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Veröffentlicht am 23.11.2025

Selbstbehauptung

Season Sisters – Herbstschatten
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Autuum, die jüngste der Season Sisters, ist inzwischen 23, aber immer noch sehr schüchtern. Am liebsten ist sie auf der Farm ihrer Eltern oder bei den Pferden der Fowlers. Als ein Gewitter herannaht und ...

Autuum, die jüngste der Season Sisters, ist inzwischen 23, aber immer noch sehr schüchtern. Am liebsten ist sie auf der Farm ihrer Eltern oder bei den Pferden der Fowlers. Als ein Gewitter herannaht und die Pferde nervös werden, schafft Autuum es die Tiere zu beruhigen. Damit lenkt sie die Aufmerksamkeit von Aidan Fowler auf sich, der nicht besonders gut mit den wertvollen Tieren umgehen kann. Die beiden kommen sich näher. Im Jahr 1851 in Cochem an der Mosel erlaubt sich der junge Caspar einen kleinen Scherz mit seinem Gönner und Freund Prinz Woldemar. Er stellt diesem eine junge Dame als Gräfin vor, die eigentlich die Tochter des Hundewärters des Fürsten ist.

Wie bei bisher jedem Roman um die Season Sisters ist auch die Handlung des dritten Bandes zum Teil in der Vergangenheit angesiedelt und ein Teil in der Gegenwart. Autuum, die sich lange von ihren Eltern ausnutzen ließ, ohne das diese wirklich bemerkten, was sie ihrer Tochter antun. Nur über ihre eigene Vergangenheit haben die Eltern nie geredet. Und Autuum bekommt die Gelegenheit nach Deutschland zu fahren und zu erkunden, ob es einen Rest der Familie gibt. Vielleicht kann das, was sie herausfindet, ihr helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Mit den Season Sisters findet man gute Unterhaltungslektüre, die zwei Handlungsstränge verknüpft. Bei Autuum versteht man nicht unbedingt, wieso sie sich so unterbuttern lässt. Schön ist aber zu lesen, wie sie sich aus dem Tief herausarbeitet und Initiative entwickelt. Im zweiten Teil der Handlung geht es auch um Verbindungen zwischen Gesellschaftsschichten, die es in der Zeit an sich nicht geben durfte. Doch was witzig beginnt und zu einer Art Screwball Comedy hätte werden.können, entwickelt sich zu einer echt miesen Geschichte, die noch nicht einmal das dumme Verhalten der Eltern erklärt. Und so kommt dieser Roman etwas durchwachsen an. Autuums Geschichte wirkt dabei wie eine Mutmach-Geschichte.

Veröffentlicht am 27.04.2025

Anti-Scheidung

Total verschossen – immer Ärger mit dem Liebesgott
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Wird ihre neueste Klientin das mit der Scheidung wirklich durchziehen? Nach einem ersten Termin ist die junge Anwältin Frida McKenzie nie ganz sicher. Meist jedoch sind die Frauen bereit zur Versöhnung. ...

Wird ihre neueste Klientin das mit der Scheidung wirklich durchziehen? Nach einem ersten Termin ist die junge Anwältin Frida McKenzie nie ganz sicher. Meist jedoch sind die Frauen bereit zur Versöhnung. Der unangemeldete Gast, der danach hereinschneit, könnte Frida schon mehr aufregen. Er redet einfach Unsinn, von einer Gefahr, dass sie das neue Angebot nicht annehmen soll und sonst was. Sie lässt Dan wie er sich nennt hinausbegleiten. Und natürlich wird sie zu dem Jobinterview gehen. Leider muss Frida schnell bereuen, dass sie Dan nicht geglaubt hat. Sie wird in einem Besprechungsraum eingeschlossen und etliche persönliche Gegenstände wurden ihr abgenommen.

Mit diesem ersten Band einer Reihe um die Liebesgötter (der griechischen Mythologie) legt die Autorin ihr Debüt vor. Frida McKenzie weiß nichts von ihrer göttlichen Herkunft. Sie ist Scheidungsanwältin fertig aus. Das passt auch zu ihr, schließlich hat sie keine feste Beziehung. Und was Dan so erzählt, Orakel von Delphi und so weiter, kann doch nicht sein. Wer glaubt den so was? Und doch geht bei diesem Jobinterview nicht mit rechten Dingen zu und Frida ist heilfroh, dass Dan einen Rettungsweg aus dem Gebäude vorbereitet hat. Mit knapper Not kann sie entkommen und erstmal kommt sie bei Dan unter.

