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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2018

3 Engel für Oma

Drei Schwestern am Meer
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Mit ihrem Roman "Drei Schwestern am Meer" entführt Anne Barns ihre Leserinnen nach Rügen. Rügen! Viel zu selten fährt Rina ihre Oma auf der Insel besuchen. Jetzt endlich liegen wieder einmal zwei ruhige ...

Mit ihrem Roman "Drei Schwestern am Meer" entführt Anne Barns ihre Leserinnen nach Rügen. Rügen! Viel zu selten fährt Rina ihre Oma auf der Insel besuchen. Jetzt endlich liegen wieder einmal zwei ruhige Wochen voller Sonne, Strand und Karamellbonbons vor ihr. Doch dann bricht Oma bewusstlos zusammen, und Rina muss sie ins Krankenhaus begleiten. Plötzlich scheint nichts mehr, wie es war, und Rinas ganzes Leben steht auf dem Kopf.

Das Cover ist in warmen Tönen gestaltet worden und sieht hinreißend aus. Der Leser blickt auf eine hübsch dekorierte, selbstgemachte Torte, die das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt. Des weiteren fallen zwei Karamell-Bonbons ins Auge, und auch die Muschel als Symbol für das Meer fehlt nicht. Der eingängige Titel des Romans ist in einer kursiven, leicht verschnörkelten lilafarbenen Schrift gestaltet worden. Er ist ganz klar Programm - hier weiß man sofort, was man von diesem Buch erwarten kann.

Der Plot ist nicht neu, aber gut umgesetzt. Auch das Setting auf einer Insel an der malerischen Ostsee ist perfekt gewählt. Insel-Romane erfreuen sich rund um das Jahr großer Beliebtheit, und in Kombination mit einer emotional erzählen Familien- und Liebesgeschichte kann (im positiven Sinne) kaum etwas schiefgehen. Abgerundet wird der Roman durch einige Rezepte, die zum Nachmachen einladen - fertig ist die perfekte Mischung!

Tatsächlich wird die hohe Erwartungshaltung des Lesers nicht enttäuscht. Anne Barns versteht ihr literarisches Handwerk. Sie schreibt in einem atmosphärisch dichten Stil und füllt ihre Schauplätze mit Leben. Man glaubt die weißen Kreidefelsen auf Rügen und das behagliche Heim der Großmutter direkt vor sich zu sehen.

Das Geschehen wird aus der Ich-Sicht von Rina, der ältesten Schwester, vermittelt, die nach einer gescheiterten Beziehung in Berlin wieder ihre Zuflucht im Hause ihrer Großmutter auf Rügen sucht. Auch die zwei anderen Schwestern haben ausnahmslos ein glückliches Händchen für den falschen Mann und sind (glücklicherweise) alles andere als perfekt. Aus diesem Grunde wirken alle Protagonisten authentisch und lebendig; man kann sich sehr leicht in ihre Situation hineinversetzen und ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen.

Das Buch vermittelt wichtige Wertvorstellungen, die in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten sind. Natürlich haben alle drei Schwestern längst ihre Heimat verlassen, um ihre Berufswünsche zu verwirklichen und auf eigenen Füßen zu stehen. Trotzdem ist ihre enge Bindung an ihre Großmutter, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen hat, niemals abgerissen. Als sie ins Krankenhaus kommt und ihre Hilfe benötigt, zeigen sie ihre Liebe und Dankbarkeit und lassen sie alles stehen und liegen, um ihrer kranken Großmutter zur Seite zu stehen. Nach und nach wird ein kleines Geheimnis gelüftet, das weit in die deutsch-deutsche Vergangenheit weist. Auch für die patente Großmutter, die einen schweren Verlust ertragen und mit einer Lüge leben musste, gibt es ein Happy-End - und jeder Leser gönnt es ihr von ganzem Herzen.

