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Veröffentlicht am 21.01.2026

Gemeinsam durch das Unvorstellbare

Solito
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Solito von Javier Zamora hat mich tief berührt und noch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen.

Was dieses Memoir für mich so außergewöhnlich macht, ist nicht allein die Härte der geschilderten ...

Solito von Javier Zamora hat mich tief berührt und noch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen.

Was dieses Memoir für mich so außergewöhnlich macht, ist nicht allein die Härte der geschilderten Reise, sondern die Perspektive, aus der sie erzählt wird: durch die Augen eines Neunjährigen, der ohne Eltern unter fremden Erwachsenen überlebt. Beim Lesen musste ich mir immer wieder bewusst machen, wie jung Javier damals war – ein Kind, das sich vor Situationen fürchtet, die Erwachsene als banal empfinden, und das dennoch gezwungen ist, Unvorstellbares auszuhalten. Besonders als Mutter hat mich das Lesen an meine Grenzen gebracht und ich habe oft Wut auf die Erwachsenen verspürt, die dieses Risiko zugelassen haben.

Sprachlich ist das Buch eindrucksvoll, ruhig und zugleich poetisch, ohne jemals beschönigend zu wirken. Wiederholungen im Erzählfluss empfand ich nicht als Schwäche, sondern als Spiegel der endlosen Monotonie und Erschöpfung dieser Reise. Hunger, Durst, Angst, skrupellose Schleuser – all das zeigt, wie verzweifelt Menschen sein müssen, um sich auf einen solchen Weg einzulassen.

Trotz aller Grausamkeit bleibt am Ende vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung auf Menschlichkeit, auf Mitgefühl unter Fremden und auf das Wiedersehen mit den Eltern. Solito ist kein reißerisches Migrationsdrama, sondern ein ehrlicher, schmerzhafter und zugleich zutiefst menschlicher Bericht. Für mich ist es ein Buch, das gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Tolles Mitmachbuch

Hilf den Tierkindern
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„Hilf den Tierkindern“ hat bei uns sofort einen festen Platz im Alltag gefunden. Schon beim ersten Anschauen war klar, dass dieses Buch nicht nur zum Zuhören gedacht ist, sondern zum aktiven Mitmachen ...

„Hilf den Tierkindern“ hat bei uns sofort einen festen Platz im Alltag gefunden. Schon beim ersten Anschauen war klar, dass dieses Buch nicht nur zum Zuhören gedacht ist, sondern zum aktiven Mitmachen einlädt. Die kleinen Tierbabys stehen jeweils vor einer überschaubaren Herausforderung, bei der Kinder ganz intuitiv helfen dürfen – durch Gesten, Geräusche oder kleine Bewegungen. Genau das macht den besonderen Reiz aus.

Die Illustrationen gefallen mir besonders gut: Sie sind freundlich, klar und bewusst reduziert. Nichts lenkt vom eigentlichen Geschehen ab, sodass mein Kind sich ganz auf das Tier und die Aufgabe konzentrieren kann. Auch der Text ist angenehm kurz gehalten, was dafür sorgt, dass die Aufmerksamkeit nicht verloren geht und das Buch in einem natürlichen, fließenden Rhythmus gelesen werden kann.

Sehr gelungen finde ich auch das handliche Format. Das Buch passt perfekt in kleine Hände und kann problemlos selbstständig erkundet werden. Die stabilen Pappseiten machen es robust genug für häufiges Anschauen – ein großer Pluspunkt bei kleinen Kindern. Durch die kompakte Größe eignet sich das Buch außerdem hervorragend für unterwegs oder als kurze Beschäftigung zwischendurch.

Besonders schön ist für mich der gemeinsame Moment: Das Buch wird nicht einfach vorgelesen, sondern zusammen erlebt. Mein Kind ist aktiv beteiligt, lacht, probiert aus und möchte viele Seiten immer wieder sehen. Trotz der Kürze wird es bei uns täglich hervorgeholt, ohne dass Langeweile aufkommt.