Die Liebesgötter der griechischen Mythologie in unsere Gegenwart transferiert, eine gute Idee. Eigentlich. Denn zum Verständnis wäre eine bessere Kenntnis der griechischen Mythologie nicht schlecht. Denn dann könnte man auch beurteilen, wie die Ereignisse in die Moderne übersetzt wurden oder auch was der dichterischen Freiheit entsprungen ist. Vom Cover her würde man auch eher auf eine romantische Geschichte hoffen. Das Geschehen ist jedoch eher dramatisch und die Romantik wird allenfalls angedeutet. Von Anteros hat man vielleicht weniger gehört als von Eros und so ist es vielleicht auch mal was, wenn er hier eine Geschichte hat. Frida und Dan versuchen, seinen Einfluss einzudämmen. Einfach ist das nicht. Da bisher lediglich ein Folgeband erschienen ist und auch keine weiteren Bücher der Autorin angekündigt sind, spricht das wohl etwas für sich. Eine gute Idee, die ein wenig gefälliger hätte aufgearbeitet sein können.

Veröffentlicht am 25.04.2025

Schlesischer Zauberberg

Empusion
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Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. ...

Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. Es gilt eine erste Untersuchung durchzustehen und mit der Behandlung, die hauptsächlich aus reichlich gutem Essen und viel Ruhe besteht, zu beginnen. Ein wenig fremdelt Wojnicz und doch ergeben sich recht bald erste Gespräche und auch kleinere Aktivitäten sind erlaubt. Schwer wird es für die kleine Patientengemeinschaft, wenn einer der ihren es nicht schafft. Unheimlich wird es sogar als die Pensionswirtin überraschen Selbstmord begeht.

Vielleicht ist Schlesien nicht ganz so hipp wie die Schweiz. Doch auch hier bieten die Berge gute Luft und viel Erholung. Genau der richtige Ort also, um eine Lungenschwäche zu kurieren oder zumindest so viele angenehme Tage zu verbringen wie die Krankheit erlaubt. Glücklicherweise erscheint Wojniczs Erkrankung nicht so schwerwiegend zu sein. Sie schränkt aber doch ein. Als angehender Ingenieur muss Wojnicz seine Gesundheit wiedererlangen und nach Lemberg zurückkehren. Bis dahin engagiert Wojnicz in seine Genesung und macht sich Gedanken über die manchmal etwas seltsamen Gespräche und Ereignisse im Sanatorium.

Die Beschreibung dieses Romans macht wirklich neugierig. Wie würde sich eine Art Zauberberg in einer ähnlichen, aber doch ganz anderen Gegend darstellen. Dann kommt noch ein leicht mysteriöser Touch hinzu. Und wie eine Nobelpreisträgerin sich dem Thema nähert, ist auch interessant. Nur manchmal ist es mit renommierten Preisträgerin und Preisträgerinnen so, dass ihre Bücher manchmal ein wenig schwer zu durchschauen sind. Und so erweckt dieser Roman auch hin und wieder den Eindruck, dass er etwas ziellos hin und her mäandert. Weder das Mystische wird zu einer richtig klaren Handlung, noch die Politik kommt richtig zur Sprache. Das regt zwar dazu an, selbst nachzudenken, aber man hätte sich doch etwas anderes gewünscht. Nichtsdestotrotz gibt es fesselnde Szenen und unerwartete Entdeckungen.

Veröffentlicht am 19.04.2025

Gegensätze

Die letzte Welle
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Nach einem Schlaganfall hat seine Tochter ihn überzeugt, dass es besser ist im Altersheim zu leben. Wohl fühlt sich der ehemalige Polizist Tore Lindahl dort nicht. Dann geschieht im Heim ein Einbruch und ...

Nach einem Schlaganfall hat seine Tochter ihn überzeugt, dass es besser ist im Altersheim zu leben. Wohl fühlt sich der ehemalige Polizist Tore Lindahl dort nicht. Dann geschieht im Heim ein Einbruch und ein Heimbewohner stirbt. Es scheint so, als solle das ein wenig unter den Teppich gekehrt werden. Tores Instinkte als Polizist sind geweckt und er will herausfinden, was wirklich passiert ist. Veronika Wiklund möchte gerne Journalistin werden und als Volontärin hofft sie auf eine Chance, eine besondere Geschichte zu recherchieren. Die Vorgänge im Altenheim führen sie mit Tore zusammen. Gemeinsam wollen die Beiden die ganze Geschichte erfahren.

