Drei Tote. Drei Länder. Drei Institute.
Eine Partei, die überall ist.
In seinem neuen Thriller „Der Zirkel“ widmet sich der Autor Leon Sachs brisanten Themen. Nicht nur geht es um die vielfältigen, modernen ...
Drei Tote. Drei Länder. Drei Institute.
Eine Partei, die überall ist.
In seinem neuen Thriller „Der Zirkel“ widmet sich der Autor Leon Sachs brisanten Themen. Nicht nur geht es um die vielfältigen, modernen Möglichkeiten, die Politik, allen voran die Wahlen, sowie andere Instanzen in Machtpositionen, wie bspw. Militär, Staatswesen, Verfassungsschutz, zu manipulieren, sondern auch um rechtsradikales Gedankengut. Diese Ideologie wird zumindest hier als wirksames Beispiel verwendet, um zu verdeutlichen, wie sich eine „Überzeugung“ hinterrücks und systematisch ausdehnen kann. In Anbetracht der momentanen Weltsituation hätte wohl kaum eine Thematik aktueller sein, bitterer schmecken und auffälliger polarisieren können.
Im Gesamten empfand ich die Storyline interessant und nachvollziehbar aufgebaut, auch wenn der Beginn durch mehrere Perspektiven verwirrend schien. Die Handlungsorte variieren, was dem Geschehen zusätzlich Abwechslung bringt, besonders toll fand ich, dass wir auch Orte in Thüringen besuchen.
Nur Stück für Stück kommen die Verbindungen der Figuren, ob tot oder lebendig, ans Licht. Mittendrin Johanna Böhm, eine schlagfertige, taffe Frau, die am Beginn ihrer Polizeiausbildung steht, und Rasmus Falk, ein ehemaliger Geheimdienstler sowie IT-Experte. Während Johanna sich endgültig von den Fesseln ihrer Familie lösen will, will Rasmus vor allem Rache.
Beide verbindet Verlust und Trauma, ausgelöst durch den Mann, der ihnen vom Wahlplakat entgegen strahlt.
Anfänglich distanziert, entwickelt sich aus dem ungleichen, ein starkes und dynamisches Team. Nur zusammen können sie ein radikales Netzwerk enttarnen, das skrupellos zuschlägt, und überall verwurzelt ist.
Der spannende Plott wurde aus einer Mischung von interessanten Gedankengängen, Action und ausgedehnten, nebensächlichen Längen gefüllt. Misstrauen begleitete jede Begegnung, jede neue Bekanntschaft, jede Erkenntnis. Leon Sachs animiert die Leser gekonnt bei der Sache zu bleiben, zu kombinieren und auch über das Buch hinaus zum Nachdenken. Wendungen und neue Spuren halten das Geschehen am Laufen, Gänsehaut wird durch die Partei „Gerechtes Deutschland“ und deren gnadenlose, brutalen Handlanger gesichert. Emotionen bieten verschiedene Schicksale und dramatische Szenen.
Kritisch betrachte ich die Fülle an detaillierten Ausführungen von Nichtigkeiten und Schauplätzen. Oft verlor sich der Fokus zwischen seitenlangen Beschreibungen. Davon abgesehen – sehr empfehlenswert.
"Gawain: Lichtfalke" von Jessica Bernett erschien am 17. April im Sternensand Verlag.
"Gawain, der Lichtfalke von Lothian, hat genau zwei Regeln, wenn es darum geht, eine Geliebte zu finden: keine Jungfrauen ...
"Gawain: Lichtfalke" von Jessica Bernett erschien am 17. April im Sternensand Verlag.
"Gawain, der Lichtfalke von Lothian, hat genau zwei Regeln, wenn es darum geht, eine Geliebte zu finden: keine Jungfrauen & keine Ehefrauen. Der Held der Tafelrunde wird auf eine harte Probe gestellt, als er auf der Insel Erínn die wunderschöne Gemahlin des Clanführers trifft … Seine Liebschaften rücken allerdings in den Hintergrund, nachdem ihn eine traurige Nachricht erreicht hat, die ihn zurück in den Norden Britanniens ruft. Eine Reise, die Gawain für immer verändert, denn sein Weg führt ihn durch einen Wald, der nicht nur gefährlich, sondern auch verzaubert ist."
