„Und mir bleibt der hässliche Hund“ von Franziska Hörner ist ein Jugendbuch, das ich auch als Erwachsene sehr gerne gelesen habe.
Der 16jährige Felix hat auf einen Schlag seine Familie verloren: Seine ...
„Und mir bleibt der hässliche Hund“ von Franziska Hörner ist ein Jugendbuch, das ich auch als Erwachsene sehr gerne gelesen habe.
Der 16jährige Felix hat auf einen Schlag seine Familie verloren: Seine Eltern und seine jüngere Schwester Isa sind bei einem Autounfall gestorben. Ihm bleibt nur Bolt – der hässliche, dicke und etwas eigenwillige Hund seiner Schwester.
Felix trauert sehr, er hat Depressionen und Angstzustände, geht nicht mehr zur Schule und verlässt das Haus nicht mehr. Am Hund ist er nicht sonderlich interessiert – doch dann wird Bo immer apathischer und frisst nicht mehr. Also muss Felix etwas tun. Er beginnt selbst eine Therapie. Im Wartezimmer seiner Therapeutin lernt er Mo kennen, einen Jungen in seinem Alter, der einen eigenwilligen Humor hat und eine Vergangenheit, über die er nicht reden will. Die beiden freunden sich an und Felix schafft es, wieder etwas mehr am Leben teilzuhaben. Als die Jungs die lebensfrohe Marie kennenlernen, stellen sich Felix und Mo ihren Ängsten. In gemeinsamen Challenges wollen sie ihre Ängste und Panikattacken überwinden.
Franziska Hörner schreibt trotz des schweren Themas sehr leichtfüßig, mit viel Empathie und einer Prise Humor. Felix und Mo, aber auch Marie und alle anderen sind mir im Verlauf der Geschichte sehr ans Herz gewachsen.
Einen Punktabzug gibt es von mir, weil das Buch leider etwas klischeebehaftet ist; das fand ich nicht so gelungen. Ansonsten konnte ich mich sehr gut in die Ängste und Gefühle der Protagonisten hineinversetzen.
Ich empfehle diesen ruhigen, einfühlsamen Roman über Verlust, Freundschaft und den Mut, ein Leben neu anzufangen allen Leser*innen ab ca. 13 Jahren.
"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem ...
"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem Älterwerden und den täglichen Belastungen klarkommen.
Diese Frauen sind zwischen 35 und 55 Jahren alt, kinderlos oder Mütter, alleinerziehend oder in einer Partnerschaft. Dadurch sind ganz individuelle Texte herausgekommen, die sehr offen und persönlich sind. Zum Beispiel zum Thema „Erschöpfung“ sehr eindrückliche Worte:
„Aber man spürt ja viel. Die Gefahr beim Spüren ist natürlich, dass man Dinge unterstellt, die vielleicht so nicht sind. Aber ich spüre, dass dadurch, dass ich jetzt seit fast vierzehn Jahren in einem zeitlichen Korsett lebe, das seinesgleichen sucht, und nie zur Ruhe komme, weil die Care-Arbeit die Erwerbsarbeit ablöst und dann wieder die Erwerbsarbeit die Care-Arbeit und alles ineinander übergeht und es einfach keine Pause gibt. Es fällt mir schwer, zu lamentieren, weil ich habe mir das ja gewünscht — und genau das ist die Stimme meiner Mutter. In diesen vierzehn Jahren hat sie nicht ein einziges Mal gesagt: Krass, was du alles machst, kann ich dir irgendwie helfen? Oder mich einfach mal in den Arm genommen oder in irgendeiner Weise Signale des Verständnisses gezeigt für dieses absolute Limit, an dem man läuft. Und ich glaube, dass sie dabei so eine innere Haltung hat, dass sie sich denkt, du hast es dir doch gewünscht mit den Kindern und dem Arbeiten. Und, was wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass das Leben von intensiv berufstätigen, well-educated Frauen in den Augen der Mütter als Angriff auf das eigene Lebensmodell empfunden wird. Das ist zumindest meine These, warum meine Mutter meine Erschöpfung so wenig auffangen möchte.“
