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Veröffentlicht am 18.01.2026

Erneut ein spannender, schön erzählter Roman um das Graphische Viertel

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Inhalt: Leipzig 1945. Felix, vor 15 Jahren von Leipzig in die USA ausgewandert, arbeitet als Bibliothekar für die amerikanischen Behörden und katalogisiert die von den Nationalsozialisten geraubten Bücher. ...

Inhalt: Leipzig 1945. Felix, vor 15 Jahren von Leipzig in die USA ausgewandert, arbeitet als Bibliothekar für die amerikanischen Behörden und katalogisiert die von den Nationalsozialisten geraubten Bücher. Doch aufgrund seiner Herkunft erhält er unverhofft eine neue Aufgabe: In Leipzig gibt ein Mann an, er könne die Amerikaner zu der Privatbibliothek eines hochrangigen NS-Funktionärs führen - doch den genauen Standort will er nur Felix verraten, da er ein Freund aus Jugendtagen sei. Dies ist allerdings nicht der einzige Schatten aus Felix’ Vergangenheit: Die Leiche einer jungen Frau wird aufgefunden - mit der Botschaft, sie sei durch Hoffmanns Hand gestorben. Eine Formulierung, die Felix an einen schicksalhaften Tag vor 15 Jahren erinnert, der unmittelbar mit seinem Wegzug aus Leipzig zusammenhängt…

Persönliche Meinung: “Das Antiquariat am alten Friedhof” ist ein historischer Roman mit Krimi-Elementen von Kai Meyer. Es ist der vierte Teil der Reihe “Die Geheimnisse des Graphischen Viertels”, dessen Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, da die Handlungen in sich geschlossen sind. Innerhalb der Reihe gibt es aber immer wieder schöne Querverweise - durch kleinere Eastereggs oder auftretende Figuren - zu anderen Bänden. So auch hier: Wir treffen (als Nebenfiguren) Hauptfiguren aus vorherigen Bänden wieder, deren Geschichten stimmig und interessant weitererzählt werden, wodurch biografische weiße Flecken gefüllt werden. Die Handlung von “Das Antiquariat am alten Friedhof” wird in drei Handlungssträngen erzählt; im Folgenden gehe ich aber nur auf zwei davon ein, da eine Besprechung des dritten zu viele Überraschungen vorwegnehmen würde. Im chronologisch ersten Strang begegnen wir Felix und seinen Freunden, dem “Club Causabon”, die sich im Jahr 1930 einen Spaß daraus machen, wertvolle Bücher zu stehlen und diese zu verkaufen - bis zu einem folgenreichen Coup. Dieser Strang ist atmosphärisch leichter als der zweite Handlungsstrang: Wir stromern durch das Graphische Viertel Leipzigs, begleiten den “Club Causabon” auf ihren jugendlichen Abenteuern und tauchen in das Nachtleben Leipzigs ein (Stichwort: Krystallpalast). Auch eine zarte Liebesgeschichte findet sich hier. Der zweite Handlungsstrang spielt 1945: Leipzig wie das Graphische Viertel sind nun zerbombt; zudem steht ein Wechsel der Besatzer an, wodurch die Zukunft der Stadt unsicher ist. Felix agiert in diesem “Zwischenreich” als Ermittlerfigur, die mehrere gegenwärtige Rätselhaftigkeiten zu klären versucht, die mit seiner Jugend in Leipzig zusammenhängen - wobei er auch auf die ein oder andere Person aus seiner Vergangenheit trifft. Was beide Handlungsstränge eint: Sie sind wendungsreich, atmosphärisch dicht erzählt, spannungsgeladen und stimmig mit historischen Bezügen angereichert. Zudem ist Vieles nicht so, wie es zunächst den Anschein hat, wodurch eine fesselnde Lektüre entsteht: Beide Handlungsstränge laufen gewissermaßen aufeinander zu, immer wieder liefert der eine Strang schön dosiert verteilte Informationshäppchen, mit denen der andere besser verstanden werden kann - bis zum fulminanten Finale. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildhaft und dicht, sodass man unmittelbar nach Lektürebeginn in die Welt des Graphischen Viertels abtaucht. Insgesamt ist “Das Antiquariat am alten Friedhof” erneut ein spannender, schön erzählter Roman rund um Leipzig und das (leider nicht mehr existente) Graphische Viertel, der besonders durch seine Verzahnung der Handlungsstränge zu fesseln und begeistern weiß.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Eine schön illustrierte Reise in die Kindheit