Der pensionierte Polizist und die junge Journalistin bilden bei ihrem ersten Zusammentreffen ein besonderes Team. Akribisch versuchen sie hinter die Geheimnisse des Altenheims zu kommen. Dabei hadert Tore mit seiner Beeinträchtigung. Sein Geist ist wach, doch sein Körper will nicht so wie er. Veronika hat es diesbezüglich leichter, was allerdings dazu führen kann, dass sie in Gefahr gerät. Und ihre anfänglichen Veröffentlichungen scheinen auch nicht auf übermäßige Gegenliebe bei ihrem Arbeitgeber zu stoßen. Ihre Story muss besser und geschliffener werden, sonst könnte sie ihren Job verlieren.

Der Ansatz des Romans mit den Taten der Gegenwart, die einen Bezug zur Vergangenheit haben, ist sehr vielversprechend. Die Gründe für etliche Ereignisse in der heutigen Zeit liegen häufig viele Jahre zurück. Die Erzählung auf zwei Zeitebenen gibt dem Roman eine gewisse Tiefe und dadurch fügen sich die Informationen zu einem Gesamtbild. Auch funktionieren Tore Lindahl und Veronika Wiklund als Team überraschend gut. Allerdings wird die Geschichte so langsam vorangetrieben, dass es Momente gibt, in denen man Gefahr läuft das Interesse zu verlieren. Durch die ebenfalls sehr getragene Lesung wird dies sogar noch etwas verstärkt. Das ist schon ein wenig schade, da Lindahl und Wiklund sympathisch wirken und die Grundidee ansprechend erschien.

Veröffentlicht am 18.04.2025

Die Übernahme

Nimms nicht persönlich
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Die Firma soll übernommen werden. Das bringt natürlich erstmal Unruhe in die Reihen. Vor allem für Lute, er erfährt nämlich, dass seine Abteilung mehr oder weniger aufgelöst werden soll. Zum Glück für ...

Die Firma soll übernommen werden. Das bringt natürlich erstmal Unruhe in die Reihen. Vor allem für Lute, er erfährt nämlich, dass seine Abteilung mehr oder weniger aufgelöst werden soll. Zum Glück für ihn soll ihn das nicht persönlich betreffen, aber die Chefin hat ihm den schwarzen Peter zugespielt, der die frei werdenden Mitarbeiter loswerden soll. Leute, die er kennt, die ihm sympathisch sind und die erst keinesfalls verdient haben, entlassen zu werden. Als Lute in Kontakt mit dem Personalentwickler Lombard kommt, scheinen alle seine Probleme gelöst zu seine. Die unangenehme Aufgabe kann nun jemand anderer übernehmen.

Schon krass diese Situation. Wie ist es wohl, wenn man Entlassungen aussprechen muss? Oder wenn man die Mitarbeiter noch dazu bringen soll, sich selbst um neue Jobs zu bemühen. Dieser Lombard leistet gute Arbeit denkt Lute. Doch die Mitarbeiter kündigen anscheinend nicht nur, sie sind quasi komplett verschwunden. Lute fängt an, sich Gedanken zu machen. An sich selbst verspürt er Veränderungen. Das soll ihn aber nicht abhalten, sich um seinen kleinen Sohn zu kümmern und die neue Nachbarin lässt ihn träumen. Allerdings entwickelt sich die Lage in der Firma immer eigenartiger. Betrifft das Lute überhaupt noch? Schließlich hat Lombard alles Unangenehme übernommen.

Die Handlung des Romans fängt so harmlos an. Es kann eben überall vorkommen, dass sich die Firmenstruktur ändert. Manchmal verlieren Menschen dabei auch ihre Arbeit, für jeden einzelnen Betroffenen ein tragisches Ereignis. Wenn dann alles geordnet und menschlich weiterliefe, wäre alles im halbwegs grünen Bereich. Doch beim Auftauchen Lombards, denkt man sofort, da stimmt doch was nicht. Irgendwie schleicht einem Mephisto durch den Kopf. Und wenn man an Lute denkt, fällt einem irgendwie Gregor Samsa ein, der auch erstaunliche Veränderungen durchmacht. Nur je weiter man liest, desto weniger mag man das Szenario. Vielleicht hangelt es sich in seiner satirischen Färbung doch zu sehr an der Realität der heutigen Zeit entlang. Das regt zwar zum Nachdenken an, führt aber nicht dazu, dass einem hier irgendwer in gesteigertem Maße sympathisch wird. Gruselig ist es und Schauer laufen einem über den Rücken, doch ist es nicht das Buch, jederzeit lesen möchte. Natürlich bleibt die Hoffnung auf die positive Wende.

Immerhin lässt dieser Wolf im Schafpelz, der das Titelbild ziert, eine Vorstellung vom Inhalt des Buches erstehen.