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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Struppig, stolz und absolut unvergesslich

Pulloverpferde
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Man schlägt dieses Buch auf und riecht plötzlich nasse Wolle, kalten Wind und ein bisschen Freiheit. Pulloverpferde ist keine glattpolierte Pferdegeschichte, sondern eine Liebeserklärung an Charakterköpfe ...

Man schlägt dieses Buch auf und riecht plötzlich nasse Wolle, kalten Wind und ein bisschen Freiheit. Pulloverpferde ist keine glattpolierte Pferdegeschichte, sondern eine Liebeserklärung an Charakterköpfe – auf vier Beinen und auf zwei. Diese kleinen, struppigen Wikingerpferde kommen nicht geschniegelt daher, sie kommen mit Haltung. Und genau das macht süchtig.

Zwischen den Seiten tauchen Bilder auf von Menschen, die keine Lust auf Reithallenstaub hatten, sondern auf Weite, Wetter und echtes Leben. Von Reitern, die lieber draußen frieren als drinnen funktionieren. Der Tölt wird hier nicht erklärt, er wird gefühlt. Viertakt, Herzschlag, Grinsen im Gesicht. Gedanken wandern unweigerlich zu eigenen Momenten im Sattel, zu diesem leisen Klick, wenn plötzlich alles passt.

Paul Maximilian Delb erzählt mit spürbarer Nähe, ohne Pathos, ohne Hochglanzfilter. Da ist Respekt vor dem Pferd, Respekt vor der Geschichte und Respekt vor all den Idealisten, die belächelt wurden – und am Ende doch alles verändert haben. Die Anekdoten wirken wie Gespräche am Lagerfeuer: ehrlich, manchmal rau, oft warm.

Pulloverpferde ist kein Buch für Perfektionisten. Es ist für Menschen, die sich lieber schmutzige Stiefel holen als saubere Ausreden. Für alle, die wissen wollen, warum diese Pferde nicht nur getragen wurden wie ein Pullover, sondern Herzen wärmen konnten. Am Ende bleibt dieses Gefühl, das lange nachhallt: Man war dabei. Und man will mehr davon.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Wenn klassische Literatur unter die Haut geht

Frankenstein
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Dunkel, elegant und von einer stillen Grausamkeit durchzogen entfaltet sich diese Ausgabe von Frankenstein wie ein literarisches Kunstobjekt, das man nicht nur liest, sondern erlebt. Mary Shelleys Geschichte ...

Dunkel, elegant und von einer stillen Grausamkeit durchzogen entfaltet sich diese Ausgabe von Frankenstein wie ein literarisches Kunstobjekt, das man nicht nur liest, sondern erlebt. Mary Shelleys Geschichte wirkt hier zeitloser denn je, weil sie nicht allein vom Monster erzählt, sondern von menschlicher Hybris, Verlust und der verzweifelten Sehnsucht nach Anerkennung. Die Sprache bleibt klar und kraftvoll, während sich darunter eine emotionale Schwere ausbreitet, die lange nachhallt.

Besonders berührend ist die Ambivalenz zwischen Schöpfer und Geschöpf. Viktor Frankensteins Besessenheit fühlt sich erschreckend modern an, sein moralisches Versagen beinahe schmerzhaft nahbar. Gleichzeitig wächst Mitgefühl für die Kreatur, deren Einsamkeit und Verzweiflung tief unter die Haut gehen. Kaum ein Klassiker schafft es so eindringlich, Schuld und Verantwortung in ein emotionales Spannungsfeld zu setzen, das bis heute funktioniert.

Die opulente MinaLima-Gestaltung hebt den Roman auf eine neue Ebene. Interaktive Elemente, Illustrationen und haptische Details verstärken die düstere Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Jede Seite wirkt liebevoll durchdacht und macht das Buch zu einem Erlebnis für Augen und Hände. Kleinere inhaltliche Längen sind dem Alter des Textes geschuldet, fallen jedoch kaum ins Gewicht.

Diese Schmuckausgabe ist kein bloßes Sammlerstück, sondern eine intensive Begegnung mit einem Klassiker, der verstört, fasziniert und emotional fordert. Ein Buch, das man ehrfürchtig schließt – und gedanklich noch lange nicht loslässt.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Monster, Mut und Herzklopfen im Doppelpack

Suri, die Monsterjägerin
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Schon auf den ersten Seiten liegt dieses Kribbeln in der Luft, das sagt: Zurück in einer Welt, die gefährlich ist, aber trotzdem warm. Suri ist allein unterwegs, getrennt von ihrer fahrenden Familie, und ...

Schon auf den ersten Seiten liegt dieses Kribbeln in der Luft, das sagt: Zurück in einer Welt, die gefährlich ist, aber trotzdem warm. Suri ist allein unterwegs, getrennt von ihrer fahrenden Familie, und genau dieser Moment hat direkt gesessen. Kurzer Blick zur Couch rüber, zustimmendes Nicken von meiner Tochter. Ja, das fühlt sich echt an. Verloren sein, aber nicht zerbrechen.

Byron, dieser riesige Hund, ist sowieso sofort unser heimlicher Star geworden. Beim Lesen immer wieder ein leises „Der ist so cool“ neben mir, während ich innerlich dachte: Genau so schreibt man Bindung zwischen Mensch und Monster. Ohne Kitsch, mit Herz. Die Reise zu den Riesen fühlt sich groß an, gefährlich, manchmal düster – und dann wieder überraschend humorvoll. Besonders der Maulwurfkönig. Abwechselnd gelesen, gegenseitig vorgelesen, und bei manchen Szenen gleichzeitig lachen müssen, weil diese Figur einfach herrlich schräg ist.