Lieblingsmärchen
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“Lieblingsmärchen” versammelt Kunstmärchen von Hans Christian Andersen, ausgewählt und illustriert von Kat Menschik. Es handelt sich um den 19. Band der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher”. Bekannte Märchen ...

“Lieblingsmärchen” versammelt Kunstmärchen von Hans Christian Andersen, ausgewählt und illustriert von Kat Menschik. Es handelt sich um den 19. Band der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher”. Bekannte Märchen treten in “Lieblingsmärchen” neben eher unbekanntere. So lesen wir einerseits die berührende Geschichte des kleinen Mädchens mit den Schwefelhölzern, übernachten mit einer Prinzessin auf einer Erbse und erkennen, gemeinsam mit einem hässlichen Entlein, dass viel mehr in diesem steckt, als es vermutet. Andererseits finden sich in “Lieblingsmärchen” “Das Liebespaar”, in dem sich ein Kreisel in einen Ball verliebt (humorvolle Moral inklusive), und “Die Schnecke und die Rosenhecke”, ein Märchen über den Sinn des Lebens (mit nihilistischem Zug). Zudem finden sich zwei besondere Texte in “Lieblingsmärchen”: eine Puppenspielversion von “Die Nachtigall”, verfasst von Antje König und Karl Huck, zu der Kat Menschik Spielfiguren zum Nachspielen beigesteuert hat, sowie - mein persönliches Highlight - ein Faksimile einer illustrierten Ausgabe von “Das Feuerzeug”, das Menschik 1985 ihrer Mutter schenkte. So unterschiedlich die Märchen sind, so verschieden sind die Zeichen- und Malstile der Illustrationen. Die Illustrationen von “Die Nachtigall” und “Das Liebespaar” kommen eher poppig, mit knalligen Farben daher, “Die Schnecke und die Rosenhecke” und “Das hässliche junge Entlein” in matten, melancholisch stimmenden Tönen. Ein Highlight ist sicher die mehrfarbige Illustration zu “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”, die den Unglauben des Mädchens bei Zündung der Schwefelhölzer stimmungsvoll einfängt und zurecht das Cover ziert. Die Illustration zu “Die Prinzessin auf der Erbse” ist ein einziger pinker Matratzentraum - natürlich bis auf die grüne Erbse. “Das Feuerzeug” wird dominiert von Aquarellbildern. Insgesamt ist “Lieblingsmärchen” ein abwechslungsreich, schön stimmig illustrierter Märchenband, der - gerade durch die bekannteren Märchen - auch eine kleine Reise in die eigene Kindheit ist.

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Ein informatives Büchlein über die Geschichte des Weimarer Residenzschlosses

Das Weimarer Residenzschloß
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“Das Weimarer Residenzschloss” ist ein von Annette Seemann verfasstes Sachbuch, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Hier zeichnet Seemann die Baugeschichte des Schlossgebäudes nach. Oder besser gesagt: ...

