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Veröffentlicht am 10.02.2026

Perfektionisten

Das Signal
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Adam ist ein Perfektionist, ein Ästhet, er würde nicht einmal Äpfel ohne Stängel in die Obstschale legen. Wie wird er dann damit umgehen, dass seine bislang umwerfend aussehende Frau nach einem Unfall ...

Adam ist ein Perfektionist, ein Ästhet, er würde nicht einmal Äpfel ohne Stängel in die Obstschale legen. Wie wird er dann damit umgehen, dass seine bislang umwerfend aussehende Frau nach einem Unfall nur mehr ein Bein hat? Viola merkt bald, dass die Liebe schnell abkühlt, aber auch sie ist eine Perfektionistin. Bald erkennt sie, dass im eigenen Haus nicht mehr alles stimmt.

Auf spannende Weise lässt Ursula Poznanski ihre Hauptfigur Viola in der Ich-Form erzählen, wodurch ihre Gedanken und Gefühle zu ihrer neuen Situation bestens erlebbar werden, dass die anderen Figuren nur aus ihrem Blickwinkel betrachtet werden, stört keineswegs. Im Gegenteil, so steigert sich die Phantasie Violas zu allerlei möglichen und unmöglichen Überlegungen und führt auch den Leser auf so manchen Irrweg. Gut recherchierte Details zu Amputationen, Prothesen und Phantomschmerzen fließen geschickt ins Geschehen ein ohne jedoch aufdringlich oder gar abstoßend zu wirken, die technischen Raffinessen diverser Kleingeräte und Violas trickreiche Vorgehensweise sorgen für weitgehende Kurzweil. Lediglich das immer wieder angedeutete Geheimnis und die daraus resultierenden Folgen finde ich nicht richtig überzeugend. Dennoch punktet die Autorin auch diesmal wieder mit ihrem flotten Schreibstil, inhaltlich fügen sich die psychologischen Betrachtungen der einzelnen Themenbereiche gut in die vorherrschende Atmosphäre im abgelegenen Haus ein.

Kurzum, wer weniger Blut und Nervenkitzel sucht als vielmehr Stimmung und Überlegungen einer einzelnen Figur, der wird hier erfüllende Lesestunden finden.

Veröffentlicht am 08.02.2026

12. Dezember

Die Zahl
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Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte ...

Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte Zahl Zwölf als mahnendes Mal. Otto Morell, der nach einigen aufreibenden Jahren als Kriminalkommissar in Wien wieder in seine Tiroler Heimatgemeinde zurückgekehrt ist, hat sich nichts als Verkehrsdelikte und Nachbarschaftsstreitigkeiten gewünscht, nun ist er gefordert, noch vor dem Christfest einen brutalen Mord aufzuklären.

Ein kleiner Ort, die Gastwirtschaften von Touristen ausgebucht, eine glitzernde Schneedecke über den Bergen, was könnte das Herz höher schlagen lassen? Bis gestern waren noch beschmierte Weihnachtsfiguren vor dem Rathaus das größte Problem für Chefinspektor Morell, nun sieht er sich überfordert von der Last, rasch und zielgerichtet einen aggressiven Täter zu ergreifen, denn der Bürgermeister ist um die Reputation seines Rufs besorgt. Unerwarteterweise bekommt Morell Hilfe von der Gerichtsmedizinerin Nina Capelli und dem Archäologen Leander Lorentz, wodurch die Ermittlungen zwar nicht an Effizienz, zumindest aber an Komik gesteigert werden. Höchst eigenwillige Personen beherrschen die Bühne, durch die gelungene Charakterisierung Daniela Larchers hat man das Trio rasch bildhaft vor Augen. Die Polizeiarbeit wird immer wieder an den Rand gedrängt durch Privates, Morell selbst erweckt eher den Eindruck eines feigen Stümpers als eines klugen Fahnders. Erst findet man gar keine, dann fast zu viele Spuren, denn in dem kleinen eingeschneiten Ort hat bald jeder ein Motiv, auch wenn es noch so windschief ist, aber die Ergebnisse sind immer wieder unbefriedigend. Trotz einiger unglaubwürdiger Szenen ist die grundsätzliche Handlung gut durchdacht und interessant, die Art der Polizeiarbeit jedoch eher unglücklich in ihrer Herangehensweise. Dennoch werden die Ermittlungen irgendwann zu einem logischen Abschluss geführt und man überlegt, wie es mit Morell weitergehen könnte.

