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Veröffentlicht am 05.02.2026

In Schwedens Wäldern

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Mit 13 Jahren darf die Schwedin Siv nicht weiter zur Schule gehen, sondern muss als Putzkraft schuften. Ihr Vater arbeitet im Winter als Holzfäller und das Geld in der Familie ist knapp. 1938: Als ein ...

Mit 13 Jahren darf die Schwedin Siv nicht weiter zur Schule gehen, sondern muss als Putzkraft schuften. Ihr Vater arbeitet im Winter als Holzfäller und das Geld in der Familie ist knapp. 1938: Als ein Trupp Holzfäller eine Köchin braucht, überredet der Vater Siv, diese besser bezahlte Arbeit zu übernehmen. Die nun 17jährige ist zunächst überfordert, gewöhnt sich aber schnell an das einsame Leben im Wald unter zehn Männern. Als sie den Sámi Nila kennenlernt, verändert sich ihr Leben und sie muss eine Entscheidung treffen.

Eva Wallmann, Ende Vierzig, ist Medienspezialistin eines Forstunternehmens und wird 2022 nach Djupsele geschickt, wo sich Aktivisten gegen die Abholzung eines Waldstückes wehren. Eva soll die Wogen glätten und die Nachhaltigkeit der Abholzung betonen. In Djupsele schlägt ihr Feindschaft entgegen und sie begegnet ihrem Jugendfreund, denn an diesem Ort ist sie aufgewachsen. Aber gerade seine Tochter gehört zu den Anführerinnen der Aktivisten. Dass Eva selbst dort ein geerbtes Waldstück besitzt, verdrängt sie zunächst.

Die Geschichte von Siv, die als unerfahrenes Mädchen plötzlich für zehn Männer in einer kleinen Waldhütte kochen soll, ist sehr atmosphärisch geschrieben. Dieser Teil des Romans hat mich am meisten angesprochen. Insgesamt gefällt mir die historische Ebene besser, allerdings hängen die beiden Erzählstränge eng zusammen, wie man schon von Beginn an vermutet. Die Figur der Siv geht übrigens auf die Großmutter der Autorin zurück. Einfühlsam wird die Landschaft beschrieben, die Wälder, Moore und Seen. Untrennbar mit der Landschaft verbunden ist die Geschichte der indigenen Bevölkerung, der Sámi, und ihrer Rentierherden. Über sie und die Holzwirtschaft in Schweden erfahren wir sehr viel. Insgesamt ein interessanter, ruhig erzählter Roman und der Auftakt einer Trilogie. Für Schwedenfans ein must-read.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Rückkehr

Landgericht
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Dr. Richard Kornitzer kehrt 1947 von Kuba nach Deutschland zurück, das er acht Jahre zuvor verlassen musste. Seine Frau blieb in Berlin, die Kinder waren schon Jahre zuvor nach England verschickt worden. ...

Dr. Richard Kornitzer kehrt 1947 von Kuba nach Deutschland zurück, das er acht Jahre zuvor verlassen musste. Seine Frau blieb in Berlin, die Kinder waren schon Jahre zuvor nach England verschickt worden. Dr. Kornitzer war Richter, bis er 1933 als Jude aus seinem Amt entlassen wurde. Nun will er tatkräftig am Aufbau eines neuen Deutschlands helfen. Aber ein Anknüpfen an die erfolgversprechende Vergangenheit, ein Wiederankommen in seiner Heimat, gelingt ihm weder in der Familie noch im Beruf.

