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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein Hoch auf die Freundschaft und die kleinen Dinge im Leben

Mathilde und Marie
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Marie flieht nach einem Schicksalsschlag , der ihre Welt ins Wanken gebracht hat, aus Paris ohne konkretes Ziel. Im Zug trifft sie zufällig die 77jährige Jonina, die ihr zuhört und sie in ihr Heimatdorf ...

Marie flieht nach einem Schicksalsschlag , der ihre Welt ins Wanken gebracht hat, aus Paris ohne konkretes Ziel. Im Zug trifft sie zufällig die 77jährige Jonina, die ihr zuhört und sie in ihr Heimatdorf Redu einlädt. Marie fasst Vertrauen und kommt mit. Das Bücherdorf Redu liegt in den Ardennen und seine Beschreibung klang in meinen Ohren märchenhaft. Die Bewohner nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Es gibt zum Beispiel jemanden, der Papier herstellt . ohne sich Gedanken um Gewinn zu machen und sich einfach über sein Arbeitsergebnis. Das Leben läuft in ruhigen Bahnen. Dazu trägt bei, dass es kein Internet gibt und kaum Verkehr. Nur zweimal im Jahr erwacht das Dorf mit seinen 13 Buchhandlungen aus seinem Dornröschenschlaf. Zum Fest der Bücher an Ostern und der Nacht der Bücher im Sommer fluten Touristen den beschaulichen Ort. Auch Marie lässt sich treiben und unternimmt lange Spaziergänge mit der Hündin Anneliese. Sie lernt die Stille der Natur kennen und schätzen. , begeistert sich für den Nachthimmel mit seinen Sternen und erlebt bewusst das Erwachen der Natur im Frühling. Marie und Jonina haben eine enge Bindung, die durch lange Gespräche über das Leben und Bücher verstärkt wird. Als Jonina aus heiterem Himmel Redu verlässt, lernt sie Mathilde näher kennen . Die beiden werden enge Freundinnen und geben sich gegenseitig Halt

Mich hat das Buch sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Für mich ist Redu ein Synonym für all das, was unser Leben bereichern und glücklicher machen kann und was wir all zu oft vergessen. Es ist eine Freude zu lesen, wie Dorfbewohner sich umeinander kümmern und die Freundschaft zwischen Marie und Mathilde den beiden hilft, Schmerz zu verarbeiten. Es reicht zuzuhören, ein Lächeln zu schenken oder einfach gemeinsam zu schweigen. Mich persönlich haben die Beschreibungen der Natur besonders angesprochen. Wie man Hektik und Stress hinter sich lassen kann, wenn man einfach mal den Blumen beim blühen zuschaut., sich über den Gesang der Vögel freut. Im Grunde sind es banale Dinge, die man wahrscheinlich deshalb oft vergisst. Gut, dass der Autor mich daran erinnert hat. Was mich ein wenig gestört hat, Probleme, die zu unserem Alltag leider gehören, gibt es in Redu nicht . Trotzdem wäre es sicher nicht schlecht, ein wenig Redu zu wagen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Lauernde Schatten oder nur Einbildung ?

Hinter meiner Tür
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Lisa war der festen Überzeugung, ihr Leben im Griff zu haben. Dabei halfen ihr eine penible Ordnung und das Credo, dass man ohne fremde Hilfe auskommen sollte. Das ändert sich an dem Tag, als sie glaubt, ...

Lisa war der festen Überzeugung, ihr Leben im Griff zu haben. Dabei halfen ihr eine penible Ordnung und das Credo, dass man ohne fremde Hilfe auskommen sollte. Das ändert sich an dem Tag, als sie glaubt, verfolgt zu werden und Tom in ihr Leben tritt, dem sie gerne ihr Herz schenken würde. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie sich ständig beobachtet fühlt Selbst ihre Wohnung, ihr sicherer Zufluchtsort, wird zur Bedrohung. Sie glaubt, Gegenstände seien dort bewegt worden und stören dadurch ihren Ordnungssinn. Ihre Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass ihre Oma früh an Demenz erkrankt ist und sie befürchtet, erste Symptome zu zeigen.

Tom gibt ihr Sicherheit, aber ihre Befürchtungen ihm anzuvertrauen, wagt sie nicht. Als weitere Zwischenfälle passieren, beginnt sie auch Tom zu misstrauen. Die Angst hat Lisa in ihrem Würgegriff. Um ihren Halt nicht völlig zu verlieren, beschließt sie, ihre Routinen beizubehalten. Die Ordnung ist ihr Anker im Leben und kostet sie beinahe das Leben.

Ich fand es sehr gut und realistisch beschrieben, wie kleine - vermeintliche - Abweichungen im Alltag, Lisas Angst immer mehr steigern. Sie versucht, eine Erklärung und einen Schuldigen zu finden und gerät dadurch in eine Abwärtsspirale des Misstrauens und der Isolation. Mit der Entwicklung am Ende habe ich nicht gerechnet und fand sie auch nicht völlig überzeugend, weil sie sich so nicht angedeutet hat. Trotzdem waren die damit verbundenen Ereignisse packend und nichts für schwache Nerven .

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wenn Legenden zum Leben erwachen

Die Gesichter des Mithras
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Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar ...

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar kann er nun Livia heiraten, doch seine wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zusehend. Als ihm ein blinder Sohn geboren wird, was als schlechtes Omen gedeutet wird, bleibt der Familie nur die Flucht nach Triportae. Während sich Livia weiter dem Christentum zuwendet, gerät Lucius immer mehr in den Bann des Mithraskults.

