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Veröffentlicht am 09.02.2026

Starke Story mit reiferen Figuren und etlichen Geheimnissen

These Ancient Flames 1: Awake
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„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.

Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, ...

„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.

Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, angesehene Leibwächterin, die sich einen Namen gemacht – hart erarbeitet – hat. Ihr Schutz gilt Tao Yao – ihrem besten Freund und dem Fürstensohn Tianlongs. Ungebrochen ist ihr Glaube an die Drachen, die als Ursprung der Magie der Auguren gelten und vor fast einem Jahrhundert verschwunden sind. Als Raven – Sohn des Fürsten des dritten Kantons – in Meis Zimmer auftaucht, um sie vor dem Angriff seines Vaters zu warnen, gerät ein Stein ins Rollen der alles ändert. Plötzlich sind Raven und sein Wächter Cole sowie Mei und Tao Teil einer Mission, die bittere Enttäuschung bringen oder die größte Hoffnung sein kann …

»Strebe nach Frieden, aber sei bereit, um in den Krieg zu ziehen.«

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Raven und Meiling, was uns die Protagonisten und ihre Eigenarten sowie die nach und nach stattfindenden (inneren und zwischenmenschlichen) Veränderungen näher bringt. Auch werden wir auf diese Weise intensiv in das Quartett eingebunden, denn Tao und Cole gehören zur Story, sind mehr als bloße Statisten. Diese Gruppendynamik war hervorragend ausgearbeitet und eingebettet – echt, ehrlich, humorvoll. Trotz Konflikten und Schwierigkeiten, Argwohn und leiser Abneigung rücken die vier zusammen, arbeiten und kommunizieren offen miteinander.
Während Mei ihr Ziel – Taos Schutz, die Sicherheit von Tianlong und die Suche nach der einzigen Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern – nie aus den Augen verliert, Mitgefühl und Effizienz vereint, taff und stark agiert, hüllt Raven sich und sein Motiv, sein Können, gekonnt in Schatten, animiert subtil dazu, ihn nie zu unterschätzen. Erinnerungen, die ihn zu Distanz mahnen, auf seinem Weg gen Freiheit halten, begleiten ihn – doch je länger er mit Mei unterwegs ist, umso näher sich die beiden kommen, umso schwerer wird es für den Rabenprinzen, seine Mauern hochzuhalten …

In „These Ancient Flames“ betreten wir Valtherra, eine Welt, die mich aufgrund der äußerst gelungenen und vielversprechenden Kombination aus High- und Urban-Fantasy tatsächlich überrascht hat. Unter den vier „magischen“ Kantonen, die alle von einem/r FürstIn regiert werden, von Kraftlinien durchzogen sind und auf Mythen bauen, existieren Menschen – mit all ihren technischen, modernen Fortschritten. Eine Art Koexistenz, eine stille Übereinkunft, eine fragile Akzeptanz. Das komplette System war interessant und originell, wenn es auch hier und da an Details, Hintergründen und Tiefe fehlte. Bspw. den scheinbar längst unterschwellig brodelnden Zwist unter den Kantonen, die verschiedenen Fähigkeiten einzelner Auguren und die Kraftlinien betreffend.
Melanie Lane hat jedoch ihre im Fokus stehenden Charaktere detailreich und greifbar gezeichnet. Es machte Spaß, das Vierergespann kennenzulernen und zu begleiten, die sich wandelnde Dynamik zu verfolgen, hinter Ravens Mysterium und Meis Schutzwall zu dringen. Die Dialoge waren locker, oft spritzig und interessant – kurz: genauso lebendig wie die gesamte Geschichte. Aufgrund einer bedrohlichen Note, allerhand Geheimnissen, unterschwelligem wie offensiven Misstrauen und der im Verlauf aufgeworfenen Fragen – welche Intentionen verfolgt Fürst Ignació und welche sein Sohn? Was ist vor all den Jahrzehnten geschehen, um die erhabensten Geschöpfe vom Erdboden zu tilgen, und wie lange noch, bis die Magie der Linien von Valtherra vollends versiegt? – bleibt die Spannung selbst in den ruhigen, von Stillstand geprägten Sequenzen erhalten.