"Gawain: Lichtfalke" war mein erstes Buch von Jessica Bernett, & das ich bisher noch nichts von der jungen Autorin gelesen habe ärgert mich!
Ich wusste ehrlich gesagt nicht genau, welche Welt mich in dem historischen Fantasyroman aus dem Sternensand Verlag erwartet. Umso überraschter war ich, als ich mich doch tatsächlich an der Seite eines Ritters der Tafelrunde einfand.
Während der ersten Kapitel musste ich mich erstmal einfinden, in meinen Augen beginnt die Geschichte etwas schleppend, regelrecht unspektakulär, in dem man Gawain kennenlernt. Doch je weiter ich las, umso schneller flogen die 236 Seiten dahin. Was anfangs wie eine neutral geschilderte Verhandlungsmission mit einem humorvollen, unglaublich sympathischen Protagonisten aussieht, entwickelt sich zu einer lebhaften, unerwarteten & fesselnden Story. Jessicas Art, das Geschehen zu schildern, ist klar, flüssig & mit den jeweiligen Ereignissen & Situationen absolut stimmig. Bildhaft tauchten Orte & Landschaften auf, ich spürte den Nebel im Zauberwald, hörte, wie sich die Wurzeln an die Oberfläche drückten. Auch die Charaktere & Wesen, denen man begegnet, waren vorstellbar gezeichnet. Raffiniert wird Gawains trockene, lockere Art selbst in brenzligen Situationen eingebracht, sodass ich mehr als einmal Lachen musste, & dennoch ging sein Verstand, sein Ehr - & Pflichtgefühl ebenso wenig unter, wie seine kämpferischen Züge. Ich habe mich in diesen charmanten "Dummling" definitiv verliebt.
Verwirrt wurde ich durch all die, zum Teil ähnlichen, Namen & Beziehungskonstellationen. Dennoch gingen die Hauptakteure sowie der vordergründige Verlauf nie unter. Es machte mir wirklich großen Spaß, den lockeren Ritter & sein treues Pferd "Wurzel" zu begleiten; es wurde nicht langweilig, Prioritäten & Ziele änderten sich, die Ortschaften & Charaktere variierten – "Gawain" steht nie still, ist interessant & vielfältig. Der Verlauf führt stetig in neues & anderes, wirkt aber nicht überladen. Jessica machte mich neugierig, überfiel mich regelrecht
mit überraschenden Wendungen & Ereignissen. Ich wurde in eine zum Teil rasante & aufregende Fantasygeschichte um eine der berühmtesten Sagen überhaupt gezogen, in der sich Magie & Wunder, mit Spannung & viel Gefühl vereinen - ja, auch der berüchtigte Lichtfalke kommt nicht um eine Liebe herum.
Dass das Thema der Selbstbestimmung & Freiheit von Frauen einfließt, & die Botschaft mitschwingt, dass das Äußere keinen Einfluss darauf nimmt, wie wohl man sich mit / bei einem Menschen fühlt, machen die fünf Sterne, trotz anfänglicher Längen, voll.
Mein Fazit: Ich will mehr. Ich muss die Trilogie "Elayne" unbedingt lesen!
Hoch oben auf einem Berg in den Schweizer Alpen liegt die geheime Montcrest-Eliteakademie. Hier werden Dämonen mit und ohne aktive Sündenmagie sowie Schattenengel dazu ausgebildet, die Menschheit heimzusuchen ...
Hoch oben auf einem Berg in den Schweizer Alpen liegt die geheime Montcrest-Eliteakademie. Hier werden Dämonen mit und ohne aktive Sündenmagie sowie Schattenengel dazu ausgebildet, die Menschheit heimzusuchen und unbemerkt zu infiltrieren. Das Böse, Verderben und Tod zu streuen.
Dass statt Können und Intelligenz vor allem Blut, Macht und Geld in den altehrwürdigen Hallen zählen, wirft Grace Blackmore bei ihrer Ankunft nicht aus der Bahn. Ihre Inkompetenz in Sachen Teamwork und Vertrauen sowie ihr Mangel an Informationen über ihre KonkurrentInnen erweisen sich hingegen schnell als Problem.
