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Veröffentlicht am 13.04.2026

Die Fehler der Generationen, leider nur angerissen

Real Americans
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Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch ...

Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Der zweite Grund ergab sich nach Lesen der Buchbeschreibung, in der es um eine chinesisch-stämmige junge Frau in den USA und die Privilegien ihres weißen amerikanischen Partners geht. Das ließ auf eine kritische Betrachtung der Diskriminierung von Menschen mit asiatischen Wurzeln in den Vereinigten Staaten hoffen, wie ich sie von Autorinnen wie Celeste Ng und Rebecca F. Kuang (Yellowface) kenne. Und tatsächlich wird die 22-jährige Lilly Chen zu Beginn des Romans von ihrem Chef entsprechend herablassend behandelt. Bis sie auf dessen Neffen Matthew trifft, der vom Verhalten seines Onkels wenig begeistert ist.
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie die Autorin den weiteren Verlauf sowohl inhaltlich wie auch stilistisch gestaltet hat. Eine Entscheidung, mit der ich mich leider ziemlich schwer tat. Da werden irgendwelche Geschehnisse oder Personen in die Handlung geworfen, nur um als völlig irrelevant nie wieder im Roman aufzutauchen. Es gibt keinen wirklichen Fokus oder ein Ziel, dafür eine Andeutung, auf der lange Zeit ohne konkrete Hinweise herumgeritten wird. Und statt des berühmten Roten Fadens kämpfte ich mich durch einen bunten Haufen Wollflusen, nur um plötzlich in einer völlig anderen Zeit eine ganz andere Geschichte aus neuer Perspektive erzählt zu bekommen. Zu den Hauptcharakteren konnte ich keinerlei Bindung aufbauen, vielmehr waren mir alle durch ihrjeweils fragwürdiges Verhalten unsympathisch.
Nicht nur während des Lesens, auch zum Ende hin ließ mich das Buch einfach ratlos zurück. Ich kann bis heute nicht sagen, was mir die Autorin mit dem Buch sagen wollte. Vielmehr empfand ich es als ein Sammelsurium an Geschehnissen und Schicksalen, ohne etwas wirklich emotional tiefergehend zu behandeln. Zwar gibt es einige sehr bewegende Szenen, über die Hintergründe wird man jedoch zu sehr im Unklaren gelassen. Mir persönlich ist es jeweils zuwenig von zu vielen Themen, sei es die Geschichte Chinas, Ethik in der Forschung, Freundschaft, Erziehung, Vorurteile, Diskriminierung, Verantwortung, Identität, Tradition oder Familie. Für meinen Geschmack enthielt das Buch zuviel irrelevantes Füllmaterial, eine gewisse Zähigkeit mit sich bringend. Statt über die Kernthemen hinwegzufliegen, hätten diese stärker ausgearbeitet werden müssen, um mich überzeugen zu können. So ist es ein Sammelsurium an Familiendrama, Gesellschaftskritik, Forschungsethik und Polithistorie, ohne den Finger entscheidend auf eines dieser Themen zu halten.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Kreative, aber tödliche Prüfungen

The Ordeals
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Um den Blutsbund zu brechen, der Sophia magisch an den Sammler bindet, sieht sie nur einen Ausweg: In die Killmarth-Akademie gelangen und dort die magischen Prüfungen bestehen. Auch wenn ihre eigenen magischen ...

