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Veröffentlicht am 30.08.2021

This land is not your land

Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
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„This land is not your land” steht auf der ersten Seite des Buches, und so ist es wohl.

Sam ist elf und Lucy zwölf, als ihr Ba stirbt und sie allein zurückbleiben in einer heruntergekommenen Unterkunft ...


„This land is not your land” steht auf der ersten Seite des Buches, und so ist es wohl.

Sam ist elf und Lucy zwölf, als ihr Ba stirbt und sie allein zurückbleiben in einer heruntergekommenen Unterkunft mitten in den Hügeln, wo Ba Gold suchen wollte und schließlich Kohle schürfte.

Für eine Beerdigung braucht man nach chinesischer Tradition zwei Silberstücke für die Augen, Wasser und ein Zuhause. Das hat Lucy von Ma gelernt. Ma ist schon lange fort…

Selbst wenn sie Silberstücke hätten, wo mag Bas Zuhause sein? Die beiden Mädchen machen sich auf den Weg mit einem gestohlenen Pferd und der Leiche ihres Vaters.

Hier erlebt man den wilden Westen und den Goldrausch aus ganz ungewöhnlicher Sicht. Mit großen Erwartungen kamen „Die 200“ nach Amerika, um festzustellen, dass sie in Amerika als billige Arbeitskräfte benötigt werden und das Gold nicht auf der Straße liegt.

Traurig und anrührend erzählt Lucy von ihre Geschichte. Sam und sie sind in Amerika geboren, aber man sieht ihnen ihre Abstammung an. Sie wissen, sie werden nie richtig dazugehören und so versucht jede, ihren eigenen Weg zu finden. Sam findet sogar, sie käme als Junge besser zurecht. Aber obwohl die beiden Schwestern so unterschiedlich sind, verbindet sie doch ihre gemeinsame Vergangenheit. Ihre schicksalhafte Kindheit hat sie zusammengeschweißt, ihre Herkunft, die sie anderswo ausgrenzt, verbindet sie auch.

Sie Sprache ist einfach, hat aber einen ganz eigenen Charme, einfache Worte, die Einsamkeit, Armut, Traurigkeit und Fatalismus transportieren und mitten ins Herz gehen. Ein Hauch chinesische Lebensklugheit schwingt mit. Die Mädchen haben in ihrem jungen Leben schon einiges gelernt von Ma und Ba.

Erde, Wasser, Fleisch, Schädel, Salz, Gold, Pflaume, Blut heißen die Kapitel immer wieder und zeigen, dass man sich auf elementare Dinge besinnen muss, wenn das Leben schwierig ist.

Dieses Buch ist besonders, zart und traurig, anrührend, grausam und auch schön, ein historischer Roman, der statt geschichtlicher Fakten ein Zeitgefühl wiedergibt und damit umso eindrucksvoller ist.

Inka Löwendorf liest das Hörbuch 7 Stunden lang und transportiert ganz wunderbar eindringlich diese poetische Schlichtheit der Sprache. Auch gelegentliche chinesische Phrasen liest sie souverän. Dieses Buch ist als Hörbuch ganz besonders zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein böses Buch

Gym
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Was böses Buch!

Am Anfang amüsiert man sich noch. Da ist eine Frau, die sich im Mega Gym um einen Job bewirbt. Sie braucht einfach irgendeinen Job und ist nicht in Form, deshalb behauptet sie, gerade ...

Was böses Buch!

Am Anfang amüsiert man sich noch. Da ist eine Frau, die sich im Mega Gym um einen Job bewirbt. Sie braucht einfach irgendeinen Job und ist nicht in Form, deshalb behauptet sie, gerade ein Kind bekommen zu haben. Der Besitzer des Mega Gym ist Feminist, schon hat sie den Job und den kostenlosen Fitnessplan zur Rückbildung.

Anfangs fällt es ihr schwer, alles, das Training, 8 Stunden am Tresen stehen, Babygeschichten erfinden, aber dann entwickelt sie Ehrgeiz. Sie hat schon früher erlebt, wie Engagement zum Erfolg führt. Und, mal ehrlich, die Welt will doch belogen werden, oder?

