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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2022

Rätsel der Geschichte

Ein Präsident verschwindet
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Der Krieg ist vorbei, aber Deutschland ist gespalten. Verschiedene Siegermächte und diverse Ideologien trennen das Land und seine Bewohner. Kommunismus steht dem Kapitalismus gegenüber. Der Krieg ist vorbei, ...

Der Krieg ist vorbei, aber Deutschland ist gespalten. Verschiedene Siegermächte und diverse Ideologien trennen das Land und seine Bewohner. Kommunismus steht dem Kapitalismus gegenüber. Der Krieg ist vorbei, aber Frieden herrscht noch lange nicht.

Ein Bild erregt die Gemüter in West-Berlin: Der Verfassungsschutzpräsident Otto John in Ost-Berlin. Was macht er dort? Wurde er entführt oder überschritt er freiwillig die Grenze? Philipp Gerber soll das herausfinden. Der Geheimdienst hat bereits einen Verdacht, den er bestätigen soll: eine junge Frau soll Otto John zum Übertritt animiert haben. Doch Gerber zweifelt diese Aussage an: denn diese Frau ist niemand anderes als seine Geliebte Eva Herden. Und dass kann er nun wirklich nicht glauben. So etwas würde Eva niemals tun! Oder etwa doch?

Sprache und Stil

Gliedsätze, bildhafte Szenenbeschreibungen und unterschiedliche deutsche Dialekte prägen den Erzählstil von Ralf Langroth. Es ist verständlich und leicht geschrieben. Immer wieder spielt der Autor auf den Vorgängerband an, aber es stört nicht, wenn man diesen, wie ich, nicht gelesen hat. Ein abrupter Einstieg ins Buch, überraschende Wendungen, relativ kurze Kapitel und eine rasche Erzählweise machen es praktisch unmöglich das Buch aus der Hand zu legen.

Das Cover

Wie auch bei „Die Akte Adenauers“ prangt am
Umschlag des Buches ein altes Foto aus dieser Zeit. Der grünliche Schimmer sowie die Schreibmaschinenartige Schrift kombiniert mit dem historischen Foto versetzen einen sofort in die Zeit, in der die Handlung des Thrillers angesetzt wird. Der Buchtitel sowie der Klappentext versprechen ein interessantes Leseerlebnis von einer Zeit, die viele noch selbst erlebt haben, die ich selbst jedoch nur aus Erzählungen kenne.

Fazit

„Ein Präsident verschwindet“ ist ein hervorragend recherchiertes Buch, das durch wechselnde Erkenntnisse und aktionsgeladene Szenen ein angenehmes Leseerlebnis dargestellt hat. Langweilig war es nie, aber der Schluss war für mich persönlich etwas zu rosig, aber das ist reine Geschmackssache.

Ein politischer Thriller aus der Nachkriegszeit – für Interessierte auf jeden Fall empfehlenswert. Wer bei dem Thriller auf blutige und psychische Extremfällte der Menschheit treffen will, ist hier jedoch an der falschen Adresse.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2021

Ein Leben am Meer

Neuanfang in Porthmellow
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Zum Buch

Knapp sieben Jahre ist es her, dass Marinas Mann Nate von seinem Ausflug mit dem Boot nicht zurückgekehrt ist. Verschollen in den Wellen. Als Andenken an ihn errichtet Marina in Porthmellow eine ...

Zum Buch

Knapp sieben Jahre ist es her, dass Marinas Mann Nate von seinem Ausflug mit dem Boot nicht zurückgekehrt ist. Verschollen in den Wellen. Als Andenken an ihn errichtet Marina in Porthmellow eine Wachstation, damit solch ein Unglück in Zukunft verhindert werden kann. Als sie den attraktiven Lachlan kennenlernt, stellt sie sich zum ersten mal seit Jahren die Frage, ob sie bereit ist, ihren Mann endgültig loszulassen und neu anzufangen.
Sie bekommt Besuch von ihrer Cousine Tiff, deren Leben gerade alles andere als rosig verläuft. Sie braucht eine Auszeit und das ruhige Porthmellow kommt ihr gerade recht. Doch dann trifft Tiff auf Marinas attraktiven, aber grimmigen Nachbar Dirk und das mit der Ruhe ist leichter gesagt als getan.

Sprache, Stil und Spanungsbogen

Zahlreiche Dialoge und schlichter Satzaufbau ermöglichen ein angenehmes Leseerlebnis. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Sichten der beiden Frauen geschildert, die sehr unterschiedliche Blickwinkel auf das Leben und auf Menschen besitzen. Die Geschichte beginnt als Idyllisches Dorfleben. Mit der Zeit beginnt die Fassade zu bröckeln. Versteckter Schmerz, Ängste und Vorurteile finden ihren Weg nach draußen und ermöglichen, die Charaktere besser kennen zu lernen und zu verstehen.