Neben der Suche nach Spuren, die die Existenz der Drachen belegen, erhält auch die Beziehung zwischen Raven und Mei einiges an Beachtung – die gegenseitige körperliche Anziehung ist von Anfang an präsent und wird schnell zu mehr. Gerade der unnahbare Fürstensohn von Marviento lässt uns an seinen Empfindungen und an seiner Faszination für Meiling teilhaben, gibt nachvollziehbare Einblicke in sein Umdenken und seine Entscheidungen. Mei hingegen wird von Vorsicht und Enttäuschung zurückgehalten, zögert, obwohl sie genau weiß, was sie will.
Je näher das kleine Team der Wahrheit kommt, desto mehr Emotionen mischen die Gemüter und somit die Handlung auf. Das Ende empfand ich verhältnismäßig knapp, dabei sparte die Autorin hier nicht an Wendungen – zwar waren nicht alle Offenbarungen unvorhergesehener Natur, doch einige Entwicklungen ändern alles.

Mit bildreichen Worten, einer guten Portion Action und heißem Spice, mit bedingungslosen Freundschaften und warmherzigen Found-Family-Vibes, mit Geheimnissen und Misstrauen, Humor und der eindrucksvollen Drachenkomponente konnte mich „Awake“ auf jeden Fall unterhalten und überzeugen. „Burn“ kann kommen – ich bin gespannt, wie es weiter- und ausgeht.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Altersgerecht und informativ

Romeo und Julia
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Fällt es euch schwer, zu Klassikern zu greifen?



Dann möchte ich euch die Graphic Novel „Romeo und Julia“ empfehlen – durch moderne, lebendige und farbige Zeichnungen sowie prägnante, kurze Sätze tauchen ...

Fällt es euch schwer, zu Klassikern zu greifen?



Dann möchte ich euch die Graphic Novel „Romeo und Julia“ empfehlen – durch moderne, lebendige und farbige Zeichnungen sowie prägnante, kurze Sätze tauchen wir in das wohl bekannteste Drama der Welt ein. Jedes relevante Ereignis wurde nahbar dargestellt, sodass dieses Buch mit Spaß an den Illustrationen die Aufmerksamkeit fesselt.



Adaptiert von Steve Barlow und Steve Skidmore

Illustriert von Wendy Tan Shiau Wei

Übersetzt von Katharina Hartwell



Die Texte der fünf Akte sind sehr einfach und minimalistisch gehalten, aber aufgrund der Themen, mit denen sich das Stück befasst, sowie der zu Beginn und am Ende verteilten – ebenfalls bunt und ansprechend gehaltenen – Informationen erachte ich die vom Verlag angegebene Altersangabe „ab 12 Jahren“ als angemessen.



Interessant waren vor allem die Abschnitte, die vor und nach der eigentlichen Adaption aufgeführt wurden. Denn die an dieser Graphic Novel Mitwirkenden stellen den LeserInnen den ursprünglichen Schaffer William Shakespeare u. A. in einer Autoren-Vita und durch eine Art Zeitstrahl vor. Gleichermaßen hilfreich für NeueinsteigerInnen wie für KennerInnen ist die Aufführung der Personen und Familien. Zusätzlich werden die Entstehung und die Zeit, in der Romeo und Julia spielt, das Theater selbst, Shakespeares Sprache und seine Stilkunst betrachtet. Besonders schön fand ich, wie auf die Motive der Liebesgeschichte eingegangen wird, sowie die Aufschlüsselung von Themen und Werten.



Diese Hintergründe machen das Verstehen und Greifen der Tragödie leichter und wecken zusätzlich die Neugier nach weiteren Adaptionen und an das ursprüngliche Drama angelehnte Werke – Bücher, Filme, Opern oder Theateraufführungen (…).

Denn Fakt ist: „Romeo und Julia“ erzählt nicht nur von einer tragischen Liebe, sondern auch von Hass und Rivalität, von Unverständnis, mangelnder Zeit und den nicht planbaren Umständen des Lebens.



Menschen, die Wert auf visuelle Eindrücke und eine einfache Sprache legen, werden mit dieser komprimierten Adaption und all den Informationen viel Freude haben!

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Veröffentlicht am 13.01.2026

History. Atmosphäre. Sapphic.

Emma Bell
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„Emma Bell“ ist ein historischer Roman in atmosphärischem Setting, der mit ruhigen Nuancen, zarten Gefühlen und einem unerwarteten Plottwist aufwartet.

England 1846.
Von ihrer Mutter verstoßen, landet ...

„Emma Bell“ ist ein historischer Roman in atmosphärischem Setting, der mit ruhigen Nuancen, zarten Gefühlen und einem unerwarteten Plottwist aufwartet.

