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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2025

Unterhaltsam informativ und sehr berührend

Katzen und Kapitalismus
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Man stelle sich vor, man mietet ein lauschiges, abgelegenes Haus, zieht ein und stellt fest, drumherum leben 30 verwilderte Katzen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich fände es traumhaft. Genau ...

Man stelle sich vor, man mietet ein lauschiges, abgelegenes Haus, zieht ein und stellt fest, drumherum leben 30 verwilderte Katzen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich fände es traumhaft. Genau wie Courtney Gustafson, der das passiert ist und die mit diesem Buch davon erzählt.

Courtney ist fasziniert und fängt an, sich um diese Katzen zu kümmern, sie zu füttern, zu päppeln und zum Tierarzt zu bringen. Sie erstellt einen Instagram Account, auf dem sie darüber berichtet und erhält sogar Spenden und Unterstützung von Fans. Sehr bald schon haben diese Katzen Courtneys Leben komplett verändert.

Courtney Gustafson erzählt von so manchem Katzenschicksal, aber auch, wie sehr es sie selbst berührt. Katzen zu helfen wird für sie Mission und Therapie gleichermaßen. Bald schon ist sie eine Tierrettungsexpertin und hilft anderen, die auch helfen möchten. Und dann verdient sie tatsächlich auch noch Geld damit, sie kann es selbst kaum glauben, aber sie hat durch einen Zufall ihren Traumjob gefunden.

Dieses Buch ist der Bericht einer ganz besonderen Frau, pure Katzenliebe und auch ein wenig ein modernes Märchen. Es liest sich leicht, mit einer kleinen Prise amerikanischem Pathos, ist unterhaltsam informativ und sehr berührend.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Geisterzauber mit Witz und Frauenpower

Der Fluch der Falodun Frauen
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In Nigeria ticken die Uhren anders. Das kann man hier am Beispiel von Eniiyi verfolgen.

Eniiyi ist eine moderne junge Frau, emanzipiert, weltoffen, gebildet, aber als sie ihren neuen Freund mit nach Hause ...

In Nigeria ticken die Uhren anders. Das kann man hier am Beispiel von Eniiyi verfolgen.

Eniiyi ist eine moderne junge Frau, emanzipiert, weltoffen, gebildet, aber als sie ihren neuen Freund mit nach Hause bringt, dreht ihre Familie durch und ihre Mutter will ihr den Umgang mit dem jungen Mann verbieten. Dabei kennen sie ihn gar nicht.

Eniiyis Familie ist seit Generationen mit einem Fluch belegt, der bewirkt, dass keine der Frauen Glück in der Liebe hat. Noch dazu sieht Eniiyi aus wie das Ebenbild ihre Tante Monife, die am Tag von Eniiyis Geburt starb. Ist sie deren Reinkarnation?

In munteren Zeitsprüngen bekommt man hier die ganze Familiengeschichte erzählt, von der schönen Feromi, gegen die einst ein Fluch ausgesprochen wurde, weil sie einer Frau den Ehemann stahl, bis zu Eniiyi in der Gegenwart, die noch immer davon betroffen ist. Aber ist sie das wirklich, oder lässt der Aberglaube nur alles so aussehen?

Geschickt wird hier zwischen Aberglaube, Geisterzauber und Realität jongliert. Für alles könnte es zu jeder Zeit eine vernünftige Erklärung geben, aber dann ist da doch immer wieder etwas, was ein gar zu großer Zufall sein müsste. Aber Zufälle gibt es doch immer, oder nicht?

Oyinkan Braithwaite erzählt hier eine originelle Familiengeschichte voller Witz und Frauenpower, die Sogwirkung entfaltet und ganz viel nigerianischen Spirit transportiert.

Ich habe das Hörbuch gehört und hatte ein wenig Schwierigkeiten mit der Sprecherin. Sie liest grundsätzlich schön, verkörpert unterschiedlichste Rollen authentisch und lebendig, nur das Tempo ist gewöhnungsbedürftig. Sie spricht sehr schnell und liest trotzdem langsam, deshalb macht es auch nichts besser, wenn die Geschwindigkeit verstellt. Dafür muss ich einen Stern abziehen.

Ein tolles Buch ist es dennoch. Dicke Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Finster und beklemmend

Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
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Dies ist ein finsteres, sehr beklemmendes Buch. So könnte unser Leben tatsächlich aussehen, in näherer Zukunft sogar: Die Welt kocht, es brennt überall und immer mehr Vögel sterben aus. Was soll man dann ...

Dies ist ein finsteres, sehr beklemmendes Buch. So könnte unser Leben tatsächlich aussehen, in näherer Zukunft sogar: Die Welt kocht, es brennt überall und immer mehr Vögel sterben aus. Was soll man dann machen, wenn man ein Teenager ist, dem die Perspektiven abhandenkommen? Dann gehen am Samstag die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft.

Das macht Maja mit ihrer kleinen Schwester, sogar im Lifestream, als ihren ganz persönlichen Protest gegen alles, ihre übergriffigen Mütter, die ihr Leben zum Mumfluencen benutzen, den Weltuntergang und überhaupt. Wenn es laut knallt merkt man noch, dass man lebendig ist.

Era dagegen versucht zu dokumentieren. Sie führt Buch über jeden Vogel, der gerade ausgestorben ist und will Erinnerungen festhalten. Das Recherchieren hat sie von ihrer Mutter gelernt, genau wir den Hang zur Einsiedelei. Warum sie ihr Tinyhouse aus Holz direkt an den Waldrand bauen mussten, wo doch die allgemeine Brandgefahr inzwischen Alltag ist, das bleibt ihr Geheimnis. Das ist im Grunde auch meine Kritik an diesem Buch. Hier ist sehr viel mutwillig konstruiert, die Figuren recht scherenschnittartig, mehr Bilder als lebendige Protagonisten.

