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Veröffentlicht am 25.03.2026

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Mit anderen Augen
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„Wie kann es sein, dass überall auf der Welt Frauen verschwinden und niemand was dagegen unternimmt?“ – Mit dieser Frage und noch vielen weiteren beschäftigt sich der Roman auf kreative Weise, teilweise ...

„Wie kann es sein, dass überall auf der Welt Frauen verschwinden und niemand was dagegen unternimmt?“ – Mit dieser Frage und noch vielen weiteren beschäftigt sich der Roman auf kreative Weise, teilweise mit Humor und einem Augenzwinkern, aber es sind durchwegs auch ernstere Töne dabei und Fragen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen, vielleicht sogar auch einen Anstoß für Veränderungen geben.
Tilda ist 52 Jahre alt, geschieden, hat zwei erwachsene Töchter und ist beruflich mit ihrem eigenen Unternehmen erfolgreich unterwegs. Eines Tages bemerkt sie, wie plötzlich ihr kleiner Finger, dann ihr Ohr, ihre Nase und mit der Zeit weitere Körperteile von ihr verschwinden. Bei ihr wird die Unsichtbarkeitserkrankung – Morbus Invisibilis – diagnostiziert, die vor allem ältere Frauen betrifft. Zuerst fühlt sich Tilda von ihrem langsamen Verschwinden überfordert, ist wütend, will sich noch weiter verstecken, aber durch die Hilfe ihrer besten Freundin Leith und mit therapeutischer Unterstützung beginnt sie hart an sich und ihrer Einstellung und an ihrer Sichtweise über sich selbst zu arbeiten. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie weitere Betroffene kennen und es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Frauen mit ihrer Unsichtbarkeit umgehen, teilweise sogar Vorteile darin sehen. Alle Frauen haben ihre eigene Lebensgeschichte und ihre Probleme zu tragen, aber eines haben sie gemeinsam: Sie werden von der Gesellschaft nicht mehr gesehen, nicht mehr wahrgenommen, weil sie auch selbst nicht gut zu sich sind.
Mir gefällt die positive Grundstimmung, trotz der ernsten Themen, die Veränderungen in Gang setzt. Auch wenn jede Frau selbst entscheiden muss, was sie machen möchte und was ihr guttut. Der Ansatz, dass es einen emotionalen, tiefsitzenden Konflikt oder Grund für das Verschwinden geben muss, zeigt auf der anderen Seite auch, dass man diesen überwinden und selbst wieder gestärkt aus der Situation hervorkommen kann. Wichtig ist auch die intensive Beschäftigung mit sich selbst und das neu kennenlernen, was man wirklich möchte und was mich als Person ausmacht, nicht wie andere mich haben möchten oder wie andere das sehen.
Tilda stellt sich mutig ihrer Vergangenheit, ihrer Geschichte mit ihrem verstorbenen Vater, die sie neu schreibt, sie hat Unterstützung von lieben Menschen, die immer zu ihr stehen und sie entwickelt eine Energie, die viele weitere positive Effekte auslöst. Schön finde ich, dass sie sich wieder mehr mit Dingen beschäftigt, die ihr Freude bereiten und die sie gerne macht und zudem auch noch als Vorbild und Unterstützung für viele betroffene Frauen wirkt. Man merkt auch die Kraft, die entsteht, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen, diese nimmt eine außergewöhnliche Stärke an. Den Schluss habe ich besonders schön empfunden und alle vorkommenden Frauen wirken viel präsenter und sind nicht mehr zu übersehen.

Veröffentlicht am 30.01.2026

KI trifft auf Gefühle

Deep Fake
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Der Thriller ist spannend aufgebaut, indem er zeitlich zwischen zwei Zeitebenen switcht und aus wenigen Hauptcharakteren besteht, die authentisch und umfangreich beschrieben werden, mit all ihren Stärken ...

Der Thriller ist spannend aufgebaut, indem er zeitlich zwischen zwei Zeitebenen switcht und aus wenigen Hauptcharakteren besteht, die authentisch und umfangreich beschrieben werden, mit all ihren Stärken und Schwächen. Außerdem ist der Autorin gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der einerseits neue Themen wie Künstliche Intelligenz und Mobbing behandelt werden, aber dennoch auch die abgelegene und verschworene Dorfgemeinschaft mit ihren alten Ansichten und Werten Platz finden, ohne dass es kitschig wirkt. Ich habe die wechselnde Leseatmosphäre sehr gut empfunden und konnte mich auch gut in alle Situationen hineinversetzen. Gelungen finde ich auch die Tagebucheinträge von Kat aus ihrer jugendlichen Perspektive, wie sie damals als Clique das Dorfleben als schwarz-weiß empfunden haben und wie sich die einzelnen Charaktere im Laufe der Zeit entwickelt haben. Das Aufeinandertreffen nach so langer Zeit gestaltet sich mit einigen schwieriger, mit anderen kann Mira alias Fee wieder anknüpfen, als ob es nie anders gewesen wäre. Die Schuldgefühle und die tragischen Ereignisse aus der Vergangenheit hängen ihnen jedoch noch nach und es wird endlich Zeit, die Vermutungen zu klären und aufzuarbeiten, was wirklich geschehen ist. Vor allem, nachdem Mira mit einem Deep Fake Video in ihrer Schule diffamiert wird und ihr Leben droht, aus den Fugen zu geraten. Die Szenen mit ihrem Schüler Alex, der sich als IT-Spezialist in alle möglichen Systeme und Steuerungen hackt, habe ich nicht als realistisch empfunden, sie hätten auch überhaupt nicht vorkommen müssen. Wichtiger als die technischen Aufklärungsversuche finde ich die Klärungen auf persönlicher Ebene und dies ist ausführlich und gut gelungen. Am Ende wird richtiggestellt, werden Entschuldigungen ausgesprochen, werden alte Beziehungen beendet oder wieder aufgenommen und verfestigt und ins neue Leben integriert und dennoch gibt es ein paar Überraschungen.

