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Nilchen

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Eisberge, Kabeljau und ein Sommer, der vieles verändert

Sommer auf Perigo Island
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Wie fühlt man sich als 9jähriger, wenn man den Vater verliert, der als Fischer nicht mehr nach Hause kommt? Dramatisch und prägend. Im Roman steht genau dieses Ereignis am Anfang der Geschichte „Sommer ...

Wie fühlt man sich als 9jähriger, wenn man den Vater verliert, der als Fischer nicht mehr nach Hause kommt? Dramatisch und prägend. Im Roman steht genau dieses Ereignis am Anfang der Geschichte „Sommer auf Perigo Island“.
“Letzten Endes war es egal, was genau passiert war, denn das Meer hatte meine Welt mit sich gerissen.” S 143
Dann springt die Geschichte drei Jahre nach vorne, Pierce ist mittlerweile 12 Jahre alt, es ist Sommer auf der Insel in Neufundland und es hätte ein entspannter vor sich hin plätschernder Sommer werden können. Aber dem war nicht so, denn es wird ein Mädchen vermisst. Pierce und seine beiden Freunde, Bennie & Thomas, sowohl Bennies Cousine, die zu besuch ist, Emily, wollen Anna finden.
Was sich als kindlichen Sommerplot liest, ist eine gut geschriebene Geschichte, die uns sehr weit weg trägt. In eine Landschaft und ein Leben, das ferner nicht sein könnte. Kabeljau-Fischer, Ende der 90er Jahre auf einer Insel in Neufundland, wo Eisberge selbst im Sommer noch an der Küste vorbei treiben. Atemberaubend.
Eine runde und gelungene Geschichte. Von mir gibt es nur Abzug in der B-Note. Denn die literarische Umsetzung hätte aus meiner Sicht an der ein und anderen Stelle noch ein Ticken runder sein können. Sieht man davon ab, ist es ein toller Roman!
Der Autor Perry Chafe ist auf Fogo Island (Petty Harbour) großgeworden und das macht den Roman so lesenswert. Wenn der/die Schreibende erlebte was beschrieben wird, dann kommt eine Echtheits-Komponente ins Spiel, die nicht zu toppen ist. Auch wenn dies hier eine fiktionale Geschichte ist.
Großes Lob an den mare Verlag, dass die Übersetzerin auf dem Cover genannt wurde: Claudia Feldmann. A propos Cover, es ist sehr gelungen, habe es nach dem Lesen noch mal eingehen betrachtet und es passt perfekt!
Wer kann es lesen? Jede:r! Da es hier um universale Werte und auch um einen Einblick in die Vergangenheit sowie die Verzahnung von Jung und Alt, Vergänglichkeit und Leben geht sowie um Natur und Freundschaften, macht es dieses Buch zu einem, dass jeder zur Hand nehmen kann!
Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser:innen in Deutschland, nachdem es bereits in Kanada ein Bestseller wurde.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Zwischen Sorge und Hoffnung: „Emily Forever“ von Maria Navarro Skaranger

Emily Forever
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Manchmal reicht ein einziges „Nein“ – oder in Emilys Fall ein einzelnes „Ja, ich bin schwanger“ –, um eine ganze Welt ins Wanken zu bringen. Emily ist neunzehn, schwanger und auf sich allein gestellt. ...

Manchmal reicht ein einziges „Nein“ – oder in Emilys Fall ein einzelnes „Ja, ich bin schwanger“ –, um eine ganze Welt ins Wanken zu bringen. Emily ist neunzehn, schwanger und auf sich allein gestellt. Ihr Freund Pablo ist mehr ein Geist als ein Partner, nur sporadisch über das Handy zu erreichen, und die Unsicherheit darüber, wie er überhaupt zu seinem Kind stehen wird, lastet schwer auf ihr. In dieser prekären Lage zieht Emilys Mutter in ihre winzige Wohnung, will helfen, doch ihre ständigen Zweifel und Erwartungen wirken manchmal schwerer als jede Last, die Emily ohnehin schon trägt.
Und dann ist da noch die leise Präsenz der Menschen um sie herum: der Nachbar, der sich fragt, ob man sich in jemanden verlieben darf, den man kaum kennt, oder der Chef im Supermarkt, der unsicher zwischen Sorge und eigener Zuneigung schwankt. Skaranger zeichnet diese Figuren mit zartem Humor, aber auch mit spürbarer Empathie – jeder Versuch, Emily zu helfen, ist so menschlich wie unvollkommen.
Der Roman arbeitet mit einem ungewöhnlichen Erzählton: Alles wird aus einer gewissen Distanz beschrieben, fast wie ein Beobachter, der das Innenleben Emilys spürt, ohne vollständig darin aufzugehen. Anfangs befremdlich, später faszinierend – man merkt, dass genau diese Mischung aus Nähe und Abstand den Kern der Geschichte ausmacht. Emily wirkt stark, mutig und trotz aller Widrigkeiten kämpferisch, doch die Unsicherheiten ihres jungen Alters machen sie verletzlich und nahbar.
„Emily Forever“ ist keine Geschichte mit klaren Antworten. Armut, Klassenscham, gesellschaftliche Erwartungen und die Suche nach Solidarität verweben sich zu einem bewegenden Ganzen. Skaranger verzichtet auf kitschige Lösungen, und gerade das macht die Lektüre so eindringlich. Man lacht, man seufzt, man fiebert – und manchmal bleibt das Herz einfach stehen vor Sorge um diese junge Frau, die ihr eigenes Leben und das ihres Kindes noch nicht greifen kann.
Ein Roman, der lange nachklingt, der das Herz berührt und die Frage aufwirft: Wie viel Unterstützung ist genug, und wie sehr darf man selbst über das Leben eines anderen urteilen?
Fazit: Eine einfühlsame, manchmal bittere, oft humorvolle Geschichte über Mut, Verletzlichkeit und die unerwartete Solidarität, die wir im Alltag finden können. „Emily Forever“ ist ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Ein Wohlfühlbuch