Für mich ist dieses Buch mein persönliches Highlight in diesem Monat. Anne Barns hat einen wunderschönen Wohlfühl-Roman vorgelegt. Er ist wie eine liebevolle Umarmung an einem eisigen Tag, die mein Herz wärmt und mich zu Hause ankommen läßt. Gern vergebe ich heute die Höchstpunktzahl von 5 Sternen und freue mich auf weitere Feel-Good-Romane von Anne Barns.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Courage all the time

Die amerikanische Prinzessin
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Die Vereinigten Staaten sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Musterbeispiel für den amerikanischen Traum ist Allene Tew, die Heldin der Biographie "Die amerikanische Prinzessin" von Annjet ...

Die Vereinigten Staaten sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Musterbeispiel für den amerikanischen Traum ist Allene Tew, die Heldin der Biographie "Die amerikanische Prinzessin" von Annjet van der Zijl. Am 13. April 1927 geht Allene Tew im Hafen von New York an Bord der Mauretania. Sie lässt ein Leben hinter sich, das ihr alles geschenkt hatte, wovon sie als junges Mädchen vom Land einst träumte: Wohlstand, Ansehen, Mutterglück und die Liebe ihres Lebens. Fast alles hat sie wieder verloren. ›Die reichste und traurigste Witwe der Stadt‹ nennen die Klatschspalten Allene. Doch an diesem Tag bricht sie auf in eine neue Welt. In Europa wartet auf sie eine zweite Heimat, eine Zukunft als wahrhaftige Prinzessin, russische Gräfin und Patentante von Königin Beatrix.

Das Cover ist in Sepia-Tönen gehalten und erinnert an eine Fotografie aus einem alten, verstaubten Album. Es zeigt eine in kühles Weiß gekleidete Frau, die sich in einem Boot an Land bringen läßt, das die amerikanische Flagge trägt. Sie zeigt eine stolze, aufrechte Haltung und hält einen Sonnenschirm in der Hand, um ihren blassen Teint vor der Sonne zu schützen. Der Titel der Biographie ist gut gewählt. Er birgt einen tiefen Widerspruch in sich und macht auf die Biographie neugierig.

Die niederländische Autorin und Historikerin Annjet van der Zijl hat gründlich recherchiert und stützt sich auf viele historische Dokumente. Sie schreibt in einem gut lesbaren Stil und rekonstruiert ein bewegtes Leben, das sich vor einem interessanten historischen Panorama vollzieht. Allene Tew stammt aus einer einfachen, in Jamestown lebenden Familie und schafft über gut gewählte eheliche Verbindungen den sozialen Aufstieg in einer Epoche, die sie durch Wirtschaftsboom, Revolution, die Goldenen Zwanziger Jahre, Weltwirtschaftskrise und - nicht zu vergessen - zwei Weltkriege führt.

Sie ist eine starke Persönlichkeit, deren erklärter Wahlspruch lautet: Courage all the time. In ihrem bewegten Leben muss sie viele schwere Schicksalsschläge (Scheidungen, Tod von Kindern und Ehemännern) ertragen, aber sie lässt sich niemals gehen, sondern bewahrt stets die Contenance und geht gestärkt aus ihnen hervor. Wenn man so will, ist diese distanzierte, kühle Haltung ihrer Erziehung in der Viktorianischen Epoche geschuldet.

Charakterlich gesehen scheint sie ein großzügiger, toleranter Mensch gewesen zu sein, dem wahre Loyalität mehr bedeutete als familiäre Bindungen. Wer einmal ihr Herz gewonnen hatte, konnte ihrer (finanziellen) Unterstützung - auch über den Tod hinaus - sicher sein. Dies gilt nicht nur für ihren geliebten Stiefsohn und ihren letzten Ehemann, sondern auch für andere Menschen, die sie durch "zufällige" Begegnungen kennen- und schätzen gelernt hatte. Vor allem ihre enge Bindung an das niederländische Königshaus hat mich persönlich überrascht.

Allene Tew hat den amerikanischen Traum verwirklicht. Aber ist sie glücklich geworden? Die Antwort auf diese schwierige Frage muss der Leser selbst finden. In jedem Falle hat diese faszinierende Biographie einer ungewöhnlichen Frau, die den Mut hat, ihren Weg bis zum bitteren Ende zu gehen, die Höchstpunktzahl von 5 Sternen verdient.