Es ist wirklich erstaunlich, wie dieses Buch funktioniert. Da ist eine durch und durch unsympathische Protagonistin, die eskaliert, aber man ist bei ihr und verfolgt gespannt, wie sie einen Fehler nach dem nächsten begeht. Dieses Buch hat absolute Sogwirkung.

Hier liest man erst ein originelles, witziges Buch und bekommt am Ende ein irres Spektakel um die Ohren. „Gym“ ist eine ganz böse Satire auf unsere Leistungsgesellschaft, auf Selbstoptimierungswahn und Karrierestreben, verteilt ordentlich Seitenhiebe zu so mancher Modeerscheinung. Es ist ein Buch mit bissigem Humor und einigem Ekelfaktor, es macht Spaß und wühlt einen auf. Am Ende fehlt mir ein Hauch irgendwas, aber ein großartiges Buch ist es trotzdem.

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Veröffentlicht am 04.07.2024

Originelle Geschichte mit Moral und einem Augenzwinkern

Ehemänner
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So eine Geschichte hat noch niemand gelesen und erlebt schon gar nicht. Laurens Dachboden hat Zauberkräfte und generiert Ehemänner. Eigentlich ist sie Single, aber plötzlich kommt so ein Kerl vom Dachboden, ...

So eine Geschichte hat noch niemand gelesen und erlebt schon gar nicht. Laurens Dachboden hat Zauberkräfte und generiert Ehemänner. Eigentlich ist sie Single, aber plötzlich kommt so ein Kerl vom Dachboden, der ihr Ehemann zu sein scheint und der auch ihrem Leben eine andere Richtung gegeben hat. (Wer hat bloß diesen Teppich gekauft?) Zum Glück verschwindet er wieder, wenn er noch einmal den Dachboden betritt, allerdings nicht ersatzlos, wenn einer geht, kommt ein anderer zurück.

Während Lauren versucht, ihre neue Situation zu verstehen, probiert sie gleichzeitig verschiedene Versionen ihres Lebens aus, was interessant und erschreckend gleichzeitig ist. In manch einem Leben fehlen geliebte Menschen, das kann der beste Ehemann nicht ausgleichen, also weg mit ihm. Aber was ist denn das perfekte Leben für sie und will sie das überhaupt?

Lauren begibt sich auf eine Art Sinnsuche im Tinder-Stil– passt irgendwas nicht, wird der Ehemann ausgetauscht. Immerhin lernt sie etwas dabei und wir natürlich auch.

Dieses Buch liest sich im Flug. Es ist höchst unterhaltsam und würzt diese durch und durch absurde Geschichte mit amüsanten Betrachtungen und klugem Witz. Lauren stellt sich der Situation mit einer guten Portion Selbstironie. Es ist eine recht drastische Art, den Sinn des Lebens zu erkunden, dafür aber umso einleuchtender.

Mir hat das Buch großen Spaß gemacht. Es bietet gute Unterhaltung mit Mehrwert, eine originelle Geschichte mit Moral und einem Augenzwinkern, sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 24.12.2021

Ein eindrucksvoller Cocktail von Dramatik, Action und Geheimnissen

Ein neuer Horizont
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Schon die „Space Girls“ fand ich großartig und auch hier beweist Maiken Nielsen ihr Gespür für richtig gute historische Romane. Mit gründlicher Recherche, feinem Erzählstil und einigem Fingerspitzengefühl ...

Schon die „Space Girls“ fand ich großartig und auch hier beweist Maiken Nielsen ihr Gespür für richtig gute historische Romane. Mit gründlicher Recherche, feinem Erzählstil und einigem Fingerspitzengefühl hält sie elegant die Balance zwischen Historie und Abenteuer, Schicksalsroman und Liebesgeschichte.