England 1846.
Von ihrer Mutter verstoßen, landet die unverheiratete Ruth Thomas im abgelegenen Anwesen ihres Onkels. Mit Verständnis und Freundlichkeit empfangen, umgeben von dem verwilderten, märchenhaften Hochmoor, eingehüllt in die melancholische Erhabenheit von Camley Hall fühlt sich die 22-Jährige in ihrem neuen Zuhause schnell angekommen. Was vor allem an der Hausherrin liegt: Emma Bell sieht aus wie ein Engel, strahlt vor Güte, beweist sich als liebliche Ehefrau, herzliche Mutter und wird zu Ruths Freundin. Doch rasch werden die vertrauten Gespräche und die Tänze im Mondschein von scheuen Küssen, heimlichen Berührungen und intensiven Blicken abgelöst. Zwischen den Frauen entwickelt sich mehr. Jenes mehr, weswegen Ruth schon einmal davongejagt wurde und das ihr so viel Angst macht …
Aber je mehr die junge Frau von Emmas tragischer Geschichte und ihrer tiefen Sehnsucht nach Freiheit erfährt, umso sicherer ist sich Ruth, dass die beiden mit Clara jeder Hürde trotzen und zusammen einen Neuanfang wagen können …

Josephine Ashford hat hier einen einnehmenden viktorianischen Roman geschrieben, in dem sie die damaligen Konventionen mit zeitgemäßen Worten hervorragend ausarbeitete – seien es die verschiedenen Standesschichten, die Rolle der ziemlichen Frau und die Gefahren für jene, die nicht der Norm entsprechen. Dies, wie auch eine gewisse Distanz, geben der Handlung Authentizität.
Wenn die „Liebesgeständnisse“ aufgrund der Plötzlichkeit nicht nachvollziehbar waren, die Heftigkeit gar übertrieben, so spürte ich doch die Unsicherheit von Ruth, ihren verzweifelten Wunsch, zurückgeliebt und gesehen zu werden, ihre Hoffnung, in Emma DEN einen Menschen gefunden zu haben. Bittersüß und poetisch lässt Ashford die Gefühle der Protagonistin aufleben, während sich zeitgleich – eher subtil – eine beklemmende Dunkelheit über das Geschehen legt. Denn wieso meidet ein ganzes Dorf die Herrin von Camley Hall?

Als ein Happy End in greifbarer Nähe scheint, überschlagen sich die Ereignisse, Wahrheiten, vor denen Ruth versucht, die Augen zu verschließen, reißen sie aus ihrem Traum und stürzen sie in eine grausame Realität …

„Emma Bell“ ist hauptsächlich gemütlich und bedacht, erst spät erhöhen Wendungen das Tempo. Das „Finale“ verging meiner Meinung nach jedoch viel zu rasch und unspektakulär, wenn die Geschichte auch einen stimmigen Abschluss findet.

~ Ein Roman über eine gestörte Psyche, unerwiderte Liebe und perfide Pläne. ~

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Atmosphärische Romantasy, die auf ruhige Töne setzt

Her Aria of Blood and Light
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In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten ...

In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten Volk, mitten hinein in weitreichende Veränderungen, aufglimmende Rebellion und zu der Härte ungeahnter Mächte …

Hauptsächlich verfolgen wir das Geschehen aus der Perspektive von Katerina Taviles – heute eine für ihre Stimme gefeierte und bis in die Riegen des Kaiserlichen Hofstaates bekannte Opernsängerin, doch hinter Professionalität und Höflichkeit versteckt die junge Frau eine vor Trauer verzerrte Seite – denn seit dem großen Aufstand ist sie eine Waise und nur durch einen glücklichen Zufall in Gestalt ihres Ziehvaters noch am Leben.
Zu Beginn werden wir Teil von Katerinas Alltag, von ihrer musikalischen Leidenschaft und der alles verändernden Begegnung mit dem geheimnisvollen Jason Sanseran. Die Treffen mit dem Fremden werden von einem aufgeregten, jedoch nicht deutbaren Kribbeln begleitet. Von Fragen und Unklarheiten. Von Erinnerungslücken und nagenden Kopfschmerzen bis hin zu Gefühlen der Unruhe und Unsicherheit …

„Egal, wie viele Leben sie leben würde. Egal, zu was für einer Kreatur sie geworden war. Ihn würde sie immer erkennen.“

