Wirklich gut, aber sehr lang
Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und SchlangeIch habe zusammen mit meiner jüngsten Tochter die Panem Trilogie (nochmal) gelesen und wir waren sehr gespannt auf das Prequel. Wir wurden nicht enttäuscht. Im Vordergrund steht der spätere Präsident Snow, ...
Ich habe zusammen mit meiner jüngsten Tochter die Panem Trilogie (nochmal) gelesen und wir waren sehr gespannt auf das Prequel. Wir wurden nicht enttäuscht. Im Vordergrund steht der spätere Präsident Snow, für uns am Anfang ungewohnt ihn bei seinem vorher unbekannten Vornamen Coriolanus zu nennen. Und außerdem geht es sehr sehr stark um die Hungerspiele, ihre Historie und ihre Weiterentwicklung, die dann zu dem Punkt führten, an dem die Panem Trilogie beginnt. Der Mensch Coriolanus, den man zuerst ungewohnt sympathisch findet, nicht zuletzt, weil die Sichtweise des gesamten Romans seine ist und bleibt, ist zu Beginn des Romans ein verarmter Kriegs-Waise, der mit seiner senil werdenden Großmutter und seiner Cousine Tigris, ebenfalls eine bekannte Figur aus der Panem Trilogie, an dem Schein festhalten will, weiterhin eine reiche und mächtige Kapitolfamilie zu bleiben. Er ist noch jung, 18 Jahre alt, und steht kurz vor dem Abschluss seiner Schulzeit und dem Beginn eines Studiums. Die Handlung dreht sich nur am Anfang um die 10. Hungerspiele, die Rolle der Kapitolkinder als Mentor und wie Coriolanus sich hier schlägt und ihn seinen Tribut verliebt. Die Hungerspiele wirken roher und sind viel weniger technisch als wir sie kennen, außerdem erleben sie praktisch keine Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Auch das Belohnen des Siegers, das Siegerdorf und das vor den Spielen stattfindende Training/füttern und verwöhnen der Tribute gab es bei den 10. Hungerspielen nicht. Das ist für den Leser sehr ungewohnt, aber auf jeden Fall spannend. Der Mittelteil spielt in Distrikt 12 und wir kommen zurück zu Orten, die wir schon kennen und die mehr als 60 Jahre vorher auch schon arm und verwahrlost sind. Das Kapitol ist nach dem Krieg und dem noch immer nachwirkenden Rebellenaufstand 10 Jahre zuvor noch nicht so reich und dekadent wie wir es aus der Panem Reihe kennengelernt haben. Einige Figuren werden eingeführt, die Querverweise zu der Panem Reihe bilden und es wird auch angedeutet, dass Lucy Gray mit Katniss verwandt sein könnte. Die Liebesgeschichte zwischen Coriolanus und seinem Tribut Lucy Gray aus Distrikt 12 wirkt nie richtig romantisch und beim Lesen wünscht man den beiden tatsächlich kein Happy End. Um nicht zu spoilern nur so viel - der Turn am Ende ist wirklich erschreckend und im Epilog wird viel erklärt, was der Panem-Leser an dem Anfang und Mittelteil verwirrend finden musste. Nach dem Epilog ist klar, warum die Spiele so stattgefunden haben, wie wir es erlesen haben und welchen Anteil Snow und seine Familie daran hatten. Ich bin schon auf den Film gespannt, die Trailer machen Hoffnung, allerdings empfehle ich wie immer - AUCH das Buch lesen, einem über 600 Seiten Buch kann kein Film vollständig gerecht werden.