“Das Weimarer Residenzschloss” ist ein von Annette Seemann verfasstes Sachbuch, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Hier zeichnet Seemann die Baugeschichte des Schlossgebäudes nach. Oder besser gesagt: der Schlossgebäude. Denn mehrfach kam es zu Bränden im Schloss, sodass es neu aufgebaut werden musste. So kommt Seemann auf den mittelalterlichen Adelssitz, dessen Gestalt weitgehend im Dunkeln liegt, über die folgende Wasserburg und Burg Hornstein von 1439 (von dem sich noch die “Bastille” erhalten hat) auf die barocke Wilhelmsburg und den klassizistischen Umbau dieser zu sprechen. Neben der Baugeschichte spielt in “Das Weimarer Residenzschloss” außerdem die Geschichte der jeweils residierenden Fürsten (und deren Getreuen) eine große Rolle, wobei für mich insbesondere die Episoden aus dem 18. und 19. Jahrhundert interessant zu lesen waren. So schildert Seemann anschaulich die Festivitäten um den 30. Geburtstag von Herzogin Anna Amalia, Goethes Anregungen zur Neugestaltung des Schlossgebäudes (für die er Anregungen bei der italienischen Reise sammelte) sowie die Ausstellung der Mitgift von Maria Pawlowna. Immer wieder wurde das Weimarer Residenzschloss aber auch Ort kultureller Ereignisse mit Strahlwirkung, was Seemann ebenfalls bildhaft beschreibt: Die Gründung der “Fruchtbringenden Gesellschaft zur Reinigung der deutschen Sprache” fand dort ebenso statt wie Konzerte von Johann Sebastian Bach und Franz Liszt und die Uraufführung der Oper “Alceste” (von Anton Schweitzer nach Wieland). Mehrfach wurde das Schloss auch ein Ort, in dem Geschichte gemacht wurde - als Eroberung Napoleons, als Wohn- und Arbeitsort Friedrich Eberts, aber auch als Kulisse für nationalsozialistische Aufmärsche. Insgesamt entsteht in dem Sachbuch ein fundierter, interessanter und informativer Überblick über die Geschichte des Weimarer Residenzschlosses, der neugierig auf einen Besuch macht (momentan wird das Schloss intensiv renoviert, sodass nur Führungen durch die Dichterzimmer und die Schlosskapelle möglich sind). Abgerundet wird das Sachbuch durch die gewohnt schöne Aufmachung der Insel-Bücherei mit Hardcover, wertiger Papierdicke und zahlreichen (farbigen) Bildern.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Ein spannender Weihnachtskrimi mit toller Protagonistin

Das mörderische Christmas Puzzle
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Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür - ein Graus für die einsam lebende Rätselexpertin Edie O’Sullivan. Umso verwunderter ist sie, als sie plötzlich ein Päckchen erhält. Dessen Inhalt steigert die Irritation: ...

Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür - ein Graus für die einsam lebende Rätselexpertin Edie O’Sullivan. Umso verwunderter ist sie, als sie plötzlich ein Päckchen erhält. Dessen Inhalt steigert die Irritation: Es befinden sich einzelne Puzzleteile mit Hinweisen auf einen blutigen Mord darin; zusätzlich dazu die Botschaft, dass bis Weihnachten vier weitere Menschen sterben werden, sollte Edie das Rätsel nicht lösen können. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Persönliche Meinung: “Das mörderische Christmas Puzzle” ist ein weihnachtlicher Kriminalroman von Alexandra Benedict. Der Krimi spielt im gleichen Universum wie “Mord im Christmas Express”, ist aber, abgesehen von einem kleinen Easter Egg, unabhängig von diesem lesbar. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: Edie, ihres Zeichens Rätselkönigin und bekennende Weihnachtshasserin, Sean, der bei der Polizei arbeitende Adoptivsohn Edies, sowie “R.I.P” (Pseudonym des Täters). Insbesondere Edie ist eine lebendig gezeichnete Figur: Anfangs eher unsympathisch wirkend, erfährt man nach und nach, warum sie so geworden ist, wie sie ist, sodass man sich immer besser in sie hineinversetzen kann (ähnlich einem Scrooge mausert sie sich auch zum Ende der Handlung und springt über ihren Schatten). Die Konstruktion des Falles ist interessant: Der Täter möchte dezidiert Edie in die Ermittlungen miteinbeziehen, indem er einerseits Briefe mit Puzzleteilen an Edie schickt, andererseits Puzzleteile bei den Mordopfern zurücklässt. Mit den Puzzleteilen verweist er auf das nächste Mordopfer, will die Puzzlekönigin Edie herausfordern und labt sich an ihrem Versagen. Die Taktung der Morde ist vergleichsweise hoch. Für weitere Brisanz sorgt außerdem, dass wir gewissermaßen auf zwei Ermittlerfiguren treffen: Sean, der als Polizist den rechtlich abgesicherten Weg geht, und Edie, die auf eigene Faust unkonventionell ermittelt - was natürlich mit der Zeit zu Spannungen zwischen den beiden führt. Zum Ende der Handlung dreht der Krimi noch weiter auf: Die Dramatik spitzt sich zu, es finden sich mehrere unerwartete Wendungen und auch die Identität der Täterfigur bleibt bis zuletzt spannend (wenngleich sie auch etwas konstruiert wirkt). Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Das mörderische Christmas Puzzle” ein spannender Weihnachtskrimi nach klassischem Format.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Eine würdige und respektvolle Fortführung von "Der kleine Prinz"

