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Veröffentlicht am 31.01.2026

Interessante Szenarien des 30-jährigen Krieges in historischem und fiktivem Zusammenspiel interessanter Akteure

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Das Cover dieses historischen Romans zeigt den Galgenbaum nach Jacques Callot (1632), bereinigt um all die bereits gehängten Marodeure und Deserteure des 30-jährigen Krieges. Rechts vom Baum würfeln sie ...

Das Cover dieses historischen Romans zeigt den Galgenbaum nach Jacques Callot (1632), bereinigt um all die bereits gehängten Marodeure und Deserteure des 30-jährigen Krieges. Rechts vom Baum würfeln sie auf der Trommel um ihr Leben vor anwesenden Geistlichen und Truppenmitgliedern. So hielt man lt. Kriegsrecht die damalige militärische Disziplin überzeugend aufrecht.
In diesem 1. Band der Trilogie geht es von Juni 1618 bis Juni 1619 um den Religionskrieg der Protestantischen Union und den kaiserlichen Katholiken mit beschriebenen Gefechten um Pilsen und Budweis. Dieser Böhmisch-pfälzische Krieg wendet sich gegen den Kaiser und die Habsburger. Neben vielen historischen Fakten, geknüpft an wichtige Kriegsakteure, entspannt sich eine fiktive Geschichte um den leibeigenen Bauernsohn Jacob Wolffen, den 17-jährigen, frommen Schwächling aus Bachthal, und um die junge Heilerin Anna Dillenberger aus Pilsen, deren Mutter als Hexe verurteilt wurde. Im Vergleich zu Anna wirkt sein warmherziger Charakter besonders in Sachen Hexerei und Gottvertrauen zu naiv. Neben Beschreibungen zu Kampftechniken und Waffengattungen, zu Lebensbedingungen für Bevölkerung und Soldaten geht es auch um dunkle Geheimnisse der jungen Leute, die auf ihrem cleveren, mutigen Rachefeldzug für lang ersehnte Gerechtigkeit sorgen. Die verschiedenen Szenerien in vielen Extremsituationen wirken authentisch. Die militärische Praxis ist für Laien schlüssig und lebendig beschrieben.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Was für ein totalitäres Leben im Kalifat Saddam Husseins……..

Der letzte Sommer der Tauben
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Der zunächst 14-jährige Noah Derwisch, der Ich-Erzähler, ist wie sein Onkel Ali unter dem Regime Saddam Husseins in Bagdad nicht nur als Taubenzüchter aktiv, sondern zunehmend auch politisch. Wie sehr ...

Der zunächst 14-jährige Noah Derwisch, der Ich-Erzähler, ist wie sein Onkel Ali unter dem Regime Saddam Husseins in Bagdad nicht nur als Taubenzüchter aktiv, sondern zunehmend auch politisch. Wie sehr der Familienalltag von Gewalt, Willkür und Angst durchdrungen ist, wird eindrucksvoll, überzeugend beschrieben. Die Treue der Tauben, ihre stetige Rückkehr, gibt dem Jungen Halt in einer Zeit voller gewaltsamer Umbrüche durch die Mudschahedin. Öffentliche Bestrafungen wie Auspeitschungen und Steinigungen, sogar Schlimmeres lässt diese Menschen vergessen, wie man frei ist. Jugendliche Freundschaften lösen sich in diesem System aufgrund von politisch induzierten Ferienlagern leicht auf, können an Hitlers Jugendorganisation erinnern. Mit der Erwähnung der Operation Wandertaube tauchen Wortfetzen von im Untergrund agierenden Widerständlern wie Onkel Ali auf. Reflektionen, von ihm in teils philosophischer Art verfasst, vergleichen das Zusammenleben eines Taubenschwarms, einer umsichtigen, harmonischen Gemeinschaft, mit unseren jetzt herrschenden Religionen voller Konfliktbereitschaft und Machtkämpfen unter Männern im Kalifat. Das Taubenreich als letzter friedlicher Hoffnungsträger des Himmels wird verglichen mit dem von Menschen geschaffenen Monotheismus und deren immerwährender Suche nach Demokratie und Freiheit. Auch das Fehlen von Gleichberechtigung für Frauen in allen Weltreligionen wird thematisiert. Sehr interessant sind Informationen rund um die Taubenzucht, um die berühmte Brieftaube Cher Ami oder um die letzte Wandertaube Martha.
Wie schnell Noah besonders durch Onkel Alis Worte und Taten erwachsen werden muss, ist erschreckend. Denn sie leben im Kalifat in einer Welt, in der seine Aktivitäten den Tod bringen.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein großartiges Szenarium voller Spannung!

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Im Prolog geht es direkt zur Sache. Mysteriöse Umstände mit Angstschreien, seltsamem Lichteinfall in der Nacht, dazu kein Handyempfang inmitten von regnerischen Sturmböen, all das führt hin zu einer über ...

