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Veröffentlicht am 15.02.2018

Teuflisch gut!

Luzifer junior – Teil 3: Einmal Hölle und zurück
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Meine Töchter lieben Luzifer Junior, den „missratenen“ viel zu netten Sohn des Höllenfürsten Luzifer. Dieser wurde in Band 1 auf die Erde in ein Internat geschickt, um dort von den Menschen zu lernen, ...

Meine Töchter lieben Luzifer Junior, den „missratenen“ viel zu netten Sohn des Höllenfürsten Luzifer. Dieser wurde in Band 1 auf die Erde in ein Internat geschickt, um dort von den Menschen zu lernen, wie man richtig fies wird. Stattdessen fand Luzi, getarnt als ungarischer Adelsspross, echte, wenn auch recht eigenwillige Freunde. Nachdem in Band 2 sämtliche wahre Identitäten aufflogen, sind nun seine Freunde Lilly, der ängstliche Gustav, der furchtlose Aaron und Krankenschwester Miriam mit auf den Weg in die Hölle, denn Luzifer senior wurde abgesetzt und ist seither verschwunden. Luzis Onkel soll die Macht an sich gerissen haben und die Hölle in einen furchtbar langweiligen und fantasielosen Ort umgewandelt haben. Doch in die Hölle zu gelangen, ist gerade für die zwei Menschen Gustav und Aaron ganz schön schwierig, denn Lebende finden in die Hölle eigentlich keinen Einlass, es sei denn sie schaffen es die äußerst kniffeligen Dämonenrätsel zu knacken. Damit fangen die Gefahren allerdings erst an!
Wir haben uns im Auto weggeworfen vor Lachen! Über die Dämonenrätsel konnten sich meine Töchter noch Tage später vor Lachen wegschmeißen! Richtig toll fanden wir es, die wichtigsten Charaktere der vorherigen Bände wieder zu treffen (na gut, die Bewohner der Oberwelt werden hier meist vernachlässigt). Technik-Nerd Steven zum Beispiel, zeigt wieder, warum er freiwillig in der Hölle ist, hier kann er wirklich noch etwas bewirken und schalten und walten wie er will. Dabei sind einige Gags wirklich an modernes technisches Know-How angelehnt, bei dem ich erstaunt war, daß meine Töchter sie verstehen. Die Geschichte ist also auch durchaus vätergeeignet! Die Story von der Suche nach dem verschwundenen Oberteufel ist aber auch wirklich rasant und richtig originell. Ein Feuerwerk an überraschenden Einfällen und teuflischen Späßen garantieren, daß auch die Eltern bis zum Ende gebannt mithören.
Das Buch ist sicher toll, aber Christoph Maria Herbst liest göttlich! Anders als bei vielen anderen Sprechern, merkt man gar nicht, daß es eine one-man-show ist. Er klingt wie diverse bekannte Stimmen, die man bereits kennt und so tauchen immer wieder unterschiedliche Bilder vor dem geistigen Auge auf. Normalerweise klingen zumindest einige Stimmen der Sprecher einfach nur verstellt, man merkt, daß es sich nicht um die normale Tonlage handelt, das ist hier anders (nein, ich bin kein Stromberg-Fan, habe die Serie nie gesehen). Einige Kommentare gibt er so trocken ab, da kann man nicht anders als lachen, aber Vorsicht, nicht zu lange, sonst hört man ja nicht, wie es weiter geht!
Natürlich hat uns ganz besonders gut gefallen, daß es am Ende von CD 2 einen Ausblick auf die Fortsetzung gibt. Kein fieser Cliffhanger, dieser Band ist in sich abgeschlossen, aber man endet mit der Gewissheit, daß es weitergehen wird, mit Luzi und seinen irrsinnigen Abenteuern. Auch wenn die Geschichten inhaltlich abgeschlossen sind, lohnt es sich, sie der Reihe nach zu hören, weil sie inhaltlich aufeinander aufbauen und ansonsten einige Pointen schon vorweg genommen sind.
Empfohlen wird dieses Hörbuch ab 10 Jahren. Dennoch liebt sogar meine 8-jährige Tochter sie, trotz ihrer häufigen Empfindlichkeit bei Hörbüchern. Die Altersempfehlung dürfte sich auch auf die Kampfszenen beziehen. Diese sind allerdings unblutig, da Dämonen keinen Schmerz empfinden und natürlich nicht sterben können. Kinder sind auf Anweisung des CEO (Gott) nicht anzurühren und wieder nach oben auf die Erde zu schicken. Eine schöne Idee, hierdurch die selbst scheinbar ausweglosesten Szenen gleichzeitig spannend, aber nie furchteinflößend oder roh.
Die 2 Tonträger sind passend im Stil der Buchillustration gestaltet und garantieren 2 h 42 min. Hörspaß. Es handelt sich um eine autorisierte Lesefassung, die aber keine Kürzungen des Textes erkennen lässt. Volle 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Wie wird man Krimiautor?