Dabei wurde der introvertierte, bis dato isolierte Schattenengel auf das nahende Ereignis ihr Leben lang vorbereitet. Nichts und niemand, auch nicht Volstrom und die Sinners, wird sie von ihrem Ziel ablenken.
Isak Volstrom ist es gewohnt, immer die Kontrolle zu behalten und jede/n zu durchschauen. Ihn zu überrumpeln, ist unmöglich. Als er im Kopf der widerspenstigen, düsteren Erstsemesterin auf eine undurchdringbare Barriere stößt, weckt dies seine Wut – und sein Interesse. Dabei darf er jetzt weniger denn je den Fokus verlieren. Zu viel hat er schon aufgegeben, auf sich genommen, und nicht nur sein Wohlergehen hängt von seinen Erfolgen ab. Aber wer konnte schon mit einer unbekannten Rivalin rechnen, die sich weder seinem Familiennamen noch seinen Intrigen beugt?
Folgende Situation:
1500 Jahre sind vergangen, seit die Hölle und damit auch drei Todsünden versiegelt wurden. Nun sieht Der Hohe Rat die Zeit gekommen, die Flamme der Verdammnis an die Oberfläche zu befördern und mit dieser die Zahl der wirkenden SündenmagierInnen zu erhöhen. Nur fünf SchülerInnen, nur die Besten, dürfen die zwei Lehrkräfte bei dieser riskanten, denkwürdigen Expedition begleiten. Ein Wettstreit entbrennt an der Montcrest University, den Grace und Isak unter allen Umständen gewinnen wollen.
Dabei buhlen im Verborgenen verschiedene Instanzen und Intentionen um diese brennende Macht. Das Gleichgewicht der Welt, die Existenz der Menschen und die Rangordnung der Dämonen stehen auf dem Spiel …
Laurie Harmening führt uns in einem leichten, klaren Stil durch ihre atmosphärische Dark-Academia-Story, die durchaus auf einer originellen Idee – Todsünden und die Erben der Hölle – basiert. Die Montcrest, der gnadenlose Unterricht samt der nicht zimperlichen LehrerInnen, der Evilscore, die konkurrierenden Häuser und die Lage im unwirtlichen Gefilde bilden gemeinsam mit dem Höllen-Tripp – der von diesem ausgehenden, verstärkten Rivalität – ein faszinierendes Setting. Hinzu kommen die eingebundene, deutlich hervorgehobene Ideologie der stärkeren Dämonen, das Machtgefälle zwischen den Spezies, die Gier.
Grace ist eine reservierte, pragmatische Einzelkämpferin mit weitreichendem, altem Wissen. Aufgewachsen in einer englischen Kleinstadt, ohne den Zugriff auf Unterwelttratsch und Kontakte zu ihresgleichen, trainiert darauf, niemanden zu vertrauen und auszuschalten, was sich ihr in den Weg stellt, ist diese neue Situation – sich anpassen, Smalltalk führen – für sie eine Herausforderung. Kam ihr Tereza, ihr magieloses Dämonenanhängsel, anfangs wie eine Strafe vor, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft, die mich auf unterhaltsame Art an Wednesday Enid erinnerte.
Isak kennt die Regeln und Konventionen der Universität in und auswendig, doch sind diese für einen Volstrom biegsam. Immerhin bilden er und seine eingeschworene Wahlfamilie
– Martha, Lucien und Dante –
die Spitze der Elitesprösslinge. Er macht die Hierarchie. Blackmores Respektlosigkeit ist ihm genauso ein Dorn im Auge wie ihre mentalen Mauern, wie ihre Neugier, die ihm gefährlich werden kann, und das Geheimnis, das sie gewiss tief in sich verbirgt …
Ganz langsam zeigt sich, dass sich der Dämon und der Schattenengel gar nicht so unähnlich sind. Teilen sie beide das Los, ein Werkzeug zu sein, manipuliert von jenen, die sie schützen sollten.
