Buch-Vibe… 💡 scharf, politisch, nachdenklich – ein Essay, das wachrüttelt und moralische Fragen in den Mittelpunkt stellt ⚖️🖋️(Platz 3 Sachbuchbestenliste Die Zeit, Deutschlandfunk und ZDF)
Lies dieses ...
Buch-Vibe… 💡 scharf, politisch, nachdenklich – ein Essay, das wachrüttelt und moralische Fragen in den Mittelpunkt stellt ⚖️🖋️(Platz 3 Sachbuchbestenliste Die Zeit, Deutschlandfunk und ZDF)
Lies dieses Buch, wenn… du verstehen willst, warum Moral heute wieder zum Diskussionspunkt wird und wie Rechtsextreme und Politik unsere Werte herausfordern 🔍💬
Der Roman ist gut in folgendem emotionalem Zustand… konzentriert, kritisch und bereit, unbequemes zu reflektieren 🧠🔥
Geeignet für Leser:innen, die… politische Essays, Gesellschaftskritik und pointierte Analysen lieben 📚✊
Das Sachbuch ist… adequat – kompakt, aber gehaltvoll 📝
Ein Satz zur/m Verfasser:in: Anne Rabe, 1986 geboren, ist preisgekrönte Dramatikerin, Drehbuchautorin und Essayistin, die sich mit gesellschaftlichen Themen und der Vergangenheitsbewältigung in Ostdeutschland beschäftigt. Sie lebt in Berlin. ✍️🇩🇪
Spielt in diesem Land: Deutschland
Zu dieser Zeit: Gegenwart ⏳
Typ Buch: Essay
Genre: Politik
Wie kam das Buch zu mir: Rezensionsexemplar 📖
Sterne (X aus 5): ⭐⭐⭐⭐
Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. ...
Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. In einer nahen Zukunft, die sich beklemmend real anfühlt, hat der Staat gelernt, auch das Unbewusste zu vermessen – und damit das Innerste des Menschen in Daten zu verwandeln.
Sara Tilila Hussein, erfolgreiche Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, wird am Flughafen verhaftet, weil ihre Traumdaten angeblich ein Risiko darstellen: Sie könnte ihrem Mann gefährlich werden. Kein Verbrechen, kein Motiv – nur ein Algorithmus, der Misstrauen in Wahrscheinlichkeiten gießt. Ihre „Unterbringung“ im sogenannten Dream Hotel – einem ehemaligen Schulgebäude, das nun Hightech-Gefängnis, Forschungslabor und profitables Datenzentrum zugleich ist – wird zum Albtraum aus Formularen, Befragungen und Entmündigung.
Laila Lalami entwirft eine Dystopie, die entfernt an Orwells 1984 erinnert, aber weiblicher, leiser und psychologisch schärfer erzählt ist. Während Überwachung und Angst allgegenwärtig sind, durchzieht den Roman etwas Überraschendes: Hoffnung. Nicht die naive, sondern die trotzige, die überlebt, weil sie sich weigert, aufzugeben. Zwischen Schlafphasen, Protokollen und Träumen formt sich bei Sara eine leise Widerständigkeit – das Wissen, dass Menschlichkeit dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Die Erzählstruktur spielt mit Fragmenten – offizielle Dokumente, Sitzungsprotokolle, AGBs, Traumsequenzen – und schafft so ein Netz aus Bürokratie und Emotion. Gerade in diesem Wechsel liegt die Kraft des Romans: Er zeigt, wie leicht Freiheit erodiert, wenn Bequemlichkeit und Sicherheit Hand in Hand gehen.
Und doch bleibt Das Dream Hotel kein trostloses Buch. Es ist ein Roman über das Beharren auf Selbstbestimmung – darüber, dass Hoffnung auch in einem System aus Glaswänden und Schlafsensoren überleben kann. Laila Lalami schreibt kühl und poetisch zugleich, präzise und doch voller Empathie.
Fazit: Ein kluger, eindringlicher Roman über Überwachung, Angst und den Mut, nicht alles als gegeben hinzunehmen. Das Dream Hotel ist weniger ein Albtraum als ein Weckruf – und gerade darin liegt seine Hoffnung.
Lita wächst in einem Leben auf, das vom ersten Atemzug an aus dem Takt der gewöhnlichen Welt fällt. Ihre Mutter Fabiola – eine Frau, die den Tango nicht nur tanzt, sondern im Blut trägt – wirbelt sie durch ...
