Wenn Loslassen wehtut und trotzdem richtig ist
Ich lass dich los und geb dir HaltDas Buch von Melanie Klefeldt „Ich lass dich los und geb dir Halt“ hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich habe selbst einen Sohn, der im Sommer 18 wird und gerade wieder in einer Phase steckt, in der ...
Das Buch von Melanie Klefeldt „Ich lass dich los und geb dir Halt“ hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich habe selbst einen Sohn, der im Sommer 18 wird und gerade wieder in einer Phase steckt, in der es um Diagnostik geht. Schon in der Grundschule waren wir beim Kinderarzt und in der Ergotherapie. Damals hieß es, es sei nichts in Richtung ADS. Heute stehen wir wieder genau an diesem Punkt. Und ich frage mich oft, wie vieles gelaufen wäre, wenn wir früher Gewissheit gehabt hätten. Nicht einfacher, aber anders.
Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, verstanden zu werden. Die beschriebenen Gedanken, diese Mischung aus Sorge, Hoffnung, Müdigkeit und Liebe, das kenne ich so gut. Es tut gut, wenn jemand ausspricht, wie widersprüchlich sich Begleiten in dieser Lebensphase anfühlt. Man soll loslassen und gleichzeitig da sein. Man will vertrauen und doch schützen.
Besonders geholfen haben mir die konkreten Anregungen für den Alltag. Struktur, klare Absprachen, kleine Hilfen wie Listen oder Zeitvorgaben. Dinge, die so simpel wirken und doch viel verändern können. Auch der Blick auf uns Eltern hat mich berührt. Wir funktionieren oft nur noch. Dabei brauchen auch wir Halt.
Dieses Buch belehrt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Es fühlt sich an wie ein Gespräch auf Augenhöhe mit der Autorin. Es nimmt Druck raus, und es zeigt, dass unsere Kinder nicht falsch sind. Sie ticken einfach anders. Sie haben ein anderes Betriebssystem. Und sie brauchen Eltern, die bleiben. Gerade dann, wenn sie sich lösen.