Businessplan: Mord
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Hm, wie schreibt man eigentlich einen Krimi? Reicht es eine gute Idee zu haben und einen PC, wie gehe ich da eigentlich am besten ran und wie finde ich einen Verlag? Fragen über Fragen, dabei habe ich ...

Hm, wie schreibt man eigentlich einen Krimi? Reicht es eine gute Idee zu haben und einen PC, wie gehe ich da eigentlich am besten ran und wie finde ich einen Verlag? Fragen über Fragen, dabei habe ich mir immer vorgenommen, daß ich Krimis nach den Fällen des BGHSt (die Strafsenate des Bundesgerichtshofs) schreiben werde, wenn ich im Ruhestand bin, denn nix tun, geht ja nun auch nicht und Hausarbeit liegt mir nicht. Wie gut, daß ich schon in den Strafrechtsvorlesungen immer grübelte: wie ist das eigentlich ans Licht gekommen? Wie wurde das aufgeklärt? Während meine Professoren so strafrechtlich faszinierende Figuren wie „die mittelbare Täterschaft“ mit dem „Katzenkönigfall“ oder ähnliches erklärten. Ja, als Student kann Strafrecht witzig sein, als Opfer nie und für den Autor sollte es Berufung sein, denn sonst hält man wohl nicht durch.
Monika Mansour fängt daher ganz von vorne an und das auch strukturiert, so wie sich dieses Buch auch in folgende Teile gliedert:
1. Erfolgs-Strategie
Wie alles begann und Monika Mansour zur Autorin wurde.
Untergliedert in die Unterpunkte:
- Heute darf ich mich Autorin nennen,
- Wie ich zur Schreibtischmörderin wurde
- Der lange Weg vom leeren Papier zum gedruckten Buch
- Rückschläge und Kritik sind nicht tödlich
- Das tägliche Produzieren von Träumen
- Wie ich an meinen eigenen Worten wachse
- Ich muss mehr können als nur schöne Sätze schreiben
- Mein Geschäftsmodell für die Zukunft
Sehr unterhaltsam erhält man Einblick in den Berufsalltag, aber auch in die Möglichkeiten. Ich fand es sehr interessant mehr über Lektorate und Selfpublishing zu erfahren und es wurde mir wieder klar, warum ich einige Verlage mehr schätze als andere. Ein solides Lektorat, mag zwar einiges am Text ändern, was der Autor erst einmal verdauen muß, aber es geschieht ja zum Wohle des Buches und zur besseren Lesbarkeit. Eine gute Geschichte ist nicht alles und allzu viele Fehler und Stolpersteine im Text stören, doch überliest man seine eigenen Fehler mit ziemlicher Sicherheit. Und ja, ein guter Stil garantiert noch keine gelungene Geschichte, die Mischung macht es.

