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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2026

Fesselnd und stimmig

Himmelerdenblau
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Prof.Dr.Theo Novak war ein angesehener Arzt und Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Charité. Doch jetzt verliert er sich mehr und mehr selbst in seiner fortschreitenden Demenz. ...

Prof.Dr.Theo Novak war ein angesehener Arzt und Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Charité. Doch jetzt verliert er sich mehr und mehr selbst in seiner fortschreitenden Demenz. Allerdings hat er das Verschwinden seiner Tochter Julie vor 20 Jahren nicht vergessen und als die Podcaster Liv und Phil ihn um ein Interview bitten, schöpft er neue Hoffnung. Während seine Tochter Sophia stetig versucht ihm das auszureden, findet er in Liv eine Verbündete.
Demenz ist ein ernstes Thema unter dem nicht nur der Patient selbst leidet. Meiner Meinung nach ist hier der Spagat zwischem dem Klischee der absoluten Hilflosigkeit und problematischer Alltagsbewegung sehr gut gelungen. Gerade dadurch wurde Theo mir sehr symphatisch. Ebenfalls wie Liv und Richard hatte ich ihn gleich ins Herz geschlossen. Ausser Sophia, deren Pragmatismus im Umgang mit Theo ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, blieben mir die weiteren Protagonisten eher suspekt.
Das Buch ist flüssig und sehr fesselnd geschrieben und die vielen möglichen Spuren sorgten für einen "Weiterlesen-Sog", wobei am Ende keiner der Handlungsstränge offen bleibt.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein Schicksal beeinflusst das nächste

Falterspuren
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Ein Schicksal beeinflusst das nächste
Lina hat sich mit ihrem Leben arrangiert und das Kapitel "Herkunftsfamilie" fest hinter sich verschlossen. Somit sträubt sie sich erst dagegen, als sie vom Tod ihrer ...

Ein Schicksal beeinflusst das nächste
Lina hat sich mit ihrem Leben arrangiert und das Kapitel "Herkunftsfamilie" fest hinter sich verschlossen. Somit sträubt sie sich erst dagegen, als sie vom Tod ihrer Mutter und noch dazu von ihrem seit Jahren verschollenen Grossvater, einem berühmten Komponisten, erfährt. Doch etwas lässt sie nicht los und sie begibt sich auf eine Spurensuche über die Schicksale in ihrer Familie. Aber jede vermeindliche Lösung birgt neue Fragen.
Das Buch liest sich flüssig und zügig und ich bin gut in die Geschichte hineingekommen. Die Handlung auf drei verschiedenen Zeitebenen macht es sehr fesselnd. Dabei haben die einzelnen Kapitel eine so angenehme Länge, das man gern noch eins und noch eins liest und kaum mit Lesen aufhören kann.
Es ist sehr stimmig, wie sich die einzelnen Handlungsstränge - die sich jeder für sich sehr spannend lesen - finden. Als ob sich die Tragik (oder das Trauma) über die Generationen hinweg fortsetzt. Dabei sind die jeweiligen Schicksale sehr berührend.
Für mich ist nichts unbefriedigender als ein Ende, bei dem noch Fragen offen bleiben. Dies ist hier zum Glück nicht der Fall fast wahrlich im letzten Satz rundet sich die Geschichte damit gelungen ab.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Sehr berührende Schicksale

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ein auf der Flucht verloren gegangen kleiner Junge, der über keinerlei Erinnerung verfügt, wird wie viele andere Kinder mit ähnlichem Schicksalen in einem katholischem Kinderheim aufgenommen. Willkürlich ...

