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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2026

Neuanfang mit Gefühl

Mathilde und Marie
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Wie der Zufall es will, landet Marie an einem Wendepunkt ihres Lebens im kleinen Dorf Redu - dort, wo die Uhren langsamer gehen, die Menschen noch Zeit für einander haben und das Internet noch nicht den ...

Wie der Zufall es will, landet Marie an einem Wendepunkt ihres Lebens im kleinen Dorf Redu - dort, wo die Uhren langsamer gehen, die Menschen noch Zeit für einander haben und das Internet noch nicht den Alltag beherrscht. Schnell gewinnt sie die Sympathien der Dorfbewohner für sich und als sich auch die reservierte Mathilde ihre Vorbehalte ad acta legt und sich öffnet, fühlt sich Marie zunehmend als ein Teil der Gemeinschaft. Als sie schließlich gebeten wird, einen Buchladen in Redu zu übernehmen, tut sie das nur allzu gerne.

Torsten Woywod ist mit "Mathilde und Marie" ein wunderschönes, atmosphärisches Buch gelungen. Die Charaktere sind unglaublich sympathisch und da das Buch jedem von ihnen genug Raum lässt, hat man während des Lesens das Gefühl, sie Seite für Seite besser kennenzulernen. Redu ist verschlafen, man spürt die Ruhe, die der Ort ausstrahlt und man fühlt sich auch irgendwie "angekommen".

"Mathilde und Marie" ist kein Buch der großen Handlungen, es ist eher ein Buch der Gefühle, der Stimmungen, des Miteinanders. Es ist ein Buch, das durch eine wunderschöne Sprache überzeugt und das die Ruhe spüren lässt, die in dem kleinen Dorf herrscht. Manchmal braucht es nicht viel um glücklich zu sein. Die Menschen um einen und die Situationen, die man teilt sind oft so viel mehr als die großen Abenteuer. Und genau das strahlt das Buch aus.

Für mich war "Mathilde und Marie" ein ganz großes Lesevergnügen, ein Buch des Genusses und der schönen Worte, das ich sehr gerne allen empfehle, die gerne zwischen den Zeilen lesen und für die weniger manchmal mehr ist.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Am Ende siegt die Liebe

Für Polina
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Hannes und Polina wachsen zusammen auf, und schon bald entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die von beiden etwas unterschiedlich interpretiert wird. Nach einem Streit verlieren sich Hannes und ...

Hannes und Polina wachsen zusammen auf, und schon bald entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die von beiden etwas unterschiedlich interpretiert wird. Nach einem Streit verlieren sich Hannes und Polina aus den Augen und nach einer langen Phase der Trauer beginnt Hannes wieder, Musik zu machen. Zaghaft startet er am Klavier, und schnell nehmen die Klänge Überhang und Hannes findet sich plötzlich auf den großen Bühnen Europas wieder. Er spielt und spielt - nicht für sich selbst, nicht für sein Publikum, nein, er spielt nur für Polina.

Takis Würger ist mit "Für Polina" eine wunderschöne Liebesgeschichte gelungen. Eine Geschichte voller Verwirrungen, voll Tragik und doch voll von Gefühl. Die beiden Protagonisten sind absolut sympathisch, Hannes möchte man in seiner Unbeholfenheit und in seiner Traurigkeit am liebsten in den Arm nehmen und man hofft so sehr für ihn, dass er sich nach etlichen Schicksalsschlägen endlich in den richtigen Armen wiederfindet. Polina versprüht Energie und während sie anfangs die Fäden in der Hand hat, verlieren wir sie im Laufe der Geschichte ein bisschen aus den Augen.

"Für Polina" ist ein tragisch-schönes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte, ein Buch, das sehr viel zwischen den Zeilen beinhaltet und dennoch in einer Sprache geschrieben ist, die Leichtigkeit verströmt. So traurig manche Episoden auch sind, irgendwie hat man während des Lesens dennoch das Gefühl, dass das Leben weiter geht und dass das noch nicht alles gewesen sein kann. Und während Hannes immer wieder zu kämpfen hat, gibt er niemals wirklich auf. Das Buch nimmt einen mit, in ein Leben, das am Limit vorbeischrammt und dennoch in seiner Einfachheit so viel Positives ausstrahlt.

