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Veröffentlicht am 17.01.2026

Viele überraschende Wendungen

Local Woman Missing – Du wirst sie nicht finden
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Eher zufällig bin ich an diese Geschichte geraten und hatte gar keine großen Erwartungen.

Das Setting ist eine amerikanische Vorstadt mit einer auf den ersten Blick netten Nachbarschaft. Beunruhigend, ...

Eher zufällig bin ich an diese Geschichte geraten und hatte gar keine großen Erwartungen.

Das Setting ist eine amerikanische Vorstadt mit einer auf den ersten Blick netten Nachbarschaft. Beunruhigend, dass eine junge Mutter nicht vom Joggen zurückkehrt und bald als vermisst gemeldet werden muss. Noch beunruhigender, dass kurz darauf eine weitere Frau und ihre sechsjährige Tochter verschwinden. Die Polizei tappt im Dunkeln, während die Autorin den Blick der Leser auf einen dunklen Keller lenkt , in dem ein Mädchen seit langer Zeit gefangen gehalten wird.

Immer wieder springt die Handlung von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Plötzlich taucht nach 11 Jahren die verschwundene Delilah wieder auf. Was ist passiert und hängen die Fälle der verschwundenen Frauen irgendwie zusammen? Die Autorin deckt immer mal wieder ein Puzzleteilchen dieser Geschichte auf und führte zumindest mich als Leserin beim Miträtseln konsequent in die nächste Sackgasse. So blieb es für mich die ganze Zeit spannend und das Ende war durchaus überraschend.

Vielleicht war dieser Thriller teilweise ein bisschen konstruiert, aber mich hat die Geschichte abgeholt und wunderbar unterhalten.

Ich hatte das Buch als Hörbuch vorliegen und hatte großen Spaß an der gelungenen Vertonung.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Gestörtes Mutter - Tochter Verhältnis

Bei euch ist es immer so unheimlich still
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„ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ , dieser Roman mit dem etwas sperrigen ( superlangen) Titel handelt vom Zurückkommen, vom Neubeginn und dem Aufarbeiten einer gestörten Mutter -Tochter Beziehung.
Die ...

„ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ , dieser Roman mit dem etwas sperrigen ( superlangen) Titel handelt vom Zurückkommen, vom Neubeginn und dem Aufarbeiten einer gestörten Mutter -Tochter Beziehung.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt und führt die Leser in die Nachkriegszeit zurück bis in die 70er Jahre und in die Gegenwart von 1989 bis zum Fall des DDR Regimes.

Silvia kehrt ihrer Westberliner WG den Rücken. Mit dem „ geliehenen“ Polo eines WG Mitbewohners macht sie sich auf den Weg ins schwäbische Ildingen und taucht nach Jahren der Abwesenheit im Haus ihrer Mutter auf und präsentiert ihr die Enkeltochter Hannah. Ohne diesen kleinen Menschen hätte Silvia diesen Schritt wohl nicht gewagt. Es ist zu viel passiert zwischen Mutter und Tochter.

Evelyn hat in den 1950er Jahren als Ärztin im Krankenhaus gearbeitet, keine Selbstverständlichkeit für eine Frau in dieser Zeit. Mit der Geburt ihrer Tochter war ihre Karriere dann allerdings vorbei und sie wurde Hausfrau in der Kleinstadt Ildingen im eigenen Haus mit spießiger Nachbarschaft.
Und dann ist da noch Betti ihre Freundin und inzwischen Schwägerin, ein quirliger, unverheirateter Freigeist. Betti sagt was sie denkt, kümmert sich nicht ums Gerede und kurvt mit ihrem roten Flitzer viel zu schnell durch die Gegend, was ihr letztendlich zum Verhängnis wird. Betti und Evelyn, das war einmal ein untrennbares Gespann, doch die Freundschaft hat gelitten seit Evelyn Karl geheiratet hat.