Die aktuellen Zeiten, die kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Hektik und Vereinzelung ist sehr gut getroffen in diesen Worten einer anderen Frau:
„Ich glaube, dass unsere heutige Gesellschaft mit ihrem obersten Herrscher, dem Kapitalismus, und dessen treuestem Soldaten, der Arbeit, aktiv zu unserer Einsamkeit beiträgt. Wir mögen hypervernetzt sein. Sind wir. Wir haben unendlich viele Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, das Gefühl zu haben, mit anderen in Kontakt zu sein, und doch steht das Tempo unseres Lebens, die Bewegung, die Geschwindigkeit von Informationen, die ständig an uns vorbeiziehen und durch uns hindurchfließen, in krassem Gegensatz zu dem, was wir als Frauen in unseren Körpern erleben — sei es im Alltag oder, in größerem Maßstab. Eigentlich bräuchten solche Ereignisse Zeit, Langsamkeit, Stille. Doch die gibt es heutzutage nicht. Es gibt keine Zeit, keine Langsamkeit, keine Stille.“
Viele Worte haben mich sehr berührt:
„Ich bin jetzt wieder dahin gekommen, was ich am Anfang meines Schreibens für mich ganz natürlich entdeckt hatte, nämlich ohne Eile zu arbeiten, ohne Eile Dinge zu erledigen, ohne Eile durch die Straße zu gehen, ohne Eile schon den Schlüssel irgendwie zehn Minuten vor meiner Tür aus der Tasche zu holen, sondern mir zu sagen: Da, wo ich bin, da bin ich richtig, und da muss ich mich nicht beeilen. Und ich denke, das ist sehr wichtig, auch, das meinem Kind vorzuleben, denn das ist für mich seismografisch sozusagen einsehbar, dass mein Körper und meine inneren Haltungen, wenn sie auch nicht ausgesprochen werden, sich als ein großer Spiegel in mein Kind einschreiben. Mein Kind ist die Fortsetzung meiner inneren Haltungen, und darin fühle ich eine große Verantwortung und auch eine große Liebe und eine große Freude, mich in diesem neuen Sehen, in dieser neuen Haltung, in dieser neuen Langsamkeit zu üben. Und wenn ich es vergesse, denke ich ein bisschen zurück an Ilse Aichinger, die diesen wunderschönen Satz gesagt hat: ‚Die Langsamkeit ist die Freundin.‘ Und wenn ich ganz heftig unter Druck stehe und alles unerreichbar scheint, denke ich mir: Die Langsamkeit ist die Freundin. Und dann mache ich mir einen Kaffee und denke, erst einmal trinke ich bitte diesen Kaffee und dann schaue ich, was ich heute meistern kann und was nicht, denn dann wird heute nur das Mögliche möglich gewesen sein.“
Ein sehr vielschichtiges Buch mit vielen Denkanstößen. Ich vergebe hier 4/5 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung!
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
„Keine Zeit, kein Problem“ von Dr. med. Matthias Riedel und Bettina Matthaei ist ein Sachbuch zum Thema "gesunde Ernährung im Alltag".
Das Buch bietet zu Beginn hilfreiche Informationen; quasi Grundlagenwissen, ...
„Keine Zeit, kein Problem“ von Dr. med. Matthias Riedel und Bettina Matthaei ist ein Sachbuch zum Thema "gesunde Ernährung im Alltag".
Das Buch bietet zu Beginn hilfreiche Informationen; quasi Grundlagenwissen, wie man gesunde Ernährung mit wenig Zeitaufwand hinbekommmen kann. Das sogenannte „Tellerprinzip“ wird erklärt sowie die Bedeutung der Nährstoffe. Es gibt Küchentipps und Lifehacks, die einem gerade im hektischen Alltag gesundes Essen erleichtern kann.