Das Erstlingswerk von Daniela Larcher, das noch ausbaufähig ist, zumindest aber sehr guten Unterhaltungswert bietet. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2026

In der Wüste

The Factory – Es gibt kein Entkommen
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Aufgrund von Klimawandel, Pandemien und anderen Katastrophen wird mitten in der Wüste ein Forschungslabor eingerichtet. Ausgewählte Jugendliche nehmen ein Jahr lang teil an streng geheimen Experimenten ...

Aufgrund von Klimawandel, Pandemien und anderen Katastrophen wird mitten in der Wüste ein Forschungslabor eingerichtet. Ausgewählte Jugendliche nehmen ein Jahr lang teil an streng geheimen Experimenten für saubere Energie, daneben werden hochwertige Schulbildung und hervorragende medizinische Versorgung garantiert nebst größeren Geldbeträgen für die Familien. Danach soll noch eine Ausbildung nach Wunsch finanziert werden, um die bestmögliche Zukunft für jeden Einzelnen zu gewährleisten. Aber wozu braucht es in der Wüste Wachmänner und Stacheldrahtzäune? Der dreizehnjährige Asher und seine neuen Freunde Vi, Faith und Troy beginnen, Fragen zu stellen und bekommen dafür die rote Karte gezeigt, erwünscht ist lediglich gehorsames Mittun.

Dystopische Szenarien beschwört Catherine Egan mit diesem Jugendbuch herauf und zieht ihre Leser schnell in den Bann der Zukunftsforschung. Die innere Zerrissenheit zwischen Pflichtbewusstsein und Protestbestrebungen wird gut herausgearbeitet, bald kommt Misstrauen auf, ob wirklich alle Informationen über die Wirkungsweise der sogenannten Extraktionscontainer transparent weitergegeben werden, einige Jugendliche zweifeln an deren Unbedenklichkeit und äußern ethische Vorbehalte. Aber jeglicher Einwand wird im Keim erstickt, ja konsequent bestraft, sodass die Probanden andere Maßnahmen ergreifen. Nun werden die bislang gut vorstellbaren Geschehnisse mitunter unglaubwürdig (Stichwort Sabotage), die Spannung jedoch wird hoch gehalten.

Egans Schreibstil führt angenehm flüssig durch die Handlung, kann die (junge) Zielgruppe damit bestimmt gut erreichen. Auch die Themenwahl wie schwierige Familienverhältnisse, Zukunftsängste oder moderne Energiegewinnung ist gut getroffen, Informationen fügen sich unaufdringlich ins Geschehen ein ohne je oberlehrerhaft daherzukommen. Die überschaubare Zahl an Figuren gewährleistet schließlich die sorgfältige Charakterisierung jedes Einzelnen, sodass man sich gut vorstellen kann, wie jeder mit den neuen Herausforderungen umgeht. Leider bleiben am Ende einige Fragen offen, ja bricht die Handlung ziemlich plötzlich ab, sodass man ohne den Folgeband ein wenig im Regen stehen gelassen wird. Wann geht es weiter?

Veröffentlicht am 21.01.2026

Herzliche Stimmung

Schneeflockenfunkeln
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Kurz vor Weihnachten reicht Lynn ihre Kündigung ein und quartiert sich in der Kleinstadt Starwood in Colorado bei ihrer Tante Rebecca ein. Da wird sie herzlich aufgenommen und auch sonst herrscht fernab ...

Kurz vor Weihnachten reicht Lynn ihre Kündigung ein und quartiert sich in der Kleinstadt Starwood in Colorado bei ihrer Tante Rebecca ein. Da wird sie herzlich aufgenommen und auch sonst herrscht fernab von Seattle eine [Zitat] weihnachtige Stimmung. Wenn da nur nicht die hässlichen Erinnerungen an den abgelegten Job wären und der charmante Tannenbaumverkäufer Miles.

