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Veröffentlicht am 11.01.2026

Ex-glückliches England

Middle England
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Benjamin Trotters Mutter ist gerade gestorben. Nach der Beisetzung nimmt er seinen Vater mit in seine alte Mühle in Shropshire. Auch seine Schwester und sein Bruder verbringen den Abend dort. Man schreibt ...

Benjamin Trotters Mutter ist gerade gestorben. Nach der Beisetzung nimmt er seinen Vater mit in seine alte Mühle in Shropshire. Auch seine Schwester und sein Bruder verbringen den Abend dort. Man schreibt das Jahr 2010. Über die nächsten ungefähr acht Jahre erzählen Benjamin und seine Bekannten episodenhaft von ihren Leben. Benjamin möchte seinen Roman beenden. Sophie trifft einen Mann, mit dem sie die Ehe eingeht. Doug, ein Journalist, versucht, mit seinem Schreiben am Puls der Zeit zu sein. Die Zeit fließt an ihnen vorbei und gefühlte Lage im Land verschlechtert sich zusehends.

In diesem Buch wird das Leben in der ländlichen Mitte Englands beschrieben. Beginnend im Jahr 2010, wo man glaubte, die Welt sei noch in Ordnung. Weiter über die Wahlen bis zur Brexit-Abstimmung. Und schließlich bis zum Jahr 2018, in dem wohl niemand in England mehr etwas über den Brexit hören oder lesen wollte. Die handelnden Personen leben vor sich hin. Manches, was im Land vor sich geht, ist ihnen zwar fern. Allerdings engagiert sich niemand für etwas außer seine eigene Welt. Die politischen Ereignisse sind für sie nicht so überraschend, doch ihre eigenen privaten oder beruflichen Probleme sind ihnen doch wichtiger.

Das Buch wurde im Jahr 2018 veröffentlicht. Der Autor hat sich also zeitlich relativ nah an den Ereignissen seine Gedanken gemacht. Den handelnden Personen hat der Autor vorher schon zwei weitere Romane gewidmet. Vielleicht hätte man sich ihnen näher gefühlt, wenn man das gewusst und die Bücher gelesen hätte. So wollte man mal eine andere Sicht auf den Brexit bekommen, von innen sozusagen. Doch so wie es in England schon im Jahr 2018 war, musste man feststellen, dass inzwischen soviel passiert ist, dass es einen selbst auch nicht mehr interessiert. Protagonisten, die so vor sich hinleben. Ein politisch brisantes Thema, an dem das Interesse verloren gegangen ist. Vielleicht hätte der Roman unter anderen Umständen gefesselt, aber in der heutigen Situation passte er nicht so perfekt.

Veröffentlicht am 23.11.2025

Selbstbehauptung

Season Sisters – Herbstschatten
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Autuum, die jüngste der Season Sisters, ist inzwischen 23, aber immer noch sehr schüchtern. Am liebsten ist sie auf der Farm ihrer Eltern oder bei den Pferden der Fowlers. Als ein Gewitter herannaht und ...

Autuum, die jüngste der Season Sisters, ist inzwischen 23, aber immer noch sehr schüchtern. Am liebsten ist sie auf der Farm ihrer Eltern oder bei den Pferden der Fowlers. Als ein Gewitter herannaht und die Pferde nervös werden, schafft Autuum es die Tiere zu beruhigen. Damit lenkt sie die Aufmerksamkeit von Aidan Fowler auf sich, der nicht besonders gut mit den wertvollen Tieren umgehen kann. Die beiden kommen sich näher. Im Jahr 1851 in Cochem an der Mosel erlaubt sich der junge Caspar einen kleinen Scherz mit seinem Gönner und Freund Prinz Woldemar. Er stellt diesem eine junge Dame als Gräfin vor, die eigentlich die Tochter des Hundewärters des Fürsten ist.