Takis Würgers "Für Polina" hat mir gefühlvolle Lesestunden beschert. Ich habe mit Hannes und Polina mitgefiebert, mitgetrauert und mitgehofft. Es war wunderschön, die Liebesgeschichte der beiden von außen verfolgen zu dürfen und sich trotzdem ganz nahe dabei zu fühlen. Für mich ist das Buch bestimmt eines der Lesehighlights des heurigen Jahres und ich empfehle es sehr, sehr gerne an alle weiter, die eine Geschichte mit Tiefgang mögen, die Spuren hinterlässt und trotzdem glücklich macht.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Im Zwiespalt zwischen den Kulturen

Trag das Feuer weiter
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"Trag das Feuer weiter" von Leïla Slimani ist der dritte und letzte Band einer Familientrilogie, die das Leben und die Entwicklung der Familie Belhaj-Daoud über mehrere Generationen schildert. Beruhend ...

"Trag das Feuer weiter" von Leïla Slimani ist der dritte und letzte Band einer Familientrilogie, die das Leben und die Entwicklung der Familie Belhaj-Daoud über mehrere Generationen schildert. Beruhend auf ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Slimani über eine Familie im Zwiespalt zwischen den Kulturen. Teilweise mit französischen und teilweise mit marokkanischen Wurzeln meistern die Generationen viele interkulturelle Schwierigkeiten, erfreuen sich aber auch an den Vorteilen, die beide Seiten bieten.

Im dritten Band steht nun Mia im Mittelpunkt, die zum Studium nach Frankreich zieht und Schriftstellerin wird, im Rahmen einer Erkrankung aber wieder in ihre Heimat Marokko zurück kommt und den Wurzeln ihrer Familie auf ihre eigene Art auf den Grund geht. Gleichzeitig entwickeln sich natürlich auch ihre Eltern und Großeltern weiter und haben mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen, die Slimani auf sehr ansehnliche Art und Weise schildert, in einer Sprache, die vieles offenlegt und die die Lebensumstände der Familie sehr bildhaft darstellt.

Das Buch entführt in das Marokko des ausklingenden 20. Jahrhunderts und wir dürfen die Familie Balhaj-Daoud über 2 Jahrzehnte begleiten. Aufgrund der detaillierten Erzählungen hat man das Gefühl, die Familie Seite für Seite besser kennenzulernen, auch ohne die beiden ersten Bände zu kennen, kann man der Geschichte leicht folgen.

Auf mich wirkte das Buch wie ein Kampf - ein Kampf, zwischen den Kulturen seine Identität nicht zu verlieren, sich selbst treu zu bleiben, ein Kampf zwischen Tradition und Aufbruch. Während auf der einen Seite Traditionelles hoch gehalten wird, zeigt man sich auf der anderen Seite sehr aufgeschlossen. Die Mutter der Familie ist erfolgreiche Gynäkologin, Mia selbst entdeckt, dass sie homosexuell ist, Vater Mehdi schickt seine beiden Töchter nach Frankreich, um ihnen die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Gleichzeitig werden Riten gepflegt, wie sie in Marokko offenbar schon seit Jahrtausenden Tradition haben. Genau dieser Zwiespalt und dieser Kampf sind es, die das Buch so lesenswert und so interessant machen, die einem ermöglichen, sich selbst in das Leben von Menschen zwischen den Kulturen einzufühlen.

Die Geschichte von Mia und ihrer Familie ist kein Einzelfall, unzählige Menschen leben in diesem ständigen Konflikt mit sich selbst und mit ihrer Herkunft. Auch wenn man selbst nicht davon betroffen ist, so findet man diese Menschen überall und genau deshalb sind Bücher wie "Trag das Feuer weiter" so wichtig. Sie öffnen uns die Augen, sie erweitern unseren Horizont und zeigen und die täglichen Probleme, mit denen Menschen zu kämpfen haben. Wenn sie dann auch noch so schön geschrieben sind, wie Leïla Slimanis Trilogie, ist das eine große Bereicherung! Chapeau!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Iim Schicksal vereint - ein Leben lang

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Margret und Hardy, 2 Heimkinder, die sich in frühester Kindheit in einem Heim kennen lernen und die das Leben nie mehr von einander trennt. 2 Kinder, die einsamer nicht sein können und trotzdem das Glück ...

Margret und Hardy, 2 Heimkinder, die sich in frühester Kindheit in einem Heim kennen lernen und die das Leben nie mehr von einander trennt. 2 Kinder, die einsamer nicht sein können und trotzdem das Glück haben, einander zu finden. Dem Schicksal zum Trotz meistern sie gemeinsam die schwierigsten Situationen und halten sich gegenseitig am Leben. Was einst als Kinderfreundschaft in der Not begann, entwickelte sich zur ganz großen Liebe und obwohl die Vergangenheit schwer auf Margret und Hardy lastet, finden sie dennoch ihr gemeinsames Glück.