Veröffentlicht am 01.02.2018

Skandal in Hollywood

Der Mann, der nicht mitspielt
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n den letzten Monaten ist die Traumfabrik wieder in den Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit gerückt. Tagtäglich werden wir mit brisanten Informationen überschüttet, die im Rahmen der #metoo-Bewegung ...

n den letzten Monaten ist die Traumfabrik wieder in den Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit gerückt. Tagtäglich werden wir mit brisanten Informationen überschüttet, die im Rahmen der #metoo-Bewegung aufgedeckt werden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist es sehr spannend, in die Anfänge von Hollywood einzutauchen.

Der Detektivroman "Der Mann, der nicht mitspielt" von Christof Weigold ist der Start einer Reihe, die auf den größten Skandalen und ungeklärten Mordfällen des frühen Hollywood basiert. In den Roaring Twenties war Hollywood ein wahres Sündenbabel zur Zeit der Stummfilme und der Prohibition. Rätselhafte Todesfälle erschüttern die Stadt. Mittendrin steht ein deutscher Privatdetektiv.
Privatdetektiv Hardy Engel, ein gescheiterter deutscher Schauspieler, wird von der schönen Pepper Murphy beauftragt, das verschwundene Starlet Virginia Rappe zu finden. Kurz darauf stirbt Virginia unter mysteriösen Umständen, nachdem sie eine Party des beliebten Komikers Roscoe 'Fatty' Arbuckle besucht hat. Dieser wird beschuldigt, sie brutal vergewaltigt und tödlich verletzt zu haben. Angefacht von den Boulevardzeitungen des Hearst-Konzerns entwickelt sich der Fall zum größten Skandal der Stummfilmzeit, der ganz Hollywood in den Abgrund zu ziehen droht.
Hardy Engel ermittelt in zwei rivalisierenden Filmstudios und in der Kolonie der Deutschen rund um Universal-Gründer Carl Laemmle. Unterstützt wird er von seinem Lieblings-Bootlegger Buck Carpenter, der ihn mit Insiderinfos und Whisky versorgt, und Pepper, in die er sich Hals über Kopf verliebt, obwohl sie etwas zu verbergen scheint. Als Hardy Engel schließlich die Wahrheit herausfindet, die allzu viele Leute vertuschen wollen, ist nicht nur sein Leben in Gefahr.

Ich gebe es offen zu: das außergewöhnliche Cover dieses Buches hat mich magisch angezogen. Die Aufmachung der Hardcover-Ausgabe ist sehr edel; wann findet man in der heutigen Zeit noch ein Buch mit einem Lesebändchen? Der Schutzumschlag ist in Schwarz-Weiß gehalten, was perfekt zu den Roaring Twenties passt. Der Betrachter hat das Gefühl in einem zeitgenössischen Auto zu sitzen und eine dunkle, von Palmen gesäumte Straße entlangzubrausen, die ins Nirgendwo zu führen scheint. Der Titel ist in goldene Lettern gesetz und nimmt gekonnt das Motiv "Film" auf, tanzt gleichzeitig wegen seiner Länge etwas aus der Reihe. Der Leser freut sich auf die Begegnung mit einem Unbekannten, der nicht im Abspann eines berühmten Films erscheinen wird - und der sich nicht an die Gepflogenheiten in der Traumfabrik hält.

Wie bereits erwähnt, greift Christof Weigold einen historisch belegten Fall auf, der Virginia Rappe das Leben und Fatty Arbuckle seine Karriere kosten sollte. Die Umsetzung der Geschichte ist schlichtweg genial; ich konnte meine Hände nicht mehr von diesem Buch lassen. Vor meinen Augen lief großartiges Kopf-Kino ab. Christof Weigold ist es gelungen, die Roaring Twenties zum Leben zu erwecken. Er schreibt aus der Ich-Perspektive von Hardy Engel, einem typischen "Loosers", der nach dem Ersten Weltkrieg aus Deutschland in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist und wie viele Zeitgenossen vergeblich von einer Karriere in der Traumfabrik träumt. Hardy Engel schlittert naiv und unbedarft in die Ermittlungen in diesem Fall; er setzt mitunter auf das falsche Pferd und muss für seine Fehler teuer bezahlen. Fiktion und Realität verschwimmen in diesem Roman auf eine faszinierende Weise; der Leser begegnet vielen bekannten Persönlichkeiten aus den Roaring Twenties, die - wie zeitgenössische Stars - mehrere Gesichter zu haben scheinen und mit wenigen Worten anschaulich und treffend charakterisiert werden .