Wie bei bisher jedem Roman um die Season Sisters ist auch die Handlung des dritten Bandes zum Teil in der Vergangenheit angesiedelt und ein Teil in der Gegenwart. Autuum, die sich lange von ihren Eltern ausnutzen ließ, ohne das diese wirklich bemerkten, was sie ihrer Tochter antun. Nur über ihre eigene Vergangenheit haben die Eltern nie geredet. Und Autuum bekommt die Gelegenheit nach Deutschland zu fahren und zu erkunden, ob es einen Rest der Familie gibt. Vielleicht kann das, was sie herausfindet, ihr helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Mit den Season Sisters findet man gute Unterhaltungslektüre, die zwei Handlungsstränge verknüpft. Bei Autuum versteht man nicht unbedingt, wieso sie sich so unterbuttern lässt. Schön ist aber zu lesen, wie sie sich aus dem Tief herausarbeitet und Initiative entwickelt. Im zweiten Teil der Handlung geht es auch um Verbindungen zwischen Gesellschaftsschichten, die es in der Zeit an sich nicht geben durfte. Doch was witzig beginnt und zu einer Art Screwball Comedy hätte werden.können, entwickelt sich zu einer echt miesen Geschichte, die noch nicht einmal das dumme Verhalten der Eltern erklärt. Und so kommt dieser Roman etwas durchwachsen an. Autuums Geschichte wirkt dabei wie eine Mutmach-Geschichte.

Veröffentlicht am 27.04.2025

Anti-Scheidung

Total verschossen – immer Ärger mit dem Liebesgott
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Wird ihre neueste Klientin das mit der Scheidung wirklich durchziehen? Nach einem ersten Termin ist die junge Anwältin Frida McKenzie nie ganz sicher. Meist jedoch sind die Frauen bereit zur Versöhnung. ...

Wird ihre neueste Klientin das mit der Scheidung wirklich durchziehen? Nach einem ersten Termin ist die junge Anwältin Frida McKenzie nie ganz sicher. Meist jedoch sind die Frauen bereit zur Versöhnung. Der unangemeldete Gast, der danach hereinschneit, könnte Frida schon mehr aufregen. Er redet einfach Unsinn, von einer Gefahr, dass sie das neue Angebot nicht annehmen soll und sonst was. Sie lässt Dan wie er sich nennt hinausbegleiten. Und natürlich wird sie zu dem Jobinterview gehen. Leider muss Frida schnell bereuen, dass sie Dan nicht geglaubt hat. Sie wird in einem Besprechungsraum eingeschlossen und etliche persönliche Gegenstände wurden ihr abgenommen.

Mit diesem ersten Band einer Reihe um die Liebesgötter (der griechischen Mythologie) legt die Autorin ihr Debüt vor. Frida McKenzie weiß nichts von ihrer göttlichen Herkunft. Sie ist Scheidungsanwältin fertig aus. Das passt auch zu ihr, schließlich hat sie keine feste Beziehung. Und was Dan so erzählt, Orakel von Delphi und so weiter, kann doch nicht sein. Wer glaubt den so was? Und doch geht bei diesem Jobinterview nicht mit rechten Dingen zu und Frida ist heilfroh, dass Dan einen Rettungsweg aus dem Gebäude vorbereitet hat. Mit knapper Not kann sie entkommen und erstmal kommt sie bei Dan unter.

Die Liebesgötter der griechischen Mythologie in unsere Gegenwart transferiert, eine gute Idee. Eigentlich. Denn zum Verständnis wäre eine bessere Kenntnis der griechischen Mythologie nicht schlecht. Denn dann könnte man auch beurteilen, wie die Ereignisse in die Moderne übersetzt wurden oder auch was der dichterischen Freiheit entsprungen ist. Vom Cover her würde man auch eher auf eine romantische Geschichte hoffen. Das Geschehen ist jedoch eher dramatisch und die Romantik wird allenfalls angedeutet. Von Anteros hat man vielleicht weniger gehört als von Eros und so ist es vielleicht auch mal was, wenn er hier eine Geschichte hat. Frida und Dan versuchen, seinen Einfluss einzudämmen. Einfach ist das nicht. Da bisher lediglich ein Folgeband erschienen ist und auch keine weiteren Bücher der Autorin angekündigt sind, spricht das wohl etwas für sich. Eine gute Idee, die ein wenig gefälliger hätte aufgearbeitet sein können.

Veröffentlicht am 25.04.2025

Schlesischer Zauberberg

Empusion
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Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. ...

Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. Es gilt eine erste Untersuchung durchzustehen und mit der Behandlung, die hauptsächlich aus reichlich gutem Essen und viel Ruhe besteht, zu beginnen. Ein wenig fremdelt Wojnicz und doch ergeben sich recht bald erste Gespräche und auch kleinere Aktivitäten sind erlaubt. Schwer wird es für die kleine Patientengemeinschaft, wenn einer der ihren es nicht schafft. Unheimlich wird es sogar als die Pensionswirtin überraschen Selbstmord begeht.