Susanne Abel ist mit "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" ein großartiges Buch gelungen. Ein Buch, das unter die Haut geht, das zu Tränen rührt, erschüttert, aber gleichzeitig froh macht und die Kraft der Liebe spüren lässt. So traurig das Schicksal der beiden Heimkinder auch ist, so sehr ihre Vergangenheit sie auch bis ins hohe Alter belastet, so sehr sind die beiden voller Hoffnung und Kraft und meistern zusammen die Schwierigkeiten des Alltags auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Von Anfang an gewinnen Hardy, Margret und im Verlauf auch ihre Urenkelin Emily die Sympathie der Leser. Man leidet mit ihnen mit, freut sich auch über kleine Erfolge, und gerade Hardy verleitet durch seine direkte und etwas unbeholfene Art auch manchmal zum Schmunzeln.

"Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" ist ein Buch das nachwirkt. Auch wenn Margrets und Hardys Geschichte Fiktion ist, so haben sich ähnliche Schicksale mannigfach abgespielt und beeinflussen nach wie vor das Leben unzähliger Menschen. Die schlimmen Erlebnisse, der Missbrauch im Kinderheim, die verlorenen Chancen, die sich nie mehr nachholen lassen und die Nachwirkungen, die all das Geschehene ihr ganzes Leben lang hat, ja, die sogar bis in die nächsten Generationen weiter gegeben wird, all das sind Themen, die bewegen und erschüttern. Susanne Abel ist es gelungen, all das auf eine verständliche und gleichzeitig so einfühlsame Art zu erzählen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Mir hat "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" unglaublich gut gefallen. In der ganzen Tragik, die in dem Buch verborgen ist, war es wunderschön zu lesen, hat so viele Emotionen geweckt und ist auf jeden Fall eines meiner Lesehighlights dieses Jahres.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Der Alltag einer Frau in den "Besten Jahren"

Ja, nein, vielleicht
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Unsere namenlose Protagonistin befindet sich in den sogenannten "besten Jahren". Vieles ist nicht mehr so einfach, wie es früher war, das ein oder andere Problem tut sich auf und trotzdem gibt es für alles ...

Unsere namenlose Protagonistin befindet sich in den sogenannten "besten Jahren". Vieles ist nicht mehr so einfach, wie es früher war, das ein oder andere Problem tut sich auf und trotzdem gibt es für alles eine Lösung.

Erste gesundheitliche Wehwehchen sind ebenso Thema wie das mittlerweile baufällig gewordene Haus, das "Empty Nest" in dem sich unsere Erzählerin nach dem Auszug ihrer Kinder befindet oder Beziehungs- oder Nicht-Beziehungs-Dramen. Es gilt Entscheidungen zu treffen, die trotz aller bereits gesammelter Lebenserfahrung neu sind und mit denen man bisher einfach noch nicht konfrontiert war. Es sind keine großen Geschichten, die hier beschrieben werden, sondern Alltagsthemen, die trotzdem ganz groß werden können und viel Raum und Zeit einnehmen, und es geht um Emotionen, die wir bisher nicht kannten und die uns überraschen, es geht um Beziehungen, Freundschaften und letzten Endes eine Änderung des Fokus in dieser Lebenssituation.

Doris Knecht ist mit "Ja, nein, vielleicht" ein großartiges Buch über den Alltag einer Frau in der Mitte ihres Lebens gelungen. Pointiert schildert sie die alltäglichen Situationen und Schwierigkeiten, die sich plötzlich auftun, Entscheidungen, die getroffen werden müssen, mit denen man aber gar nicht gerechnet hätte. Während man glaubt, mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben, ist die Gegenwart voll von Überraschungen und soll den Weg ebnen für eine erfüllte Zukunft.

Genauso bunt wie das Cover ist die Geschichte, die das Leben schreibt. Knecht schildert sie anschaulich und als ebenfalls "Frau in den besten Jahren" habe ich mich an so vielen Stellen wiedergefunden und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Nicht nur die realitätsnahen Episoden, die hier mit viel Herz geschildert werden machen "Ja, nein, vielleicht" zu einem großen Lesevergnügen, sondern auch die Sprache, in der es geschrieben ist, detailgetreu und trotzdem auf den Punkt gebracht. Eine ganz große Leseempfehlung!

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