Abgesehen von den Protagonisten, die uns aus wechselnder Perspektive durch das ereignisreiche Schuljahr mitnehmen, halten die Sinners, Professor/In Petrovic und Koster wie andere Studierende das Interesse aufrecht. Sind sie alle doch Teil der "Bösen Gesellschaft" und demnach berechnend, geschaffen, um Zerstörung und Unheil zu bringen. Im Verlauf finden sich dem Verständnis zuträgliche Hintergründe über das hier geschaffene System, letztlich fehlte es mir aber an Worldbuilding, an mehr Details das Widernatürliche, die Gegebenheiten und Magie betreffend.
Vorsicht, Misstrauen und der Hauch von Bedrohung liegen durchweg in der Luft, während die Haters-Dynamik zwischen Blackmore und Volstrom für Reibung, Drohungen und Konflikte sorgt – und für prickelnde Momente.
Je mehr wir über die beiden, ihr Aufwachsen, ihre Leben erfahren, über die unsichtbare Bürde auf ihren Schultern und ihre ihnen aufgezwungene Pflicht, umso häufiger blitzen Verletzlichkeit, Trauer, Reue durch die Eiseskälte. Druck, dem Standgehalten werden muss. Es sind Einblicke, die berühren, Verständnis entfachen. Und doch sollte niemals vergessen werden, dass an dieser Schule ein dunkles Vermächtnis gelehrt wird und niemandem zu glauben ist … Ein Augenblick der Unachtsamkeit und alles könnte verloren sein.
Harmening geleitet uns in emotionale Situationen, in temporeiche Augenblicke, in den unermüdlichen Kampf um die Spitze, jedoch auch in vorhersehbare Entwicklungen und erwarteten Verrat. Dafür waren einige charakterliche Veränderungen und aufgedeckte Geheimnisse überraschend und auch die lang verborgenen Intentionen einzelner, die Unberechenbarkeit der Elite, die sich verschiebenden Motivationen fesseln an den Auftakt der Dilogie, bis uns ein gnadenloser Cliffhanger aus der Hölle reißt und nur Hoffnung, Enttäuschung, Fragen hinterlässt.
Die 23-jährige Cordelia Levine lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante in London und hilft dieser bei ihren magischen Geschäften. Als Angestellte in einer Apotheke und in einer Zeit, in der Frauen ...
Die 23-jährige Cordelia Levine lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante in London und hilft dieser bei ihren magischen Geschäften. Als Angestellte in einer Apotheke und in einer Zeit, in der Frauen eher schmuckes Beiwerk als ernstzunehmende Gesprächspartnerinnen sind, geht die junge Hexe einem eintönigen Alltag nach, während dem sie weder das Vermögen von Lenora noch ihre Kräfte zur Schau stellen kann. Jedes Treffen mit ihren beiden Freundinnen weckt in Cordelia denselben bitteren Beigeschmack wie es die zahlreichen Avancen und lüsternen Blicke der Männer tun.
Nur gut, dass sie als Hexe in dem Bewusstsein aufgewachsen ist, eine flüchtige Affäre einer Ehe vorzuziehen, und sie im Gegensatz zu ihren menschlichen Geschlechtsgenossinnen frei ist.
Bis sie genau das nicht mehr ist – denn als sie von einem Werwolf, einem Handlanger ihres bis dato unbekannten Vaters, entführt wird, kippt Cordelias geordnetes Leben. Plötzlich findet sie sich in der vermeintlichen Obhut des Albion-Rudels wieder. Was als zeitlich begrenzter Aufenthalt zu ihrem Schutz beginnt, wird zu einer Gefangenschaft, aus der sich Cordelia weder durch ihre Hexenausbildung noch durch ihre sekundären Werwolfskräfte befreien kann.
Aber vielleicht … nur vielleicht findet sie in Bishop Daniels einen Verbündeten. Immerhin hat Silas Stockwell auch sein Schicksal in der Hand.
„Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ ist der Auftakt einer unterhaltsamen, oftmals spannenden Fantasyreihe, in der relevante Punkte aufgegriffen werden – beispielsweise die Unterdrückung der Frau, die Reduzierung auf deren Geschlecht und patriarchale Muster. Im Fokus steht Cordelia und ihr Aufenthalt in Trevelyan, dem Sitz des Rudels, das seinen Anspruch auf die seltene Lykanerin und ihre Gene geltend gemacht hat.