Für mich ist „Hilf den Tierkindern“ eine klare Empfehlung für Kinder ab etwa 18 Monaten und für Eltern, die Wert auf Mitmachbücher legen, die mehr bieten als reines Vorlesen. Ein liebevoll gestaltetes Buch, das Spaß macht, zum Wiederholen einlädt und spielerisch wichtige Fähigkeiten fördert.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Geschichte über Ordnung und Gelassenheit

Als der Mond die Sterne ordnen wollte
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Als ich dieses Bilderbuch zum ersten Mal in den Händen hielt, hat mich schon die ruhige Ausstrahlung des Covers angesprochen. Der leuchtende Mond vor dem tiefblauen Nachthimmel zieht sofort den Blick auf ...

Als ich dieses Bilderbuch zum ersten Mal in den Händen hielt, hat mich schon die ruhige Ausstrahlung des Covers angesprochen. Der leuchtende Mond vor dem tiefblauen Nachthimmel zieht sofort den Blick auf sich und stimmt wunderbar auf die Geschichte ein. Genau diese sanfte, träumerische Atmosphäre setzt sich auch im Inneren des Buches fort.

Im Mittelpunkt steht ein Mond, der es sehr genau nimmt. Er möchte, dass jeder Stern am Himmel seinen idealen Platz bekommt. Während ich gelesen habe, konnte ich gut nachvollziehen, wie er immer wieder neue Ideen ausprobiert und dennoch unzufrieden bleibt. Dieses ständige Suchen nach der „perfekten“ Lösung wirkt dabei nie hektisch, sondern ruhig und fast meditativ – ideal für eine Geschichte vor dem Einschlafen.

Besonders gut gefällt mir, dass der Text in kurzen, überschaubaren Abschnitten gehalten ist. So bleibt man mühelos in der Handlung und kann den Bildern genug Raum lassen. Beim Vorlesen entsteht automatisch eine kleine Denkpause, in der man gemeinsam überlegen kann, ob Sortieren nach Größe, Gewicht oder Helligkeit wirklich sinnvoll ist. Ohne belehrend zu wirken, werden Kinder spielerisch an erste mathematische Begriffe und Ordnungsprinzipien herangeführt.

Die Illustrationen sind für mich ein echtes Highlight. Sie greifen das Geschehen nicht nur auf, sondern verstärken die Stimmung der Geschichte. Mond und Sterne sind klar erkennbar, farblich harmonisch abgestimmt und laden dazu ein, länger auf den Seiten zu verweilen. Man entdeckt immer wieder kleine Details, die das Gelesene unterstreichen.

Sehr gelungen finde ich auch die Botschaft, die sich ganz unaufdringlich entfaltet: Nicht alles lässt sich planen oder kontrollieren, und manchmal entsteht Ordnung genau dann, wenn man loslässt. Diese Erkenntnis ist nicht nur für Kinder wertvoll, sondern auch für Erwachsene.

Ein schönes Extra ist die Hörfassung, die über einen QR-Code erreichbar ist. Dass die Geschichte von der Autorin selbst gelesen wird, verleiht ihr zusätzlich eine persönliche Note.

Fazit:
Für mich ist dieses Buch eine liebevolle und ruhige Gute-Nacht-Geschichte, die zum Nachdenken anregt, ohne zu überfordern. Es verbindet Fantasie, eine sanfte Lebensweisheit und erste mathematische Erfahrungen auf sehr stimmige Weise. Ein Bilderbuch, das man gerne immer wieder zur Hand nimmt – besonders am Abend, wenn es still wird und der Mond am Himmel steht.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Schüchtern bis ins Herz

Go For It, Nakamura-kun!! 1
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Go For It, Nakamura-kun!! 1 hat mich mit einer sehr leisen, fast schon unbeholfenen Geschichte abgeholt. Ich begleite Nakamura, der zum ersten Mal richtig verliebt ist – und zwar in seinen Klassenkameraden ...

Go For It, Nakamura-kun!! 1 hat mich mit einer sehr leisen, fast schon unbeholfenen Geschichte abgeholt. Ich begleite Nakamura, der zum ersten Mal richtig verliebt ist – und zwar in seinen Klassenkameraden Hirose. Allein dieser Umstand wirft ihn emotional komplett aus der Bahn. Er ist schrecklich schüchtern, analysiert jede Kleinigkeit zu Tode und schafft es lange nicht einmal, ein normales Gespräch mit seinem Schwarm zu führen. Genau diese innere Überforderung macht den Kern des Mangas aus.