Lita wächst in einem Leben auf, das vom ersten Atemzug an aus dem Takt der gewöhnlichen Welt fällt. Ihre Mutter Fabiola – eine Frau, die den Tango nicht nur tanzt, sondern im Blut trägt – wirbelt sie durch eine Kindheit, die von Leidenschaft, Chaos und plötzlichen Wendungen bestimmt ist. Als die politischen Verhältnisse ihrer Heimat ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen, geraten Mutter und Tochter auf eine abgelegene Insel vor Neufundland: ein Ort, an dem der Wind Geschichten erzählt und die Menschen eher dem Meer vertrauen als ihrem eigenen Glück. In einem alten Seemannsheim, bevölkert von schrägen, aber herzoffenen Gestalten, findet Lita eine neue Welt, die langsam – völlig unerwartet – zu ihrem Zuhause wird. Dort begegnet sie Oona, der gehörlosen Tochter der Gastgeber, deren stille Stärke mehr sagt als jedes Wort. Und eines Tages rollt ein Mann namens Mr. Saito seinen Projektor aus, spannt ein Laken in die salzige Luft und bringt Bilder, Hoffnung und Veränderung auf diese windumpeitschte Insel. Seine Ankunft bleibt nicht ohne Folgen: Für die Bewohner, für Fabiola – und vor allem für Lita.
Was Annette Bjergfeldt daraus formt, ist ein Roman, der weniger eine Geschichte erzählt als ein Leben einatmet. Ihre Sprache hat eine Musikalität, die spürbar macht, dass sie nicht nur Autorin, sondern auch Musikerin ist. Jeder Satz wirkt rhythmisch gesetzt, jede Szene wie ein leuchtendes Bild, das langsam in die nächste überblendet. Man liest und hat das Gefühl, der Roman sei selbst eine Art Wanderkino: lichtdurchflutet, melancholisch, manchmal flackernd, aber immer mit Wärme und stiller Kraft.
Stark ist vor allem die Art, wie Bjergfeldt Emotionen nie breit ausmalt, sondern sie in kleinen, präzisen Momenten aufflammen lässt. Wenn die Inselbewohner in Mr. Saitos Filmen Dinge erkennen, die sie sich selbst nicht zu sagen trauen – unerfüllte Wünsche, verlorene Träume, heimliche Hoffnungen –, dann spürt man, dass Kino hier mehr ist als Unterhaltung: Es ist ein Spiegel, eine Rettungsleine, ein geheimer Raum. Besonders Lita findet im Licht des Projektors etwas, das ihr Leben neu ausrichtet – nicht wie ein Paukenschlag, sondern wie ein langsames, inneres Aufleuchten.
Die Erzählstruktur, die sich in sieben „Wellen“ gliedert, spiegelt nicht nur das Auf und Ab von Litas Lebensreise, sondern schenkt dem Roman einen ruhigen, fließenden Rhythmus. Manche Passagen wirken beinahe träumerisch, als würde man im Gleichklang mit der Brandung lesen. Wer rasante Handlung sucht, könnte hier ungeduldig werden – aber wer sich gerne in atmosphärische Welten fallen lässt, wird sich in diesem Tempo verlieren wie in einem langen Kinonachmittag, der im Dämmerlicht endet.
Was jedoch am stärksten nachhallt, ist dieses Gefühl, dass Familie nicht immer die ist, in die man hineingeboren wird, sondern jene, die einen auffängt, wenn man aufs offene Meer hinaustreibt. Die Freundschaft zwischen Lita und Oona, die exzentrischen Seemänner, der wortkarge Mr. Saito – sie alle werden zu Ankern in einem Leben, das von Anfang an auf Bewegung eingestellt war.
Mr. Saitos reisendes Kino ist ein Roman voller Zwischentöne: melancholisch, warm, humorvoll, poetisch. Ein Buch, das nicht laut ruft, sondern leise bleibt – und gerade deshalb lange im Herzen vibrierend zurückbleibt. Ein großes, stilles Kino, das zeigt, wie sehr Geschichten verändern können. Und wie manchmal schon ein flackerndes Bild auf einem weißen Laken reicht, um ein Leben ins richtige Licht zu rücken.
Von Schirach bleibt seinem Stil treu: präzise, reduziert, manchmal fast asketisch – und doch voller Atmosphäre. Vierzehn Geschichten versammelt er hier, und sie führen an Orte, die nachklingen: Berlin, ...
Von Schirach bleibt seinem Stil treu: präzise, reduziert, manchmal fast asketisch – und doch voller Atmosphäre. Vierzehn Geschichten versammelt er hier, und sie führen an Orte, die nachklingen: Berlin, Kapstadt, Rom, Wien, die Côte d’Azur. Es sind Begegnungen, die sich wie zufällige Splitter eines Lebens anfühlen, aber immer etwas Größeres in sich tragen: die Verletzlichkeit des Menschen, seine Sehnsucht, seine Abgründe.
