Ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller
Dorn. Ruf der TotenInhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ...
Inhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ein Angebot: Susanne Roth, eine bekannte TV-Psychologin, möchte seine professionelle Hilfe. Dorn will zuerst ablehnen, doch das Hotel hat das Geld zu nötig, sodass er ersten Gesprächen zustimmt. Bei diesen ist Roth zunächst sehr forsch, stellt persönliche Fragen, die Dorn nicht beantworten will, ehe der Kontakt plötzlich abreißt. Kurze Zeit später wird Roths Leiche entdeckt - wobei der Tatort Dorn an einen ungeklärten Fall erinnert, an dem er vor Jahren arbeitete…
Persönliche Meinung: “Dorn - Ruf der Toten: Zimmer 203” ist ein Thriller von Jan Beck. Es handelt sich um den zweiten Reihentitel um die beiden unkonventionellen Ermittler Simon Dorn und Lea Wagner. Der Fall ist in sich abgeschlossen, sodass man den zweiten auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen kann. Ein chronologisches Lesen ist aber sinnvoll, um ein besseres Verständnis für die beiden besonderen Hauptfiguren zu bekommen. Erzählt wird der Thriller aus mehreren Perspektiven: So finden sich neben Dorn und Wagner u.a. diejenigen von Michael Bergmann, einem Entführungsopfer, sowie Tamara Weigert, einer Journalistin, die an einem brisanten Artikel schreibt. Durch die unterschiedlichen Erzählstränge ist der Thriller einerseits sehr abwechslungsreich, andererseits erhält der Fall einen vergleichsweise großen Facettenreichtum. Zur Handung selbst möchte ich aufgrund von Spoilergefahr nicht zu viel verraten. Nur: Sie ist sehr spannend aufgebaut, fesselnd erzählt und wendungsreich. Zudem schlägt sie einen Haken zu einem aktuell höchstrelevanten Thema, das hier interessant verarbeitet wird. Originell ist auch der Modus Operandi des Täters: Er kidnappt seine Opfer, lässt diese nach und nach verdursten und nimmt Schritt für Schritt ihre Identität an. Dabei verhört er sie und stellt intimste Fragen. Diese Verhöre schildert Jan Beck unheimlich dicht, sodass man bei der Lektüre ein latentes Unbehagen fühlt, obwohl man sicher im Sessel sitzt. Nicht alles wird am Ende aufgelöst, allerdings fand ich das nicht weiter schlimm. Denn: Die Täterfrage wird zu einem sinnvollen Ende geführt und die Beantwortung der offen gebliebenen Fragen wird in einem Cliffhanger für den Folgeband angeteasert (wodurch die Vorfreude immens ist). Der Schreibstil von Jan Beck ist sehr anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man nur so durch den Thriller fliegt. Insgesamt ist “Dorn - Ruf der Toten” ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller, der neugierig auf die Fortsetzung macht.