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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2019

Von süßen Seehundbabies und süßen Tierpflegern

Whispering Blue
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Der 18-jährige Adrian wird zur Sozialarbeit in der Seehundstation Norddeich verdonnert. Schuld daran ist ein Streich der Clique, mit welcher er rumhängt und zu der auch der Bruder seiner Freundin gehört. ...

Der 18-jährige Adrian wird zur Sozialarbeit in der Seehundstation Norddeich verdonnert. Schuld daran ist ein Streich der Clique, mit welcher er rumhängt und zu der auch der Bruder seiner Freundin gehört. In der Seehundstation gerät er in Streit mit Marc, einem gut aussehenden Mitarbeiter. Und dennoch knistert es zwischen den beiden - obwohl Adrian eine Freundin hat?
Neben wirklich niedlichen Seehunden hat dieser Manga Themen wie homofeindliches Mobbing sowie Coming Out aufgegriffen. Alles rund um die Seehunde gefiel mir ganz gut, im Anhang sind sogar noch ein paar interessante Facts zu den knuffigen Tieren, ebenso wie zur Homophobie. Thematisch kamen mir ein paar zuviele Klischees vor, auch wenn dadurch Mobbing und Homophobie etwas verdeutlicht wurden. Was mir eindeutig fehlte war etwas mehr Spannung, da hätte es ruhig stärker knistern können zwischen Marc und Adrian. Auch das Thema Boys Love selbst war doch eher nur subtil vorhanden, da wären ein paar mehr romantische Momente ganz schön gewesen.
Stilistisch ist der Manga gut gezeichnet, wenn auch nicht immer übersichtlich. Thematisch kamen die Seehunde voll auf ihre Kosten, die Boy Romance hingegen fiel mir zu kurz aus.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Entscheide dich zwischen Gut und Böse

Das Feuer in mir
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Als bei einem Forschungseinsatz Leannes Schwester Maya ums Leben kommt, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch statt Mitleid erhält sie lediglich die Anweisung, den nächsten Auftrag zu übernehmen. Natürlich ...

Als bei einem Forschungseinsatz Leannes Schwester Maya ums Leben kommt, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch statt Mitleid erhält sie lediglich die Anweisung, den nächsten Auftrag zu übernehmen. Natürlich ist sie da empfänglich für Damions Mitgefühl, als sie und ihr Bruder in dessen Lebensgemeinschaft eingeladen werden. Eine auf den ersten Blick lebensfrohe Gruppe in der Nähe des großen, verbotenen Waldes, die sich um Menschen in Not kümmert. In den Städten wird jedoch vor ihnen gewarnt, sie seien eine Sekte der Schwarzen Magie und beten Zantul an, den Gott der Finsternis. Und tatsächlich sind im verbotenen Wald Spuren erhöhter Schwarzer Magie spürbar. Doch Damion stellt Zantul als den Gott der Güte dar, und Leanne weiß bald nicht mehr, was sie noch glauben soll.
Die Grundstimmung des Romans ist düster. Es geht um Religion, Manipulation, Macht und Lügen, kombiniert mit Magie. Leanne wächst in einer Welt auf, in welcher es unter Strafe verboten ist, die gängige Religion in Frage zu stellen. Bis jemand in ihr Leben tritt, der eine völlig andere Sicht der Dinge hat, ihre bisherige Weltsicht durcheinander bringt und sie schon bald nicht mehr weiß, was der Wahrheit entspricht und wer wirklich die Guten sind. Und ich finde, diese innere Zerrissenheit hat Christian Milkus recht gut dargestellt. Leanne beginnt, ihren bisherigen Glauben in Frage zu stellen und langsam die Augen zu öffnen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinen zu verschwimmen und machen es ihr schwer, sich zu entscheiden, auf wessen Seite sie stehen will.
Wo ich mir mehr Tiefe gewünscht hätte wäre das Worldbuildung. Die einzelnen Mächte wie die Priester des Lichts, das Königshaus und die Gelehrten wurden kaum ausführlicher beschrieben, so dass der vorhandene Konflikt zwischen diesen Gruppen gar nicht richtig an die Oberfläche trat. Die magischen Tiere sorgte für angenehme Abwechslung, kamen für meinen Geschmack auch etwas zu kurz und hätten mit einem weiteren Auftritt vielleicht noch eine schöne fantastische Abwechslung ins Geschehen gebracht. Die vorgestellte Stadt wurde hingegen recht zauberhaft erdacht, die gefiel mir sehr.
Zusätzlich waren mir die Hauptcharaktere etwas zu oberflächlich beschrieben, da hätte ich mir mehr Emotionen gewünscht, mehr Interaktionen, welche das Geschehen lebendiger gestaltet hätten und die Liebesgeschichte zwischen Leanne und Damion glaubwürdiger.
Ein schöner, etwas düsterer Roman um Glaube und Manipulation, um das Erkennen von Lüge und Wahrheit, der mir leider nicht tief genug an der Oberfläche dieser interessanten Welt gekratzt hat.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Charmantes Buch über geplatzte und erfüllte Träume

Die Melodie meines Lebens
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Ist es möglich, der Gesellschaft auf charmante Art einen Spiegel vorzuhalten? Fragen wir doch mal Antoine Laurain.

"Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du alles noch mal genauso machen?" (Zitat ...

Ist es möglich, der Gesellschaft auf charmante Art einen Spiegel vorzuhalten? Fragen wir doch mal Antoine Laurain.

"Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du alles noch mal genauso machen?" (Zitat Buchrücken)

Nach 33 Jahren findet ein Brief der Firma Polydor seinen Weg in die Hände Alains: Seine Band "The Hologrammes" wurden zwecks Aufnahmen für einen Plattenvertrag eingeladen. Alain Massoulier, mittlerweile über fünfzig und praktizierender Arzt, beginnt, in Erinnerungen zu schwelgen und die ehemaligen Bandmitglieder nach langer Zeit zu kontaktieren.

"Wenn man jemanden ansieht, sieht man nur die Hälfte" (Zitat S. 128)

Anfangs ist der Roman sehr verwirrend, da viele Personen auf einmal vorkommen, diese aber uneinheitlich mal mit Vor-, mal mit Nachnamen genannt werden. Zudem wirkt das Ganze erstmal wie eine Aneinanderreihung von Personenbeschreibungen vergleichbar den Perlen auf einer Kette. Dadurch verkommt der rote Faden der Erzählung zu vielen kleinen roten Fäden, welche erstmal wieder zu einem Strang verknüpft werden müssen. Das Ziel des Buchs scheint vielmehr, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Die Geschichte um den nicht zustande gekommenen Plattenvertrag ist hierbei nur das Gerüst. So werden einzelne Charaktere und deren Schicksale teils doch recht überspitzt dargestellt, und das Spiegelbild, welches im Roman sichtbar wird, zeigt eine bunte Mischung aus Respektlosigkeit, schnell beleidigten und schlecht gelaunten Menschen, Oberflächlichkeit und Gehetzheit.

"... dass wir tatsächlich alle aus demselben Material wie unsere Träume sind und dass es an und ist, sie zu verwirklichen" (Zitat S. 253)

Die Auflösung, was es mit dem verpatzten Plattenvertrag auf sich hat, ließ mich zum Ende hin ein zweites Mal schmunzeln (beim ersten Mal war es das defensive Verhalten des Postbeamten auf den unter ein Regal gerutschen Brief). Leider fällt der Schluss des ohnehin bereits ein wenig überspitzt dargestellten Romans mir zu überzogen aus. Hier hat der Autor für meinen Geschmack die Chance vertan, dem Roman ein realistisches Ende zu verleihen. Doch der Refrain des Songs der "Hologrammes" bleibt als Kernaussage zu erkennen: Wir sind aus demselben Material unserer Träume und es ist an uns, sie zu verwirklichen.

Ein charmantes, kleines Buch über geplatzte Träume und "was wäre, wenn..."-Gedanken. Leider lässt die Buchbeschreibung einen anderen Verlauf erhoffen und wird dadurch wohl nicht nur bei mir zu Enttäuschungen führen.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Die Fehler der Generationen, leider nur angerissen

Real Americans
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Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch ...

Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Der zweite Grund ergab sich nach Lesen der Buchbeschreibung, in der es um eine chinesisch-stämmige junge Frau in den USA und die Privilegien ihres weißen amerikanischen Partners geht. Das ließ auf eine kritische Betrachtung der Diskriminierung von Menschen mit asiatischen Wurzeln in den Vereinigten Staaten hoffen, wie ich sie von Autorinnen wie Celeste Ng und Rebecca F. Kuang (Yellowface) kenne. Und tatsächlich wird die 22-jährige Lilly Chen zu Beginn des Romans von ihrem Chef entsprechend herablassend behandelt. Bis sie auf dessen Neffen Matthew trifft, der vom Verhalten seines Onkels wenig begeistert ist.
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie die Autorin den weiteren Verlauf sowohl inhaltlich wie auch stilistisch gestaltet hat. Eine Entscheidung, mit der ich mich leider ziemlich schwer tat. Da werden irgendwelche Geschehnisse oder Personen in die Handlung geworfen, nur um als völlig irrelevant nie wieder im Roman aufzutauchen. Es gibt keinen wirklichen Fokus oder ein Ziel, dafür eine Andeutung, auf der lange Zeit ohne konkrete Hinweise herumgeritten wird. Und statt des berühmten Roten Fadens kämpfte ich mich durch einen bunten Haufen Wollflusen, nur um plötzlich in einer völlig anderen Zeit eine ganz andere Geschichte aus neuer Perspektive erzählt zu bekommen. Zu den Hauptcharakteren konnte ich keinerlei Bindung aufbauen, vielmehr waren mir alle durch ihrjeweils fragwürdiges Verhalten unsympathisch.
Nicht nur während des Lesens, auch zum Ende hin ließ mich das Buch einfach ratlos zurück. Ich kann bis heute nicht sagen, was mir die Autorin mit dem Buch sagen wollte. Vielmehr empfand ich es als ein Sammelsurium an Geschehnissen und Schicksalen, ohne etwas wirklich emotional tiefergehend zu behandeln. Zwar gibt es einige sehr bewegende Szenen, über die Hintergründe wird man jedoch zu sehr im Unklaren gelassen. Mir persönlich ist es jeweils zuwenig von zu vielen Themen, sei es die Geschichte Chinas, Ethik in der Forschung, Freundschaft, Erziehung, Vorurteile, Diskriminierung, Verantwortung, Identität, Tradition oder Familie. Für meinen Geschmack enthielt das Buch zuviel irrelevantes Füllmaterial, eine gewisse Zähigkeit mit sich bringend. Statt über die Kernthemen hinwegzufliegen, hätten diese stärker ausgearbeitet werden müssen, um mich überzeugen zu können. So ist es ein Sammelsurium an Familiendrama, Gesellschaftskritik, Forschungsethik und Polithistorie, ohne den Finger entscheidend auf eines dieser Themen zu halten.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Kreative, aber tödliche Prüfungen

The Ordeals
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Um den Blutsbund zu brechen, der Sophia magisch an den Sammler bindet, sieht sie nur einen Ausweg: In die Killmarth-Akademie gelangen und dort die magischen Prüfungen bestehen. Auch wenn ihre eigenen magischen ...

Um den Blutsbund zu brechen, der Sophia magisch an den Sammler bindet, sieht sie nur einen Ausweg: In die Killmarth-Akademie gelangen und dort die magischen Prüfungen bestehen. Auch wenn ihre eigenen magischen Fähigkeiten als Illusionistin bisher primär für Diebstähle und ähnliche Aufträge des Sammlers genutzt wurden. Die als Ordeals bezeichneten Prüfungen gestalten sich als tödlich und nur die Sieger werden fortan für die Dienste an der Krone ausgebildet. Die Rivalität ist entsprechend hoch, so dass sie sich zunächst mit dem botanisch-begabten Alden als Team zusammentut.
Was zunächst ganz vielversprechend klang entpuppte sich als eine wie sinnlos wirkende Aneinanderreihung von Gewalt und Gefahr. Warum bringt man auf der Suche nach den Besten der Besten für eine Elitetruppe so viele junge begabte Menschen um? Sinnvoller wäre es doch, diese ebenfalls auszubilden, wenn Magie schon so besonders ist. Zumal die Elitemagier auch nur im Namen der Krone verheizt werden sollen. Generell scheint hier im Buch die Grundeinstellung zu sein, die Leute durch Quälerei zu stählen, denen einzutrichtern, sie wären was Besonderes, nur um sie dann als Waffe zu instrumentalisieren. Ebenso scheint es für die Leitenden der Akademie kein großes Problem zu sein, dass da jemand nebenbei zwischen den Anwärtern einige Morde begeht. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen? Negativ.
Die Charaktere bleiben alle langweilig flach, bis auf Oberflächlichkeiten erfährt man kaum was über sie. Selbst über Sophias Rivals2Lovers Love Interest Alden Locke, den knurrenden Mucki-Typ, der es nicht für nötig hält Fragen zu beantworten, erfährt man kaum mehr als in ständiger Wiederholung dessen Augenfarbe und Körpergeruch (kein Scherz!). Und die expliziten Szenen zwischen den beiden lesen sich wie Fast Food.
Die diversen Ausprägungen der Magie sowie die im Lauf des Romans vorkommenden Wesen bieten zwar etwas Abwechslung, doch auch hier bleibt das Buch enttäuschend zurückhaltend, es gibt kaum Beispiele für die Magiearten oder Informationen zu den Hintergründen der Wesen.
Die Ordeals selbst waren schon recht kreativ und spannend zu verfolgen, da kann ich die Autorin für ihre Kreativität loben. Nur der tödliche Aspekt für die angehenden Auszubildenden jedesmal, vor allem von Beginn an, sehe ich als sinnlos und vor dem Hintergrund einer Bedrohung stark kontraproduktiv. Zudem hätte dem Buch ein Plus an Magie, mehr Tiefgang und vor allem ein prüfender Blick auf die Logik dahinter gutgetan.

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