2. Business-Talk
Wie man schreibt: alles rund um den Aufbau eines gelungenen Krimis
- Die Leidenschaft strukturieren
- Inspiration und Startkapital besorgen
- Den Plot für eine Heldenreise organisieren
- Stil und Schreibtechnik nutzen
- Mit Helden und Schurken zusammenarbeiten
- Einen Krimi von A bis Z produzieren
- Mit Konflikten und Spannungen die Figuren manipulieren
- Das Manuskript einer Endkontrolle unterziehen
- Wie Agenturen und Verlage die Bilanz aufwerten
Hier hat der Einstieg mich schmunzeln lassen, da ich doch sehr an meinen Englisch-LK mit Plot und erster Satz erinnert wurde. Das hat mich aber definitiv geprägt. Wenn der erste Satz mich nicht anspricht, wird es eng für den Krimi und Zufälle oder plötzlich auftauchende Personen, gefallen mir gar nicht, es sollte sich alles ganz von natürlich, quasi zwingend ergeben. Aber natürlich hat es seinen Reiz Herr über das Geschehen zu sein, Figuren und die Handlung zu kontrollieren und zu manipulieren. Eventuell mit einem diabolischen Grinsen während des Schreibens. Dabei darf man aber neben der Leidenschaft zum Schreiben und dem Entwickeln der Geschichte nie das Geschäft vergessen. Daher fand ich gerade den Einblick in die Tätigkeit der Agenturen und das Verlagswesen sehr interessant.

3. Anhang: Leitbilder, Strategien und Produktionsmittel
Hier gibt es Checklisten für Charaktere, Orte u.ä., denn als Autor sollte man nie den Überblick und die Kontrolle über seinen Fall verlieren. Diese kann man abschreiben, einscannen oder einfach nur einprägen, damit man nie vergißt, daß ein Roman stets auch eine Struktur und nicht nur Gefühl benötigt. Zudem werden hilfreiche Computerprogramme und Webseiten für Autoren aufgelistet, sehr hilfreich für Jungautoren.
Sehr gut hat mir dabei neben den Praxisbeispielen und Tipps, auch von anderen Kollegen, die immer wieder auftauchende Figur ihres türkischstämmigen Ermittlers Cem Cengiz gefallen. Das hat diesem Ratgeber eine sehr persönliche Note gegeben und ist natürlich ein Leckerbissen für Fans von Cem und Co., zeigt aber auch, wie sehr Schriftsteller mit ihren Charakteren leben.
Was mir wirklich gut gefallen hat, war daß dieser Ratgeber nicht trocken und langweilig war, sondern gerade durch die Beteiligung von Cem, aber auch durch den Schreibstil sehr locker und unterhaltsam und dennoch informativ. Aber der Ratgeber ist nicht egozentrisch an Monika Mansour ausgerichtet, sie nennt auch andere Beispiele, wie z.B. Harper Lee, die von ihrem Erstling ein Leben lang gut leben konnte und eigentlich kein weiteres veröffentlichen mußte. Wer den zweiten Roman, der eigentlich eine frühere Version des Klassikers ist, kennt, wird schmunzelnd festgestellt haben, wie sehr dieses Buch doch „überarbeitet“ wurde, „Go set a watchman“ ist eigentlich ein völlig anderes Buch.
Ein wirklich hilfreicher Ratgeber für alle die sich mit dem Gedanken tragen, mal eines Tages ein Buch zu veröffentlichen, oder die bereits ein Manuskript in der Schublade haben. Es muß nicht zwingend ein Krimi sein, viele der Tipps kann man auch auf andere Genres anwenden, denn auch für Liebesromane stellt sich die Frage: Selfpublishing, Agentur, Verlag? Was ist das Richtige für mich?
Sollte es mit dem eigenen Buch nun doch nicht klappen, so hat man zumindest interessante Einblicke in die Arbeit einer Autorin, das Verlagswesen bekommen und viele Bücherwürmer bekommen en passant Fragen beantwortet, die sie sich nie zu stellen gewagt haben. Man kann auch einfach nur darin schmökern, denn es ist wirklich unterhaltsam geschrieben. Ob ich mit diesem Wissen nun später mal Bestseller-Autorin werde? Only Time will tell ;)
Ein wirklich unterhaltsamer Ratgeber für Möchtegern-Autoren und Bücherwürmer!