Was richtig stark ist: Das Gold. Nicht als schnelle Lösung, sondern als moralische Stolperfalle. Mehr als einmal kam beim Lesen die Frage auf, ob Reichtum wirklich hilft oder alles komplizierter macht. Kleine Pause, kurzer Austausch, weiterlesen. Genau dafür liebe ich Buddyreads. Geschichten, die Gespräche starten, ohne belehrend zu sein.

Der Zeichenstil trägt das alles perfekt. Detailreich, ausdrucksstark, manchmal düster, dann wieder weich und verspielt. Mehr als einmal blieb der Blick länger auf einer Seite hängen, bevor es weiterging. Dieses Buch erzählt nicht nur, es atmet. Am Ende saßen wir da, Buch zu, beide zufrieden, beide ein bisschen traurig, dass es vorbei ist – und ziemlich sicher, dass Band drei sofort einziehen muss.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Ein Dackel, der mehr weiß als gedacht

Vom Glück unserer Freundschaft
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Manchmal reicht ein Dackel, um die großen Fragen des Lebens zu beantworten. Genau so einer sitzt hier zwischen den Seiten, hört zu, schaut klug und sagt Dinge, die gleichzeitig einfach und tief sind. Beim ...

Manchmal reicht ein Dackel, um die großen Fragen des Lebens zu beantworten. Genau so einer sitzt hier zwischen den Seiten, hört zu, schaut klug und sagt Dinge, die gleichzeitig einfach und tief sind. Beim Vorlesen auf dem Sofa wird schnell klar: Dieses Buch will nicht beeindrucken, sondern begleiten.

Die Geschichte von Anna und Happy fühlt sich an wie ein leises Gespräch am Abend. Worte, die nicht drängen, sondern bleiben. Während gelesen wird, rutscht meine Nichte näher, tippt auf die Illustrationen und meint trocken: „Der Hund weiß voll viel.“ Stimmt. Und plötzlich sind da Sätze, die hängen bleiben – nicht als Belehrung, sondern wie warme Gedanken, die sich festsetzen.

Zwischendurch kommt Gelächter. Ein Dackelblick hier, eine Seite später Stille. „Das bin bisschen ich“, flüstert sie und schaut schnell weg. Genau da liegt die Magie dieses Buches. Es trifft, ohne zu zielen. Es tröstet, ohne Drama. Und es stärkt, ohne laut zu werden.

Besonders schön: die Affirmationen, die nicht nach Kalenderblatt klingen, sondern nach ehrlicher Ermutigung. Beim Umblättern wird diskutiert, genickt, manchmal einfach nur geschwiegen. Ein gemeinsamer Moment, der größer ist als die Seitenzahl. Goldfolie auf dem Cover, aber das eigentliche Funkeln passiert innen.

Am Ende bleibt dieses warme Gefühl, wenn man weiß: Das hier war nicht nur Vorlesen. Das war Zusammensein. Ein Buch, das leise Mut macht, Nähe schafft und zeigt, dass Freundschaft manchmal vier Beine hat. Fünf Sterne, ohne nachzudenken.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Ein Roman, der unter die Haut geht

Der andere Arthur
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Schon auf den ersten Seiten hat mich Der andere Arthur gepackt und nicht mehr losgelassen. Ich bin sofort in Arthurs stilles, schweres Leben hineingezogen worden, in dieses Haus voller Bücher, Erinnerungen ...

Schon auf den ersten Seiten hat mich Der andere Arthur gepackt und nicht mehr losgelassen. Ich bin sofort in Arthurs stilles, schweres Leben hineingezogen worden, in dieses Haus voller Bücher, Erinnerungen und verpasster Chancen.
(Zitat: „… ᴅᴀꜱ ɪꜱᴛ ᴍᴇɪɴᴇ ᴋʟᴇɪɴᴇ ᴡᴇʟᴛ …“)

Liz Moore erzählt mit einer Wärme, die mich tief berührt hat, ohne jemals kitschig zu werden. Besonders die Verbindung zwischen Arthur und Kel hat mich emotional abgeholt: zwei Menschen, die auf so unterschiedliche Weise kämpfen und doch dieselbe Einsamkeit kennen.

Beim Lesen habe ich immer wieder innegehalten, weil mich kleine Gesten, leise Gedanken und unausgesprochene Schuldgefühle überrascht haben. Moore schreibt so bildhaft, dass ich den engen Flur, das Warten an der Haustür und Kels innere Zerrissenheit förmlich spüren konnte.

Der Roman zeigt für mich eindrucksvoll, wie Nähe dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und habe das Buch in kurzer Zeit verschlungen. Eine Geschichte über Menschlichkeit, die lange nachhallt.

(Zitat: „ᴅᴇʀ ʟᴇᴛᴢᴛᴇ ᴜɴᴅ ᴡɪᴄʜᴛɪɢꜱᴛᴇ ᴘᴜɴᴋᴛ: ɪᴄʜ ɢᴇʜᴇ ɴɪᴄʜᴛ ᴍᴇʜʀ ᴀᴜꜱ ᴅᴇᴍ ʜᴀᴜꜱ.“)

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