Mathilde und Marie
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Mathilde und Marie ist ein Roman, den man nicht „verschlingt“, sondern in den man sich hineinsetzt – wie auf eine Bank vor einer Buchhandlung, mit Zeit, Ruhe und der Bereitschaft, sich auf Langsamkeit ...

Mathilde und Marie ist ein Roman, den man nicht „verschlingt“, sondern in den man sich hineinsetzt – wie auf eine Bank vor einer Buchhandlung, mit Zeit, Ruhe und der Bereitschaft, sich auf Langsamkeit einzulassen. Torsten Woywod erzählt in seinem ersten eigenen Roman eine sehr persönliche Geschichte, das spürt man auf jeder Seite. Und genau darin liegt zugleich seine Stärke und seine Schwäche.
Die Ausgangssituation ist klassisch, fast märchenhaft: Marie, 26, verlässt Paris überstürzt, innerlich erschöpft, äußerlich orientierungslos. Eine Zugfahrt wird zum Wendepunkt, eine Begegnung zur Einladung in ein anderes Leben. Redu, das reale Bücherdorf in den Ardennen, wirkt wie ein Gegenentwurf zur modernen Welt: wenig Internet, viel Natur, Bücher statt Bildschirme, Menschen statt Profile. Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann – oder soll.
Woywod entfaltet diese Welt mit großer Liebe. Die Naturbeschreibungen sind detailliert, oft sehr schön, manchmal fast meditativ. Jahreszeiten, Spaziergänge, Licht, Wälder, Hunde – all das trägt zu einer Atmosphäre bei, die eindeutig auf Entschleunigung zielt. Auch das Thema Lesen und der stationäre Buchhandel werden sichtbar als Herzensangelegenheit des Autors eingebettet. Wer Bücher liebt, wird sich hier verstanden fühlen.
Im Zentrum stehen die Beziehungen: die warme, fast sofortige Nähe zwischen Marie und Jónína, später die vorsichtige Annäherung an Mathilde, die lange abweisend bleibt und doch eine tiefe Verletzlichkeit in sich trägt. Die Idee, zwei Frauen mit ähnlichen biografischen Wunden langsam zueinander finden zu lassen, ist schön und berührend gedacht. Die wechselnden Perspektiven erlauben Einblicke in ihre Gefühlswelten und verleihen dem Roman eine gewisse Sanftheit.
Und doch blieb bei mir eine Distanz. Viele Figuren sind sehr wohlwollend gezeichnet – vielleicht zu wohlwollend. Konflikte werden kaum zugespitzt, Ecken und Kanten fast vollständig abgeschliffen. Redu erscheint wie ein Ort, an dem alle verständnisvoll, freundlich und geduldig sind (mit wenigen Ausnahmen, die erwartbar aufgelöst werden). Das erzeugt eine starke Wohlfühlatmosphäre, nimmt der Geschichte aber auch Spannung und Tiefe. Entwicklungen sind vorhersehbar, Überraschungen bleiben aus, und echte Reibung entsteht selten.
So wurde das Lesen für mich stellenweise zäh. Nicht, weil der Stil schlecht wäre – im Gegenteil, er ist ruhig und sauber –, sondern weil der Roman kaum Sog entwickelt. Er trägt, aber er zieht nicht. Man bleibt eher aus Sympathie und Wohlwollen dran als aus innerem Drang.
Unterm Strich ist Mathilde und Marie ein warmherziges, stilles Buch über Freundschaft, Verlust, Neubeginn und die Sehnsucht nach einem anderen Rhythmus des Lebens. Es ist ein echtes Wohlfühlbuch, das wichtige Werte hochhält: Achtsamkeit, Menschlichkeit, Nähe zur Natur. Literarisch bleibt es jedoch eher an der Oberfläche, wo man sich manchmal mehr Tiefe, mehr Mut zur Unbequemlichkeit wünschen würde.
Für Leser:innen, die leise Geschichten lieben, die entschleunigen möchten und sich gern in Bücherorte träumen, ist dieser Roman genau richtig. Wer jedoch Spannung, Ambivalenz oder psychologische Schärfe sucht, könnte enttäuscht zurückbleiben. Für mich bleibt ein sympathisches Buch mit schöner Idee – aber auch mit verpasstem Potenzial.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Scharfes Essay