Veröffentlicht am 27.01.2026

direkt aus dem Leben gegriffen

Alle glücklich
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Der Roman beschreibt eine oberflächlich betrachtet glückliche Familie, bestehend aus Nina, Alexander, und den beiden Kindern im Teenageralter Ben und Emilia. Wenn man genauer hinblickt, erkennt man, dass ...

Der Roman beschreibt eine oberflächlich betrachtet glückliche Familie, bestehend aus Nina, Alexander, und den beiden Kindern im Teenageralter Ben und Emilia. Wenn man genauer hinblickt, erkennt man, dass jede/r eigene Sorgen und unausgesprochene Wünsche mit sich herumschleppt, sich aber niemandem anvertrauen kann oder auch das Gefühl hat, dass sich irgendetwas nicht richtig anfühlt oder anders anfühlen sollte. Der Schreibstil ist emotional, reflektierend und direkt, indem die vier Familienmitglieder die Alltagssituationen aus ihrer jeweiligen Sichtweise erzählen. Somit erhält man als Leserin ein vielschichtiges Bild der Familie mit all ihren schlummernden Problemen und Sorgen. Die Charaktere wirken dabei so authentisch, direkt aus dem Leben gegriffen und man kann als Leserin die Hintergründe und Gedanken von allen von ihnen nachvollziehen. Interessant finde ich die Dynamik, die entsteht, sobald man ein kleines Puzzleteil in der Alltagsroutine verschiebt, sodass dies die gesamte Familiensituation in Bewegung bringt. Auffällig in dieser Familie ist auch, dass sie zwar in gewisser Weise miteinander kommunizieren, aber nichts sagen. Was die einzelnen Personen belastet, was stört, wo Unsicherheiten auftreten, wird nicht angesprochen. Sie befinden sich in einem Alltagstrott aus Arbeit und Alltag und den unausgesprochenen inneren Konflikten. Als Außenstehender hätte man ein anderes Bild von der Familie.
Der halboffene Schluss gefällt mir sehr gut. Es werden Veränderungen in Angriff genommen, ausgelöst durch eine tragische Situation, aber es gibt einen Ausblick auf Veränderung in naher Zukunft, wie auch immer sich diese gestalten wird. Es ist kein Roman, den man schnell zwischendurch liest, sondern einer der beschäftigt, zu Reflexionen anregt und auch im Nachhinein noch nachwirkt.

Veröffentlicht am 21.01.2026

der Schlüssel zum persönlichen Austausch miteinander

Mathilde und Marie
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Der Roman spielt im kleinen Bücherdorf Redu, in dem die Zeit fast stillsteht. Anstelle von Hektik, Stress und Konkurrenzkampf gibt es hier eine sehr gut funktionierende Dorfgemeinschaft, in der die Bewohnerinnen ...

