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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

6 besondere Tage

Tage des Lichts
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Tage des Lichts erzählt von sechs entscheidenden Tagen im Leben einer Frau und davon, wie sehr Zufall, Sehnsucht und gesellschaftliche Erwartungen ein Leben formen können. Die Idee hinter dem Roman hat ...

Tage des Lichts erzählt von sechs entscheidenden Tagen im Leben einer Frau und davon, wie sehr Zufall, Sehnsucht und gesellschaftliche Erwartungen ein Leben formen können. Die Idee hinter dem Roman hat mir gut gefallen, die Umsetzung konnte mich jedoch nicht ganz überzeugen.

Im Mittelpunkt steht Ivy, eine junge Frau im England des Jahres 1938, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht und von einem außergewöhnlichen Leben träumt. Sie möchte Tänzerin, Künstlerin oder vielleicht etwas ganz anderes werden – Hauptsache, ihr Leben wird so besonders wie das ihrer Familie. Doch ein tragisches Ereignis an einem Ostersonntag bringt alles durcheinander und lenkt ihr Leben in ganz andere, überraschend gewöhnliche Bahnen: Ehe, Kinder, Anpassung. Erst viele Jahre später, als Ivy Frances wieder begegnet – der Frau, die sie an jenem Ostersonntag kennengelernt hat –, wird ihr bewusst, wie leer sie sich fühlt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine verbotene, leidenschaftliche Liebe, die keinen Platz in der damaligen Zeit hat.

Thematisch fand ich den Roman sehr stark: Es geht um verpasste Möglichkeiten, unterdrückte Wünsche, Schuld und die Frage, wie viel Kontrolle wir über unser eigenes Leben wirklich haben. Leider bin ich emotional nicht richtig in die Geschichte hineingekommen. Die Figuren blieben für mich etwas distanziert, sodass ich ihre Entscheidungen und inneren Konflikte eher verstand als fühlte. Dadurch fehlte mir die emotionale Bindung, die mich wirklich hätte fesseln können.

Tage des Lichts ist ruhig, nachdenklich und sprachlich fein, aber für mich blieb der Roman trotz der guten Idee und der wichtigen Themen etwas zu kühl. Drei solide Sterne für ein Buch, das viel wollte, mich aber nicht ganz erreicht hat.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

vorhersehbar

Verbrenn das Negativ
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„Verbrenn das Negativ“ von Josh Winning hat mich definitiv gut unterhalten – so richtig vom Hocker gerissen hat es mich aber leider nicht.
Die Grundidee ist stark: Laura kommt nach L.A., um über das Remake ...

„Verbrenn das Negativ“ von Josh Winning hat mich definitiv gut unterhalten – so richtig vom Hocker gerissen hat es mich aber leider nicht.
Die Grundidee ist stark: Laura kommt nach L.A., um über das Remake einer verfluchten Horrorserie zu berichten – und wird direkt mit einem grausigen Todesfall konfrontiert, der sie an ihre eigene Vergangenheit erinnert. Denn als Kind spielte sie in einem Horrorfilm der 90er mit, bei dessen Dreh mehrere Menschen unter mysteriösen Umständen starben. Der Film zerstörte ihr Leben, sie tauchte ab und änderte ihre Identität. Doch nun scheint der „Fluch“ erneut zuzuschlagen, sobald sie wieder in die Produktion involviert ist …
Der Einstieg und die Atmosphäre sind wirklich gelungen und teilweise richtig spannend. Trotzdem fehlte mir am Ende das gewisse Etwas, das ein gutes Buch zu einem herausragenden macht.
Was mir besonders gefallen hat, waren die schwarzen Seiten am Anfang der Kapitel. Diese fiktiven Internet-Berichte, Posts oder Forenauszüge geben der Geschichte einen modernen, multimedialen Touch und haben für mich viel zur Stimmung beigetragen – ein echtes Highlight.
Leider konnte das Ende für mich nicht mithalten. Die Auflösung war mir zu vorhersehbar, und genau deshalb hat sie mich emotional auch nicht gepackt. Hier hätte ich mir mehr Überraschung, mehr Risiko, mehr Mut zum Ungewöhnlichen gewünscht.
Fazit: Spannend, atmosphärisch und kreativ in der Umsetzung – aber insgesamt für mich nicht herausragend, und das Ende war leider nicht mein Fall. Für Fans von Horror-Thrillern trotzdem einen Blick wert!

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Veröffentlicht am 04.01.2026

im Zwiespalt

Wenn die Sonne untergeht
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Zum Thomas-Mann-Jahr habe ich mich ganz besonders auf Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies gefreut – ein Roman über die Familie Mann im Jahr 1933 klang nach genau der richtigen Lektüre. Und in gewisser ...

Zum Thomas-Mann-Jahr habe ich mich ganz besonders auf Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies gefreut – ein Roman über die Familie Mann im Jahr 1933 klang nach genau der richtigen Lektüre. Und in gewisser Weise war es das auch: äußerst informativ, detailreich recherchiert und voller historischer Bezüge, die man so kompakt selten findet.

