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Veröffentlicht am 02.02.2026

Mit gestutzten Flügeln

Der letzte Sommer der Tauben
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Das Leben des vierzehnjährige Noah verändert sich von einem Tag auf den anderen, als in seinem Heimatland das Kalifat an die Macht kommt. Dinge, die vorher alltäglich waren, sind auf einmal verboten. Der ...

Das Leben des vierzehnjährige Noah verändert sich von einem Tag auf den anderen, als in seinem Heimatland das Kalifat an die Macht kommt. Dinge, die vorher alltäglich waren, sind auf einmal verboten. Der Vater, der ein Bekleidungsgeschäft besitzt, darf keine westliche Kleidung mehr verkaufen, Abbildungen von Frauen sind streng verboten, lediglich die Augen dürfen sichtbar sein. Frauen dürfen nur verhüllt und in Begleitung das Haus verlassen, die Religionspolizei wacht streng über die Einhaltung dieser Regeln. Bei Nichtbeachtung drohen drakonische Strafen. Noahs Onkel muss sein Café schließen. Die Scharia ist allgegenwärtig, Angst beherrscht das tägliche Leben.
Noahs größte Freude sind seine Tauben. Er kennt ihre Namen, weiß um ihre Eigenheiten und kümmert sich hingebungsvoll um sie. Eines Tages beschließt das Kalifat, dass Taubenschläge nicht mehr ,wie bisher üblich, auf dem Dach der Häuser untergebracht sein dürfen, zu groß ist die Gefahr, dass Männer vom Dach aus einen Blick auf eine unverschleierte Nachbarin werfen könnte. Die Taubenschläge müssen in den Hof umziehen, die Flügel der Tauben gestutzt werden. Ein Sinnbild für das Leben während des Kalifats, in dem auch die Menschen jeglicher Freiheit beraubt werden.
„Der letzte Sommer der Tauben“ ist ein höchst informatives, aber sehr bedrückendes Buch, das sicherlich autobiographische Züge des irakischen Autors Abbas Khider trägt. Ein Roman, der einem vor Augen führt, auf welch hohem Niveau wir hierzulande jammern und wie vieles für uns selbstverständlich ist.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Gentechnik - Segen oder Fluch?

Real Americans
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Ich bin immer etwas skeptisch, wenn auf dem Schutzumschlag eines Buchs mit Superlativen um sich geworfen wird. So auch hier. „Herausragend“, befindet die New York Times, und die Washington Post bezeichnet ...

Ich bin immer etwas skeptisch, wenn auf dem Schutzumschlag eines Buchs mit Superlativen um sich geworfen wird. So auch hier. „Herausragend“, befindet die New York Times, und die Washington Post bezeichnet „Real Americans“ als fesselnd, verspielt und philosophisch. Es werden also große Erwartungen geweckt und dieses Mal nicht enttäuscht.
Der Roman ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil handelt von Lily, Tochter chinesischer Einwanderer, die in New York in einem unbezahlten Praktikantinnenjob arbeitet und nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Ihre Eltern, beides Wissenschaftler, sind etwas enttäuscht, dass sie nicht in ihre Fußstapfen tritt. Als Lily den erfolgreichen Matthew kennenlernt und die beiden sich ineinander verlieben, ändert sich Lilys Leben von Grund auf. Doch die Beziehung hält nicht an und Lily, die mittlerweile einen Sohn hat, zieht an die Westküste.
Der zweite Teil wird aus Sicht des Sohns Nick erzählt. Nick weiß nicht, wer sein Vater ist und beschließt, ihn über einen DNA-Test ausfindig zu machen. Er wird tatsächlich fündig. Diese Information hält er allerdings vor seiner Mutter geheim. Vater und Sohn lernen sich kennen, doch die Beziehung ist problematisch, denn Matthews Lebenswirklichkeit ist eine ganz andere als die des Studenten Nick.
Im dritten Teil des Romans erfahren wir schließlich, was Nicks Großeltern dazu bewogen hat, Maos China unter großen Gefahren zu verlassen. Man erfährt viel über das entbehrungsreiche Leben im kommunistischen China, wo Wissenschaftler mit Argwohn beäugt wurden und Hungersnot herrschte. Sehr anschaulich wird ihre Ankunft in den USA geschildert, das einfache Leben, das sie zunächst führen, doch auch ihre beruflichen Erfolge in der Gentechnikforschung. Dieser Teil des Romans spielt im Jahr 2030 und Nicks Großmutter Mei blickt auf ihr Leben zurück.
Ich konnte „Real Americans“ tatsächlich über weite Strecken kaum aus der Hand legen. Es ist ein vielschichtiger Generationenroman, der die gesellschaftlichen Situationen in China und den USA sehr anschaulich schildert. Am Schluss schließt sich der Kreis, Nick versucht, Fehler seiner Eltern und Großeltern, die Gentechnik für einen Segen für die Menschheit hielten, auszubügeln bzw. den Schaden zu begrenzen. Diesen Schluss fand ich nicht ganz so realistisch. Alles in allem kann ich „Real Americans“ jedoch voll und ganz empfehlen.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

War es ein Unfall oder Mord?

Lügennebel. Ein Fall für Hanna Ahlander
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Sechs Studenten wollen einen unbeschwerten Skiurlaub in der schwedischen Ferienregion von Åre verbringen. Schon auf der Hinfahrt im Zug wird kräftig dem Alkohol zugesprochen, im luxuriösen Ferienhaus, ...

