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Veröffentlicht am 03.02.2026

Im Zwiespalt zwischen den Kulturen

Trag das Feuer weiter
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"Trag das Feuer weiter" von Leïla Slimani ist der dritte und letzte Band einer Familientrilogie, die das Leben und die Entwicklung der Familie Belhaj-Daoud über mehrere Generationen schildert. Beruhend ...

"Trag das Feuer weiter" von Leïla Slimani ist der dritte und letzte Band einer Familientrilogie, die das Leben und die Entwicklung der Familie Belhaj-Daoud über mehrere Generationen schildert. Beruhend auf ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Slimani über eine Familie im Zwiespalt zwischen den Kulturen. Teilweise mit französischen und teilweise mit marokkanischen Wurzeln meistern die Generationen viele interkulturelle Schwierigkeiten, erfreuen sich aber auch an den Vorteilen, die beide Seiten bieten.

Im dritten Band steht nun Mia im Mittelpunkt, die zum Studium nach Frankreich zieht und Schriftstellerin wird, im Rahmen einer Erkrankung aber wieder in ihre Heimat Marokko zurück kommt und den Wurzeln ihrer Familie auf ihre eigene Art auf den Grund geht. Gleichzeitig entwickeln sich natürlich auch ihre Eltern und Großeltern weiter und haben mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen, die Slimani auf sehr ansehnliche Art und Weise schildert, in einer Sprache, die vieles offenlegt und die die Lebensumstände der Familie sehr bildhaft darstellt.

Das Buch entführt in das Marokko des ausklingenden 20. Jahrhunderts und wir dürfen die Familie Balhaj-Daoud über 2 Jahrzehnte begleiten. Aufgrund der detaillierten Erzählungen hat man das Gefühl, die Familie Seite für Seite besser kennenzulernen, auch ohne die beiden ersten Bände zu kennen, kann man der Geschichte leicht folgen.

Auf mich wirkte das Buch wie ein Kampf - ein Kampf, zwischen den Kulturen seine Identität nicht zu verlieren, sich selbst treu zu bleiben, ein Kampf zwischen Tradition und Aufbruch. Während auf der einen Seite Traditionelles hoch gehalten wird, zeigt man sich auf der anderen Seite sehr aufgeschlossen. Die Mutter der Familie ist erfolgreiche Gynäkologin, Mia selbst entdeckt, dass sie homosexuell ist, Vater Mehdi schickt seine beiden Töchter nach Frankreich, um ihnen die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Gleichzeitig werden Riten gepflegt, wie sie in Marokko offenbar schon seit Jahrtausenden Tradition haben. Genau dieser Zwiespalt und dieser Kampf sind es, die das Buch so lesenswert und so interessant machen, die einem ermöglichen, sich selbst in das Leben von Menschen zwischen den Kulturen einzufühlen.

Die Geschichte von Mia und ihrer Familie ist kein Einzelfall, unzählige Menschen leben in diesem ständigen Konflikt mit sich selbst und mit ihrer Herkunft. Auch wenn man selbst nicht davon betroffen ist, so findet man diese Menschen überall und genau deshalb sind Bücher wie "Trag das Feuer weiter" so wichtig. Sie öffnen uns die Augen, sie erweitern unseren Horizont und zeigen und die täglichen Probleme, mit denen Menschen zu kämpfen haben. Wenn sie dann auch noch so schön geschrieben sind, wie Leïla Slimanis Trilogie, ist das eine große Bereicherung! Chapeau!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Iim Schicksal vereint - ein Leben lang

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Margret und Hardy, 2 Heimkinder, die sich in frühester Kindheit in einem Heim kennen lernen und die das Leben nie mehr von einander trennt. 2 Kinder, die einsamer nicht sein können und trotzdem das Glück ...

Margret und Hardy, 2 Heimkinder, die sich in frühester Kindheit in einem Heim kennen lernen und die das Leben nie mehr von einander trennt. 2 Kinder, die einsamer nicht sein können und trotzdem das Glück haben, einander zu finden. Dem Schicksal zum Trotz meistern sie gemeinsam die schwierigsten Situationen und halten sich gegenseitig am Leben. Was einst als Kinderfreundschaft in der Not begann, entwickelte sich zur ganz großen Liebe und obwohl die Vergangenheit schwer auf Margret und Hardy lastet, finden sie dennoch ihr gemeinsames Glück.

