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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ohne Worte!

Schleifen
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Zusammenfassung
Der Roman erzählt von der fiktiven Sprachwissenschaftlerin Franziska Denk und dem ebenso fiktiven Mathematiker Otto Mandl. Die Kapitel lesen sich wie eine Biographie, unterbrochen etwa ...

Zusammenfassung


Der Roman erzählt von der fiktiven Sprachwissenschaftlerin Franziska Denk und dem ebenso fiktiven Mathematiker Otto Mandl. Die Kapitel lesen sich wie eine Biographie, unterbrochen etwa von Zeitungsartikeln, Pamphleten, Berichten oder wissenschaftlichen Abhandlungen, ergänzt durch viele Fußnoten.

Bewertung


Vorab: Ich habe das Buch geliebt! Man kann es tatsächlich schwer beschreiben, wenn man es nicht selbst gelesen hat, weil die Kategorien, an denen man ein Buch misst, hier irgendwie nicht greifen: Die Figuren kommen mir nicht so richtig nahe, aber darum geht es auch gar nicht. Die Handlung ist oft konsequent unglaubwürdig, aber genau darum geht es auch: Hier werden sprachphilosophische Theorien einfach mal zu Ende durchgespielt. Und wie! Ich kann überhaupt nicht fassen, wie ein Mensch derart viele Ideen hat und dann so ein Buch schreibt! Elias Hirschl spielt mit Sprache, Text und Schrift, wie ich es so noch nie gesehen habe. Dazu kommt der Humor: Ich habe öfter laut aufgelacht, was mir normalerweise nicht so häufig passiert. Und auch wenn die verschiedenen Kapitel zu Beginn oft wirr und willkürlich wirken, hat man Ende fast ein Gefühl der Kohärenz, auch was die Wahl des Titels „Schleifen“ betrifft. Unglaublich!
Die Lektüre war für mich gleichermaßen anstrengend wie beglückend. Die wissenschaftlichen Texte und die philosophischen Ausführungen sind intellektuell teils ziemlich herausfordernd, die Ideen völlig absurd; gleichzeitig ist es eine große Freude, diesem Ideenfeuerwerk beizuwohnen.

Fazit


Die Lektüre war für mich ein absoluter Gewinn, auch wenn mir das Vokabular fehlt, um das Buch sinnvoll zu beschreiben. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben und möchte auf jeden Fall mehr von Elias Hirschl lesen.

Empfehlung


Sprachwissenschaftlich oder sprachphilosophisch Interessierte, die nicht vor einer herausfordernden Lektüre zurückschrecken, könnten große Freude an diesem Buch haben. Es lohnt sich!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2025

Was ist magischer: Filme oder die Wirklichkeit?

Mr. Saitos reisendes Kino
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Zusammenfassung
Lita wächst in Buenos Aires unter ungewöhnlichen Umständen auf. Sie wird 1928 als uneheliches Kind in einem Kloster geboren. Ihre ersten Jahre verbringt sie mit den Nonnen des Klosters ...

Zusammenfassung


Lita wächst in Buenos Aires unter ungewöhnlichen Umständen auf. Sie wird 1928 als uneheliches Kind in einem Kloster geboren. Ihre ersten Jahre verbringt sie mit den Nonnen des Klosters und wird eher von ihnen als ihrer Mutter Fabiola erzogen, da diese andere Interessen verfolgt. Als ihre Mutter versehentlich zum Symbol für einen Aufstand gegen die Korruption wird und Lita und sie in Gefahr geraten, müssen die beiden fliehen. Wir begleiten Lita durch ihre Kindheit und Jugend auf ihrem Weg durch die Mitte des 20. Jahrhunderts und auf dem Weg nach Norden, nach Kanada, wo sie in einem Seemannsheim auf einer winzigen Insel vor der Ostküste stranden und aufgenommen werden. Hier lernt Lita unter anderem ihre beste Freundin Oona kennen. Eine besondere Rolle spielt natürlich der Namensgeber des Buches Mr. Saito mit seinem reisenden Kino, der die Insel regelmäßig besucht und Filme vorführt.