Veröffentlicht am 05.02.2018

Witzig und aufregend geht es weiter mit diesem Mini-Drachen

Drachenalarm in meinem Rucksack
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Dies ist das zweite Abenteuer des Mini-Drachen Ping, der aus Versehen mit einer Sojasprossenlieferung des Asia-Schnellimbisses bei Eric auf dem Teller landet. Ping findet es ziemlich öde zu Hause zu bleiben, ...

Dies ist das zweite Abenteuer des Mini-Drachen Ping, der aus Versehen mit einer Sojasprossenlieferung des Asia-Schnellimbisses bei Eric auf dem Teller landet. Ping findet es ziemlich öde zu Hause zu bleiben, während Eric mit seinen Freunden Ming und Finn in die Schule geht. Also bettelt er so lange rum, bis er mit in die Schule darf, im Rucksack. Leider ist ihm das auch zu langweilig und er öffnet den Reißverschluß. Heraus kommt ein riesiges Chaos und eine Strafarbeit für Eric und Ping, der im Rucksack verharren soll, bis dieser von dem hinterhältigen Nervnasen-Nachbarsjungen Toby heimlich gegen dessen Rucksack ohne Ping getauscht wird. Jetzt müssen Eric und seine Freunde alles daran setzen, um zu verhindern, daß Toby den geheimen Mini-Drachen seiner ganzen Schule präsentiert. Wie sollen sie das nur anstellen, wo doch Erics Lehrerin stinksauer ist, weil er die Strafarbeit nicht vorlegen kann, die natürlich im vertauschten Rucksack steckt!
79 Minuten Spaß und Spannung ab 8 Jahren.
Ping macht zwar nur Unsinn und hat nur Flausen im Kopf, aber man muss ihn dennoch gern haben, ganz anders als Toby, diesen Besserwisser und Zankhansel. Wobei, Lehrerin Frau Riese sich auch hervorragend als Bösewicht eignet. Eine Lehrerin wie keiner sie gerne haben möchte und die wirklich Angst einflößend ist. Umso mutiger bei solch einer Lehrerin abzuhauen, um einen Freund in Not zu retten. Dabei müssen Eric und seine Freunde feststellen, daß all ihre Vorurteile gegenüber Tobys Elite-Schule einzig und alleine ihrer Abneigung gegen Toby selbst entspringen bzw. auf den Lügengeschichten gründen, die dieser zu erzählen pflegt. Vor Ort in der Schule machen die Kinder nämlich ganz erstaunliche Entdeckungen und damit meine ich nicht, daß Pings Orientierungssinn bei Weitem
Dabei gefällt mir sehr gut, daß Eric immer mit dem armen reichen Nachbarsjungen spielen soll, dessen Eltern nie Zeit für ihn haben. Das kommt sicher vielen Kindern bekannt vor, mit Kindern spielen zu sollen, die man nicht mag, statt mit seinen Freunden.
Jona Mues ist einer meiner Lieblingssprecher, weil er eine wirklich sehr angenehme Stimme hat und noch dazu sich sein Gesicht mir beim Zuhören nicht in mein Hirn drängt, so daß dort Raum für grüne Drachen und pfiffige Kinder bleibt. Das ist wirklich eine Kunst, immerhin ist er hier in Koblenz Mitglied des Theaterensembles. Dabei gelingt es ihm immer noch den einzelnen Rollen ihre eigenen Stimmen zu geben, allen voran der fiesen Lehrerin Frau Riese. Das Hörbuch lief bei meiner Tochter hoch und runter, ohne daß uns seine Stimme oder die Szenenmusik nervte.
Autor Tom Nicoll hat schon zu Schulzeiten versucht möglichst viel Unsinn in seine Schulaufsätze zu packen und lebt nun mit seiner Frau, Tochter und Katze mit Identitätskrise in der Nähe von Edinburgh.
Franziska (8): Ich finde das Hörbuch sehr schön, es ist lustig, aber auch spannend. Ping ist sehr witzig, macht aber auch nie, was man ihm sagt und richtet damit nur Chaos an. Den Sprecher mag ich, er hat eine schöne Stimme.
Diese witzige und spannende Geschichte über ungleiche Freunde verdient 5 von 5 Sternen.
Weiter geht die Reihe übrigens mit Drachenalarm in meinem Klo.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei audiolino für das Rezensionsexemplar zur Fortsetzung unserer Drachenalarmreihe!