Ursula Krechel zeichnet den steinigen Weg eines zurückkehrenden Exilanten nach. Dabei rahmen die Abschnitte über die Jahren in der Bundesrepublik die Zeit von 1933 bis 1939 und die Zeit des Exils in Havanna ein, es wird also nicht chronologisch erzählt. Der Kampf Kornitzers um Recht und Gerechtigkeit geht unter in einem Vorschriften- und Paragraphendschungel, der wenig Interesse hat, Wiedergutmachung zu leisten. Der Text ist gespickt mit historischen Dokumenten, Amtsschreiben und Gesetzestexten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. "Weil er [Kornitzer] Jude war, weil er verfolgt worden war, weil ihm Wiedergutmachungsleistungen zustanden, war er Partei. Und diejenigen Richter, die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei gewesen waren, waren nicht Partei, waren befugt und besser geeignet, über Wiedergutmachungsleistungen zu urteilen." (S. 190) Der Roman ist sehr lehrreich und macht wahnsinnig wütend. Krechel findet wunderbare plastische Vergleiche und Metaphern, um die Eindrücke der Figuren wiederzugeben. Dabei sitzt der auktoriale Erzähler jeweils auf der Schulter der Figur, hört und sieht, was sie sieht und hört und erzählt es uns, auch die Gespräche. Es gibt daher keine klassischen Dialoge und dies hat zur Folge, dass es auch kaum Unterbrechungen im Fließtext gibt; im Durchschnitt stehen ein bis zwei Zeilenumbrüche pro Doppelseite, vereinzelt ein Absatz. Das macht den Text auch optisch dicht.

Vielfache Vergleiche mit Michael Kohlhaas aus Kleists gleichnamiger Novelle über den Pferdehändler, der nur Gerechtigkeit will, sind treffend.

Insgesamt ein Roman über ein exemplarisches Einzelschicksal vor dem geschichtlichen Hintergrund der Wiederaufbaujahre bis in die 1970er Jahre, in denen so viel unter den Teppich gekehrt wurde. Der teilweise etwas trockene dokumentarische Stil mag nicht jedem zusagen, ansonsten hat mich das Buch aber durch Sprache und Inhalt überzeugt und wurde 2012 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.


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Veröffentlicht am 02.01.2026

Abendessen mit Freunden

So ist das nie passiert
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Robyn und ihre Frau Cat laden zum Abendessen ein. Freunde und Verwandte sitzen an der Tafel und es kommt zu interessanten Gesprächen: Liv, die Psychologin und Freundin von Robyns Bruder Michael, schreibt ...

Robyn und ihre Frau Cat laden zum Abendessen ein. Freunde und Verwandte sitzen an der Tafel und es kommt zu interessanten Gesprächen: Liv, die Psychologin und Freundin von Robyns Bruder Michael, schreibt an einer Arbeit zu veränderten Erinnerungen. Wie wird unser Gehirn getäuscht? Warum erinnert es sich an Dinge, die so gar nicht passiert sind? Am Ende der Tafel sitzt Claudette, die französische Freundin von Nate, Cats Bruder, die sich zunächst auffällig still verhält.

Zunächst verwirrt der Roman, wegen der vielen Personen, die rasch die Handlung bevölkern. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Verschwinden von Willas kleiner Schwester Laika, das mittlerweile 20 Jahre zurückliegt. In ihrer Jugend waren Robyn und Willa eng befreundet. Auch Willa nimmt mit ihrem Partner am Abendessen teil. In Rückblenden wird abwechselnd aus der Sicht von Robyn und Willa erzählt, was damals geschah und wie sich das Verschwinden von Laika auf das Leben aller - bis heute - ausgewirkt hat. Zwischendurch geht es immer wieder zurück zum Abendessen.

Der Roman läßt sich sehr gut lesen, ist aber kein Thriller oder Krimi, wie die Handlung zunächst nahelegt. Er ist eher eine Studie über die Auswirkungen. In jedem Fall eine Leseempfehlung, da der Roman wirklicht gut unterhält und mit einigen Überraschungen aufwartet. Über das Thema "verfälschte Erinnerungen" hätte ich sehr gerne tiefergehend gelesen, das kam mir tatsächlich etwas zu kurz.

Ich würde zu Beginn eine kleine Übersicht mit den Namen und Verwandtschaftsbeziehungen anlegen, das hilft, um in die Geschichte hineinzukommen.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Schlaflos in Vermont

Mann im Dunkel
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August Brill liegt im Dunkeln in seinem Bett, im Haus seiner Tochter und kann nicht schlafen. Der ehemalige Literaturkritiker erzählt sich dann selbst Geschichten. Gerade ist es die Geschichte von Owen ...