Sechs Studenten wollen einen unbeschwerten Skiurlaub in der schwedischen Ferienregion von Åre verbringen. Schon auf der Hinfahrt im Zug wird kräftig dem Alkohol zugesprochen, im luxuriösen Ferienhaus, das den Eltern von Wille, dem Alphamännchen der Clique, gehört, ist es genauso. Nicht nur Alkohol wird konsumiert, sondern auch Drogen. Die jungen Leute sind laut und feiern bis spät in die Nacht, womit sie sich in der direkten Nachbarschaft nicht gerade beliebt machen.
Am Morgen nach einer dieser Partys wird eines der beiden Mädchen tot im Schnee vor der Villa aufgefunden. Ist sie selbst, volltrunken wie sie war, bei minus zwanzig Grad in den Schnee hinausgelaufen und erfroren? Oder war es etwa Mord?
Die beiden Ermittler Hannah Ahlander und Daniel Lindskog vernehmen die geschockten jungen Leute, von denen jeder behauptet, nichts mit Fannys Tod zu tun zu haben. Während ihrer Vernehmungen wird schnell klar, dass auch schon vor Fannys Tod Spannungen und Rivalitäten in der Gruppe bestanden. Als dann auch noch das Gästehaus auf dem Grundstück wenig später brennt und einer der Studenten das Weite sucht, scheint die Lage klar zu sein. Weshalb sonst sollte er geflüchtet sein? Doch die Dinge sind komplizierter als es zunächst scheint.
Ich verfolge Viveca Stens Polarkreisreihe von Anfang an, dieser Band hat mir ganz besonders gut gefallen. Die Personen und ihre Beziehungen untereinander sind glaubhaft dargestellt und die Story ist äußerst spannend. Ich mag es auch, wenn man etwas über das Privatleben der Ermittler erfährt und das ist bei Viveca Sten immer der Fall. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung dieser Reihe! Ich habe das Buch als Hörbuch, gelesen von Vera Teltz, gehört, und es war ein Vergnügen, ihrer ausdrucksstarken Stimme zuzuhören.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Genialer Whodunnit

Tod zur Teestunde
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Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ...

Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ruft.
In gewohnter Manier ist auch „Tod zur Teestunde“ ein Buch im Buch. Zunächst erfahren wir, dass Susan Ryeland aus Kreta zurückgekehrt ist und wieder in London lebt. Dort soll sie den letzten Band der Atticus Pünd-Reihe lektorieren. Da der Autor der Reihe, Alan Conway, im letzten Band ums Leben kam, soll ein unbekannter Autor namens Eliot Crace das Buch im Stil von Conway weiterschreiben. Der Name Crace ist allerdings sehr bekannt, denn Eliots Großmutter schrieb eine höchst erfolgreiche Kinderbuchreihe namens „Little People“, in der herzensgute Menschen in einer heilen Welt leben. Im Gespräch mit Eliot erfährt Susan allerdings, dass Eliots Kindheit unter einem Dach mit der Großmutter alles andere als idyllisch war. Außerdem deutet er an, dass seine herrische Großmutter keines natürlichen Todes gestorben sei. In dem Buch, das er nun schreibt, finden sich viele Parallelen zu seinem eigenen Leben, viele Familienmitglieder kommen dabei nicht gut weg. Ihnen ist das Buch ein Dorn im Auge, in ihren Augen ist Eliot ein Nestbeschmutzer, der dem immer noch lukrativen Familienunternehmen schaden will. Als Eliot dann bei einem Unfall ums Leben kommt, gibt es eine ganze Reihe von Leuten, denen sein Tod gelegen kommt. Hauptverdächtige in den Augen der Polizei ist allerdings Susan Ryeland selbst.
Wie immer bei Horowitz‘ Büchern habe ich „Tod zur Teestunde“mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn ich dieses Mal das eine oder andere Detail nicht sehr glaubhaft fand und in der Mitte des Buchs ein paar Längen aufkamen. Insgesamt tat dies dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Die eingestreuten Anagramme sind wirklich clever. Ich bewundere Leute, die sich sowas ausdenken. Als treue Leserin freue ich mich schon auf den nächsten Band aus dieser unterhaltsamen Reihe, die im übrigen ganz hervorragend von Lutz-W. Wolff übersetzt wird!

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine emanzipierte Frau

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia ...

Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia nicht als seine Tochter an. Da das Buch Ende des 19. Jahrhunderts spielt, sind Vaterschaftstests Zukunftsmusik.
Emilia wächst in San Francisco auf und entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ihre Leidenschaft ist das Schreiben. Sie beginnt, unter einem männlichen Pseudonym mit großem Erfolg Groschenromane zu verfassen, doch was sie wirklich möchte, ist, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben. Sie stellt sich bei einer Tageszeitung vor, wo ihr der Chefredakteur zunächst skeptisch entgegentritt, dann aber von einem von ihr verfassten Bericht über einen ungeklärten Todesfall sehr angetan ist und sie einstellt. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Journalistin bekommt Emilia die Chance, gemeinsam mit einem männlichen Kollegen nach Chile zu reisen, um von dort aus über den bevorstehenden Bürgerkrieg zu berichten. Der Aufenthalt in Chile verändert Emilias Leben von Grund auf.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Stunden beendet und bin immer noch ganz atemlos von den sich überschlagenden Ereignissen im Leben dieser für die damalige Zeit unglaublich emanzipierten jungen Frau. Seit ich vor langer Zeit das Buch „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen habe, ist mir kein Buch begegnet, in dem das grausame Kriegsgeschehen so eindrücklich geschildert wird. Als Leser hat man das Gefühl, an Emilias Seite vor Ort alles mitzuerleben. Die geschilderten Schlachten haben tatsächlich stattgefunden und auch die politischen Konstellationen entsprechen der geschichtlichen Realität, wodurch dieses Buch noch mehr unter die Haut geht, als wenn es sich um reine Fiktion handelte. Ich bin kein großer Fan von historischen Romanen, doch dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ist eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Absolute Leseempfehlung!

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