Veröffentlicht am 26.01.2018

Schicksal ist, was Du aus den Zufällen machst, die Dir das Leben schenkt

Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen
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Matilda hatte eine sehr trostlose und einsame Kindheit, geprägt durch den ewigen Streit der Eltern. Zum Glück hatte sie die Mansarde und ihre Bücher als Rückzugsort. So glaubt sie auch heute mit 27 Jahren ...

Matilda hatte eine sehr trostlose und einsame Kindheit, geprägt durch den ewigen Streit der Eltern. Zum Glück hatte sie die Mansarde und ihre Bücher als Rückzugsort. So glaubt sie auch heute mit 27 Jahren nicht an die Liebe, zumindest nicht außerhalb ihrer geliebten Bücher, oder großer Filmklassiker. Das macht aber nichts, denn sie ist durchaus zufrieden mit ihrem Leben, ihrer gemütlichen Dachgeschoßwohnung und liebt ihre Arbeit als Sachbearbeiterin im Amt für unzustellbare Briefe. Doch eines Tages verändert sich ihr geschätzter Alltag und alles kommt durcheinander, als sie hinter ihrem Büroschrank einen ergreifenden Liebesbrief findet, der dort 50 Jahre lang verschollen war. Die Tinte der Adresse wurde durch Feuchtigkeit unleserlich, doch Matilda möchte ihn unbedingt der darin gepriesenen Leni zustellen, wenn sie nur wüßte, wo sie sie finden kann. In ihrer Ratlosigkeit bittet sie ihren Nachbarn Knut, einen älteren Herren um Hilfe und dieser schafft es tatsächlich mit Hilfe von Technik neue Spuren für Matilda zu entdecken. Wagt sich Matilda soweit aus ihrer Routine heraus?
Matilda ist eine ungewöhnliche Heldin. Jung und doch sehr altmodisch, ein wandelnder Anachronismus, mit viel Herz und Gefühl und doch voller Angst, diese auf sich selbst zu richten. Da kümmert sie sich lieber um ihre Mitmenschen, besonders die Älteren, das erscheint ihr ungefährlicher, für ihr Herz. Dies ist ihr wohl nicht wirklich bewußt, ebenso wenig, daß sie aus Angst verletzt zu werden, ihre Gefühle auf Sparflamme hält, und sich lieber spannende Leben der Menschen, die sie in ihrer Umgebung beobachtet, zusammenfantasiert. Mich erinnert diese selbsterwählte Glücksbotin an die liebenswerte Amélie aus dem französischen Kinohit „Die fabelhafte Welt der Amélie“, ein Film der ihr wahrscheinlich auch gefällt, immerhin liebt sie Klassiker, wenn auch meist in schwarz-weiß.