Einblicke in Jasons Gedanken und Abschnitte in sein Tun geben der Story etwas Mystisches, Bedrohliches – und dem vor langer Zeit Erwachten Kontur. Je mehr wir seinem obsessiven Wesen und der Wahrheit seines Seins auf die Schliche kommen, umso unberechenbarer wird der Elidat.
Hier und da werden wir in Vergangenes zurückgeworfen, was zum einen Katerinas Verhalten, ihre Ängste, noch greifbar werden lässt, zum anderen Jasons – herrische, besitzergreifende, manipulative – Art mit etwas durchtränkt, das gleichermaßen Verständnis wie Mitgefühl entfacht. Zwischendurch schnappen sich auch andere Figuren eine Sequenz, gewähren uns ihre Sicht auf gegenwärtige Ereignisse und – wie auch das Auftauchen und die Rolle von Dave Merdian – verleihen dem Ganzen neue Blickwinkel sowie die dringend nötige Abwechslung.
Denn Milas sehr, sehr ruhige Erzählweise in Kombination mit einem langsamen Tempo, das durch ausschweifende und bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von jedem Handgriff, jedem Lichtstrahl, jeder Regung zusätzlich gedrosselt wird, lässt die Romantasy oftmals langwierig erscheinen. Dabei war der Stil der Autorin wirklich toll – atmosphärisch, klar und regelrecht malerisch, während sich ein Hauch Melancholie und Schwermut, eine gewisse Distanz, die die Stimmung des Buches unterstreicht, durch die Seiten zieht.
An so mancher Stelle, die für Verständnis und Authentizität wichtig gewesen wäre, kommt Rosgebers Detailverliebtheit hingegen zu kurz – bspw. fehlte es mir an Hintergründen über die unsterbliche Art, auch die romantische Entwicklung zwischen Dave und Katerina oder die Verwandlung der Opernsängerin waren eher abrupt und genauso wenig nachvollziehbar wie die rasche Akzeptanz. Ehrlich gesagt kam ich auch nicht umhin, in der frisch erwachten Protagonistin ein typisches Klischee zu sehen – erstmalig, augenblicklich kontrolliert, kaum anfällig für Irritationen und sofort kampffähig.
Das Finale ging meinem Erachten nach zu schnell und zügig vonstatten, schließt die Geschichte jedoch – trotz des einen oder anderen offenen Handlungsstrangs – größtenteils stimmig ab.

Insgesamt konnten das historisch angehauchte Setting, die hier geschilderte Idee der „Unsterblichkeit“, die Romantik in den Worten und der Aufbau der Geschichte, die von einer tragischen, tiefsinnigen Note begleitet wird, überzeugen. Immer wieder finden sich neben Spannung, Dunkelheit und Opfern auch Gefühl und einschneidende Wendungen. Im Verlauf begegnen wir allerhand Charakteren – von FeindIn zu FreundIn, von Mensch zu Ewigem –, werden mit aufkommenden Unruhen und der politischen Lage des Landes konfrontiert, mit Rebellion und Kampf, Täuschung, Bündnis und totgeglaubten Mächten.
Mila Rosgeber führt uns in das Leben und die Veränderungen von Katerina Taviles, in eine Welt, in der weder Winter noch Kälte je versiegen. Erzählt von Schicksalsschlägen, prägenden Verlusten und von der Stärke, die es braucht, immer wieder aufzustehen. Weiterzugehen.

»Sein Ende ist meine Freiheit«, wisperte Katerina an die funkelnden Sterne gerichtet. So wertlos diese Freiheit auch geworden war.“

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Spannend, gefühlvoll und lesenswert

To Cage a Wild Bird
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Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. ...

Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. Doch damit nicht genug: Um Einnahmen zu generieren, haben sich die Mächtigen einen perfiden Vergnügungspark geschaffen …


Raven würde alles tun, um ihren Bruder zu beschützen.
Als dieser verhaftet und in das gefürchtete Gefängnis – die Endstation – Endlock gebracht wird, schleust sie sich mithilfe des Widerstands und einem Fluchtplan in das Loch ein. Aber als bekannte Kopfgeldjägerin, die nicht wenige der Insassen selbst nach Endlock befördert hat, hat es Raven nicht leicht, das Vertrauen der Häftlinge zu gewinnen. Schon bald ist es gerade Vale, ein ihr nicht unbekannter Wachmann, auf den die 23-Jährige angewiesen ist, wenn sie den tödlichen Spielen des Rates entkommen und das Gefängnis mitsamt ihrem Bruder lebend verlassen will. Doch wie kann sie einem Menschen vertrauen, der weder Freund noch Feind ist, wankelmütig zwischen den Seiten und für all das steht, was ihr nicht nur ihre Unschuld und ihre Kindheit, sondern auch ihre Eltern genommen hat?


Einzig aus der Sicht der Kopfgeldjägerin verfolgen wir das Geschehen, sodass diese im Verlauf eine greifbare Figur wird, eine mit Fehlern und Eigenheiten, die impulsive Entscheidungen trifft, manchmal naiv hofft, wütend ist und bis zum Ende kämpft. Für den letzten Rest Familie, den sie noch hat, und für die Freiheit.