Ein Dorf am Meer

Von der ersten Seite an spürt man die Nähe zum Meer. Ein kleines Dorf. Jeder kennt jeden. Eine funktionierende Gemeinschaft und das Gefühl von Sommer. Ideal, um ein Gefühl von Freiheit zu verspüren. Bildhafte und gefühlsreiche Beschreibungen führen zu Kino im Kopf und einem einzigartigen Leseerlebnis.

Die Charaktere

Marina ist ein sehr bodenständiger und sensibler Mensch. Sie glaubt fest an das Gute im Menschen. Erst durch ihre Begegnung mit Lachlan beginnt sie, Nates Tod wirklich zu verarbeiten und ihn Stück für Stück loszulassen. Ein wahnsinnig liebevoller Charakter, den man einfach ins Herz schließen muss.

Tiff ist das absolute Gegenteil von Marina. Sarkastisch und skeptisch analysiert sie die Menschen um sich herum. Hinter ihrer schillernden Fassade versteckt sich ein weicher Kern, den sie nicht gern zur Schau stellt. Die Maske fallen zu lassen bedeutet auch, verletzlich zu sein.

Fazit

Normalerweise habe ich es nicht so mit Liebesromanen. Aber dieser hier hat mir echt gut gefallen. Die traumhafte Gegend, die detaillierten und bildhaften Beschreibungen und das pure Gefühl von Sommer machen es möglich, dieses scheußliche Virus einmal zu vergessen und abzutauchen in den Urlaub, der uns allen verwehrt wurde. Persönliche Probleme und Herausforderungen prägen die Charaktere. Sie alle entwickeln sich weiter, machen Schritte aufeinander zu. Das Leben wird greifbar nah in diesem Roman, der von Beginn an verzaubert.
Ein berührendes Buch über Trauer und Neuanfang. Von Mut und Herzlichkeit. Absolut empfehlenswert.

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  • Gefühl
Veröffentlicht am 03.02.2026

Tödliche Beziehungen

The Exes
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Mit den ersten Zeilen ist der Leser/die Leserin bereits mitten im Geschehen. Die Ehe von Natalie und ihrem Mann James scheint auf Messers Schneide zu stehen, auch wenn der Grund dafür vorerst noch im Verborgenen ...

Mit den ersten Zeilen ist der Leser/die Leserin bereits mitten im Geschehen. Die Ehe von Natalie und ihrem Mann James scheint auf Messers Schneide zu stehen, auch wenn der Grund dafür vorerst noch im Verborgenen liegt. Die Unsicherheit, die Natalie ausströmt, greift bereits nach wenige Seiten auf den/die unbeteiligten Beobachter/in über. Der weinende Ehemann in dem einen Zimmer, die Hausparty im unteren Stock reflektiert sie über ihre bereits vergangenen und gescheiterten Beziehungen mittels Zeitsprüngen und Briefen, die sie offenbar selbst einmal verfasst hatte.

Schritt für Schritt zieht die Autorin ihre Leserinnen und Leser hinein in das dramatische Leben von Natalie, deren Händchen für die falschen Männer den Grundstock für die Geschichte legt. Gemeinsam mit der Psychologin blättern wir Schicht um Schicht von ihrem Leben auf, um durch die neuentdeckten Informationen einen völlig neuen Blick auf die Gesamtsituation zu bekommen.

Das Erste, was mir ins Auge stach, war der Titel. The Exes erinnerte mich stark an einen Steve McQueen, der einen Film über Witwen drehte. Waren die Frauen dort gezwungen, die dunklen Machenschaften ihrer Männer aufzunehmen, um einer Strafe zu entgehen, so scheint die Gefahr in dieser Geschichte von Natalie selbst auszugehen. Die intensiven, aus der ich-Perspektive geschriebenen Passagen, die durch die Zeiten springen, wechseln sich ab mit inneren Monologen und Briefen, die über Vergangenes reflektieren.

Trotz der regelmäßigen Wechsel zwischen Erzähler/in und Zeiten gelingt es der Autorin, unentwegt Spannung aufzubauen. Langsam, aber unaufhörlich, dringen wir immer tiefer in die Vergangenheit von Natalie ein, lernen sie und vor allem, die Menschen in ihrem Leben besser kennen. Die stete Bedrohung, dass ihr vergangenes Leben ihr aktuelles zerstört, hängt wie ein Damoklesschwert über ihr und schnell steht sie vor der Frage, wie weit sie gehen darf, um ihr Leben, wie sie es kennt, zu beschützen.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Ein absoluter Gewinn

We are Austria
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Es ist kein Buch, dass einmal gelesen wird, nur um anschließend im Regal zu verstauben. Das knallige Cover gepaart mit dem beinahe Comicartigen Design sticht einfach heraus.