„Die Magie entsteht, wenn das Licht auf einen Menschen fällt.“

Der Roman handelt vom Leben der Leute auf der Insel, einem abgeschiedenen Mikrokosmos, der es dennoch nicht schafft, sich vor der Weltgeschichte zu verstecken. Es geht um Freundschaft, Liebe, Familie und Erwachsenwerden und natürlich um die Liebe zum Film und zum Kino. Daneben behandelt der Roman aber auch Themen wie Taubheit oder Fremdenfeindlichkeit.

„Schönheit lag in den zerfurchten Gesichtern und in der täglichen Arbeit mit Fischernetzen und Schafsmist. Was für eine Vorstellung, einen kurzen Augenblick in einem so schwindelerregenden Licht stehen zu dürfen.“

Bewertung


Ich bewundere Annette Bjergfeldt für ihren Einfallsreichtum und ihre Kreativität. Die Figuren, die sie erfindet, sind liebevoll und lustig gezeichnet. All ihre Schrullen und ihre Schrägheit sind zwar oft überdreht, aber gleichzeitig Zeugnis von erlebten Verletzungen oder Ängsten und offenbaren dadurch Tiefe, die sie wieder glaubwürdig macht. Man kann gar nicht anders, als die Figuren liebzugewinnen.
Einige Elemente der Geschichte erinnern mich an den magischen Realismus. Glaubwürdiges und Unglaubwürdiges stehen hier direkt nebeneinander. Das gilt nicht nur für die Figuren, sondern auch die Handlung. Wie Lita auf Upper Puffin Island unverhofft eine Familie und ein Zuhause findet, ist zwar ungewöhnlich, aber trotzdem glaubhaft erzählt.

„Manchmal hat der eigene Stammbaum so spärliche Zweige, dass man ihnen ein paar neue aufpfropfen muss.“

Der sprachliche Stil der Autorin hat mir ebenfalls sehr gefallen, klug, etwas poetisch und mit einem ganz zauberhaften Humor. Wie sie das Aufwachsen, die Pubertät und das Erwachsenwerden der Protagonist:innen beschreibt, ist einfach ganz toll gemacht. Als Lita und Oona ihre erste Periode bekommen, nennen sie das z.B. „Unruhen in der Kajüte“. Ab und an gibt es für meinen Geschmack etwas zu schnulzige Sätze am Ende eines Kapitels, aber die gelungenen Sätze sind sowohl quantitativ als auch qualitativ überlegen.

Fazit


Ich habe wirklich jede Seite des Buches genossen und wollte gar nicht, dass es zu Ende geht. Ein zum Glück dickes Buch, perfekt für lange und dunkle Winterabende, an denen man sich mithilfe der Literatur in eine ganz andere Welt flüchten möchte.

Empfehlung


Wer Lust hat auf eine Coming-of-Age- und Familiengeschichte mit schrägen Figuren, die liebevoll und humorvoll erzählt wird, ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Bedrückend und beeindruckend!

Adama
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Zusammenfassung
Wir begleiten die Schwestern Ruth und Shosh und bekommen über mehrere Generationen hinweg Einblicke in ihre Familiengeschichte. Der Roman spielt in Deutschland, Israel und später in den ...

Zusammenfassung


Wir begleiten die Schwestern Ruth und Shosh und bekommen über mehrere Generationen hinweg Einblicke in ihre Familiengeschichte. Der Roman spielt in Deutschland, Israel und später in den USA. Ruth geht schon früh ins britische Mandatsgebiet Palästina und ist Mitgründerin eines Kibbuz, Shosh folgt ihr nach dem Krieg. Es geht um die Geschichte, Entstehung und Verteidigung Israels, in die auch die Kinder und Kindeskinder der beiden auf die ein oder andere Art verwickelt sind, um Gewalt und den unbedingten Willen, zu überleben und sich zu behaupten. Das Kibbuz ist für Ruth und ihre Familie die neue Heimat, die mit allen Mitteln verteidigt wird. Es soll ihnen endlich die ersehnte Freiheit bieten, in einem sozialistischen Rahmen, in dem die Gemeinschaft über allem und allen steht.
Adama ist die Übersetzung des gleichnamigen Romans aus dem Englischen, der schon 2023 erschien. Es wird als Politthriller, Krimi, Familien- und Generationenroman bezeichnet.