August Brill liegt im Dunkeln in seinem Bett, im Haus seiner Tochter und kann nicht schlafen. Der ehemalige Literaturkritiker erzählt sich dann selbst Geschichten. Gerade ist es die Geschichte von Owen Brick, der in einer ihm unbekannten Uniform steckt und in einer Grube aufwacht, die er aus eigener Kraft nicht verlassen kann. Im Laufe der Nacht wird die Geschichte Stückchen für Stückchen weitererzählt. Brill denkt aber auch über sein Leben nach und läßt uns durch Fragmente an seiner Vergangenheit teilhaben, in der seine verstorbene Frau Sonia eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die Geschichte in der Geschichte, die des ahnungslosen Owen Brick, trägt zunächst kafkaeske Züge, entwickelt sich dann aber zu einer "Auster-Geschichte", in der sich Fiktion und Romanhandlung vermischen. Das hat mich an den postmodernen Roman wie z.B. in der New York-Trilogie erinnert. Typisch für Auster ist der Protagonist, der etwas mit Literatur zu tun hat oder die Autorenfigur, die aus der Handlung heraustritt.

Die Rahmenhandlung um Brill ist übersichtlich: Ein 72jähriger kranker Mann wohnt im Haus der getrennt lebenden Tochter, die außerdem die eigene Tochter aufgenommen hat, die sich die Schuld am Tod ihres Freundes gibt. Das Spannende ist die Kombination mit der Fantasiegeschichte und den Erinnerungen. Das allumspannende Thema ist Krieg. In der Fantasiegeschichte ist es ein amerikanischer Bürgerkrieg, der jedoch beendet werden kann, wenn Brick einen Mord begeht.

Mich hat der Roman fasziniert und ich habe ihn gerne gelesen. Ein schmales Buch von 220 Seiten - großzügig gedruckt - , das ich jedem Auster-Fan empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Am Stettiner Haff

Unter dem Moor
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Ein Moor am Stettiner Haff ist die Kulisse für drei Frauenschicksale, die sich von 1936 bis heute erstrecken. Die Protagonistinnen werden sich nie begegnen, ihre Leben sind aber auf tragische Weise mit ...

Ein Moor am Stettiner Haff ist die Kulisse für drei Frauenschicksale, die sich von 1936 bis heute erstrecken. Die Protagonistinnen werden sich nie begegnen, ihre Leben sind aber auf tragische Weise mit einander verflochten. Wir begleiten Regine zum erzwungenen Landjahr 1936; teilen die streng getakteten Tage mit Sigrun, die 1979 mit ihrer kleinen Familie in der DDR lebt; mit der erschöpften Nina gehen wir in der Gegenwart auf lange Spaziergänge durch das Moor. Alle drei haben mit ihrem Alltag, der sie zermürbt, zu kämpfen.

Der Roman hat mich sehr gut unterhalten, wobei Ninas Charakter derjenige war, der mich am wenigsten "gepackt" hat. Die Leben der beiden anderen Frauen waren einfach wesentlich interessanter. Nina bringt aber durch ihren Urlaub am Haff die Dinge erst in Gang. Das Buch läßt sich sehr gut lesen und ist durch die Sprünge zwischen den drei Schicksalen sehr spannend aufgebaut. In meinem Lesekreis, in dem wir den Roman gelesen haben, konnten einige nicht abwarten, was weiter geschieht und haben dann irgendwann eine der Ebenen zu Ende gelesen und sind anschließend im Text wieder zurückgegangen. Interessant ist, dass Regine und Nina von Berlin aus zweitweise ans Haff gehen, während Sigrun den umgekehrten Weg nimmt.

Die drei großen Abschnitte des Romans "Wolf", "Hirsch" und "Kranich" sind in Bezug auf den Inhalt passend betitelt. Na, neugierig geworden? Wer auf der Suche nach einem spannenden, gut recherchierten und auf mehreren Zeitebenen spielenden Buch ist, dem kann ich den Roman ans Herz legen. Am Ende wird einiges etwas rasch abgehandelt, aber das kann man verschmerzen. Einfach gute Unterhaltungslektüre für einen kuscheligen Tag auf dem Sofa mit Tee und Keksen.

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