Um den Blutsbund zu brechen, der Sophia magisch an den Sammler bindet, sieht sie nur einen Ausweg: In die Killmarth-Akademie gelangen und dort die magischen Prüfungen bestehen. Auch wenn ihre eigenen magischen Fähigkeiten als Illusionistin bisher primär für Diebstähle und ähnliche Aufträge des Sammlers genutzt wurden. Die als Ordeals bezeichneten Prüfungen gestalten sich als tödlich und nur die Sieger werden fortan für die Dienste an der Krone ausgebildet. Die Rivalität ist entsprechend hoch, so dass sie sich zunächst mit dem botanisch-begabten Alden als Team zusammentut.
Was zunächst ganz vielversprechend klang entpuppte sich als eine wie sinnlos wirkende Aneinanderreihung von Gewalt und Gefahr. Warum bringt man auf der Suche nach den Besten der Besten für eine Elitetruppe so viele junge begabte Menschen um? Sinnvoller wäre es doch, diese ebenfalls auszubilden, wenn Magie schon so besonders ist. Zumal die Elitemagier auch nur im Namen der Krone verheizt werden sollen. Generell scheint hier im Buch die Grundeinstellung zu sein, die Leute durch Quälerei zu stählen, denen einzutrichtern, sie wären was Besonderes, nur um sie dann als Waffe zu instrumentalisieren. Ebenso scheint es für die Leitenden der Akademie kein großes Problem zu sein, dass da jemand nebenbei zwischen den Anwärtern einige Morde begeht. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen? Negativ.
Die Charaktere bleiben alle langweilig flach, bis auf Oberflächlichkeiten erfährt man kaum was über sie. Selbst über Sophias Rivals2Lovers Love Interest Alden Locke, den knurrenden Mucki-Typ, der es nicht für nötig hält Fragen zu beantworten, erfährt man kaum mehr als in ständiger Wiederholung dessen Augenfarbe und Körpergeruch (kein Scherz!). Und die expliziten Szenen zwischen den beiden lesen sich wie Fast Food.
Die diversen Ausprägungen der Magie sowie die im Lauf des Romans vorkommenden Wesen bieten zwar etwas Abwechslung, doch auch hier bleibt das Buch enttäuschend zurückhaltend, es gibt kaum Beispiele für die Magiearten oder Informationen zu den Hintergründen der Wesen.
Die Ordeals selbst waren schon recht kreativ und spannend zu verfolgen, da kann ich die Autorin für ihre Kreativität loben. Nur der tödliche Aspekt für die angehenden Auszubildenden jedesmal, vor allem von Beginn an, sehe ich als sinnlos und vor dem Hintergrund einer Bedrohung stark kontraproduktiv. Zudem hätte dem Buch ein Plus an Magie, mehr Tiefgang und vor allem ein prüfender Blick auf die Logik dahinter gutgetan.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Fiktive Biographie mit Romantasy-Anklang

Kleopatra
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Auf das Buch hatte ich mich so gefreut. Ich mag die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten über eine fiktive Biographie kennenzulernen. Frühere Berichte über Kleopatra sind überwiegend von privilegierten ...

Auf das Buch hatte ich mich so gefreut. Ich mag die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten über eine fiktive Biographie kennenzulernen. Frühere Berichte über Kleopatra sind überwiegend von privilegierten Männern der feindlichen Seite verfasst, entsprechend hoch waren meine Erwartungen, die Frau mal aus nicht-mysogyner Perspektive dargestellt zu bekommen.

Männern fällt es nunmal schwer, in mir die begnadete Heerführerin zu sehen; es war einfacher über meine Schönheit zu schreiben, als über meinen Intellekt. (Zitat S. 384)