Der Schreibstil passt zur Heldin. Er ist fließend und sanft, ruhig und entspannt. Gefühle können wachsen und sich entwickeln, dennoch ist es nicht langweilig, denn Matilda hat eine überschießende Fantasie und trifft allerhand Menschen, die vielleicht auf den ersten Blick langweilig erscheinen mögen, aber bei genauerer Betrachtung interessanter sind, als ihre angepassten Kollegen, die mitten im Leben zu stehen scheinen, aber aus Angst etwas zu verpassen, wohl die kleinen Freuden des Lebens schon mal gerne übersehen, ebenso wie kleine feine Zwischentöne.
Bei Matilda stellt sich oft die Frage: Was wäre wenn? Wenn z.B. die unzustellbaren Briefe ihr Ziel erreicht hätten, wäre dann das Leben von Absender und Adressat anders verlaufen? Bei einigen Briefen ist sie so ergriffen, daß sie sich selbst aus ihrer Komfortzone herauswagt, um als Glücksbotin das Schicksal in die Hand zu nehmen, denn „Schicksal ist das was wir aus den Zufällen machen, die uns das Leben schenkt“. Diese Zufälle zu einem Happy End zu führen, hat sich Matilda zur Aufgabe gemacht, so daß es auch einen Happy Mittelteil gibt, für diejenigen, denen Matilda helfen kann. Aber auch hier ist viel der Fantasie der Leser überlassen. Man erhascht einen Blick auf das zarte Glück, daß sich entwickelt, daß aufknospt, aber die erblühte Liebe oder auch nicht, wird wohl erst nach Matildas Verschwinden sich zeigen. So geht es um zweite Chancen und darum, daß man auch mal ungewohnte Wege gehen muß, die erst einmal unbequem erscheinen. Daran kann man wachsen und reifen, bis man selbst bereit ist, für das Glück, das einem das Leben bietet. Dabei ist das Glück ein Auf und Ab, dessen Summe zählt. Die Schattenseiten, lassen die glücklichen Tage umso heller erscheinen. Matilda war zufrieden, aber nicht richtig glücklich, dafür muß man Risiken eingehen, die es aber wert sind. Vor allem zeigt dieser ungewöhnliche Liebesroman, daß man nie zu alt ist für ein Happy End und das ein solches für jeden Menschen ganz unterschiedlich aussehen kann. So ist das Ende wunderschön und auch wirklich humorvoll, aber nicht kitschig, sondern zart und verheißungsvoll. Neben all dem Glück gibt es auch Zeiten der Trauer und des Verlusts, die wirklich Emotionen und Tränen hervorruft. Doch die Trauer ist auch schön, denn sie vollendet eine große Geschichte, aber keine Sorge, natürlich nicht Matildas, denn die beginnt ja eigentlich erst.
Ein Buch voller Hoffnung und Gefühl, mit einer außergewöhnlichen Heldin, die sich nie als solche betrachten würde, da sie dafür zu zurückhaltend ist. Ein großes Glück aus leisen und humorvollen Momenten, die das Herz erwärmen, zart und ohne Kitsch.
Wunderschöne 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 23.01.2018