In der Geschichte war mir Silvia auf jeden Fall näher als die schweigsame Evelyn. Ich hatte mit Silvia auch viele Nostalgiemomente, die ich sehr genossen habe. Auch wenn der Roman ein 2.Teil ist, kann man ihn unabhängig vom ersten Buch gut lesen. Ich mochte Teil 1 und habe auch die Fortsetzung sehr gerne gelesen. Der flotte , unterhaltsame Schreibstil lässt einen beim Lesen durch die Seiten fliegen.
Betti war auf jeden Fall eine Lieblingsfigur. Sie hat das verstaubte Ildingen ordentlich aufgemischt. Bei den Nebenfiguren waren mir Monika und Rüdiger sehr sympathisch, Schulfreunde von Silvia, denen sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat wiederbegegnet.

Wer Familiengeschichten auf zwei Zeitebenen mag, der wird sicherlich Freude an der Geschichte haben. Zur Vertiefung gerne beide Bücher lesen!

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Ein Dorfroman mit starken Frauen

Die Riesinnen
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Dieser Roman konnte mich von Beginn an in seinen Bann ziehen.
Wir begleiten 3 Generationen von Frauen , die in einer dörflichen Umgebung im Schwarzwald leben. Schon äußerlich unterscheiden sich die Frauen ...

Dieser Roman konnte mich von Beginn an in seinen Bann ziehen.
Wir begleiten 3 Generationen von Frauen , die in einer dörflichen Umgebung im Schwarzwald leben. Schon äußerlich unterscheiden sich die Frauen von den anderen Dorfbewohnern, groß, schlank und rothaarig sticht jede von ihnen aus der Menge heraus.
Mit Liese beginnt die Geschichte in den 60er Jahren. Sie begeht einen schweren Fehler indem sie Bernhard heiratet, wohl aus Gründen der Vernunft und nicht aus Liebe. Bernhard soll die elterliche Metzgerei einmal übernehmen , ein einträgliches Geschäft um die junge Familie zu ernähren. Als sich Nachwuchs einstellt , ist es ein Mädchen, nicht der vom Vater erhoffte Sohn. Liese liebt ihre kleine Cora doch Bernhard wird immer unerträglicher, schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Nach seinem unerwarteten Tod übernimmt Liese die Metzgerei und muss sich das Handwerk und den Respekt der Belegschaft mühsam erarbeiten.
Wie gerne wäre sie weggegangen aus dieser dörflichen Enge, doch sie bleibt aus Verantwortung für ihre Tochter.
Diese wächst zu einer ebenfalls hochgewachsenen Rothaarigen heran, wird in der Schule fürchterlich gemobbt und hat ebenfalls den Wunsch als junge Erwachsene das Dorf weit hinter sich zu lassen. Doch es kommt anders. Cora kehrt schwanger zurück nach Wittenmoos und bringt ihre Tochter zur Welt und wir als Leser wechseln ein weiteres Mal die Perspektive und verfolgen die Entwicklung von Eva, vom Kind zur erwachsenen Frau.
Es gelingt der Autorin gekonnt sich aus dem Leben der Einen herauszuschleichen, um dann mit der Geschichte der Tochter und später mit der Enkelin weiterzuerzählen.Hannah Häffner schreibt sehr bildhaft und poetisch, aber oft auch sehr puristisch.
Sie thematisiert die Heimat im Unterschied zum Zuhause und formuliert unglaublich viele schöne Sätze, die man sich unbedingt merken möchte. Man spürt beim Lesen besonders die Verbundenheit mit der Natur bei allen drei Frauen. Der Wald ist immer wieder eine Kraftquelle, wenn man am Leben mal wieder verzweifeln könnte.

„ Ein Ort, an den man gehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?“

Am Ende fand ich es fast schade „die Riesinnen“ schon verlassen zu müssen.
Es war ein runder Schluß, bei dem alle offenen Fragen noch geklärt wurden.
Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Bissige , witzige Gesellschaftssatire

QualityLand (QualityLand 1)
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Oh je, die Zukunft, die Marc Uwe Kling in Qualityland beschreibt ist abschreckend und doch nur die Welt von heute ein Stückchen weitergedacht.

In dieser schönen, neuen Welt, werden den Menschen die Entscheidungen ...