Susanne Abel ist mit "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" ein großartiges Buch gelungen. Ein Buch, das unter die Haut geht, das zu Tränen rührt, erschüttert, aber gleichzeitig froh macht und die Kraft der Liebe spüren lässt. So traurig das Schicksal der beiden Heimkinder auch ist, so sehr ihre Vergangenheit sie auch bis ins hohe Alter belastet, so sehr sind die beiden voller Hoffnung und Kraft und meistern zusammen die Schwierigkeiten des Alltags auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Von Anfang an gewinnen Hardy, Margret und im Verlauf auch ihre Urenkelin Emily die Sympathie der Leser. Man leidet mit ihnen mit, freut sich auch über kleine Erfolge, und gerade Hardy verleitet durch seine direkte und etwas unbeholfene Art auch manchmal zum Schmunzeln.

"Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" ist ein Buch das nachwirkt. Auch wenn Margrets und Hardys Geschichte Fiktion ist, so haben sich ähnliche Schicksale mannigfach abgespielt und beeinflussen nach wie vor das Leben unzähliger Menschen. Die schlimmen Erlebnisse, der Missbrauch im Kinderheim, die verlorenen Chancen, die sich nie mehr nachholen lassen und die Nachwirkungen, die all das Geschehene ihr ganzes Leben lang hat, ja, die sogar bis in die nächsten Generationen weiter gegeben wird, all das sind Themen, die bewegen und erschüttern. Susanne Abel ist es gelungen, all das auf eine verständliche und gleichzeitig so einfühlsame Art zu erzählen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Mir hat "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" unglaublich gut gefallen. In der ganzen Tragik, die in dem Buch verborgen ist, war es wunderschön zu lesen, hat so viele Emotionen geweckt und ist auf jeden Fall eines meiner Lesehighlights dieses Jahres.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Der Alltag einer Frau in den "Besten Jahren"

Ja, nein, vielleicht
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Unsere namenlose Protagonistin befindet sich in den sogenannten "besten Jahren". Vieles ist nicht mehr so einfach, wie es früher war, das ein oder andere Problem tut sich auf und trotzdem gibt es für alles ...

Unsere namenlose Protagonistin befindet sich in den sogenannten "besten Jahren". Vieles ist nicht mehr so einfach, wie es früher war, das ein oder andere Problem tut sich auf und trotzdem gibt es für alles eine Lösung.

Erste gesundheitliche Wehwehchen sind ebenso Thema wie das mittlerweile baufällig gewordene Haus, das "Empty Nest" in dem sich unsere Erzählerin nach dem Auszug ihrer Kinder befindet oder Beziehungs- oder Nicht-Beziehungs-Dramen. Es gilt Entscheidungen zu treffen, die trotz aller bereits gesammelter Lebenserfahrung neu sind und mit denen man bisher einfach noch nicht konfrontiert war. Es sind keine großen Geschichten, die hier beschrieben werden, sondern Alltagsthemen, die trotzdem ganz groß werden können und viel Raum und Zeit einnehmen, und es geht um Emotionen, die wir bisher nicht kannten und die uns überraschen, es geht um Beziehungen, Freundschaften und letzten Endes eine Änderung des Fokus in dieser Lebenssituation.

Doris Knecht ist mit "Ja, nein, vielleicht" ein großartiges Buch über den Alltag einer Frau in der Mitte ihres Lebens gelungen. Pointiert schildert sie die alltäglichen Situationen und Schwierigkeiten, die sich plötzlich auftun, Entscheidungen, die getroffen werden müssen, mit denen man aber gar nicht gerechnet hätte. Während man glaubt, mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben, ist die Gegenwart voll von Überraschungen und soll den Weg ebnen für eine erfüllte Zukunft.

Genauso bunt wie das Cover ist die Geschichte, die das Leben schreibt. Knecht schildert sie anschaulich und als ebenfalls "Frau in den besten Jahren" habe ich mich an so vielen Stellen wiedergefunden und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Nicht nur die realitätsnahen Episoden, die hier mit viel Herz geschildert werden machen "Ja, nein, vielleicht" zu einem großen Lesevergnügen, sondern auch die Sprache, in der es geschrieben ist, detailgetreu und trotzdem auf den Punkt gebracht. Eine ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Atmosphärischer Roman mit einer Mischung aus Spannung und Romantik

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Als Elijah Leiths nach einer missglückten Karriere als Schriftsteller nach vielen Jahren in seinen Heimatort Point Orchards zurückkehrt, lebt er als Einsiedler in seinem einstigen Elternhaus. Langsam nähern ...

