mit dem Daten beginnt, trifft sie auf Christopher, bei dem ihr erst auf den zweiten Blick bewusst wird, dass er eine offene Beziehung führt. Sie lässt sich darauf ein, auch um ihr eigenes Verhalten in Partnerschaften zu hinterfragen und lernt dabei viel über sich selbst und das Leben in einer modernen Gesellschaft.

Ich verstehe, dass diese Art Roman polarisieren soll und die Meinungen sehr weit auseinander gehen können. Tatsächlich bin ich etwas hin- und hergerissen, weil mir die Idee und meistens auch die Protagonistin gut gefallen haben, es für mich aber insgesamt nicht stimmig war. Daher gibt es heute meine Bemerkungen in Pro und Kontra aufgeteilt:

Pro:
Misty ist für mich zumindest am Anfang ein sehr sympathischer und humorvoller Mensch. Sie hat keine Schwierigkeiten sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und besitzt einen interessanten Freundeskreis. Ihre Einstellungen innerhalb von Beziehungen sind teilweise sehr fragwürdig, aber auch das finde ich für den Roman in Ordnung. Ich denke jeder kennt das Gefühl, dass man sich bis zu einem gewissen Grad anpassen muss, die Frage ist nur, wie weit darf es gehen?
Der Roman zeigt viele verschiedene Möglichkeiten, von ganz traditionellen Beziehungen, wie Vater-Mutter-Kind, bis zu offenen Partnerschaften, Polyamorie, queere… Er regt zum Nachdenken an, was man für sich selbst wirklich möchte und was uns nur von der Gesellschaft als richtig suggeriert wird.
Der Schreibstil ist an sich angenehm zu lesen, auch wenn die häufigen Fehler den Schreibfluss durchaus stören können.

Kontra:
Leider war mir Christopher schlicht und ergreifend unsympathisch. Er hat Misty mit einer gewissen Regelmäßigkeit spüren lassen, dass sie für ihn zu ungebildet ist und sogar sein Sohn mehr Wörter als sie kennen würde. Auch seine offene Beziehung hat in mir immer mehr den Eindruck hinterlassen, dass es sich eher um einen Freifahrtschein zum Fremdgehen gehandelt hat als alles andere, weil es eindeutig an emotionaler Nähe zu seiner festen Partnerin fehlte. Und damit geht für mich auch der Sinn des Romans verloren. Bis jetzt weiß ich nicht, was die Botschaft des Buches sein soll und wenn man schon einen polarisierenden Roman schreibt, dann sollte es auch irgendeine Aussage geben und den Leser, in diesem Fall mich, nicht völlig verwirrt zurück lassen. Hinzu kommt, dass Misty zwar eine Entwicklung ihrer Persönlichkeit durchmacht hat, aus der sie auch gestärkt herausgeht, aber leider gleichzeitig völlig humorlos wird. So mochte ich ihr am Ende auch nicht mehr besonders gerne zuhören.

Fazit:
Ich fand die Idee des Romans an sich sehr gut, denn jeder sollte darüber nachdenken, was er wirklich im Leben möchte und sich nicht nach den klassischen gesellschaftlichen Erwartungen richten. Trotzdem haperte es für mich an der Umsetzung. Während der Anfang mir durch seine humorvolle Art sehr gut gefiel, war ich am Ende nur noch verwirrt und teilweise auch etwas gelangweilt.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Vielleicht zu viel erwartet...

Selling Dreams
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Marissa hat sich durch harte Arbeit, Leidenschaft und jede Menge Charme einen Ruf als hervorragende Immobilienmaklerin erkämpft. Nachdem sie von ihrem alten Arbeitgeber enttäuscht wurde, erhält sie glücklicherweise ...

Marissa hat sich durch harte Arbeit, Leidenschaft und jede Menge Charme einen Ruf als hervorragende Immobilienmaklerin erkämpft. Nachdem sie von ihrem alten Arbeitgeber enttäuscht wurde, erhält sie glücklicherweise einen neuen Job bei der besten Agentur in NYC. Der Haken: sie muss nun ausgerechnet mit ihrem ehemaligen Konkurrenten Calder zusammen arbeiten, bei dem sie sich im Laufe der Zeit immer häufiger fragt, ob die Spannung zwischen den beiden wirklich nur aufgrund des Wettkampfs um die meisten Verkäufe besteht.

Ich liebe Marissa. Sie ist tough, temperamentvoll und weiß genau was sie möchte. Auch wenn von Anfang an eine wahnsinnige Spannung zwischen ihr und Calder besteht, lässt sie sich nicht direkt um den Finger wickeln, sondern kontert schlagfertig jede seiner Charmeoffensiven. Trotzdem hat sie eine sehr weiche und gefühlvolle Seite. Selbst bei den Immobilienverkäufen geht es ihr nicht nur ums Geld, sondern sie möchte wirklich, dass ihre Kunden glücklich sind und ein Zuhause finden. Nach Marissas begeisternden Art würde ich am liebsten auch in die Welt rausgehen und für jeden die perfekte Immobilie finden… Aber auch für ihre Freunde und Familie ist sie da. Natürlich hat sie ihre Fehler und vor allem in letzter Zeit stand der Beruf einfach viel zu häufig an erster Stelle, aber sie ist trotzdem sehr loyal und möchte sich glaubhaft bessern.

Ganz anders sah es für mich bei Calder aus. Marissa ist eindeutig Feuer, aber wieso er das Eis repräsentieren soll, ist mir nicht klar. Anfangs fand ich ihn wirklich sympathisch und auch im Umgang mit seiner Familie toll, aber dann hat die Autorin versucht ihm eine neue Tiefe zu geben, die für mich einfach nicht gepasst hat. Natürlich ist es toll, wenn Charaktere vielschichtig sind, aber das muss im Verhalten auch erkennbar werden. Für mich kann niemand nach außen Everybody´s Darling sein und der beste Verkäufer eines riesigen Unternehmens, um dann im Privaten eine völlige Kehrtwende zu machen. Ich mag Calder und auch den Rest seiner Familie (ich glaube seine beiden Brüder gefallen mir sogar noch besser), aber das Gesamtpaket fand ich nicht überzeugend.

Und jetzt zur Handlung. Das Thema der High-End-Immobilien fand ich sehr interessant und auch die Einblicke in die Arbeitsweise eines riesigen Unternehmens fand ich spannend. Da leider ein großer Anteil vom Plot auf Calders Problemen beruht und irgendwann auch nicht mehr so viel passiert, fand ich das Buch zeitweise sehr langatmig. Wenn ihr dieses Buch lesen solltet, werdet ihr merken, dass viele wichtige Themen angesprochen werden und bitte versteht mich nicht falsch, das finde ich auch sehr wichtig. Trotzdem möchte ich gerade bei einer Romance gut unterhalten werden und den Love Interest faszinierend finden. Ich war dagegen eher irritiert und leicht gelangweilt.

Der Roman hat eine temperamentvolle, starke und trotzdem liebenswerte Protagonistin und viele interessante Anspielungen auf die folgenden Bände, nur hat mich der Start leider nicht überzeugt. Sowohl die zwischenzeitlichen Längen als auch die männliche Hauptfigur haben es für mich eher zu einem durchschnittlichen Roman werden lassen. Trotzdem würde ich nicht ausschließen, dass ich den Folgeband noch lese, da der Schreibstil wirklich sehr angenehm war und ich das zukünftige Pärchen gerne mag.

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