Ich empfand Kaylee Archers Stil – im Vergleich zu anderen aktuellen Romantasy-Storys – als anspruchsvoller, die Worte wirkten sorgsamer gewählt und allein deswegen bekommt das Buch von mir schon eine Leseempfehlung. Zusätzlich konnte mich das Worldbuilding – heißt hier die übernatürlichen Gegebenheiten und Lebensweisen, die Regeln der Hexen samt der Strukturen der Gestaltwandler – mit allerhand originellen Ideen, interessanten Hintergründen und Einblicken überzeugen.
Cordelia ist eine selbstbewusste, begabte und intelligente Hexe, die sich zu wehren weiß und nicht bereit ist, sich zu unbedachten oder naiven Reaktionen hinreißen zu lassen. Nach all den Jahren endlich zu wissen, woher ihr ausgeprägter Geruchssinn, die Ruhelosigkeit und der ständige Hunger kommen, ist eine Wohltat. Dennoch sind ihr die Enttäuschung über den Verrat und die Lügen der beiden für sie wichtigsten Frauen anzumerken. Doch sich genauer damit zu beschäftigen, dafür fehlt dem Mischling die Zeit.
Bishop wirkt unterkühlt und unnahbar, hält eine Distanz aufrecht, aber je häufiger er sich zu echter Interaktion, zu offenen Gesprächen hinreißen lässt, umso klarer wird, dass er im Kern ein Guter ist. Ein Werwolf mit Manieren und Anstand, einer, der Grenzen wahrt – ganz im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern seiner Meute …
Um seinen Fehler wiedergutzumachen, begibt sich Bishop selbst in größte Gefahr, geht Risiken ein.
Aber wie soll er die Hexe retten, wenn sie so wichtig für sämtliche Wolfsrudel ist und sie ihm nicht mehr vertraut?
Obgleich es hier und da zu Stillstand kommt, der Plot mehrfach gen romantisches Gefühlschaos driftet, bietet „Witch of the Wolves“ insgesamt Abwechslung, eine fesselnde Geschichte, die zwar in Teilen vorhersehbar ist, aber mit der einen oder anderen Wendung und Offenbarung überrascht. Einige Nebenfiguren und ihre Besonderheiten bereichern den Verlauf, während Emotionen und Setting nachvollzieh- bzw. vorstellbar zur Geltung kamen. Auf passende Weise wird das Geschehen von einer von Misstrauen, Vorsicht und Argwohn durchtränkten, nicht selten angespannten Atmosphäre umschmeichelt. Hingegen lockerten humorvolle Dialoge – und vor allem die direkten Schlagabtausche zwischen Bishop und Cordelia –, anzügliches Geplänkel, Charme und der Kampfgeist der Gefangenen die Stimmung rege auf.
Ihr wollt mitfiebern, schmachten und euch in einer logisch ausgearbeiteten Fantasyromance verlieren? Dann ist „Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ euer Buch. Teil zwei steht auf jeden Fall auf meiner Merkliste.
„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.
Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, ...
„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.
Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, angesehene Leibwächterin, die sich einen Namen gemacht – hart erarbeitet – hat. Ihr Schutz gilt Tao Yao – ihrem besten Freund und dem Fürstensohn Tianlongs. Ungebrochen ist ihr Glaube an die Drachen, die als Ursprung der Magie der Auguren gelten und vor fast einem Jahrhundert verschwunden sind. Als Raven – Sohn des Fürsten des dritten Kantons – in Meis Zimmer auftaucht, um sie vor dem Angriff seines Vaters zu warnen, gerät ein Stein ins Rollen der alles ändert. Plötzlich sind Raven und sein Wächter Cole sowie Mei und Tao Teil einer Mission, die bittere Enttäuschung bringen oder die größte Hoffnung sein kann …
»Strebe nach Frieden, aber sei bereit, um in den Krieg zu ziehen.«
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Raven und Meiling, was uns die Protagonisten und ihre Eigenarten sowie die nach und nach stattfindenden (inneren und zwischenmenschlichen) Veränderungen näher bringt. Auch werden wir auf diese Weise intensiv in das Quartett eingebunden, denn Tao und Cole gehören zur Story, sind mehr als bloße Statisten. Diese Gruppendynamik war hervorragend ausgearbeitet und eingebettet – echt, ehrlich, humorvoll. Trotz Konflikten und Schwierigkeiten, Argwohn und leiser Abneigung rücken die vier zusammen, arbeiten und kommunizieren offen miteinander.