Es wäre so schön gewesen, hätte die Autorin sich die Mühe gegeben, nicht genau den Fehler zu begehen, den sie in ihrem Roman anprangert. Sie lässt Kleopatra retrospektiv ihr Leben erzählen von dem Beginn ihrer Krönung zur Pharaonin, was stilistisch zunächst unterhaltsam zu lesen ist. Was ich jedoch im gesamten Buch vermisse ist das Bild der beeindruckenden Regentin, der Führerin eines Landes, ihre wirtschaftspolitischen Leistungen. Der Aufbau ihres Regentenstabes. Stattdessen das Bild einer Frau, die auf Intrigen hereinfällt, sich nach ihrem Geliebten sehnt und ihren Kindern beim Spielen zuschaut. Zwar sind ihre (fiktiven?) geheimen Ausflüge unters Volk, um Kranke zu heilen, ganz interessant zu lesen. Doch ihre wirklichen Leistungen als Regentin kommen hier kaum zum tragen, obwohl diese doch einen erheblichen Part der Person ausmachen. Ich bekam das Bild einer Regentin, die Unmengen an Zeit für Ausflüge und Träumereien zu haben scheint. Ihre Bildung wird höchstens mal nebenbei erwähnt. Dafür stürzte sich die Autorin mit Begeisterung wiederholt in ausgiebige Beschreibungen von Kleopatras Outfits, Frisuren und Schmuck, wie es in Romantasy oftmals schwerpunktmäßig thematisiert wird. Dadurch hat das Buch vermehrt einen Romantasy-Charakter erhalten, die einst mächstigste Frau der Welt wird regelrecht verkitscht. Zudem kommt im Buch ein wirklich unnötiger Übersetzungsfehler vor, der vermeidbar gewesen wäre. Der lateinische Ausspruch ALEA IACTA EST (Der Würfel ist gefallen) wird auf S. 193 falsch mit der Übersetzung zu ALEAE IACTAE SUNT (Die Würfel sind gefallen) übersetzt. Jeder Asterix-Fan hätte das besser hinbekommen!
Wer eine fiktive Biographie lesen will, welcher der einst mächstigsten Regentin auch in Bezug auf ihre wirtschaftspolitischen und rechtssprechenden Leistungen gerecht wird, wird enttäuscht sein. Wen eine romantisch-verklärte Darstellung mit Romantasy-Einschlag nicht stört wird sich gut unterhalten fühlen.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Konstruiert statt raffiniert

Royal Heist
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Darcy will Rache. Rache an der britischen Königsfamilie. Durch einen Vorfall in ihrer Kindheit, als ihre Mutter als Kindermädchen für die Royals tätig war, zerbrach ihre Familie bis auf die Grundmauern. ...

Darcy will Rache. Rache an der britischen Königsfamilie. Durch einen Vorfall in ihrer Kindheit, als ihre Mutter als Kindermädchen für die Royals tätig war, zerbrach ihre Familie bis auf die Grundmauern. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder hat sie eine Diebesbande gegründet, The Robbin‘ Hood, mit deren Hilfe sie nun der royalen Familie ein ganz bestimmtes Artefakt stehlen möchte. Die Aussage des Kronprinzen, sich eine Gemahlin zu suchen, kommt ihr da gerade recht und Darcy schlüpft in die Rolle einer adligen Nachfahrin. So eigen Kronprinz Spencer ist, den sie um den Finger wickeln möchte, so aufmerksam ist jedoch sein jüngerer Bruder Tristan. Und vor allem war er bereits in ihrer Kindheit ihr heimlicher Schwarm.
Der Anfang mit der Diebesbande war recht unterhaltsam, die Gruppe bestiehlt toxisch handelnde Reiche für einen guten Zweck, ganz grob gesagt. Was ich jedoch eher erfahrenen Dieben mit vernünftiger Ausstattung zutrauen würde als dieser jungen Truppe. Der familiäre Hintergrund, welcher als Basis für den Racheakt herhalten muss, wirkt schon ziemlich überzogen. Wobei die royale Familie hier fiktiv gestaltet ist. Was mich am meisten am Buch stört: Die Handlung funktioniert hauptsächlich dadurch, dass sich alle relevanten Charaktere unprofessionell verhalten. Da wird Teamgeist einfach ignoriert (Darcy bzw. ihr Bruder), werden Verfehlungen auf andere abgewälzt und noch ein paar weitere Dinge. Das macht die Handlung in sich für meinen Geschmack nicht stimmig genug. Was das betrifft, erwarte ich mehr Raffinesse, so wirkt es zu konstruiert. Auch die Cliffhanger-Situation am Schluss wirkt - leider - so, als wenn mit dem Folgesatz im nächsten Band die gesamte Situation aufgelöst werden könnte.
Amüsant und unterhaltsam zu lesen mit Perspektiven aus Darcys und Tristans Sicht für Leute, die sich nicht an einer konstriert wirkenden Handlung ohne viel Tiefgang stören.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Geheimnisse um einen zurückgekehrten Verräter

Remnants of Filth. Buch 1
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Remnants of Filth ist eine neue chinesische Danmei/BoysLove-Fantasyreihe, welche im gleichen Universium spielt wie die Reihe The Husky and His White Cat Shizun. Eine Welt, welche an das frühere China angelehnt ...