Ein auf der Flucht verloren gegangen kleiner Junge, der über keinerlei Erinnerung verfügt, wird wie viele andere Kinder mit ähnlichem Schicksalen in einem katholischem Kinderheim aufgenommen. Willkürlich wird ihm ein neuer Vorname zugeteilt: Hartmut (beginnend mit „H“, weil dieser Buchstabe gerade an der Reihe ist), sein Stammeln zum Familiennamen (falsch) verstanden bzw. interpretiert und sein Alter geschätzt. Durch das erlebte Trauma kann er nicht sprechen und wird somit als dumm und schwachsinnig eingestuft. Im Heimalltag sind die Kinder nur Nummern und werden von den Schwestern hart und ungerecht – bis zur körperlichen Züchtigung bzw. Misshandlung – behandelt. Ein Missbrauch der das Vertrauen in andere für das weitere Leben arg zerstört. Auch Margret kommt als Vollweise in dieses Heim, sie ist einige Jahre älter und nimmt Hardy unter ihre Fittiche. Als ihre Tante als letzte Familienangehörige ermittelt wird, bekommt sie eine neue Familie und muss den Kleinen seinem Schicksal überlassen.
Doch ihre Wege treffen sich wieder und nun wird schwört sie sich ihn nie wieder alleine zu lassen...
Die Autorin nimmt den Leser mit in zwei Leben voller Entbehrungen und Schmerzen, zu Taten und leidvollen Erfahrungen, über die - wie (leider) in dieser Generation so typisch - nie gesprochen wird und so ohne es zu wollen das Trauma in die Nachkriegsgeneration und folgende weiterzutragen. Doch damit lässt sich leider nicht alles erklären. Offen bleibt für mich leider das absolut unterkühlte Verhältnis beider zu ihrer Tochter - sehr gern hätte ich zu den Gründen mehr gewusst. Die Enkelin wiederrum ist beiden näher, schafft es trotz intensivem Beharren leider auch nicht, die hohe Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Ich hätte mir gewünscht, wenigstens Hardy hätte Margret sich geöffnet, doch viel zu tief sitzt die Scham für etwas was sie nicht zu verantworten hat. Die Leben gehen für mich leider zu leise dahin, jeder bleibt mit seinem Trauma allein. Wiederrum sehr beeindruckt bin ich immer wieder von dem Pragmatismus dieser Generation: egal was kommt, man nimmt es ohne grosses Jammern hin und macht das Beste daraus. Von dieser Grundeinstellung das Leben zu meistern könnte sich heutzutage so mancher eine Scheibe abschneiden.
Vermutlich kann, wer den Krieg überlebt hat, alles überleben!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

"Der kleine Jude ohne Hinterland"

Ein kleiner Händler, der mein Vater war
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Lotte Paepke schildert in diesem Buch sehr eindringlich, das Leben ihres Vaters.
Treffend und knapp auf den Punkt gebracht, stellenweise fast dahin gehaucht, eilt die Autorin regelrecht durch die Handlung, ...

Lotte Paepke schildert in diesem Buch sehr eindringlich, das Leben ihres Vaters.
Treffend und knapp auf den Punkt gebracht, stellenweise fast dahin gehaucht, eilt die Autorin regelrecht durch die Handlung, nie an der letzten Szene verweilend. Der Leser kann kaum das zuletzt Gelesene verarbeiten, schon stürzen neue Eindrücke auf ihn herein. Und dennoch will man nicht stoppen, will erfahren wie der kleine Mann still ertragend seinen Weg folgt.
Dennoch kann man die Gewalt, das Schicksal hinter den Worten sehr stark spüren. Es muss nicht immer ausgesprochen werden um das Ungeheuere zu erfassen.
"Der kleine Jude ohne Hinterland" charakterisiert sehr treffend die lähmende Erkenntnis, nichts mehr zu sein und nichts mehr zu haben. Ein gestrandetes Nichts in dem Moloch einer Millionenstadt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Bewegende Geschichte

Gussie
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Auguste "Gussie" Zinsser ist 24 als sie den verwitweten älteren Konrad Adenauer heiratet. Diese ungleich erscheinende Ehe hat ein starkes Fundament, womit auch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus fast ...

Auguste "Gussie" Zinsser ist 24 als sie den verwitweten älteren Konrad Adenauer heiratet. Diese ungleich erscheinende Ehe hat ein starkes Fundament, womit auch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus fast überstanden wird. Ein einziges Mal wird diese starke Frau schwach und daran wird sie letztendlich zerbrechen.
Christoph Wortberg schildert sehr plastisch wie Gussie in das Leben Adenauers tritt und trotz ihrer Jugend den angeheirateteten als auch eigenen Kindern ein liebevolles Zuhause bietet und Konrad eine wertvolle Stütze wird. Ihre Kraft und Stärke, die sie vermutlich auch aus dem sehr innigen und tiefen Kontakt zu ihrem Vater zieht, ist dabei der rote Faden dieser Geschichte. Obwohl selbige quasi am Ende mit Gussies Krankenhausaufenthalt beginnt, hoffte ich als Leser ständig auf einen positiven Ausgang, den ich Gussie gern gegönnt hätte.
Mich hat dieses Buch sehr berührt und ich kann es definitiv weiterempfehlen!

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