Das M-Wort
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Buch-Vibe… 💡 scharf, politisch, nachdenklich – ein Essay, das wachrüttelt und moralische Fragen in den Mittelpunkt stellt ⚖️🖋️(Platz 3 Sachbuchbestenliste Die Zeit, Deutschlandfunk und ZDF)
Lies dieses ...

Buch-Vibe… 💡 scharf, politisch, nachdenklich – ein Essay, das wachrüttelt und moralische Fragen in den Mittelpunkt stellt ⚖️🖋️(Platz 3 Sachbuchbestenliste Die Zeit, Deutschlandfunk und ZDF)
Lies dieses Buch, wenn… du verstehen willst, warum Moral heute wieder zum Diskussionspunkt wird und wie Rechtsextreme und Politik unsere Werte herausfordern 🔍💬
Der Roman ist gut in folgendem emotionalem Zustand… konzentriert, kritisch und bereit, unbequemes zu reflektieren 🧠🔥
Geeignet für Leser:innen, die… politische Essays, Gesellschaftskritik und pointierte Analysen lieben 📚✊
Das Sachbuch ist… adequat – kompakt, aber gehaltvoll 📝
Ein Satz zur/m Verfasser:in: Anne Rabe, 1986 geboren, ist preisgekrönte Dramatikerin, Drehbuchautorin und Essayistin, die sich mit gesellschaftlichen Themen und der Vergangenheitsbewältigung in Ostdeutschland beschäftigt. Sie lebt in Berlin. ✍️🇩🇪
Spielt in diesem Land: Deutschland
Zu dieser Zeit: Gegenwart ⏳
Typ Buch: Essay
Genre: Politik
Wie kam das Buch zu mir: Rezensionsexemplar 📖
Sterne (X aus 5): ⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Träume unter Kontrolle – und die leise Rebellion der Hoffnung

Das Dream Hotel
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Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. ...

Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. In einer nahen Zukunft, die sich beklemmend real anfühlt, hat der Staat gelernt, auch das Unbewusste zu vermessen – und damit das Innerste des Menschen in Daten zu verwandeln.
Sara Tilila Hussein, erfolgreiche Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, wird am Flughafen verhaftet, weil ihre Traumdaten angeblich ein Risiko darstellen: Sie könnte ihrem Mann gefährlich werden. Kein Verbrechen, kein Motiv – nur ein Algorithmus, der Misstrauen in Wahrscheinlichkeiten gießt. Ihre „Unterbringung“ im sogenannten Dream Hotel – einem ehemaligen Schulgebäude, das nun Hightech-Gefängnis, Forschungslabor und profitables Datenzentrum zugleich ist – wird zum Albtraum aus Formularen, Befragungen und Entmündigung.
Laila Lalami entwirft eine Dystopie, die entfernt an Orwells 1984 erinnert, aber weiblicher, leiser und psychologisch schärfer erzählt ist. Während Überwachung und Angst allgegenwärtig sind, durchzieht den Roman etwas Überraschendes: Hoffnung. Nicht die naive, sondern die trotzige, die überlebt, weil sie sich weigert, aufzugeben. Zwischen Schlafphasen, Protokollen und Träumen formt sich bei Sara eine leise Widerständigkeit – das Wissen, dass Menschlichkeit dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Die Erzählstruktur spielt mit Fragmenten – offizielle Dokumente, Sitzungsprotokolle, AGBs, Traumsequenzen – und schafft so ein Netz aus Bürokratie und Emotion. Gerade in diesem Wechsel liegt die Kraft des Romans: Er zeigt, wie leicht Freiheit erodiert, wenn Bequemlichkeit und Sicherheit Hand in Hand gehen.
Und doch bleibt Das Dream Hotel kein trostloses Buch. Es ist ein Roman über das Beharren auf Selbstbestimmung – darüber, dass Hoffnung auch in einem System aus Glaswänden und Schlafsensoren überleben kann. Laila Lalami schreibt kühl und poetisch zugleich, präzise und doch voller Empathie.
Fazit: Ein kluger, eindringlicher Roman über Überwachung, Angst und den Mut, nicht alles als gegeben hinzunehmen. Das Dream Hotel ist weniger ein Albtraum als ein Weckruf – und gerade darin liegt seine Hoffnung.

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