Gern vergebe ich die Höchstnote von 5 Sternen. Eigentlich wäre ein "Oscar" angemessen. Auf jeden Fall freue ich mich auf weitere atemberaubende, spannende Bände. Hollywood ist reich an Skandalen - Christof Weigold wird aus dem Vollen schöpfen können. Film ab!

Veröffentlicht am 13.01.2018

Spiel mir das Lied vom Tod

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Wer hat noch keine altmodische Spieluhr in seinen Händen gehalten und fasziniert ihrer Melodie gelauscht? Hier ist es "Hush, little baby", das jedem Leser nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf gehen ...

Wer hat noch keine altmodische Spieluhr in seinen Händen gehalten und fasziniert ihrer Melodie gelauscht? Hier ist es "Hush, little baby", das jedem Leser nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf gehen wird.

Mit "Das Lied der toten Mädchen" legt Linus Geschke bereits den 3. Fall für sein Ermittlerduo Mütze und Jan Römer vor. Hier geht es um einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall. Im Herbst 1997 wird auf dem Wilzenberg eine junge Frau tot aufgefunden, ermordet durch einen Stich ins Herz. Der Täter lässt nichts zurück außer einer Spieluhr, die »Hush little baby« spielt. In der Gegenwart rollt Jan Römer, Reporter für ungelöste Kriminalfälle, rollt mit seiner Kollegin Mütze das Verbrechen neu auf. Warum trug das Opfer trotz der Kälte nur ein dünnes rotes Kleid? Warum kann niemand etwas zu dem Gästehaus im Wald sagen, in dem die Frau damals arbeitete? Dann wird wieder eine Frau getötet. Auch neben ihrer Leiche wird eine Spieluhr gefunden. Und Jan Römer begreift, dass die Vergangenheit nicht tot ist …

Das Cover des Buches nicht spektakulär. Aber es passt gut zu dem Schauplatz des Krimis, der in Schmallenberg, mitten im idyllischen Sauerland, spielt. Es ist in dunklen Farben gehalten und zeigt einen Feldweg, der ins Nirgendwo zu führen scheint. Der Titel ist gut gewählt; er rekurriert auf den Inhalt und bleibt im Gedächtnis haften.

Der Plot hat mich überzeugt. Linus Geschke verbindet einen "typischen" ungelösten Mordfall mit einem brisanten politischen Hintergrund. Auch das Setting ist gut gewählt. Die Handlung spielt an verschiedenen Orten (Berlin, Köln, Meschede usw.), die Spuren führen aber immer wieder nach Schmallenberg zurück. Einem kleinen Ort mitten im Sauerland, an dem vor zwanzig Jahren ein Verbrechen geschehen ist - und wo es letztendlich gesühnt wird.

Es ist meine erste Begegnung mit dem Ermittlerduo Mütze und Jan Römer. Deshalb kann ich hier nichts zu ihrer persönlichen Entwicklung im Laufe der letzten Fälle sagen. Sie sind ein ungewöhnliches Paar, das nicht richtig zusammen passen will, aber trotzdem gut zusammenarbeitet. Mütze und Jan sind starke Protagonisten, sie lieben ihren Beruf als Reporter, haben viele Ecken und Kanten, und ihr Privatleben ist alles andere als unkompliziert. Die Ehe von Jan ist in die Brüche gegangen, seine Frau hat einen neuen Freund und zieht in ein anderes Bundesland, er verliert den Kontakt zu seinem Sohn und betäubt seinen tiefen Schmerz durch Alkohol. Mütze scheint nichts von Beziehungen zu halten und hat keinen festen Freund, obwohl sie eine gutaussehende junge Frau ist. Abgerundet wird dieses schräge Ermittlerduo durch die interessante Figur des ehemaligen Profi-Boxers Arslan, der weniger durch seine geistigen Fähigkeiten als durch seinen körperlichen Einsatz für seine Freunde punktet.