Diesen Handlungsstrang fand ich spannend und sehr lebendig erzählt. Ich konnte Lucius gut leiden und fand sein Schicksal , besonders aus heutiger Sicht, mehr als ungerecht. Es machte mich regelrecht wütend. Auch konnte ich die Anziehungskraft des Mithrasglaubens gut nachvollziehen, obwohl ich die Rituale seltsam fand.

In der Gegenwart dreht sich alles um die Archäologin Nora, die ich im Jahr 2018 bei Ausgrabungen in Triportae treffe. Durch Zufall entdeckt sie ein Heiligtum des Mithras, das sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Das löst einen medialen Wirbel aus und beschert Nora das Angebot einer Professur in Chicago.

Ich mochte Nora nicht wirklich. Sie ist ehrgeizig und will unbedingt Karriere machen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich hatte nur den Eindruck, dass sie alles so interpretiert, dass dies der einzige Weg ist. Als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet, wird ihre Welt durcheinander gewirbelt und sich muss ihre Lebenssituation neu überdenken.. Doch das Arbeitsangebot ist zu verlockend. Es gibt auch warnende Stimmen, die Stelle nicht anzunehmen. Nora hält es für Neid und misstraut zunehmend ihrem persönlichen Umfeld.

Hatte ich mit Lucius Mitgefühl und habe sein sein Schicksal betrauert, war ich auf Nora nur wütend. Sie hatte das Hintergrundwissen, das Lucius fehlte. Sie hatte immer die Wahl.

Ich fand die Geschichte ungewöhnlich und dabei geschichtlich interessant. Für mich war die Verknüpfung der beiden Zeitebenen sehr gut gemacht . Zu meiner Freude gibt es ein interessantes und informatives Nachwort des Autors, das weitere Wissenslücken schließt.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Sehr emotional

Die verlassene Tochter
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Ein Buch aus dieser Reihe in der Hand zu haben, ist wie alte Bekannte treffen. Vieles ist gleich geblieben und dennoch entdeckt man neue Facetten. So ist es auch hier. Der Aufbau der Geschichte mit zwei ...

Ein Buch aus dieser Reihe in der Hand zu haben, ist wie alte Bekannte treffen. Vieles ist gleich geblieben und dennoch entdeckt man neue Facetten. So ist es auch hier. Der Aufbau der Geschichte mit zwei Erzählebenen ist immer der gleiche. Eine junge Frau entdeckt - meist nach einem Schicksalsschlag - , dass die Großmutter adoptiert wurde, was bisher niemand wusste. Hinweise auf die unbekannte Mutter finden sich in einer Holzschatulle und eine Schnitzeljagd beginnt. Dennoch ist der Inhalt jedes Buches anders . Die Gründe für die Adoption sind vielfältig und offenbaren eine weitere berührende Geschichte. Obwohl der Ausgangspunkt der Suche London ist, führen die Nachforschungen in die Welt hinaus. Dieses Mal geht es nach Argentinien , Anlass für Beschreibungen der dortigen Landschaft und Ausführungen zum Polosport.

Rose ist die Suchende und findet sich plötzlich in einem Märchen wieder und trifft dort auch ihren Märchenprinzen. Überfordert von der Situation , flieht sie zu ihrer besten Freundin nach New York. Die Umstände, die zur Adoption geführt haben, haben mich fassungslos und wütend gemacht und manchmal war es gut, ein Taschentuch zur Hand zu haben. Die Mutter, Valentina, verliert alles - ihr Erbe, ihre Liebe und ihre Träume. Es ist bewundernswert, welche Entscheidungen die junge Frau trifft, um Gerechtigkeit zu erlangen.

Der Roman hat mich gut unterhalten, auch wenn er an manchen Stellen sehr oberflächlich bleibt und manches für mich nicht nachvollziehbar war. Das Schöne - und nichts anderes erwarte ich von der Reihe - ist, dass es ein Happyend gibt und ich mitfühlen konnte. Und das spricht in meinen Augen für das Buch.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Frankenstein 2.0

Der Puppenflüsterer (Thriller)
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Die Ermittler Frank Schünemann und Tabea Kurz werden zu einem Verkehrsunfall gerufen. Nicht ihr Metier , denn sie sind Mordermittler. Doch es wurde ein abgetrennter Fuß gefunden. Auch das ist nicht ihr ...

Die Ermittler Frank Schünemann und Tabea Kurz werden zu einem Verkehrsunfall gerufen. Nicht ihr Metier , denn sie sind Mordermittler. Doch es wurde ein abgetrennter Fuß gefunden. Auch das ist nicht ihr Aufgabengebiet, zählt es doch eher zur Leichenfledderei. Tabea und Frank vermuten mehr dahinter und wollen die Täter dingfest machen, bevor sie den Fall abgeben müssen. Und befinden sich unvermittelt in einem Alptraum. Warum benötigt jemand genau definierte Leichenteile ? Dann gibt es tatsächlich einen Mord und das Opfer wurde verstümmelt. Um so mehr sich die Ermittler einem möglichen Motiv nähern, um so größer wird mein eigenes Entsetzen. Der Grund für die taten und die Herangehensweise sind so makaber und dabei so perfekt durchdacht, dass man es fast schon bewundern könnte, wäre es nicht zu entsetzlich.

Ich mag die Thriller des Autors, gerade weil er auch das beschreibt, was andere im Dunkeln lassen. Hier allerdings hat mich der Fall gelegentlich fast über meine Grenzen gebracht. Stellenweise war die Handlung für mich etwas zu heftig, dennoch blieb die Neugier, wer und was hinter den Gräueltaten steckt. Deshalb war Aufhören keine Option. Die Auflösung war packend und für mich etwas zu konstruiert.

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