Der kleine Prinz feiert Weihnachten
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Inhalt: Nach Jahren des Umherirrens in fremden Welten landet der kleine Prinz unverhofft auf der Erde - mitten in der Weihnachtszeit. Dort trifft er neben einer Krähe und einem Bäcker auch den Weihnachtsmann. ...

Inhalt: Nach Jahren des Umherirrens in fremden Welten landet der kleine Prinz unverhofft auf der Erde - mitten in der Weihnachtszeit. Dort trifft er neben einer Krähe und einem Bäcker auch den Weihnachtsmann. Tief im Herzen will er allerdings nur eine Person wiederfinden: seinen besten Freund, dessen Namen er aber nicht weiß.

Persönliche Meinung: “Der kleine Prinz feiert Weihnachten” ist ein modernes Märchen von Martin Baltscheit, das die weltbekannte Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry weitererzählt. Der kleine Prinz landet hier in der Gegenwart zur Weihnachtszeit, wobei er auf allerlei weihnachtliche Bräuche trifft. Diese sind dem kleinen Prinzen natürlich völlig unbekannt, sodass er unbedarft mit ihnen umgeht, was zu mehreren humorvollen Szenen führt, die mit Missverständnissen spielen (so z. B. wenn er sich vom Einkaufszentrumsweihnachtsmann Hilfe beim Finden seines besten Freundes erhofft; ein Highlight ist auch die Szene mit dem Christkind, die ich hier aber nicht spoilern möchte). Neben dieser weihnachtlichen Atmosphäre, in der auch immer wieder Konsumkritik eingeflochten ist, knüpft die Handlung aber direkt an “Der kleine Prinz” an: Mehrfach wird auf eine gezeichnete Rose angespielt, es werden die im Original offen bleibenden Fragen nach Rose und Schaf beantwortet und zentral ist die Suche nach dem besten Freund, der, so viel kann ich vorwegnehmen, Antoine de Saint-Exupéry ist. Auch finden sich mehrere Zeichnungen, die sich an dem Stil von Antoine de Saint-Exupéry orientieren. Um ehrlich zu sein, war ich anfangs skeptisch, ob eine Fortführung von “Der kleine Prinz” das halten kann, was sie verspricht. Nach der Lektüre kann ich sagen: “Der kleine Prinz feiert Weihnachten” ist wirklich eine würdige, respektvolle Umsetzung des Stoffes, die den Geist von “Der kleine Prinz” mit all ihren leisen Tönen und tiefen Sinnen aufgreift und zu einem schönen Ende führt, das nicht herzzerreißender sein könnte.

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