Linus Geschke schreibt in einem klaren, gut lesbaren Stil. Sein neues Buch ist ein absoluter "Page-Turner", den man nicht aus der Hand legen kann (und möchte). Er versteht sein literarisches Handwerk, konstruiert einen spannenden Fall, baut unerwartete Wendungen in die Handlung ein und legt falsche Fährten, die in die Irre führen. Auf diese Weise gelingt es ihm, seinen Spannungsbogen bis zum Ende zu halten. Dann überrascht er mit einer einfachen Lösung, mit der man trotz dezenter Hinweise gar nicht gerechnet hat.

Mich hat dieser atmosphärisch dichte, spannende Krimi überzeugt, der ohne extremes Blutvergießen auskommt. Deshalb vergebe ich gern 5 Sterne und eine klare Lese-Empfehlung.


Veröffentlicht am 31.12.2017

Schatten der Vergangenheit

Die Eishexe
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Mit dem Roman "Die Eishexe" legt die schwedische Autorin Camilla Lackberg bereits den 10. Band einer Reihe vor, in deren Mittelpunkt der Hauptkommissar Patrik Hedström und seine Frau, die Schriftstellerin ...

Mit dem Roman "Die Eishexe" legt die schwedische Autorin Camilla Lackberg bereits den 10. Band einer Reihe vor, in deren Mittelpunkt der Hauptkommissar Patrik Hedström und seine Frau, die Schriftstellerin Erika Falck, stehen.

Hier geht es um ein kleines Mädchen, das von seinen Eltern vermisst gemeldet wird. Schon einmal wurde ein Mädchen dort getötet. Dreißig Jahre ist das nun her. Zwei Dreizehnjährige bekannten sich zur Tat – um wenig später ihr Geständnis zu widerrufen. Der Fall wurde nie geklärt. Im Ort herrscht Hysterie. Und plötzlich reden alle von der Eishexe. Dem bodenständigen Hauptkommissar Patrik Hedström widerstrebt es, dass eine Legende um ein misshandeltes Mädchen aus dem 17. Jahrhundert die Ermittlungen beeinflusst. Gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Erica Falck, versucht er, Licht in das Dickicht aus Geschichten und Gerüchten zu bringen.

Das Cover ist in kalten Farben gehalten. Es wirkt düster und gespenstisch und ist ganz auf den gut gewählten Titel abgestimmt. Er erinnert an die Protagonistin Britta, die im Laufe der Geschehens von ihrer Halbschwester Elin so genannt wird

Es ist meine erste Begegnung mit Camilla Lackberg, und ich bin fasziniert von ihrem literarischen Können.. Sie hat sich für einen ausgefallenen Plot entschieden, in dem geschickt Gegenwart und Vergangenheit miteinander verwoben werden. Auch das Setting in einem abgelegenen Dorf in Schweden ist perfekt. Tradition und Moderne treffen aufeinander. Hier wird Geschichte lebendig.

Camilla Lackberg schreibt in einem flüssigen und gut lesbaren Stil. Sie schafft es, ihren Spannungsbogen bis zur letzten Seite auf einem konstant hohen Niveau zu halten, und man kann ihren Roman gar nicht aus den Händen legen. Ihre Protagonisten sind fein nuanciert ausgearbeitet; sie sind komplexe Menschen mit Ecken und Kanten, die mit vielen Dämonen kämpfen.

Der Roman spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, die untrennbar miteinander verbunden sind. Die Handllung wechselt zwischen dem Mord von vor 30 Jahren, dem neuen Verschwinden eines Kindes in der Gegenwart und der Geschichte von Elin, einer kräuterkundigen verwitweten Magd, die im 17. Jahrhundert ein Opfer der Hexenverfolgung in Schweden wurde. Besonders gut hat mir gefallen, dass Camilla Lackberg nicht nur die blutige Geschichte der Hexenverfolgung aufarbeitet , sondern auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie die Flüchtlingspolitik in Schweden in ihrem Roman aufgreift.

Für mich ist dieses Buch ein klares Highlight. Gern vergebe ich 5 Sterne für einen atmosphärisch dichten, faszinierend erzählten und spannenden Roman, der mich viele Stunden lang in seinen Bann geschlagen hat.