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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2026

Hat mich begeistert

Die Riesinnen
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"Die Riesinnen" ist ein drei-Generationen-Portrait der Riessberger Frauen: Großmutter Liese, Mutter Cora und Tochter Eva, die in verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Drängen und Wünschen heranwachsen ...

"Die Riesinnen" ist ein drei-Generationen-Portrait der Riessberger Frauen: Großmutter Liese, Mutter Cora und Tochter Eva, die in verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Drängen und Wünschen heranwachsen und die eins eint: die Heimat im Schwarzwald und die tiefe Verwurzelung in Wittenmoos - für jede der drei Frauen auf ganz eigene Weise.
Inhaltlich möchte ich mich gar nicht zu den einzelnen Figuren und ihren Geschichten äußern, um das Leseerlebnis nicht im Voraus zu beeinflussen. Ausgehend vom Klappentext habe ich einen Heimatroman mit Frauen als Protagonistinnen erwartet, der mir Einblicke in die verschiedenen Generationen und Geschehnisse gibt. Was ich nicht erwartet habe, ist ein Roman, der mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen hat und mich das Buch innerhalb kürzester Zeit durchlesen lässt.
Hannah Häffner hat ein ganz besonders Sprachgefühl vermittelt. Einerseits durch die sehr anschaulichen landschaftlichen Beschreibungen des Waldes und des Dorfes Wittenmoos, andererseits durch die akkuraten Schilderungen der Bewohnerinnen, der Verhaltensweisen und der Eigenheiten, die zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und spürbar waren. Mir gefällt, wie einige Konflikte in Dialogen kommuniziert werden, viel mehr jedoch ungesagt und unbesprochen bleibt und trotz allem zwischen den Zeilen stattfindet und innerhalb der Leserinnen zum Tragen kommt.

Ein fantastischer Roman mit tollen Protagonistinnen, den ich als sehr eindringlich empfand. Ich habe jede Seite genossen, geradezu in mir aufgesaugt und habe es bedauert, als ich die letzte Seite hinter mir hatte. Ich beneide alle, die diese Leseerfahrung noch vor sich haben, denn ich würde sie gern noch einmal so empfinden.

Veröffentlicht am 05.01.2026

Intensiver Roman

Die Insel meiner Schwester
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Mirjam und Nia sind Schwestern, sie haben einen gemeinsamen Vater. Doch Mirjam erfährt erst mit 14 Jahren von Nias Existenz, die beiden lernen sich kennen, verbringen unendlich viele Stunden ...

Mirjam und Nia sind Schwestern, sie haben einen gemeinsamen Vater. Doch Mirjam erfährt erst mit 14 Jahren von Nias Existenz, die beiden lernen sich kennen, verbringen unendlich viele Stunden miteinander und bauen eine innige Beziehung zueinander auf. Überschattet wird diese Verbindung durch Nias Beziehungen, während derer immer eine Distanz innerhalb der Freundinnenschaft zu Mirjam entsteht. Als Nia Konrad kennenlernt und ihn heiratet, wird die Kluft zwischen den Schwestern größer als je zuvor. Mirjam hat seit geraumer Zeit nichts von Nia gehört, als sie per SMS eine Einladung zu Nias 40. Geburtstag bekommt. Es soll ein Mädelsabend auf der Familieninsel sein, auf der Mirjam die Sommer ihrer Kindheit und Jugend, später dann auch gemeinsam mit Nia, verbracht hat. Sie macht sich mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg, doch was sie auf der Insel erwartet, sprengt all ihre Erwartungen.

"Die Insel meiner Schwester" erzählt aus Mirjams Sicht von der Freund
innenschaft zwischen den Schwestern, den schwierigen Aspekten ihres - gemeinsamen und getrennten - Aufwachsens, die Beziehung zum Vater, zu Jungs, Männern und Partnern. Dass die Beziehungen zu Männern ein Problem für beide sind, wird rasch klar. Während Nia in einer gewaltvollen Ehe steckt, wird Mirjam von ihrem langjährigen Partner Juan für eine andere Frau verlassen.
Mirjam erinnert sich an die Zeiten, in denen sie und Nia unzertrennlich waren und wird mit der Frage konfrontiert, was sie bereit ist, für ihre Schwester zu geben.

Sara B. Elfgren schreibt spannend, intensiv und lässt die Leser*innen in Rückblenden und Erinnerungen alle notwendigen Puzzlestücke zukommen, die für den großen Showdown auf der Insel notwendig sind. Das behandelte Thema ist schwer und die angemessene und respektvolle literarische Umsetzung finde ich ebenfalls oft schwierig. Hier ist es meines Erachtens jedoch gut gelungen. "Die Insel meiner Schwester" trägt so viel untergründliche Spannung mit sich, zwischen den Zeilen steckt viel Ungesagtes, aber Spürbares, das sich im Laufe der Geschichte offenbart. Diese Art des Erzählens mag ich gern und fesselt mich immer wieder.

Ein spannender schwedischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe!

Veröffentlicht am 05.01.2026

Sehr spannend

Düsteres Tal
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Die Norwegerin Clara Lofthus lebt mit ihrem Partner Axel und ihren zwei Söhnen in Nairobi, wo sie im Rahmen eines Hilfsprojekts an einer Schule arbeitet. Während eines Terroranschlags auf die Schule reagiert ...