Remnants of Filth ist eine neue chinesische Danmei/BoysLove-Fantasyreihe, welche im gleichen Universium spielt wie die Reihe The Husky and His White Cat Shizun. Eine Welt, welche an das frühere China angelehnt und mit magischen Elementen versehen ist.
Diesmal geht es um zwei Männer, ehemals Kriegsgefährten der kaiserlichen Armee und heimliche Geliebte, die sich nach langer Zeit wiedersehen. Eine Zeit, ich welcher einer der beiden zum Feind übergelaufen war.
Die beiden sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mo Xi ist distanziert, kontrolliert und kommt aus reichem Haus, entsprechend hoch ist sein mititärischer Rang mittlerweile. Gu Mang war vor seiner Karriere in der Armee ein Sklave und konnte schon immer gut mit Freunden feiern. Seit seiner Rückkehr als Kriegsgefangener ist er jedoch wie ausgewechselt. Und Mo Xis Hass auf ihn scheint nach dessen Verrat zunächst grenzenlos.
Die Erzählung ist mit vielen Rückblenden in das Leben der Männer versehen, welche nahtlos in die Handlung eingebunden sind. Was das betrifft, hätte eine eindeutigere Abgrenzung der Zeitstränge voneinander das Lesen angenehmer gemacht. Auch das Magiesystem wird nicht eindeutig erklärt, das Glossar am Ende ist zwar in vielen Punkten ganz hilfreich, doch was magisch in dieser Welt möglich ist und was nicht erfährt man erst an der Stelle, an der eine neue magische Besonderheit ins Spiel kommt. Das mag für die LeserInnen der vorherigen Reihe unproblematisch sein, ohne dieses magische Vorwissen wirkt es eher, als würde noch was und noch was on top hinzukommen. Zum Mitspekulieren nur bedingt geeignet, wenn magisch ständig was Neues hinzukommt. Ebenfalls ist das Worldbuilding selbst nur gering ausgearbeitet.
Auch wenn das Buch das Thema Kampf und Krieg beinhaltet, ist es in manchen Szenen unnötig brutal, ohne dass das hinterfragt wird. Und das waren keine Kriegsszenen sondern sadistische Quälereien oder eine Vergewaltigung. Solche toxischen Themen muss man hier wohl mögen.
Was die Beziehung der beiden Männer zueinander betrifft konnte ich dies nur bedingt nachvollziehen. Das mag vielleicht auch dem distanzierten Stil des Autors geschuldet sein, statt echter Zuneinung hatte ich jedoch das Gefühl, die Basis ihrer Beziehung fußte primär auf Verlangen (Top-Bottom).
Was definitiv interessant ist, ist das Geheimnis hinter dem mutmaßlichen Verräter Gu Mang: Warum lief er zum Feind über, was geschah in der Zwischenzeit mit ihm und warum ist er jetzt so anders? Diese Fragen werden im ersten Band kaum beantwortet, generell erfährt man im ersten Band zunächst nur wenig.
Mich hat auf Dauer enttäuscht, dass ich keine ausreichenden Details zum allgemeinen oder insbesondere zum magischen Worldbuilding erhielt. Dadurch war es schwer zu spekulieren, was mit Gu Mang geschah. Für alte Hasen dieses Universums mag dies anders aussehen, doch andere AutorInnen schaffen es auch, ihr Universum verständlich zu vermitteln, ohne Vorkenntnisse aus anderen Romanen besitzen zu müssen. Davon abgesehen ist die Story durchaus vielversprechend, Band 1 bietet erste Einblicke in eventuelle Intrigen und Machenschaften, der Aufbau wirkt bereits zum Ende des ersten Bandes vielversprechend komplex. Zudem sind im Buch einige zur Handlung passenden Illustrationen im Mangastil, passend zum Cover.

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