Danach folgen 80 vielseitige Rezepte: „schnelle Rezepte“, One-Pot-Gerichte, Meal Prep Rezepte, Ofenrezepte, Pasta, und vieles mehr. Es gibt sowohl Rezepte mit Fisch und Fleisch als auch vegegarische Rezepte.
Das Buch ist gut strukturiert und optisch ansprechend gestaltet.
Für alle, die sich schon mit dem Thema „gesunde Ernährung“ befasst haben, bietet das Buch natürlich nicht nur Neues. Dennoch finde ich es sehr gelungen und gut geeignet, um sein „Wissen“ aufzufrischen bzw. sich wieder neu zu motivieren, auf gesündere Ernährung zu achten.
Dank der tollen Rezeptauswahl kann man hier viel Inspiration und Rezeptideen für den Alltag finden.
Ich werde definitiv in nächster Zeit viele der Rezepte noch ausprobieren und freue mich schon darauf.
Vielen Dank an den GU Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
Das Cover des Romans „Half his age“ von Jennette McCurdy polarisiert sicher, doch der Inhalt hat mich neugierig gemacht: Die 17jährige Waldo ist ein Kind der Unterschicht und sie hat ihren Platz in der ...
Das Cover des Romans „Half his age“ von Jennette McCurdy polarisiert sicher, doch der Inhalt hat mich neugierig gemacht: Die 17jährige Waldo ist ein Kind der Unterschicht und sie hat ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht so recht gefunden. Ihre alleinerziehende Mutter ist kaum zuhause, sondern rennt irgendwelchen Männern hinterher. Währenddessen ist Waldo auf sich gestellt, muss neben der Schule noch jobben, um Geld zu verdienen. Und sie füllt ihr Leben mit bedeutungslosem Sex mit Gleichaltrigen und Onlineshopping.
„Natürlich weiß ich, dass man mit einem Rouge sein Leben nicht umkrempeln kann, aber trotzdem ist es schön, in den drei Tagen Lieferzeit daran zu glauben. Es ist schön, daran zu glauben, dass nur ein Rouge-Stift den Unterschied ausmacht zwischen Margot Robbie und mir. Es ist schön, an Versprechen zu glauben, auch wenn es bloß leere sind.“
Doch dann verliebt sie sich unsterblich in Mr. Korgy, ihren Lehrer für kreatives Schreiben. Der ist zwar nicht wirklich attraktiv und zudem verheiratet mit Kind, doch Waldo ist sich sicher: Nur mit ihm kann sie glücklich werden!
Wir sind bei Waldos heimlicher Affäre zu Mr. Korgy hautnah dabei, besonders die Einblicke in ihr Innenleben fand ich hier sehr gelungen. Die expliziten Schilderungen, was Waldos Körperlichkeiten und Gefühle angeht, mag nicht jedem behagen; aber gerade die brutale Ehrlichkeit empfand ich als eine Stärke des Romans.
„Er war von meinen Texten, die ich über meine Herkunft geschrieben habe, beeindruckt, aber es wirklich mit eigenen Augen zu sehen, ist eine andere Sache. Die Leute haben nämlich Angst, dass die Armut auf sie abfärben könnte. Und der schlechte Geschmack, der dazugehört. Sie lesen lieber ein Buch darüber. Oder gucken einen Film, in dem Jennifer Lawrence so tut, als wäre sie arm, während ihr Achthundert-Dollar-Highlighter in den Nahaufnahmen schimmert. Aber sie wollen nicht wissen, wie es tatsächlich ist, oder dem auf eine echte Art nahe kommen. Außer vielleicht mit einem Scheck über ein- oder zweitausend Dollar, den sie um die Feiertage herum an die Heilsarmee oder ans Rote Kreuz ausstellen. Aber setzt man sich der Armut damit überhaupt aus? Oder ist das nur wieder eine Art, sich noch mehr davon zu distanzieren?“
Mir hat Jennette McCurdys Roman über Klassenunterschiede und Armut, Liebe und Begehren, Sex, Konsum, Wut und Macht insgesamt sehr gut gefallen. Ihr Schreibstil ist schmerzhaft ehrlich und schonungslos direkt. Derb, aber nicht zu heftig. Es kamen alle Emotionen sehr gut rüber, es war mal lustig, aber auch erstaunlich tiefgründig.