Als Elijah Leiths nach einer missglückten Karriere als Schriftsteller nach vielen Jahren in seinen Heimatort Point Orchards zurückkehrt, lebt er als Einsiedler in seinem einstigen Elternhaus. Langsam nähern er und seine Jugendfreundin Nakita sich wieder einander an, doch alles ist komplizierter als gedacht. Seine Vergangenheit und die Suche nach der großen Liebe lassen ihn aber nicht los und als auf seinem Grundstück eine Frau tot aufgefunden wird, mit der er eine kurze Affäre hatte, gerät er schnell ins Kreuzfeuer der Justiz.

Sarah Crouch ist mit "Middletide - Was die Gezeiten verbergen" ein sehr atmosphärischer Debütroman gelungen, der auch das Zeug zu einem Krimi hat. Die Autorin entführt uns in ein Reservat im Nordwesten Amerikas und schildert ausführlich die Gegebenheiten dort, fast hat man das Gefühl, mit Elijah in seinem Garten zu stehen und ebenfalls seine Hühner zu beobachten. Die kleinbürgerliche Gesellschaft in der kleinen Stadt ist ebenso Thema, wie die Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hat, wenn man sich nicht in diese einfügen will oder kann.

Die Protagonisten, allen voran Elijah und Nakita kommen sehr authentisch rüber und gewinnen rasch die Sympathie des Lesers. Das Buch spielt in mehreren Zeitebenen, einerseits wird die Geschichte Elijahs nach erzählt, andererseits wird versucht, den Mord einer Frau auf Elijahs Grundstück aufzuklären. Anfangs ist das manchmal ein bisschen verwirrend, irgendwann verschwimmen die Handlungstränge aber miteinander. Durch die unterschiedlichen Zeitabschnitte und die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr zügig, man möchte einfach immer wissen, wie es weiter geht. Der Schluss hätte noch etwas ausgestaltet werden können, insgesamt ist Sara Crouch mit "Middletide- was die Gezeiten verbergen" aber ein sehr schöner, teils romantischer, teils spannender Roman gelungen, der durch die großartige Kulisse auch atmosphärisch ein wirklicher Gewinn ist. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Liebe, Leid und Leidenschaft

Wie Risse in der Erde
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Beth und Frank leben zufrieden auf ihrer Farm in England. Das Leben könnte schön sein, würden nicht der Tod ihres Sohnes Bobby und Beth' Vergangenheit mit Gabriel ihre Ehe überschatten.

"Wie Risse in ...

Beth und Frank leben zufrieden auf ihrer Farm in England. Das Leben könnte schön sein, würden nicht der Tod ihres Sohnes Bobby und Beth' Vergangenheit mit Gabriel ihre Ehe überschatten.

"Wie Risse in der Erde" ist ein atmosphärisches Beziehungsdrama vor der idyllischen Kulisse eines kleinen, englischen Dorfes. Von Anfang an werden wir mit den Protagonisten vertraut gemacht, es gelingt rasch, sich in das Buch hineinzuversetzen, durch die ausführlichen Schilderungen hat man rasch das Gefühl, nicht nur Beobachter, sondern selbst mitten im Dorfgeschehen zu sein. Freud und Leid liegen nah beisammen und werden so vermittelt, dass man einfach mitfiebern "muss".

Die Geschichte wird in 2 Zeitebenen erzählt, die sich letzten Endes miteinander verbinden. Die kurzen Kapitel und der rasche Wechsel zwischen den Zeiten machen immer wieder neugierig, weiter zu lesen. Clare Leslie Hall gelingt es wunderbar, den Leser zu fesseln und in die Geschichte mitzunehmen. Da die Anzahl der beteiligten Personen jedoch überschaubar ist, stören die Zeitsprünge überhaupt nicht, im Gegenteil, sie machen das Buch sehr spannend und lebendig.

"Wie Risse in der Erde" ist ein komplexes Familiendrama, eine Dreiecksgeschichte mit unerwartetem Ausgang. Es ist ein Buch, das fesselt, das bewegt und dass auch nachdenklich macht. Nachdenklich darüber, wie schnell sich das Leben ändern kann und wie sehr man Alltägliches schätzen sollte. Das Buch lässt Raum für Emotionen, ohne dabei kitschig zu sein, behandelt mit der Dreiecksgeschichte ein nicht alltägliches Thema, und lässt damit verbundene Probleme nicht zu kurz kommen.

Habe ich ursprünglich lediglich eine Beziehungsgeschichte erwartet, so hat mich das Buch wirklich überrascht und viel mehr bewegt, als ich dachte. Es hat mich ob seiner Tiefe tatsächlich gefesselt und ich empfehle es sehr gerne an alle weiter, die gerne Bücher lesen, die über Oberflächliches hinausgehen. Eine große Leseempfehlung, die ich gerne mit 5 Sternen bewerte!

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