Im Prolog geht es direkt zur Sache. Mysteriöse Umstände mit Angstschreien, seltsamem Lichteinfall in der Nacht, dazu kein Handyempfang inmitten von regnerischen Sturmböen, all das führt hin zu einer über Tage dauernden Naturkatastrophe rund um Weilheim, an die Überschwemmungssituation im Ahrtal erinnernd. In fünf spannenden Teilen übernimmt zunächst Oberkommissarin Alexa Jahn von der Kripo in Weilheim, im Katastrophengebiet ohne Strom und teilweise ohne Handyempfang die lange Liste vermisst gemeldeter Personen und die Betreuung von Geretteten, bis sie sich mit ihrem Hund erst später um den Verbleib von zwei Wanderern in einem abseits gelegenen Naturschutzgebiet und altem Dreiseithof kümmern kann nach deren eingegangenem Notruf. Kapitelweise alternierend bearbeitet derweil Alexas Vater, Chefinspektor Bernhard Krammer, vom LKA Tirol von Innsbruck aus den Verbleib von sechs jungen Leuten auf einer Berghütte, ebenso geplagt von herbstlichen Regenböen. Eingebunden in kursiver Schrift sind geheimnisvolle Briefe einer Mutter an ihre Tochter, die sukzessive eine über viele Jahre dauernde Tragödie offenbaren. Mehrere üble Kräfte im Verborgenen thematisieren die Vergewaltigung von Frauen. Während der Aufklärung des ersten Mordes finden sich Alexa und ihr Vater Bernhard Krammer schließlich im Naturschutzgebiet, entdecken verschiedenste Fußspuren und lüften dabei Familiengeheimnisse übler Art. Währenddessen sorgen auch die sechs jungen Leute auf der Hütte ohne Strom, ohne Handyempfang und schlechter Selbstversorgungslage für dynamische Kapriolen übelster Art. Die finale Ermittlungsauflösung an mehreren Schauplätzen gelingt schlüssig und nachvollziehbar. Die physische und psychische Belastung während eines solchen mehrtätigen Katastropheneinsatzes wird einfühlsam beschrieben.
Ein großartiges Szenarium voller Spannung!

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Ein Cosy-Crime mit regionalem Flair

Prost, auf den Doktor
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Hauptkommissar Tischler, Oldtimer- und Ex-Biker-Fan, wird als kumpelhafter, sehr menschlicher Ermittler karikiert, der im ländlichen Brunngries, im touristisch interessanten Chiemgau ermittelt. Dialoge ...

Hauptkommissar Tischler, Oldtimer- und Ex-Biker-Fan, wird als kumpelhafter, sehr menschlicher Ermittler karikiert, der im ländlichen Brunngries, im touristisch interessanten Chiemgau ermittelt. Dialoge rund um sein Team sind oft humorvoll, seine Befragungen während der Ermittlungsarbeit wirken realistisch, nachvollziehbar und im Endresultat schlüssig. Die Beschreibung seines Freiheitsgefühls auf dem geliehenen Bike mit Retrocharme in Dehnungs-bedürftigem Leder-Outfit gefällt. Im naturverbundenen Ambiente beim Motorradtreffen zweier befreundeter Clubs kommen verschiedene Charaktere sozialer Couleur – vom Akademiker bis zum Hafenarbeiter – wirkungsvoll zum Tragen. Zahlreiche Nebenschauplätze, von touristisch bis kriminell tendierend, schmücken diesen Fall aus. Selbst Hundeliebhaber werden über Dackeldame Resi, bereits auf dem Cover erscheinend, angesprochen.
Ins Grübeln mag man verfallen über den Missstand, inwieweit die aufgedeckten illegalen Machenschaften des vermeintlichen Arztes Sebastian Burgegger tatsächlich in Deutschland möglich sein könnten. Darüber hinaus wird auf S. 12 der Grillwagen des Metzgers erwähnt, auf dem sich ein Spanferkel drehte und die Holzkohle bei Ankunft auf der Sauwiese knisterte - eine riskante Vorgehensweise mit Risikopotential unter einer Plane.
Insgesamt ein unterhaltsamer Kriminalroman mit Lokalkolorit!

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Eine lebendige Biographie von Kleopatra – aus ihrem Blickwinkel gesehen.

Kleopatra
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Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra ...

Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra Thea Philopator. Ich-Erzählerin, Königin der Könige mit 19 Jahren, kommt in ihrer Darstellung sehr menschlich als Mutter, liebende Ehefrau bzw. Geliebte daher. In dieser historischen Fiktion wird ihre Macht, Intelligenz und Kenntnis der Heilkünste besonders betont im Gegensatz zu römischen Darstellungen z. B. von Cicero oder Plutarch. Das Alltagsleben im Palast auf Antirhodos, der Insel im Hafenbecken des Osthafens von Alexandria, beginnt im Jahre 51 v. Chr. und endet 30 v. Chr. mit ihrer Flucht vor dem römischen Feldherrn Octavian, zusammen mit ihren Kindern durch eine Geheimtür. In dieser Zeitspanne agiert diese Pharaonin geschickt – mal listig mal weise – kämpft erfolgreich gegen ihre vier rachsüchtigen Geschwister, gegen Gerüchte, Verrat und Korruption an und verbessert Wirtschaft, Gesundheitswesen und allgemeinen Wohlstand. Die Wichtigkeit der damaligen Götterwelt mit ihren Tempeln und der Verleihung besonderer göttlicher Kräfte bzw. Flüchen wird lebendig widergespiegelt. Über Geschichtenerzähler – Hakawatis – wird anfangs auch die Geschichte der Ptolemäer nach dem Tod von Alexander dem Großen erzählt. Sowohl die friedlichen als auch die kriegerischen Verbindungen zu Rom mit Julius Caesar, Marcus Antonius und Octavian finden Berücksichtigung. Neben ägyptischer Kulturpflege wie z.B. den Herrscherkult der Ptolemäen spannen sich auch Szenen römischer Traditionen mit Gladiatorenspielen und Festumzügen mit Gefangenen durch den Roman.
Insgesamt erkennt man als Leser in Kleopatra eine Königin voller menschlicher Wärme, Intelligenz und Kampfgeist.

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