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Veröffentlicht am 22.12.2025

Krass-geniale Fortsetzung

Rostiges Grab
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Krass-geniale Fortsetzung

Inhalt:
Leo Asker sieht eine Chance, ihre Karriere bei der Polizei wieder anzukurbeln. Sie hat eine Beförderung in Aussicht, die sie aus dem Keller mit der „Abteilung für hoffnungslose ...

Krass-geniale Fortsetzung

Inhalt:
Leo Asker sieht eine Chance, ihre Karriere bei der Polizei wieder anzukurbeln. Sie hat eine Beförderung in Aussicht, die sie aus dem Keller mit der „Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen“ wieder in ein oberes Stockwerk bringen soll. Doch dann wird ihr ein Cold Case untergejubelt, der ihr das Genick brechen könnte: Vor etwa zehn Jahren wurde die junge Elena im Rostskogen ermordet; von ihrem tatverdächtigen Ehemann fehlt seitdem jede Spur. An Elenas Leiche fehlte damals ein Finger, der nicht wieder auftauchte - bis heute …

Meine Meinung:
Nachdem Band 2 dieser Reihe mich nicht so recht abholen konnte aufgrund seines in meinen Augen abstrusen Inhalts, hatte ich ein bisschen Sorge, wie mir „Rostiges Grab“ gefallen würde. Die Sorgen waren absolut unbegründet! Anders de la Motte konnte mich mit dem 3. Band der Reihe um Leonore Asker und Martin Hill - von klitzekleinen unwesentlichen Ungereimtheiten abgesehen - vollkommen begeistern.

Aufgrund der Vielzahl der Personen und der Fortentwicklung der privaten und beruflichen Situation der Protas haben Lesende mit Kenntnis der ersten beiden Bände einen Vorteil, zumal sehr oft Personen oder Ereignisse aus Band 1 und 2 erwähnt werden. Nichtsdestotrotz kann dieser Band auch für sich gelesen werden. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen.

Der Autor versteht es sehr gut, eine unheilvolle Atmosphäre heraufzubeschwören. Er beschreibt den Rostskogen (zu deutsch Rostwald), mit seinem Torfmoor so düster und geheimnisvoll, spinnt Mythen um den Wald und seine Bewohner, sodass ich beim Lesen des Öfteren eine Gänsehaut bekam.

Leo Asker bittet mal wieder ihren Freund, den Urbexer Martin Hill, um Mithilfe bei der Lösung des Falles. Dieser leidet noch an den Folgen der Ereignisse mit dem Glasmann (Band 2), ist daher arbeitsunfähig, und da ihm zu Hause bald die Decke auf den Kopf fällt, stürzt er sich begeistert in die Ermittlungen.

Die „Guten“ haben es allerdings mit unberechenbaren Gegnern zu tun, und deren Anzahl ist nicht zu knapp. Ob Polizisten, unsympathische Grundbesitzer oder die eigene Familie - von allen Seiten weht Leo und Martin ein harter Wind entgegen. Doch zum Glück hat Leo von ihrem Vater eines gelernt: sich nicht unterkriegen zu lassen. Ich war wieder mal restlos begeistert von dieser toughen Frau, die mit den schwierigsten Situationen fertig werden kann, wobei es auf mich trotzdem nicht übertrieben oder gar unrealistisch wirkt.

Anders de la Motte baut eine unglaubliche Spannung auf. Diese beruht zum Teil auf Perspektivwechseln mit Cliffhangern, hauptsächlich zwischen Leo und Martin, aber auch dem „Graumädchen“, dessen Identität erst am Ende klar wird, und selten Leos Kontrahenten Jonas Hellman. Andererseits tragen auch die ganzen Intrigen, bösartige Charaktere und geheimnisvolle Mythen dazu bei. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, und das von Anfang bis Ende.

Die Reihe:
1. Stille Falle
2. Eisiges Glas
3. Rostiges Grab

★★★★★

Triggerwarnung (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):
HCUARBSSIMSEDNIK EREITNEGEGTLAWEG

Veröffentlicht am 01.12.2025

Wieder ein herrliches Lesevergnügen

Ring the Bells
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Inhalt:
Fieberhaft arbeiten die Mitglieder der Redaktion der Stranger Times an der Weihnachtsausgabe und es sieht so aus, als könnte die Zeitung endlich mal pünktlich in den Druck gehen und die Redaktionsmitglieder ...

Inhalt:
Fieberhaft arbeiten die Mitglieder der Redaktion der Stranger Times an der Weihnachtsausgabe und es sieht so aus, als könnte die Zeitung endlich mal pünktlich in den Druck gehen und die Redaktionsmitglieder Grace zuliebe eine kleine Weihnachtsfeier abhalten. Doch dann kommt es natürlich ganz anders. Der Abend ist gelaufen, und dank einer unfreiwilligen Beschwörung gerät das Weihnachtsfest und sogar die ganze Menschheit in Gefahr.

Meine Meinung:
Schon der Prolog ist klasse gemacht. Einerseits werden hier noch einmal grob die wichtigsten Ereignisse und Personen aus den vorherigen Bänden erwähnt, andererseits wird eine erwartungsvolle Atmosphäre geschaffen, die mich geradezu auf die kommende Handlung hin fiebern ließ. Sicherlich macht das Lesen mehr Spaß, wenn man die Vorgängerbände kennt, denn es tummeln sich hier so viele verschiedene Personen und Gruppierungen, dass man sonst leicht den Überblick verlieren und viele Details gar nicht einordnen kann.

Caimh McDonnell lässt auch im fünften Band seiner fantastischen Reihe um die Wochenzeitung für Übersinnliches „The Stranger Times“ in Manchester jede Menge skurrile Ereignisse und witzige Dialoge auf die Leserschaft los - ein richtiges Feuerwerk, das von Anfang bis Ende gute Laune macht, trotz einiger eingestreuter ernster Elemente.