Vor allem Waldo als Protagonistin mit all ihrer Direktheit fand ich sehr sympathisch. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und deren Verhalten war gut dargestellt; nur Mr. Korgy blieb als Charakter (vor allem anfangs) ein wenig blass für mich.
Waldos Wandlung im Laufe der Geschichte fand ich aber sehr gelungen und das Ende stimmig.
„Ich will, dass die Wut in mir hochkocht. Dass sie mich dazu bringt, ihre Schmuckschale an die Wand zu werfen und sie zur Rede zu stellen. Sie zu fragen, wie lange sie mich schon anlügt. Und sich selbst. Zu fragen, wann sie aufgehört hat, zu den Meetings zu gehen. Oder ob sie immer noch hingeht und sich zweiteilt wie Jekyll and Hyde. Ich will schreien. Oder heulen. Aber stattdessen starre ich sie bloß an, und dann werde ich von etwas Unbeschreiblichem überschwemmt.
Einer Welle der Erkenntnis. Des Friedens. Der Freiheit. Diese Art von Frieden und Freiheit, die sich nur einstellt, wenn man keine Erwartungen mehr an jemanden hat. Wenn man die Version einer Person, die man unbedingt haben wollte, die man gebraucht hätte, loslässt, und sobald man das loslässt, verschwindet auch all der Groll, der damit verbunden war.“
Vielen Dank an den Blumenbar Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
In „Die Ernährungs-Docs – Gesund abnehmen mit der Anti-Entzündungs-Formel“ von Matthias Riedl, Viola Andresen, Silja Schäfer und Jörn Klasen geht es nicht um Diäten!
Das Sachbuch informiert vielmehr darüber, ...
In „Die Ernährungs-Docs – Gesund abnehmen mit der Anti-Entzündungs-Formel“ von Matthias Riedl, Viola Andresen, Silja Schäfer und Jörn Klasen geht es nicht um Diäten!
Das Sachbuch informiert vielmehr darüber, dass hinter zu vielen Kilos oft nicht mangelnde Disziplin, sondern um sogenannte „stille Entzündungen“ im Körper stecken. Diese können große Schäden anrichten, Krankheiten verursachen – und eben auch Sättigungshormone schwächen und Heißhunger fördern.
Für alle, die sich mit dem Thema Ernährung oder auch „stille Entzündungen“ schon beschäftigt haben, bietet das Buch jetzt nicht unbedingt sehr viel Neues. Im ersten Teil ist dieses Sachwissen jedoch sehr übersichtlich und hilfreich zusammengefasst. Dies kann auch neue Motivation und Klarheit bringen, wie man zu mehr Wohlbefinden und Gesundheit finden kann. Ich fand diesen Teil also insgesamt sehr informativ und hilfreich.
Auch der Rezeptteil gefällt mir gut, da sind viele sehr kreative und lecker aussehende Rezepte enthalten (vom Frühstück über Mittag-/Abendessen bis hin zu kleineren Gerichten), von denen ich sicher die meisten mal ausprobieren werde. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Rezepte mit Familie/Kindern im Alltag mit Berufstätigkeit etc. sicher nicht einfach umsetzbar sind. Hier muss man sicherlich ein bisschen planen und improvisieren, denke ich.
Insgesamt jedoch ein sehr hilfreiches und übersichtliches Buch, dem ich 4 von 5 Sternen vergebe.
Vielen Dank an die ZS Edel Verlagsgruppe und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!