Vielleicht ist Schlesien nicht ganz so hipp wie die Schweiz. Doch auch hier bieten die Berge gute Luft und viel Erholung. Genau der richtige Ort also, um eine Lungenschwäche zu kurieren oder zumindest so viele angenehme Tage zu verbringen wie die Krankheit erlaubt. Glücklicherweise erscheint Wojniczs Erkrankung nicht so schwerwiegend zu sein. Sie schränkt aber doch ein. Als angehender Ingenieur muss Wojnicz seine Gesundheit wiedererlangen und nach Lemberg zurückkehren. Bis dahin engagiert Wojnicz in seine Genesung und macht sich Gedanken über die manchmal etwas seltsamen Gespräche und Ereignisse im Sanatorium.

Die Beschreibung dieses Romans macht wirklich neugierig. Wie würde sich eine Art Zauberberg in einer ähnlichen, aber doch ganz anderen Gegend darstellen. Dann kommt noch ein leicht mysteriöser Touch hinzu. Und wie eine Nobelpreisträgerin sich dem Thema nähert, ist auch interessant. Nur manchmal ist es mit renommierten Preisträgerin und Preisträgerinnen so, dass ihre Bücher manchmal ein wenig schwer zu durchschauen sind. Und so erweckt dieser Roman auch hin und wieder den Eindruck, dass er etwas ziellos hin und her mäandert. Weder das Mystische wird zu einer richtig klaren Handlung, noch die Politik kommt richtig zur Sprache. Das regt zwar dazu an, selbst nachzudenken, aber man hätte sich doch etwas anderes gewünscht. Nichtsdestotrotz gibt es fesselnde Szenen und unerwartete Entdeckungen.

Veröffentlicht am 19.04.2025

Gegensätze

Die letzte Welle
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Nach einem Schlaganfall hat seine Tochter ihn überzeugt, dass es besser ist im Altersheim zu leben. Wohl fühlt sich der ehemalige Polizist Tore Lindahl dort nicht. Dann geschieht im Heim ein Einbruch und ...

Nach einem Schlaganfall hat seine Tochter ihn überzeugt, dass es besser ist im Altersheim zu leben. Wohl fühlt sich der ehemalige Polizist Tore Lindahl dort nicht. Dann geschieht im Heim ein Einbruch und ein Heimbewohner stirbt. Es scheint so, als solle das ein wenig unter den Teppich gekehrt werden. Tores Instinkte als Polizist sind geweckt und er will herausfinden, was wirklich passiert ist. Veronika Wiklund möchte gerne Journalistin werden und als Volontärin hofft sie auf eine Chance, eine besondere Geschichte zu recherchieren. Die Vorgänge im Altenheim führen sie mit Tore zusammen. Gemeinsam wollen die Beiden die ganze Geschichte erfahren.

Der pensionierte Polizist und die junge Journalistin bilden bei ihrem ersten Zusammentreffen ein besonderes Team. Akribisch versuchen sie hinter die Geheimnisse des Altenheims zu kommen. Dabei hadert Tore mit seiner Beeinträchtigung. Sein Geist ist wach, doch sein Körper will nicht so wie er. Veronika hat es diesbezüglich leichter, was allerdings dazu führen kann, dass sie in Gefahr gerät. Und ihre anfänglichen Veröffentlichungen scheinen auch nicht auf übermäßige Gegenliebe bei ihrem Arbeitgeber zu stoßen. Ihre Story muss besser und geschliffener werden, sonst könnte sie ihren Job verlieren.

Der Ansatz des Romans mit den Taten der Gegenwart, die einen Bezug zur Vergangenheit haben, ist sehr vielversprechend. Die Gründe für etliche Ereignisse in der heutigen Zeit liegen häufig viele Jahre zurück. Die Erzählung auf zwei Zeitebenen gibt dem Roman eine gewisse Tiefe und dadurch fügen sich die Informationen zu einem Gesamtbild. Auch funktionieren Tore Lindahl und Veronika Wiklund als Team überraschend gut. Allerdings wird die Geschichte so langsam vorangetrieben, dass es Momente gibt, in denen man Gefahr läuft das Interesse zu verlieren. Durch die ebenfalls sehr getragene Lesung wird dies sogar noch etwas verstärkt. Das ist schon ein wenig schade, da Lindahl und Wiklund sympathisch wirken und die Grundidee ansprechend erschien.