Es geht direkt mitten hinein ins Getümmel. Nellie ist Journalistin und wird spontan nach Korea geschickt, als sich die Lage dort zuspitzt. Es ist spannend und nervenzerfetzend. Kriegsreporter zu sein ist gefährlich und als Frau erst recht. In den 50er Jahren hat es eine Frau doppelt schwer, in einer Männerdomäne zu bestehen. Die Atmosphäre ist toll eingefangen, man hat das Gefühl, man wäre da.

Hier liegen einige Rätsel auf dem Tisch. Nellies Zwillingschwester ist verschollen, seit Jahren schon und Jake, ihr Liebster, hat Schlimmes erlebt und in Deutschland noch eine Rechnung offen.

Sehr elegant werden Parallelen aufgezeigt. Der Ost-West-Konflikt hat weltweite Auswirkungen, ob nun in Korea, Amerika oder in Deutschland. Es kann Karrieren beenden, als Sowjet-Sympathisant entlarvt zu werden.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist wirklich mitreißend erzählt, überlege aber, ob nicht vielleicht ein bisschen zu viele dramatische Nebenschauplätze aufgeworfen werden. Es ist schon ein ordentlicher Cocktail von Dramatik, Action und Geheimnissen.

Trotzdem hat es mir sehr gefallen. Ich habe höchst unterhaltsam wirklich viel gelernt.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Mythen, Geheinisse, viel Moor und viel Frauenpower

Spiegelland
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Das Teufelsmoor in der Nähe von Worpswede ist ein Naturschutzgebiet um das sich Legenden ranken. Rebecca Frank hat sich damit beschäftigt und einfühlsam und kunstvoll eine Geschichte hineingesponnen, die ...

Das Teufelsmoor in der Nähe von Worpswede ist ein Naturschutzgebiet um das sich Legenden ranken. Rebecca Frank hat sich damit beschäftigt und einfühlsam und kunstvoll eine Geschichte hineingesponnen, die Generationen überspannt.

Drei Zeiten, drei Schicksale und ein Problem, das wohl die Zeit überdauert:

1756 möchte die junge Aletta lieber mit der Familie ihres Bruders mühsam ein Stück Moorland erschließen, als einen Mann zu heiraten, der brutale Züge zeigt.

1999 flieht Cato bei Nacht und Nebel aus ihrem Zuhause in Bremen vor ihrem Ehemann, der sie einmal zu oft verprügelt hat. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter versteckt sie sich im Haus in Teufelsmoor, das sie geerbt hat.

2025 sucht auch Elias Unterschlupf bei seiner Oma in Teufelsmoor. Er hat etwas Schreckliches getan und weiß nicht mehr weiter.

Hier ist man direkt gefesselt, jede einzelne Geschichte ist spannend, düster und lebendig erzählt. Es gibt jede Menge Geheimnisse, die ergründet werden wollen.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge sind sehr geschickt miteinander verknüpft. Es gibt clevere kleine Cliffhanger, immer wieder Parallelen, die Spaß machen und auch verbinden. Und dann tauchen auch noch Moorleichen auf, die extra Rätsel bieten.

Übergeordnetes Thema ist häusliche Gewalt, eigentlich sogar im Wandel der Zeiten. Es ist herzzerreißend, wie Aletta um ein selbstbestimmtes Leben kämpft und immer wieder grausamen Repressalien ausgesetzt wird. Auch Catos Kampf um Unabhängigkeit 200 Jahre später ist spannend und aufwühlend. Einzig die Geschichte von Elias hat mich weniger überzeugt. Sie rundet das Thema ab, ist aber längst nicht so lebendig und nachvollziehbar wie die anderen beiden Geschichten, ist ein wenig die moralisierende Kirsche auf der Torte.

In Summe hat mir das Buch aber sehr gefallen. Es ist ein Buch mit ganz viel Inhalt und erzählt gleich mehrere mitreißende Geschichten, die leidvoll sind, aber Mut machen. Dazu ist es noch eine Familiengeschichte voller Mythen und Geheimnisse, eine Liebeserklärung an Teufelsmoor und ein Aufruf für mehr Frauenpower. Nieder mit dem Patriarchat!

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