Was mir besonders aufgefallen ist: Die Geschichte bleibt konsequent in Nakamuras Kopf. Ich erlebe seine Gedankenspiralen, seine Panik und sein ständiges Chaos hautnah mit. Große romantische Gesten oder dramatische Wendungen gibt es nicht – stattdessen viele kleine, alltägliche Situationen, die durch seine soziale Unsicherheit unfreiwillig komisch werden.

Der Humor funktioniert vor allem über Fremdscham und Überzeichnung. Nakamura stolpert von einem Missverständnis ins nächste und wirkt dabei manchmal fast schon anstrengend – aber genau das macht ihn auch so menschlich. Ich konnte mich erstaunlich gut in dieses Gefühl hineinversetzen, jemanden unbedingt kennenlernen zu wollen und sich dabei selbst im Weg zu stehen. Das hatte etwas sehr Ehrliches.

Optisch hat der Manga einen deutlich nostalgischen Touch. Der Zeichenstil erinnert stark an die 80er- und 90er-Jahre: runde Gesichter, klare Linien, viel visuelle Comedy.

Was man definitiv nicht erwarten sollte, ist Drama. Es gibt keine toxischen Beziehungen, keine schweren Konflikte und keine emotionalen Abgründe. Stattdessen ist alles leicht, freundlich und angenehm ruhig. Für mich ist das ein klassischer Feelgood-Manga: nicht tiefgehend, aber herzlich. Besonders süß fand ich die wiederkehrenden Motive rund um Meerestiere – inklusive der Oktopusse, die überraschend viel Charme versprühen.

Unterm Strich war der erste Band für mich „nett“ im besten Sinne. Er hat mich nicht emotional umgehauen, aber gut unterhalten. Zwischendurch war mir Nakamuras Chaos fast ein bisschen zu viel, doch zum Ende hin wurde es richtig niedlich. Band zwei möchte ich definitiv lesen, allein um zu sehen, wie sich die Dynamik zwischen Nakamura und Hirose weiterentwickelt.

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Mitten im Bürgerkrieg – und mitten im Leben

Der brennende Garten
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Mit Der brennende Garten durfte ich an der Seite von Sashi heranwachsen, einer jungen Tamilin aus Jaffna, die eigentlich nur Ärztin werden möchte und sich schon bald in einem Albtraum wiederfindet, den ...

Mit Der brennende Garten durfte ich an der Seite von Sashi heranwachsen, einer jungen Tamilin aus Jaffna, die eigentlich nur Ärztin werden möchte und sich schon bald in einem Albtraum wiederfindet, den sie sich nie ausgesucht hat.

Ich habe mich von Beginn an eng mit ihr verbunden gefühlt. Sie ist neugierig, voller Hoffnung – und dann bricht die Gewalt in ihr Leben ein. Die politischen Spannungen im Sri Lanka der frühen 1980er eskalieren, und plötzlich verschwinden Träume hinter Angst, Trauer und dem Drang, diejenigen zu schützen, die man liebt. Sashi muss Entscheidungen treffen, die niemand treffen sollte, schon gar nicht ein Teenager. Plötzlich lernt sie nicht nur für die Uni, sondern wundversorgt Menschen, die im Untergrund gegen Unterdrückung kämpfen.

Was mich am stärksten getroffen hat, ist die moralische Ausweglosigkeit, in der sich alle befinden. Es gibt keine saubere Wahrheit, keine Seite, die frei von Schuld wäre. Während die Regierung Tamilinnen unterdrückt, verwandelt sich der Widerstand selbst zunehmend in etwas Gefährliches. Das Buch zeigt, wie schmal der Grat zwischen Verteidigung und Grausamkeit wird – und wie sehr Zivilistinnen darunter zerbrechen.

Ganeshananthan gelingt es, Geschichte greifbar zu machen, ohne sie zu belehren oder zu beschönigen. Ihre Sprache ist klar, fast nüchtern, und gerade deshalb so kraftvoll. Schmerz wird nicht ausgeschlachtet, sondern sichtbar gemacht. Ich hatte oft das Gefühl, in einem Erfahrungsbericht zu lesen und nicht in einem Roman.

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