Bewertung


Lavie Tidhar scheint ein Faible für Bücher zu haben, die sich nicht einfach in ein einzelnes Genre stecken lassen. Den o.g. Genres würde ich noch den historischen Roman hinzufügen wollen. Während der Lektüre habe ich immer wieder überlegt, was ich da eigentlich genau lese, und mich auf halber Strecke damit abgefunden, es nicht eingrenzen zu können. Ich mochte es sehr und konnte es kaum aus der Hand legen, weil ich es sehr spannend fand und mit den Figuren mitgelitten habe.
„Mitleiden“ ist allerdings ein wichtiges Stichwort, denn die Geschichte ist das Gegenteil einer Cozy-Familiensaga. Hier wird gelitten und gestorben in den vielfältigsten Varianten. So viel Hass, Tod und Krieg, so viel Schmerz, Verlust und Trauer. Was die Figuren erleben, führt zu einer bedrückenden Sprachlosigkeit.

„Alle waren sie nun hier. Endlich wiedervereint. Und doch trennte sie das Unausgesprochene.“

Jede Figur hat dabei ihren eigenen Umgang mit ihrer Geschichte und ihre eigene Perspektive darauf. Sie werden hart, stumpfen ab, fügen sich oder flüchten. Ihr Leiden ist dennoch auf nahezu jeder Seite spürbar, was die Lektüre nicht leicht macht. Es ist wirklich kein Feel-good-Roman! Dazu ist der Schmerz für die meisten Figuren Motiv bzw. Antrieb für das, was sie tun, und treibt die Handlung voran.

„Aber Ruth war anders, und vielleicht war sie auch immer schon so gewesen. Die Hitze in Palästina hatte sie ihrer weicheren Schichten entkleidet und zu einer unverhüllt scharfen Klinge gemacht.“

Der Autor erzählt die Geschichte in meist knappen Sätzen, nüchtern und reduziert, aber dennoch sehr sprachgewandt. Dass man so tief in die Geschichte eintauchen kann, hat mich ziemlich beeindruckt. Es entfaltet sich hier die Geschichte Palästinas, von der ich höchstens geahnt habe, dass sie existiert. Wie ein Kaleidoskop ermöglichen uns die Figuren Einblicke in die verschiedenen Zeitebenen von 1946 bis 2009.

Fazit


Adama ist keine leichte Lektüre und muss verdaut werden. Es ist eindrücklich geschrieben und bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte Palästinas und der Kibbuzim im 20. Jahrhundert. Mich hat es sowohl formal als auch inhaltlich sehr beeindruckt. Historischer Roman, Familienroman, Krimi, Thriller, hier ist wirklich alles vorhanden und fügt sich nahtlos ein in die Geschichte.

Empfehlung


Wer kein Cozy Crime braucht und sich für die Geschichte Palästinas und der Kibbuzim interessiert, der/die wird hier belohnt mit einem starken Roman mit spannenden Figuren.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Fantastisch fabuliert!

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Zusammenfassung
Angelika ist eine junge Frau Ende Zwanzig, die in einem teuren Hotel in Wien in der Buchhaltung arbeitet. Ihre Nächte verbringt sie tanzend im Wiener Nachtleben mit ihrer besten Freundin ...

Zusammenfassung
Angelika ist eine junge Frau Ende Zwanzig, die in einem teuren Hotel in Wien in der Buchhaltung arbeitet. Ihre Nächte verbringt sie tanzend im Wiener Nachtleben mit ihrer besten Freundin Ingi. Angelikas Kolleginnen sind spießige und faule Tratschtanten. Sie hingegen ist fleißig und fähig, wird aber übersehen. Ihr direkter Vorgesetzter ist ebenfalls faul, noch dazu ist er kein guter Teamleiter und lässt sie im Stich, als sie seine Hilfe braucht. Durch eine zufällige Begegnung wird der Hoteldirektor auf sie aufmerksam und erkennt ihren Nutzen für sein Hotel. Schnell gibt er ihr wichtigere Aufgaben und erweitert ihren Verantwortungsbereich.