Aufgrund des klaren und recht einfachen Stils von Brooke Fast gelingen das Ankommen in Dividium und das Einfühlen in Raven problemlos. Nach und nach, wenn auch zumeist eher knapp und oberflächlich, bringt uns die Autorin die Gegebenheiten, die diesem für eine Dystopie typischen (Kasten-)System zugrunde liegen, das Unrecht, das Leid, die Missstände näher.

In den ersten Kapiteln bekommen wir einen Eindruck des Lebens der Unterschicht außerhalb des Gefängnistraktes – von Gesetzen und gnadenlosen Strafen über den Mangel an Credits bis hin zu dem von der Oberschicht inszenierten, gezielten Aufwiegeln der ärmeren Bevölkerungsschicht gegeneinander. Auch die Existenz des Kollektivs, einer Rebellengruppe, gibt dem Ganzen eine dunkle, Vorsicht heischende Note.

Ebenso trist und grau, von Hierarchien gespalten, von Gewalt und Überwachung gezeichnet, kam Endlock zur Geltung. Angst und Anspannung ziehen sich durch die kalten Korridore, aufgestaute Aggressionen sowie Sorge und die nagende Ungewissheit, wer als Nächstes auf Leben und Tod rennen muss. Obgleich die Art der Spiele kein neues Element ist, wirkten sie originell aufbereitet. Denn in dieser Haftanstalt bezahlen die Gutbetuchten dafür, selbst zu jagen …



„𝗪𝗶𝗿 𝗸𝗼𝗻𝗻𝘁𝗲𝗻 𝘂𝗻𝘀 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝗰𝗵𝘂𝗹𝗱𝗴𝗲𝗳𝘂𝗲𝗵𝗹𝗲 𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗹𝗲𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻, 𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝘁𝘂𝗻 𝗺𝘂𝘀𝘀𝘁𝗲𝗻, 𝘂𝗺 𝘇𝘂 𝘂𝗲𝗯𝗲𝗿𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻.“



Durch eine gewisse Cliquenbildung, deren Basis auf der Verfolgung ähnlicher Ziele – Überleben und Flucht – und dem Hass auf den Oberen Sektor und die Strippenzieher beruht, bedient Fast den Found-Family-Trope auf stimmige Weise. So sind es Jed, August, Momo, Kit und Yara, die mit ihren Eigenheiten für Abwechslung sorgen und auf individuelle Weise Interesse schüren.

Wie nicht anders zu erwarten, hält „To Cage a Wild Bird“ neben aufregenden, temporeichen Momenten und solchen, die Achtsamkeit verlangen, ein Wagnis erfordern und Risiko bedeuten, auch solche bereit, die Verlust, Opfer und Wahrheiten, die alles verändern könnten, mit sich bringen. Die nach Hoffnungslosigkeit schmecken, nach bitterer Verzweiflung.

Vale, der in Raven und den anderen mehr zu sehen scheint als eine Nummer, bleibt unnahbar, ein Schemen, und ist doch die einzige Rettung. So sehr sich Raven auch gegen ihre Gefühle wehrt, wird der hochrangige Wärter, von dem sie kaum etwas weiß, zu jemanden, an den sie sich inmitten der Tristesse klammert. Aber trotz Hilfsbereitschaft und Charme sind es Vales verborgene Intentionen sowie die unbeantworteten Fragen, die dazu ermahnen, ihn mit Argwohn zu betrachten. …

Bezeichnet als Enemies-to-Lovers-Romance, war das Verhältnis von Raven und Vale weder von Feindschaft noch von Abneigung geprägt, und auch nicht sonderlich „slow“. Dies ändert aber nichts daran, dass in so manchen Diskussionen die Funken sprühen und die Dynamik Unerwartetes wie Unterhaltsames bereithält. Meiner Meinung nach haben die expliziten/anrüchigen Szenen nichts für die Story getan, schienen sie doch im Angesicht der Umstände unpassend. Statt diesen hätte ein ausgefeilteres, genauer betrachtetes Worldbuilding die Dystopie aufgewertet. Wie sich der Verlauf entwickelt und ob es Raven und ihren neuen FreundInnen gelingt, Endlock zu verlassen? Lest unbedingt selbst nach!


So viel noch: Das Ende von „To Cage a Wild Bird“ bietet zwar Spielraum für eine Fortsetzung, doch die Autorin verzichtet auf einen riesengroßen Cliffhanger und darauf, uns mitten aus der Geschichte zu reißen. Dafür gibt's auf jeden Fall einen Pluspunkt!

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