Gleichzeitig habe ich das Buch jedoch als erstaunlich sperrig empfunden. Es liest sich weniger wie ein Roman und deutlich mehr wie ein Sachbuch, das in eine romanhafte Form gegossen wurde. Das kann spannend sein, wirkt hier allerdings häufig etwas verkopft und nimmt dem Text die Leichtigkeit, die man sich bei einem Roman wünschen würde.

Was mich zudem irritiert hat, war der wertende Ton, der an manchen Stellen mitschwang. Da es sich offiziell nicht um ein Sachbuch handelt, kann man Illies das eigentlich nicht vorwerfen – ein Roman darf schließlich interpretieren. Aber trotzdem habe ich mich gefragt, weshalb der Autor an bestimmten Stellen so klare Positionen einnimmt, gerade im Hinblick auf Thomas Mann. Dieser kommt insgesamt überraschend unvorteilhaft weg. Besonders befremdlich fand ich die Darstellung seines Todes als eine Art „Befreiung“ für manche Familienmitglieder. Das hat mich befremdet zurückgelassen, vor allem weil ich mich auf einen Roman über Thomas Mann gefreut hatte und mir gewünscht hätte, dass die zentrale Figur etwas ausgewogener oder zumindest empathischer gezeichnet wird.

Insgesamt also: ein informatives, stellenweise brillantes, aber stilistisch sperriges Buch, das mich eher rational beeindruckt als emotional berührt hat. Drei Sterne.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Nicht ganz überzeugend

Sonnenaufgang Nr. 5
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Mit Sonnenaufgang Nr. 5 wollte Carsten Henn erneut einen warmherzigen Roman über das Leben, Erinnerungen und zwischenmenschliche Begegnungen erzählen. Die Themen klingen vielversprechend: ein junger Mann, ...

Mit Sonnenaufgang Nr. 5 wollte Carsten Henn erneut einen warmherzigen Roman über das Leben, Erinnerungen und zwischenmenschliche Begegnungen erzählen. Die Themen klingen vielversprechend: ein junger Mann, der vor seiner Vergangenheit davonläuft, und eine ältere Frau, die ihr Leben im besten Licht festhalten möchte. Die Idee, diese beiden Figuren über das Schreiben einer Lebensgeschichte zusammenzubringen, hat durchaus Charme.

Leider konnte mich der Roman insgesamt nicht so begeistern wie erhofft. Ich habe nur schwer einen Zugang zu den Protagonisten gefunden. Sowohl Jonas als auch Stella blieben für mich emotional auf Distanz, sodass ihre Entwicklung und ihre Gespräche mich nicht wirklich berührt haben. Die Beziehung zwischen den beiden wirkte stellenweise konstruiert und weniger organisch, als ich es mir gewünscht hätte.

Der Roman ist ruhig, poetisch und mit klarer Botschaft geschrieben, doch genau diese Lebensweisheiten empfand ich teilweise als zu offensichtlich. Statt zwischen den Zeilen zu wirken, werden viele Gedanken sehr direkt formuliert, was der Geschichte für mich etwas von ihrer Tiefe genommen hat.

Insgesamt ist Sonnenaufgang Nr. 5 ein solides, angenehm zu lesendes Buch, das sicher seine Leser:innen finden wird – vor allem Fans von Carsten Henns gefühlvollen Erzählungen. Mich persönlich konnte es jedoch nicht vollständig abholen, da die emotionale Verbindung zu den Figuren fehlte.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

tolle Grundidee

Hustle
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Die Grundidee von Hustle hat mich sofort angesprochen: Eine Protagonistin, die ihre eigene Moral lebt, Regeln biegt und sich in einer teuren Stadt mit Kreativität und Chuzpe durchschlägt. Leonie ist jemand, ...

Die Grundidee von Hustle hat mich sofort angesprochen: Eine Protagonistin, die ihre eigene Moral lebt, Regeln biegt und sich in einer teuren Stadt mit Kreativität und Chuzpe durchschlägt. Leonie ist jemand, der aneckt, Grenzen überschreitet und dabei überzeugt ist, im Recht zu sein. Besonders das Konzept der „Rache-Dienstleistung“ für frisch gebrochene Herzen ist originell und bietet viel Stoff für gesellschaftliche Fragen rund um Geld, Moral und Selbstverwirklichung im Kapitalismus.

Leider konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen. Viele Themen werden nur angerissen und bleiben mir zu oberflächlich. Weder Leonies innere Konflikte noch die Dynamik innerhalb der Gruppe der Frauen werden wirklich vertieft. Auch die moralischen Fragen, die der Roman aufwirft – wie viel man wirklich zum guten Leben braucht und welches Risiko man dafür eingehen sollte – bleiben eher Behauptungen als echte Auseinandersetzungen.

Der Roman liest sich zwar flott und hat durchaus witzige, pointierte Momente, doch insgesamt fehlte mir die Tiefe, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Eine starke Idee, die meiner Meinung nach mehr erzählerischen Mut und Komplexität verdient hätte.

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