Winterlich-weihnachtlich ist die Atmosphäre im Buch, funkelndes Schneeglitzern, würziger Tannenduft und süßer Keksgeschmack legen sich über unsere Sinne, während wir der Geschichte von Lynn und Miles folgen. Die Romanze muss Hürden überwinden, bevor sie richtig aufflammen kann und könnte gerne noch stärker knistern, währenddessen passieren bei Tante Rebecca und Lynns Eltern wahre Weihnachtswunder. Ein wenig überzogen, aber dennoch liebevoll in Szene gesetzt werden die Tage, an denen ein Adventkalender die Wartezeit verkürzt und die Kälte aus den Herzen vertreibt. Momente zum Schmunzeln – wie zum Beispiel der Bürgermeister und seine Dating-App – erheitern den Leser, die heiße Quelle für ein entspanntes Bad nach der Schneeschuhwanderung weckt Sehnsucht auf ein Wohlfühl-Wochenende und zum Schluss bekommt jeder das, was er verdient.

Wie anhand der Playlist unschwer zu erkennen ist, nimmt auch Taylor Swift einen entsprechenden Platz im Geschehen ein, somit ist dieser Roman für deren Fans bestimmt ein besonders willkommenes Geschenk.

Veröffentlicht am 20.01.2026

Unfallfolgen

Unaufhaltsam ehrlich
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Michael ist sieben, als er durch ein entsetzliches Unglück großflächige Brandverletzungen erleidet. Fortan hadert er mit seinem entstellten Körper, verzichtet darauf, sich sommerlich zu kleiden, geschweige ...

Michael ist sieben, als er durch ein entsetzliches Unglück großflächige Brandverletzungen erleidet. Fortan hadert er mit seinem entstellten Körper, verzichtet darauf, sich sommerlich zu kleiden, geschweige denn, schwimmen zu gehen. Zu den körperlichen Narben gesellen sich aber auch seelische, denn seine Eltern geben ihn bald darauf scheinbar leichten Herzens zur Adoption frei. Erst als Erwachsener kann er sich, ermutigt durch seinen Professor an der Filmhochschule, seinem Schicksal stellen.

Warmherzig und gefühlvoll erzählt Catherin Ryan Hyde die Geschichte von Michael, der schon früh viel ertragen muss. Da ist sein älterer Bruder, der ihn oft hänselt, da sind Eltern, welche ihn „wegwerfen“, seine sichtbaren und unsichtbaren Wunden begleiten ihn ständig durch seine Kindheit und Jugend. Mit neunzehn begegnet der junge Mann Professor Dunning, selbst gezeichnet durch Narben im Gesicht, welche er aber nicht zu verbergen versucht. Nach ernsthaften Gesprächen und durch die Seminaraufgabe, eine kurze Filmreportage zu erstellen, beschäftigt sich Michael erstmals mit seiner Vergangenheit und erkennt, dass seine Sicht der Dinge nicht die alleinige Wahrheit widerspiegelt. Vertrauen, Offenheit und die Akzeptanz seiner eigenen Unvollkommenheit sind nur einige der breitgefächerten Themen, welche dieser Roman anspricht. Mit vielerlei Problemen werden nicht nur die Figuren im Buch, sondern auch die Leser konfrontiert, sodass die Aufarbeitung kaum zu bewältigen ist. Weniger wäre da vielleicht mehr gewesen? Der Umgang mit Unfallfolgen und dem Verlust der leiblichen Eltern wird auf einfühlsame Weise betrachtet ohne sensationslüstern zu wirken. Interessante Gedanken der handelnden Personen und ihre Beweggründe für ihr Tun lässt Abwechslung ins Geschehen kommen und Verständnis entwickeln für die unterschiedlichen Seiten. Die unaufgeregte Herangehensweise an die Geschichte ist ein großer Pluspunkt dieses Romans.

Eine Vielzahl an Fragestellungen findet sich in diesem Buch, wichtige Themen werden aufgegriffen – mit dem ein oder anderen wird man sich als Leser noch länger beschäftigen und eigene Antworten suchen.