Die Norwegerin Clara Lofthus lebt mit ihrem Partner Axel und ihren zwei Söhnen in Nairobi, wo sie im Rahmen eines Hilfsprojekts an einer Schule arbeitet. Während eines Terroranschlags auf die Schule reagiert Clara sehr besonnen und sorgt in Norwegen für reichlich Aufmerksamkeit in den Medien. Zurück in Norwegen wird ihr der Posten der Justizministerin angeboten, den sie schon einmal innehatte. Sie wittert ihre Chance auf Veränderung, sodass sie ein Ziel endlich durchsetzen kann. Doch dann taucht eine Leiche auf, die in direktem Bezug zu Claras Vergangenheit steht. Als sich dann noch eine Podcast-Redaktion mit der Leiche und den Verbindungen zu Clara Lofthus auseinandersetzt, muss sie handeln.

"Düsteres Tal" beginnt rasant mit dem Terroranschlag und lässt den Spannungsbogen auch danach nicht sonderlich abflachen. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, sodass die Leser*innen immer mehr Informationen über die Vergangenheit bekommen, während die gegenwärtigen Entwicklungen und Handlungen fortschreiten.
Ruth Lillegraven schreibt flüssig, spannend und hat mit Clara Lofthus eine kühle, distanzierte Protagonistin mit Kalkül geschaffen.
Ein spannendes Buch, das für kurzweilige Lesestunden gesorgt hat.

Veröffentlicht am 20.12.2025

Unterhaltsamer Katzen-Krimi

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
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"Miez Marple und die Tatze der Verdammnis" ist der dritte Band der Miez-Marple-Reihe von Fabian Navarro. Ich habe die ersten beiden Bände noch nicht gelesen und kann daher bestätigen, dass sich der dritte ...

"Miez Marple und die Tatze der Verdammnis" ist der dritte Band der Miez-Marple-Reihe von Fabian Navarro. Ich habe die ersten beiden Bände noch nicht gelesen und kann daher bestätigen, dass sich der dritte Band auch als standalone sehr gut lesen lässt.

Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein und freut sich auf ein paar entspannte Tage im Luxusresort, wo sie einfach die Seele baumeln und es sich gut gehen lassen kann. Doch bevor sie sich gänzlich an ihren Mitbewohner, den Schlagerkater Florian Silberschweif auf Katzengras-Entzug, gewöhnt hat, erreicht sie die erschreckende Nachricht: Die verwöhnte Wanna-Be-Showkatze Schnurrsanne wurde tot aufgefunden. Klar ist, ihre Mörderin muss sich ebenfalls im Bellagio befinden, weshalb Mize Marple ihre Ermittlungen sofort startet - von einem entspannten Luxusurlaub kann spätestens jetzt nicht mehr die Rede sein.

Fabian Navarro überzeugte mich mit seinem flüssigen, bildreichen und humorvollen Schreibstil. Die ganzen Wortspiele und die erzählende Perspektive haben mir sehr gut gefallen. Miez Marple ist eine sympathische Protagonistin und auch die anderen tierischen Urlauberinnen sind jeder für sich eine einziger Hingucker*in mit ganz speziellen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen.

Neben den Schmunzeleien über die Beschreibungen und Wortspiele habe ich auch den Kriminalfall und Miez Marples Ermittlungen gespannt verfolgt und mochte den Verlauf sehr gern.

Für mich war der dritte Band ein großer Anreiz, auch die anderen beiden Bücher um Miez Marple zu lesen. Wer weiß, wem ich dann nochmal begegne und eventuell wiedererkenne.

Veröffentlicht am 20.12.2025

Wertvolles Workbook

Punkt, Linie, Halt.
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Tamara Habbach hat mit "Punkt, Linie, Halt." ein wertvolles Workbook zur traumasensiblen Arbeit und zur Selbstwahrnehmung geschaffen. Den Ansatz des Kommunikationsdesigns als Unterstützung bei Trauma, ...

Tamara Habbach hat mit "Punkt, Linie, Halt." ein wertvolles Workbook zur traumasensiblen Arbeit und zur Selbstwahrnehmung geschaffen. Den Ansatz des Kommunikationsdesigns als Unterstützung bei Trauma, Angst, inner Anspannung oder Stress war mir total neu.

Zunächst wird der Ansatz ausführlich erklärt und mehrfach betont, dass es sich hier lediglich um ein Workbook zur Selbstbearbeitung handelt und nicht um einen Ersatz von Therapie und dass es sich auch nicht um eine therapeutische Maßnahme handelt. Generell habe ich die Informationstexte, die Erläuterungen, Erklärungen und Hinweise zu den Übungen als sehr respektvol, sensibel und wertschätzend empfunden. Bereits durch die gute Einbettung und die Hinführung wurde Sicherheit vermittelt, weshalb das Workbook ein einziger Safe Space ist und zur Auseinandersetzung mit sich selbst sehr gut geeignet ist. Ich hätte nicht gedacht, dass durch den spielerischen Umgang mit Linien, Formen, Farben, Strukturen und Typografie so viel Beruhigung und Entspannung hervorgerufen werden können. Es handelt sich hier immer um Gestaltungsimpulse, die Übungen können ganz individuell umgesetzt oder auch ausgelassen oder übersprungen werden. Es gibt keine Reihenfolge, die strikt eingehalten werden muss, sondern es kann ganz frei nach Lust, Laune und Bedürfnis gewählt werden.

In der Anwendung habe ich gespürt, wie die Auseinandersetzung und das Strukturieren des Erlebten gut zugänglich wird, ich ins Spüren komme und so Erkenntnisse und eine stärkere Verbindung mit mir selbst gewinnen konnte.
Insgesamt kann ich das Workbook nur als sehr wertvoll und unterstützend bewerten.