Man sollte sich gut überlegen, ob man dieses Buch lesen möchte. Es ist gnadenlos, hoffnungslos und sehr beklemmend, liefert eindringlichen Frust ohne jeden Hoffnungsschimmer. Das hat mir nicht gefallen, aber beeindruckend ist es schon. Es ist auf jeden Fall ein gutes Buch, auch wenn ich es nicht meiner Freundin empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Informativ und inspirierend

Peggy Guggenheim
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Peggy Guggenheim hat in Venedig ein einzigartiges Museum für moderne Kunst hinterlassen. Wie es dazu kam kann man in diesem Buch lesen. Dieses Museum ist ihr Lebenswerk.

Sie war ein amerikanische Tochter ...

Peggy Guggenheim hat in Venedig ein einzigartiges Museum für moderne Kunst hinterlassen. Wie es dazu kam kann man in diesem Buch lesen. Dieses Museum ist ihr Lebenswerk.

Sie war ein amerikanische Tochter aus gutem Hause, reich, jüdisch und literaturinteressiert. In den 1920er Jahren war sie jung und ging auf in der Pariser Boheme. Sie lernte Künstler kennen, die damals noch niemand kannte, die heute weltberühmt sind. Und sie fing an, Bilder zu kaufen, um diese Künstler zu unterstützen.

In den 1940ern galten diese Bilder bei Nazis als entartete Kunst. Peggy schaffte es, ihre ganze Sammlung nach Amerika zu retten, eröffnete eine Galerie in New York und wurde zur Anlaufstelle für Surrealisten oder Expressionisten aus aller Welt.

Mit diesem Buch bekommt man das Leben dieser besonderen Frau wundervoll präsentiert. Es besticht durch eine dezente, edle Aufmachung, wirkt wertvoll, und liebevoll zusammengestellt. Viele tolle Fotos ergänzen perfekt den Text.

Das Buch konzentriert sich auf Peggys Werk und lässt ihre Persönlichkeit und ihr Privatleben dabei ein wenig außen vor, das finde ich etwas schade. Eigentlich lese ich genau deshalb eine Biografie. Auch bekommt man zwischendurch immer wieder lange Listen der Berühmtheiten, die Peggys Weg gekreuzt haben, das ist aufschlussreich aber auch ermüdend.

Viel gelernt habe ich trotzdem. Es war ein toller Ausflug in eine exotische Kunstwelt voller Visionäre und Exzentriker, in der Frauen eigentlich keine Rolle spielten und in der sich Peggy Guggenheim trotzdem behauptet hat. Ich bin jetzt sehr inspiriert und möchte nach Venedig fahren.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Spannende Romanbiografie, leicht nebulös

Prinzessin Alice
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Dass es Alice von Battenberg, Mutter von Prinz Philip, Schwiegermutter von Queen Elisabeth, Großmutter des jetzigen Königs Charles III, überhaupt gab, weiß ich nur, weil ich The Crown bis zum Schluss gesehen ...

Dass es Alice von Battenberg, Mutter von Prinz Philip, Schwiegermutter von Queen Elisabeth, Großmutter des jetzigen Königs Charles III, überhaupt gab, weiß ich nur, weil ich The Crown bis zum Schluss gesehen habe. Sie war eine tragische Gestalt, wohl beinahe ein Familiengeheimnis.

Hier lernt man sie ein klein wenig kennen, auch wenn das Buch keine komplette Romanbiografie ist. Es beleuchtet einen Teil von Alice Leben, ein wenig jedenfalls. Vieles bleibt schwammig, weil Alice selbst erzählt und Alice‘ Wahrnehmung eben bisweilen schwammig ist.

In ihren jungen Jahren war sie eine Märchenprinzessin, klug, schön, reich, zwar gehörlos, aber sie konnte in mehreren Sprachen Lippenlesen. Sie heiratete Prinz Andreas von Griechenland, aber ihre zunehmende Religiosität hat die Beziehung nicht ausgehalten. Sie passt nicht mehr in die Norm, wird Freud zur Behandlung überantwortet, wird weggesperrt, experimentellen Kuren unterzogen, bis sie es schafft, sich davon zu befreien. Besser geht es ihr danach nicht. Sie sieht die Welt mit anderen Augen, ob trotz oder wegen der Kur weiß sie selbst nicht. Wahrscheinlich weiß es Gott, wer sonst.

War diese Frau ernsthaft verrückt oder wollte sich ihr versnobtes Umfeld nicht mit ihren Eigenheiten auseinandersetzen? Dieses Buch lässt beide Interpretationen zu, vielleicht ist auch beides irgendwie wahr. Es vermittelt das Bild einer Frau, die nicht von dieser Welt ist, nichts auf Etikette gibt, der die Meinung der Welt über sie egal ist, weil sie höhere Ideale hat, die gleichzeitig egozentrisch und selbstlos sein kann. Es erzählt auch von einer gefährlich patriarchalen Gesellschaft, von royalen Fesseln, vom Leben im goldenen Käfig und wie so ein Käfig auch fallen kann.

Dieses Buch durchlebt man wie einen Traum mit viel Nebel, manches ist klar zu sehen, dann verschwimmt es wieder, manches blitzt kurz auf. Das unterstreicht kunstvoll und plastisch, wie Alice sich gefühlt haben mag, allerdings hätte ich mir ab und an ein paar mehr Fakten gewünscht. Immerhin lädt es zu gründlichem Googeln ein. Ich habe sehr unterhaltsam einiges gelernt.

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