„Als ihr Filofax geliefert wurde, fühlte sich Angelika gerüstet: Jedes Problem war das Ergebnis eines Durcheinanders. Ordnung und Organisation seine natürlichen Feinde. Angelika würde die Buchhaltungsabteilung des Grand Hotels so perfektionieren, dass die Kolleginnen keine andere Wahl hätten, als ihr zu huldigen. Ihr, der Bezwingerin von Schlendrian, Schludrian und Schlampertatsch.“

In ihrem Privatleben mehren sich die Probleme. Sie wird Mutter, der Kindsvater lässt sie im Stich und ihre eigene Mutter wird dement. Angelika trifft eine verhängnisvolle Entscheidung, um ihre Familie und sich zu beschützen.
Worum geht es eigentlich in diesem Buch? Das finde ich gar nicht so leicht zu beantworten, weil es so viele Themen behandelt oder zumindest streift. Es geht um Mutterschaft und Alleinerziehende, um Armut und Reichtum, um sozialen Aufstieg und Kapitalismus; es geht um Verantwortung und Schicksalsschläge, um Kunst und den Wiener Opernball, um das Leben, das man sich wünscht und nicht bekommt.

Bewertung
Vea Kaiser kann einfach richtig gut schreiben. Schlau, witzig und mit viel Liebe zu ihren Figuren. Immer wieder habe ich mir Markierungen gemacht. Schon einer der ersten Sätze in Fabula Rasa ist fantastisch:

„[Ingi] … wurde von langen Nächten in jene Stimmung versetzt, in der man ganze Stadtviertel in Brand setzen will. Angelika in jene, in der zähe Friedensverhandlungen zu einem positiven Abschluss gebracht werden.“

Als die Leser:innen zu Beginn des Buches mit Angelika das Grand Hotel Frohner betreten, erinnert sie sich an den Rat ihrer Mutter, sich ihren Stolz nie nehmen zu lassen und immer eine selbstbewusste Haltung anzunehmen, auch ohne wohlhabende Herkunft. Jung und verkatert befolgt Angelika diesen Rat am Anfang der Geschichte. Auf die gleiche Art verlässt Angelika das Frohner auch viele Jahre später am Ende des Buches. Eine tolle Klammer!
Die Figuren sind alle wunderbar vielschichtig angelegt. Niemand bleibt hier blass oder zweidimensional, alle wirken echt und glaubwürdig. Niemand ist nur gut oder nur böse. Dabei wirken die Figuren durchweg menschlich und sehr originell, teils skurril. Wenn eine Figur droht, in ein Klischee abzurutschen, gibt die Autorin ihr einen Schubs in eine überraschende Richtung. Vor allem Angelika ist mir ans Herz gewachsen, auch wenn ich natürlich nicht jede ihrer Entscheidungen ebenso getroffen hätte.

„Es gab Sätze, die schlugen ein wie Meteoriten. Niemand sah sie kommen, und einen Wimpernschlag später war da, wo vorher noch ruhiges Land gelegen hatte, ein Krater.“

Fazit
Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Ich habe mich an keiner Stelle der 556 Seiten gelangweilt und wollte am liebsten immer weiterlesen. Sowohl die Figurengestaltung als auch die Erzählweise der Autorin sind meiner Meinung nach wirklich erstklassig. What a ride!

Empfehlung
Ich würde das Buch allen empfehlen, die Lust auf ein dickes Buch haben, in dem es um die o.g. Themen geht, und allen, die gute Erzählkunst schätzen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Für mich ein Volltreffer!

Peggy Guggenheim
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Horncastle schreibt sachlich und anschaulich, manchmal mit hintergründigem Humor, und unterfüttert ihr Buch mit über 250 Anmerkungen und Quellennachweisen. Dazu wird ihr Text durch Bilder von Kunstwerken ...