Auf 170 bunten Seiten werden ...

Es ist kein Buch, dass einmal gelesen wird, nur um anschließend im Regal zu verstauben. Das knallige Cover gepaart mit dem beinahe Comicartigen Design sticht einfach heraus.

Auf 170 bunten Seiten werden 77 faszinierende Österreicherinnen vorgestellt, einige bekannt, andere weniger aber eines verbindet sie alle: sie haben ihr Schicksal nicht einfach angenommen sondern sind aufgestanden, haben für ihr Ziel gekämpft: von der Kaiserin Maria Theresia über die Fußballlegende Edith Klinger bis hin zu Christina Stürmer. In kurzen, steckbriefartigen Erzählungen in einfacher Sprache und aus der jeweiligen Sichtweise der Frau werden die Namen zu Geschichten und die Geschichten zu Inspirationen.

Alphabetisch, nach Vornamen, reihen sich die Portraits aneinander, eine Seite Text, dazu eine Seite mit einer Abbildung, im Stil von Andy Warhol. Zusätzlich zeigen die jeweiligen Linien unterhalb des Namens an, in welchem Bereich die Frau gewirkt hat: in der Politik, in der Wissenschaft, im Sport, in der Kunstszene, der Literatur oder in anderen Bereichen.

"We are Austria" ist ein Buch, das immer wieder den Weg in die Hände der Leserinnen und Leser findet: als Nachschlagewerk, als Inspirationsquelle oder einfach Neugierde. Ein Buch, gefüllt mit Geschichten, die die Welt, wie wir sie kennen, geprägt und geformt haben und es immer noch tun.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Politik ist ein Kuhhandel zwischen Bettlern

Die Schatten der Solaren Union
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„Politik ist ein Kuhhandel zwischen Bettlern“

Diese Worte legte John Pielmeier dem von Ken Follett erschaffenen Priester Waleran Bigod in der Verfilmung von „Die Säulen der Erde“ in den Mund. Der vom ...

„Politik ist ein Kuhhandel zwischen Bettlern“

Diese Worte legte John Pielmeier dem von Ken Follett erschaffenen Priester Waleran Bigod in der Verfilmung von „Die Säulen der Erde“ in den Mund. Der vom Ehrgeiz Zerfressene nutzt jeden Weg, um an die Macht zu kommen und, was noch wichtiger ist, auch dort zu bleiben.
Dieselbe Skrupellosigkeit, dieselbe Mentalität bildet das Kernstück dieses Buches.

„Die Schatten der Solaren Union“ ist gespickt mit politischen Intrigen, von Machtgier und von fehlgeleiteten Idealen.
Die Geschichte beginnt mit der Wahl um die interstellare Präsidentschaft. Von Anfang an wackelt das sensible Gerüst der bestehenden Koalition, an dem die Konkurrenten weiterhin kräftig sägen.

Obwohl mich sowohl der Klappentext, als auch die Leseprobe faszinierten, war ich anfangs skeptisch. Science-Fiktion ist ein eher unbekanntes Territorium für mich und die zahlreichen Namen und deren Beziehungen zueinander, stellten Anfangs eine gewisse Herausforderung für mich dar.

Aber, einmal über der Schwelle, ist es wie ein Mahlstrom. Die Ereignisse überschlagen sich und immer schneller bröckelt die scheinheilige Fassade. Niemand hat eine weiße Weste, alle verschweigen das wahre Ziel.
Menschen und Schicksale werden zu Schachfiguren auf dem Spielbrett der Macht. Verlogene Versprechen, rhetorische Hetze und taktische Lügen bringen die Bevölkerung zum Brodeln.

Der Autor erschuf in seinem Buch eine Star-Wars-ähnliche Situation, in der die Menschen den Sprung in das Weltall geschafft haben und, wie Menschen nun mal sind, wollen sie auch Interstellar gesehen ein enormes Reich gründen, an dessen Spitze jemand die gesamten menschlichen Zivilisationen vereinen soll. Auch in diesen Konstellationen gibt es territoriale Ungleichheiten, Kampf um Ressourcen und unterschiedlichste Ethnische Ansichten.

„Im Schatten der Solaren Union“ ist ein Buch, welches, trotz rasantem Tempo und Einstieg, etwas braucht, um zu fesseln. „Der Zweck heiligt die Mittel“, so das Motto (fast) aller Beteiligten, was es zu Beginn schwer macht, eine verständliche Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Dann aber wird es zu einem Buch, das einen nicht mehr los lässt, das mit seinem enormen Tempo zum Weiterlesen animiert und auf jeden Fall auf die Fortsetzung hoffen lässt.
Und dann ist da noch die Sache mit der Vanille…

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