Der Roman spielt im kleinen Bücherdorf Redu, in dem die Zeit fast stillsteht. Anstelle von Hektik, Stress und Konkurrenzkampf gibt es hier eine sehr gut funktionierende Dorfgemeinschaft, in der die Bewohnerinnen gegenseitig füreinander sorgen und noch im Einklang mit der Natur und ihrem inneren Rhythmus leben. Marie hat auch der Zufall hierhin verschlagen, nachdem sie durch zahlreiche Schicksalsschläge und Großstadthektik ihr Leben verändern möchte.
Mir gefällt es sehr gut, dass der Roman weniger von Aktionen und vielen Taten überzeugt, im Gegenteil, diese sind überschaubar und perfekt dosiert. Vielmehr lebt er von der Entschleunigung, vom Miteinander der Menschen im Einklang mit der Natur, von ehrlichen Gesprächen, von der Zeit, die man sich für Heilung und Selbstfindung nimmt und noch vielem mehr. Ich habe schon lange kein Buch gelesen, in dem mir so viele Zitate positiv aufgefallen sind, dass ich sie mir notieren musste, wie es hier der Fall ist. Dadurch wird für mich auch die Leseatmosphäre äußerst angenehm und reflektierend, wie ich es gerne mag. Bücher, die auch noch im Nachhinein beschäftigen und in die Tiefe gehen, wie hier bei „Mathilde und Marie“ geben mir auch persönlich viel zurück. Obwohl die Stimmung teilweise nachdenklich und ruhig oder auch traurig, melancholisch ist, so ist es nicht drückend, sondern als Auszeit zu verstehen, als Anregung zum Innehalten, Nachdenken und sich auch mit dem eigenen Leben und seinen Mitmenschen auseinanderzusetzen. Dadurch, dass nur einzelne wenige Personen vorkommen, haben sie die Möglichkeit ihrem Charakter vielschichtiger darzustellen und eine tiefgreifendere Beziehung zueinander einzugehen. Ich schätze allesamt mit ihren Stärken und Schwächen sehr, von Marie, über Mathilde, Jonina, Thomas, Arthur und dem Gemeinschaftshund Anneliese.
Die Symbolik mit dem Verschenken der alten Schlüssel als Anregung zum persönlichen Austausch miteinander über Wünsche, Träume und Gedanken finde ich sehr gelungen und dieser wird auch von der Gemeinschaft gut aufgenommen. Generell sollte man viel mehr miteinander reden, auch über Probleme, Ängste, Sorgen, damit niemand das Gefühl hat, alleine zu sein oder ausgeschlossen zu sein, wie es zu Beginn bei Mathilde der Fall war. Hinter jedem Schlüssel steckt eine Geschichte und auch jeder Mensch hat eine oder viele Geschichten zu erzählen. Der Schlüssel kann ein schöner Türöffner sein, im symbolischen Sinn, um über Dinge zu reden, die uns schwerfallen oder Dinge zu tun, die wir schon immer machen wollten.
Das Thema Bücher oder Literatur im Allgemeinen nimmt einen großen Stellenwert in Redu ein, das man so nicht mit dem einfachen, ruhigen Leben in Verbindung bringen würde. Bücher werden wertgeschätzt, von der aufwändigen Herstellung von Papier bis hin zur Auswahl der Inhalte und dem anschließenden Austausch darüber. Es werden auch viele Vergleiche von Literatur und Naturphänomenen gezogen, vor allem in der Beobachtung von Vögeln und dem Wachstum von Pflanzen und Früchten. Diese werden bildhaft beschrieben, sodass es auch für Laien gut verständlich und anschaulich zu lesen ist. Das einfache Leben wird nicht als Rückschritt gesehen, sondern als Heimkehr zu einem selbst und die begrenzte Internetzeit war für die Bewohner
innen und auch für Marie nach kurzer Zeit überhaupt kein Thema mehr.
Gelungen finde ich auch die Metapher der Uhr, die zwei Zeiten anzeigt, damit auch diejenigen, die spät dran sind, eine zweite Chance bekommen, dennoch pünktlich zu sein.
Marie hat nach ihren Schicksalsschlägen und Erfahrungen die Erkenntnis gezogen, dass das Leben schnell zu Ende sein kann, viel früher als erwartet und deshalb sollte man es nur mit Inhalten füllen, die Freude bereiten, denn niemand kennt sein eigenes Ablaufdatum. Wir können das Beste aus dem machen, was uns angeboten wird und keine Zeit mit Dingen vergeuden, die uns keine Freude bereiten. Diese Message kann ich vollkommen unterstützen und auch für mich weiterhin mitnehmen und versuchen dies umzusetzen.

Veröffentlicht am 23.12.2025

mysteriöse Nachrichten

Todesstimme
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Der zweite Teil der Serie mit Tara als Sonderermittlerin in einer kleinen, aber effektiven Kontrollgruppe, hat mir noch besser gefallen als der erste Teil. Die Hauptcharaktere sind schon aus dem ersten ...

Der zweite Teil der Serie mit Tara als Sonderermittlerin in einer kleinen, aber effektiven Kontrollgruppe, hat mir noch besser gefallen als der erste Teil. Die Hauptcharaktere sind schon aus dem ersten Teil bekannt, samt ihren Eigenheiten und im zweiten Teil kann man sie noch besser kennenlernen, auch einen kleinen Einblick in ihre Privatleben bekommen, aber dennoch bleibt vor allem Gabriel etwas undurchschaubar und schwer einschätzbar für mich.
Die Todesfälle, angeleitete Suizide, werden in Verbindung mit einem Podcast gebracht, wobei nicht bekannt ist, wer dahintersteckt. Ansonsten haben die Suizide auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten, quer durch alle Altersgruppen, Geschlechter oder Berufe, besonders tragisch, auch eine 16jährige ist eines der Mordopfer.
Die Aufklärung hat mir nicht optimal gefallen, zudem waren sehr viele Personen in der einen oder anderen Weise involviert und dies wurde recht schnell abgehandelt. In Bezug auf die restlichen Ermittlungen, hätte man hier mehr Raum geben können. Ansonsten freue ich mich schon auf den dritten Teil und hoffe, Gabriel noch aus der Reserve zu locken.