Während Mei ihr Ziel – Taos Schutz, die Sicherheit von Tianlong und die Suche nach der einzigen Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern – nie aus den Augen verliert, Mitgefühl und Effizienz vereint, taff und stark agiert, hüllt Raven sich und sein Motiv, sein Können, gekonnt in Schatten, animiert subtil dazu, ihn nie zu unterschätzen. Erinnerungen, die ihn zu Distanz mahnen, auf seinem Weg gen Freiheit halten, begleiten ihn – doch je länger er mit Mei unterwegs ist, umso näher sich die beiden kommen, umso schwerer wird es für den Rabenprinzen, seine Mauern hochzuhalten …
In „These Ancient Flames“ betreten wir Valtherra, eine Welt, die mich aufgrund der äußerst gelungenen und vielversprechenden Kombination aus High- und Urban-Fantasy tatsächlich überrascht hat. Unter den vier „magischen“ Kantonen, die alle von einem/r FürstIn regiert werden, von Kraftlinien durchzogen sind und auf Mythen bauen, existieren Menschen – mit all ihren technischen, modernen Fortschritten. Eine Art Koexistenz, eine stille Übereinkunft, eine fragile Akzeptanz. Das komplette System war interessant und originell, wenn es auch hier und da an Details, Hintergründen und Tiefe fehlte. Bspw. den scheinbar längst unterschwellig brodelnden Zwist unter den Kantonen, die verschiedenen Fähigkeiten einzelner Auguren und die Kraftlinien betreffend.
Melanie Lane hat jedoch ihre im Fokus stehenden Charaktere detailreich und greifbar gezeichnet. Es machte Spaß, das Vierergespann kennenzulernen und zu begleiten, die sich wandelnde Dynamik zu verfolgen, hinter Ravens Mysterium und Meis Schutzwall zu dringen. Die Dialoge waren locker, oft spritzig und interessant – kurz: genauso lebendig wie die gesamte Geschichte. Aufgrund einer bedrohlichen Note, allerhand Geheimnissen, unterschwelligem wie offensiven Misstrauen und der im Verlauf aufgeworfenen Fragen – welche Intentionen verfolgt Fürst Ignació und welche sein Sohn? Was ist vor all den Jahrzehnten geschehen, um die erhabensten Geschöpfe vom Erdboden zu tilgen, und wie lange noch, bis die Magie der Linien von Valtherra vollends versiegt? – bleibt die Spannung selbst in den ruhigen, von Stillstand geprägten Sequenzen erhalten.
Neben der Suche nach Spuren, die die Existenz der Drachen belegen, erhält auch die Beziehung zwischen Raven und Mei einiges an Beachtung – die gegenseitige körperliche Anziehung ist von Anfang an präsent und wird schnell zu mehr. Gerade der unnahbare Fürstensohn von Marviento lässt uns an seinen Empfindungen und an seiner Faszination für Meiling teilhaben, gibt nachvollziehbare Einblicke in sein Umdenken und seine Entscheidungen. Mei hingegen wird von Vorsicht und Enttäuschung zurückgehalten, zögert, obwohl sie genau weiß, was sie will.
Je näher das kleine Team der Wahrheit kommt, desto mehr Emotionen mischen die Gemüter und somit die Handlung auf. Das Ende empfand ich verhältnismäßig knapp, dabei sparte die Autorin hier nicht an Wendungen – zwar waren nicht alle Offenbarungen unvorhergesehener Natur, doch einige Entwicklungen ändern alles.
Mit bildreichen Worten, einer guten Portion Action und heißem Spice, mit bedingungslosen Freundschaften und warmherzigen Found-Family-Vibes, mit Geheimnissen und Misstrauen, Humor und der eindrucksvollen Drachenkomponente konnte mich „Awake“ auf jeden Fall unterhalten und überzeugen. „Burn“ kann kommen – ich bin gespannt, wie es weiter- und ausgeht.