Neben dem altbekannten Personal werden neue Charaktere eingeführt, zum Beispiel der vierzehnjährige Clint, der sich als Redaktionsschreck erweist, auch wenn Grace in ihm den guten Jungen sehen will. Oder der alte Gott Zalas, der sich eine Anhängerschaft sucht. Manny bekommt dieses Mal seine eigene Geschichte, die ich sehr berührend fand. Und an Banecroft lernen wir eine ganz neue Seite kennen.

Die Stimmung ist leicht weihnachtlich, aber keine Angst, auch Weihnachtshasser kommen auf ihre Kosten.

Mit seiner kunterbunten, vielfältigen Handlung und dem genialen Humor, der genau auf meiner Linie liegt, empfand ich „Ring The Bells“ als einen der besten Bände dieser Reihe. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

Die Reihe:
1. The Stranger Times
2. This Charming Man
3. Love Will Tear Us Apart
4. Relight My Fire
5. Ring The Bells

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 27.11.2025

Ein rundes Finale

Luft
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Ein rundes Finale

„Luft“ ist der vierte von vier zusammengehörigen Kurzromanen aus der Feder des großen irischen Schriftstellers John Boyne. Ich würde sagen, die ersten drei können auch unabhängig von ...

Ein rundes Finale

„Luft“ ist der vierte von vier zusammengehörigen Kurzromanen aus der Feder des großen irischen Schriftstellers John Boyne. Ich würde sagen, die ersten drei können auch unabhängig von den anderen gelesen werden. Für den vierten sollte man besser Vorkenntnisse haben, denn hier werden die Handlungen der Vorgängerbände mit einem zeitlichen Abstand fortgesetzt, diesmal mit Aaron Umber in der Hauptrolle.

Das Buch beginnt eher ruhig, was aber nicht schlecht ist. Mit mysteriösen Andeutungen macht der Autor mich neugierig. Aaron ist zusammen mit seinem Teenager-Sohn Emmet auf einer Reise, von Australien, wo sie leben, nach irgendwo. Wohin genau sie wollen und warum, erfahren wir erst später. Vater und Sohn sind stundenlang auf engem Raum zusammen; das ist in dem Alter nicht einfach, zumal Aaron eine wunde Vergangenheit hat, von der Emmet nichts weiß.

Sehr einfühlsam beschreibt John Boyne die schwierige Annäherung zwischen Vater und Sohn, die Notwendigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit, damit die Zukunft kommen kann.

Das Buch erschien im Oktober 2025 im Piper Verlag. Übersetzt wurde es von Maria Hummitzsch.

Die Elemente:
1. Wasser
2. Erde
3. Feuer
4. Luft

★★★★★

Veröffentlicht am 24.11.2025

Gehaltene und ungehaltene Reden

Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird
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Gehaltene und ungehaltene Reden

Sehr zu Recht wurde der deutsch-bosnische Schriftsteller Saša Stanišić schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. In diesem Büchlein sind nun einige seiner Dankesreden sowie ...

Gehaltene und ungehaltene Reden

Sehr zu Recht wurde der deutsch-bosnische Schriftsteller Saša Stanišić schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. In diesem Büchlein sind nun einige seiner Dankesreden sowie Reden zu anderen Anlässen und auch noch gar nicht gehaltene versammelt. Jede einzelne davon sollte man sich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht weil sie so lieblichen Inhalts sind, sondern weil Saša Stanišić einfach genial mit der Sprache spielt. Der Inhalt dagegen ist oft sehr ernst. Hier geht es um den Krieg in Ex-Jugoslawien, um Missstände in unserer Gesellschaft, um Menschen in Not, aber auch um Mut und Hoffnung.

Mit einem unglaublich leichten Schreibstil und pointiertem Witz wechselt der Autor zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Erinnerungen und philosophischen Überlegungen. Stanišić nimmt dabei jeden Einzelnen von uns in die Pflicht, die Welt ein bisschen besser zu machen. Packen wir’s an!

★★★★★

Veröffentlicht am 24.11.2025

Beeindruckend und bedrückend

Feuer
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Beeindruckend und bedrückend

Freya, die wir bereits in „Erde“ kennen gelernt haben, ist in diesem dritten Band der Elemente-Tetralogie die Hauptfigur. Als Leser*in ist man ganz nah an diesem Charakter ...

Beeindruckend und bedrückend

Freya, die wir bereits in „Erde“ kennen gelernt haben, ist in diesem dritten Band der Elemente-Tetralogie die Hauptfigur. Als Leser*in ist man ganz nah an diesem Charakter dran und das verlangt einem schon einiges ab. Freya wurde als Kind zum Opfer, und als Erwachsene richtet sie ihr ganzes Leben auf Rache aus. Wie sie das macht, ist harter Tobak und hat mich wirklich geschockt.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln: Freya als Zwölfjährige und Freya heute mit sechsunddreißig Jahren. Dabei kommen nach und nach immer mehr Details ans Tageslicht, die sich schließlich zu einem vollständigen Bild zusammensetzen. Der Autor schafft es dabei mit seiner sensiblen Schreibweise, in mir ein Verständnis zu entfachen für Dinge, die eigentlich unverständlich sind.

„Feuer“ ist der dritte von vier Kurzromanen aus der Feder des großen irischen Schriftstellers John Boyne, die locker zusammenhängen, aber problemlos unabhängig voneinander gelesen werden können. Das Buch erschien im Oktober 2025 im Piper Verlag. Übersetzt wurde es von Maria Hummitzsch.

Die Elemente:
1. Wasser
2. Erde
3. Feuer
4. Luft

★★★★★