Der Autor erzählt von Menschen, die ihm begegnet sind, von Freunden, vergessenen Persönlichkeiten, Berühmten und Stillen. Einige dieser Figuren tragen historische Namen – Gottfried von Cramm, Adolf Loos, Egon Friedell – andere könnte man auch im Café nebenan treffen. Und wie so oft bei Schirach verschwimmen Realität und Fiktion in einem Ton, der nichts behauptet, nichts bewertet, sondern einfach beobachtet.
Wie in seinen früheren Bänden Schuld oder Verbrechen gibt es Geschichten, die sich festsetzen – Szenen, die blitzen wie ein unerwartetes Schlaglicht. Andere ziehen eher leise vorbei. Manche wirken intellektuell herausfordernder, vielleicht sogar etwas distanziert; andere treffen ohne Vorwarnung mitten ins Herz. Genau dieses Changieren macht seine Erzählbände für mich so reizvoll.
Ich gebe zu: In Schirachs jüngsten Veröffentlichungen empfand ich manchmal eine gewisse Müdigkeit. Dieses permanente Umgeben-Sein von berühmten, reichen Menschen, dieses weltläufige Flanieren von Hotelbar zu Hotelbar – das hatte für mich bisweilen einen „alte-weiße-Männer“-Vibe, der mich eher kaltließ. Doch Der stille Freund überrascht mich: Viele der Texte wirken wieder näher, menschlicher, wärmer. Die besten Geschichten sind jene über Bekannte und Freunde – da, wo er selbst ein Stück zurücktritt und seine Figuren leuchten lässt.
Gerade deshalb empfinde ich dieses neue Buch als Rückkehr zu jener Stärke, die ich an Schirach immer am liebsten mochte: die kunstvolle Einfachheit, die moralische Offenheit, das klare Sehen ohne Urteil. Es ist ein stilles Buch, ein schmaler Begleiter – aber einer, der lange nachhallt.
Diesem Buch konnte man gar nicht entfliehen auf Bookstagram und überall wo viel über gute Bücher gesprochen und geschrieben wurde, daher hab auch ich es zur Hand genommen, obwohl Romane mit Pferden auf ...
Diesem Buch konnte man gar nicht entfliehen auf Bookstagram und überall wo viel über gute Bücher gesprochen und geschrieben wurde, daher hab auch ich es zur Hand genommen, obwohl Romane mit Pferden auf dem Cover sonst so gar nicht meines sind!
“ Der Schriftsteller fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Glück, was nur verständlich ist, denn Schreiben ist Konservieren, Festhalten, Ordnen, das Glück aber meidet die Sprache, entzieht sich den Wörtern, versteckt sich in der Vergänglichkeit und zerfällt, wenn man es zu erklären versucht.” (S. 108)
Und ich muss das Fazit vorziehen: Es hat sich gelohnt! Was ein tolles Buch. Die unabhängigen Buchhändler:innen haben dieses Buch in 2025 zu ihrem Buch des Jahres erklärt. Gute Wahl!
Nelio Biedermann findet eine äußerst gute Sprache für so vieles unaussprechliches. Für Dinge und Umstände, für die man zur damaligen Zeit keine Worte fand. Geschickt springt er in der Zeit, erzählt episodenhaft, aber zeichnet ein rundes Bilder einer Familie über Generationen hinweg.
“Auch sie, die die Hoffnung nicht verloren hatten, hofften eigentlich nicht auf die Zukunft, sondern auf die Rückkehr der Vergangenheit.” (S. 290)
Es geht um eine adelige Familie in Ungarn, die zurückgezogen in einem Waldschloss lebt. Zunächst im Glauben, dass der Adel und die Lebensweise ohne Umbrüche immer so weiter geht, aber dann kommt der erste Weltkrieg, dann der Zweite und dann die Kommunisten. Eine tragische Verstrickung von Ereignissen.
Wieder ein Buch, dass schafft durch eine fiktionalisierte Geschichte einen emphatischen Raum zu öffnen und die Imagination antreibt sich auszumalen wie die vergangenen Zeiten die Gegenwart geprägt hat.
Ich habe es sehr gern gelesen und wünsche Lazár viele Leser. Ach ja, und ignorieren sie das Pferd, auch wenn ihnen beim Lesen klar wird, welche Rolle es spielt.