Zauberhaft!

Flora Flitzebesen (Bd. 2)
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Flora Flitzebesen ist die schnellste Besenfliegerin von Hexenrosental! Das hat sie ja schon in Band 1 bewiesen, aber in diesem Abenteuer reicht das nicht aus. Es gehen merkwürdige Dinge im Hexenrosental ...

Flora Flitzebesen ist die schnellste Besenfliegerin von Hexenrosental! Das hat sie ja schon in Band 1 bewiesen, aber in diesem Abenteuer reicht das nicht aus. Es gehen merkwürdige Dinge im Hexenrosental vor sich. Das Wetter spielt total verrückt! Mal gibt es Blitzeis, Stürme oder Überschwemmungen, die das Leben im Wasserviertel, Grasdachviertel, Windmühlenviertel oder Türmchenviertel lahm legen. Alle Anwohner rätseln was dahinter stecken mag und Neuankömmlinge im Örtchen werden besonders misstrauisch beäugt und schnell verdächtigt, wie z.B. der Erfinder Salix Capreo der erst vor kurzem in das Städtchen gezogen ist. Besonders schlimm wird es aber, als die Helfen, zarte Elfenwesen, deren Koben im Birkenwald in Bäumen und Sträuchern hingen, von dem Sturm davon getragen werden. Floras Helfenfreundin Hille, die die Nacht bei ihr verbracht hat, fürchtet ihre Familie nie wieder zu finden. Flora ahnt, daß hinter diesem Chaos die Wetterhexen stecken und nimmt all ihren Mut zusammen…
Diese bezaubernde Kinderbuchreihe stammt aus der Feder der bekannten Illustratorin Eleni Livanios, die mit dem Coppenrath Verlag einen Verlag gefunden hat, dem die optische Gestaltung der Bücher richtig am Herzen liegt. Daher ist nicht nur die Geschichte wunderschön, sie ist auch absolut passend und hinreißend illustriert. Schon das Cover mit dem glitzernden Spinnennetz und dem glitzernden Namenszug ist der absolute Hingucker. Außerdem bin ich ja ein großer Fan von Büchern von Illustratoren. Da passt einfach die Illustration perfekt zur Geschichte. Jeder Strich sitzt und die Gefühle der jungen Helden sind perfekt eingefangen. Jede der zahlreichen farbigen Abbildungen ist der absolute Hingucker. Das fängt beim Cover an, und geht direkt anschließend im Inneneinband weiter, wo eine Übersicht über das Hexenrosental die Leserinnen mit in die magische Welt von Flora und ihren Freunden nimmt. Denn Flora ist zum Glück nicht alleine. Neben ihrer bereits erwähnten Helfenfreundin Hille, gibt es noch ihre Spinne Linne, die in ihrem Hexenhut lebt und Kater Kringel, der bei Flora und deren Mutter Annemona Floribunda in deren gemütlichen Hexenhäuschen lebt. Außerdem hat Flora mit Malte und Laurus auch zwei sehr gute Freunde, die mit ihre gemeinsam die Hexenschule besuchen, genauso wie Majoranus und seine Freunde, ihr ärgster Konkurrent beim Besenwettflug. Gerade an diesen Figuren zeigt sich, daß Eleni Livanios nicht nur eine begnadete Illustratorin ist, sondern auch eine tolle Geschichtenerzählerin. Denn Majoranus ist wirklich ein vielschichtiger Charakter. Nicht einfach ein plumper Bösewicht, sondern ein interessanter Konkurrent, der nur schwer einzuschätzen ist. Auch wenn er wie viele andere im Ort schnell voreilige Schlüsse über Fremde zieht, ist er dennoch bereit den Helfen beizustehen in der Not. Denn eigentlich ist das Leben im Hexenrosental trotz aller Magie, dem unsrigen gar nicht so unähnlich und es bleibt zu hoffen, daß es den Leserinnen oder deren Vorlesern ebenfalls auffällt und sie sich daran erinnern, wenn sie selbst dazu neigen mal wieder einen voreiligen Schluss zu ziehen….
Aber der Aufruhr der Wetterhexen ist vor allem sehr liebevoll erzählt und abwechslungsreich. Da das Kräftegleichgewicht bei den Wetterhexen durcheinander geraten ist, gibt es eine Vielzahl von Merkwürdigkeiten, die Flora und ihre Freunde entdecken und denen sie nachgehen. Das macht es spannend und geheimnisvoll, ohne daß die schönen Seiten des Lebens in Hexenrosental völlig außer Acht bleiben. Düster und bedrückend ist daher diese Geschichte nie!
Mittlerweile gibt es vier Bände, die wunderschön illustriert sind und sich ab 6 Jahren zum Vorlesen und ab der 3. Klasse zum Selberlesen eigen. Sie können unabhängig voneinander gelesen werden, da die Hauptpersonen alle noch einmal vorgestellt werden. Die 141 Seiten sind mit relativ großer Schrift aber bereits mit einer Schriftart mit Serifen, statt in Fibelschrift für Leseanfänger bedruckt. Durch die zahlreichen Illustrationen kommen die jungen Leser aber gut voran und erreichen schnell Erfolgserlebnisse durch das Erreichen des nächsten Kapitels. Kein Wunder, daß meine Tochter die Reihe liebt!
Verliebte 5 von 5 Sternen.