Oh je, die Zukunft, die Marc Uwe Kling in Qualityland beschreibt ist abschreckend und doch nur die Welt von heute ein Stückchen weitergedacht.

In dieser schönen, neuen Welt, werden den Menschen die Entscheidungen abgenommen, denn der Algorithmus weiß sowieso was jeder will.



Geschichte:

Peter ( Arbeitsloser) ist sauer, weil ihm „The Shop“ einen rosafarbene Delfin-Vibrator geschickt hat, den er sich wohl unbewusst gewünscht hat. Er versucht das Teil erfolglos wieder loszuwerden und scheitert immer wieder.

Doch Peter gibt nicht auf und fixiert sich immer mehr auf die Idee, den Gründer von „ The Shop“ persönlich zu behelligen.

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von dem Androiden - Präsidentschaftskandidaten John of us , der im Wahlkampf gegen den rechtsradikalen Kandidaten zu bestehen versucht.

Und auf einer 3. Erzählebene geht es um das Ehepaar Martyn ( Politiker) und Denise( Ehefrau und Mutter) . Martyn ist eifersüchtig auf den digitalen Freund seiner Frau.

Die Geschichten werden nebeneinander erzählt und ergeben nicht wirklich einen Zusammenhang. Trotzdem ist jede Situation, in die die Figuren geworfen werden sehr unterhaltsam und witzig.
.

Ich würde sagen, alle die die Känguru Geschichten mochten, werden auch an Qualityland ihre Freude haben. Denn auch hier sprüht der Autor wieder vor Ideen und es macht einfach Spaß ihm zuzuhören.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Phänomen „Tradwife“

Heimat
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Dieses Phänomen „ Tradwife“ , was ich bisher nur vage aus Amerika wahrgenommen habe und das jetzt offensichtlich auch bei uns angekommen ist, finde ich sehr befremdlich. Umso neugieriger war ich auf den ...

Dieses Phänomen „ Tradwife“ , was ich bisher nur vage aus Amerika wahrgenommen habe und das jetzt offensichtlich auch bei uns angekommen ist, finde ich sehr befremdlich. Umso neugieriger war ich auf den Roman „ Heimat“ von Hannah Lühmann, der sich genau damit beschäftigt.

Protagonistin Jana zieht mit ihrem Mann aufs Land. Mit ihren 2 Kindern und ihrer erneuten Schwangerschaft fühlt sie sich schnell überfordert. Ihr Mann ist verärgert, weil sie unabgesprochen, vorzeitig ihren Job kündigt, das Gehalt aber bei der Finanzierung des Hauses eingeplant war.

Als Jana auf Karo trifft, meint sie endlich im Dorf angekommen zu sein und eine wirkliche Freundin gefunden zu haben. Karo scheint ganz mühelos ihren Alltag mit 5 Kindern zu bewältigen. Sie kümmert sich ganz traditionell um ein gemütliches Heim, während ihr Mann die Familie versorgt. Auf ihrer Webseite postet sie ihr Bilderbuchleben, ihre Naturverbundenheit, Rezepte die sie mal eben nebenher zaubert. Jana ist fasziniert von dieser Frau und merkt nur am Rande, dass Karo auch eine sehr konservative, rechte Ideologie verkörpert. Das ist aber so subtil, dass Jana es nicht wahrhaben will und sich auch selbst verändert. Auch Anzeichen für häusliche Gewalt in Karo‘s Zuhause wischt sie von sich weg. Zu schön ist die Idylle in ihrem Kopf, an der sie festhalten will.


Das Thema fand ich wirklich spannend. Besonders diese schleichende Veränderung von Jana war erschreckend. Ich hätte mir vieles ausführlicher gewünscht. So trennt sich z.b Jana‘s Ehemann mit nur einem einzigen Satz und Jana nimmt es kommentarlos hin. Durch die Kürze des Textes bleibt vieles an der Oberfläche. Man ist als Leser gefordert zwischen den Zeilen zu lesen. Das Ende ist skurril und offen, und wenn man dann noch einmal den Prolog liest, ist es richtig gruselig.

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