Horncastle schreibt sachlich und anschaulich, manchmal mit hintergründigem Humor, und unterfüttert ihr Buch mit über 250 Anmerkungen und Quellennachweisen. Dazu wird ihr Text durch Bilder von Kunstwerken oder Fotos von Peggy Guggenheim ergänzt. Diese sind meiner Meinung nach sehr passend gewählt. Für mich werden der Mensch und die Bedeutung von Peggy Guggenheim dadurch echter und greifbarer. Die Autorin hat beispielsweise gut herausgearbeitet, wie früh Peggy klar war, dass ihre Herkunft und ihr Geld dazu dienen sollten, Kunst und Künstlerinnen zu fördern und mit welcher Konsequenz sie das getan hat. Mir war vor der Lektüre auch nicht klar, welche Relevanz es hat, dass sie Kunstwerke und Künstlerinnen vor den Nazis gerettet hat. Wie würde unsere Welt heute aussehen, hätte sie das nicht getan? Was hätten wir verloren? Sehr spannend finde ich den Abschnitt über die Planung des Konzepts von Art of this Century. Hier wird deutlich, wie sehr Peggy bereit war, Dinge neu zu denken und die Rezeption von Kunst ganz anders zu ermöglichen. Horncastle verdeutlicht in ihrem Buch auch die Überzeugungen Peggys, Frauen zu fördern und – ganz grundsätzlich – Kunst zu erhalten und allen zugänglich zu machen. Diese Biografie zeigt meiner Meinung nach sehr gut, wie selbstbewusst und entschlossen, wie mutig und visionär, wie vielschichtig und auch sperrig sie war. Dass Horncastle promovierte Kunsthistorikerin ist, kommt dem Buch zugute, da sie beispielsweise nachvollziehbar erläutern kann, welche Bedeutung ein Kunstwerk hat oder welche Wertentwicklung es genommen hat. Dies geschieht nie in langatmigen Ausführungen, sondern immer in kleinen, wertvollen Nebensätzen.
Das Nachwort hat mich noch einmal besonders beeindruckt, da die Autorin hier erläutert, welche Fragen sie bei der Biografie geleitet haben. So hat sie versucht, ihre Biografie zu schreiben, als wäre Peggy Guggenheim ein Mann. Ihre Leistung und ihr Vermächtnis sollten im Vordergrund stehen, nicht etwa ihr Liebesleben oder ihre Familie. Natürlich kommt das Buch auch nicht ohne aus – die zahlreichen Affären und Liebesbeziehungen Peggys mit Künstlern machen es unmöglich, Berufliches und Privates vollständig zu trennen – aber der Fokus liegt eindeutig auf ihrer Entwicklung als Galeristin, Museumsdirektorin und Mäzenin. Das hat Peggy Guggenheim ganz klar verdient und das wird in dieser Biografie auch sehr verständlich nachgezeichnet.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da ich viel Neues über Peggy Guggenheim erfahren habe und ich ihr durch das Buch näherkommen konnte. Ihre Bedeutung innerhalb der Kunstwelt kann ich nun besser nachvollziehen und wertschätzen. Die private Peggy ist mir dabei häufig ein Rätsel geblieben, sie fand ich oft befremdlich. Da der private Teil ihres Lebens aber explizit nicht im Fokus dieser Biografie steht, kann ich das gut verschmerzen. Darüber hinaus habe ich durch das Buch viele ihrer Wegbegleiterinnen kennengelernt oder „wiedergetroffen“, die mich neugierig gemacht haben. So entstanden für mich interessante Querverbindungen zu anderen Themen oder Personen, über die ich mehr erfahren möchte.

Wer sich eher für den Gossip und die Geschichten der Yellow Press interessiert, der wird mit diesem Buch nicht glücklich. Wer sich für Kunstgeschichte interessiert, die verschiedenen Strömungen des 20. Jahrhunderts, die Künstler
innen des Surrealismus oder des abstrakten Expressionismus, dem dürfte dieses Buch gefallen. Wer mehr erfahren will über die Geschichte und Lebensleistung einer sehr ungewöhnlichen Frau, die mit all dem untrennbar verbunden ist, ist hier genau richtig.

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