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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Toxische Beziehung

Silhouette des Wahnsinns
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Mich hat das Cover angesprochen, aber eher im negativen Sinne. Ich fand es erschreckend und es ließ mich an einen Horrorroman denken. Zwischen den Buchdeckeln hat mich tatsächlich eine Horrorgeschichte ...

Mich hat das Cover angesprochen, aber eher im negativen Sinne. Ich fand es erschreckend und es ließ mich an einen Horrorroman denken. Zwischen den Buchdeckeln hat mich tatsächlich eine Horrorgeschichte erwartet, aber eine eher realistische, die für zu viele Frauen die bittere Realität bedeutet.

Die Autorin lässt Summer ihre Geschichte selbst erzählen und das lässt mich tief in ihre Seele blicken, was an manchen Stellen kaum auszuhalten war. Summer lebt mit ihrem Freund Chuck zusammen. Was zu Beginn wie ein Sechser im Lotto für sie war. Er war liebevoll und aufmerksam und gab Summer damit die Sicherheit, das sich ihr schwaches Selbstbewusstsein so dringend wünschte. Der Liebestraum wird schnell zum Alptraum und Summer träumt sich in ein besseres Leben und das war jedes Mal sehr berührend.

Am Arbeitsplatz wird sie gemobbt. Zuspruch erhält sie von der Diner - Mitarbeiterin Emma, die immer mehr zu ihrem Rettungsanker wird. Und dann ist da noch Dean, der sie hoffen lässt, dass es doch ein gutes Ende für sie geben könnte. Aber Chuck, der Summer als sein Eigentum betrachtet, hat andere Pläne. Die weiteren Ereignisse sind dann sehr dramatisch und auch traumatisch.

Die Geschichte berührt und hat mich auch wütend gemacht, weil niemand sollte sich das geschilderte Verhalten gegenüber einem anderen anmaßen und auch, weil solche Dinge tatsächlich passieren und in den meisten Fällen Frauen die Opfer sind. Ich finde es wichtig, dass die Autorin den nüchternen Zahlen ein Gesicht und eine Stimme gibt.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Späte Gerechtigkeit

Warum sie sterben musste
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Vor 14 Jahren starb die junge Carolin während einer Sturmflut in der Ostsee. Kein Unfall, sondern Mord. Ins Visier der Fahnder gerät der junge Hendrik, der sich der Festnahme durch Flucht entziehen kann. ...

Vor 14 Jahren starb die junge Carolin während einer Sturmflut in der Ostsee. Kein Unfall, sondern Mord. Ins Visier der Fahnder gerät der junge Hendrik, der sich der Festnahme durch Flucht entziehen kann. Diese Ereignisse werden ausführlich geschildert. Besonders die verzweifelte Suche der Mutter nach ihrer Tochter Carolin hat mich sehr berührt. Auch Henriks Schicksal , das in Rückblenden erzählt wird, fand ich bestürzend. Ob er tatsächlich der Mörder war, war für mich nicht zu entscheiden und so bleibt das Verbrechen an Carolin vorerst ungesühnt. Bereits in diesem Teil war mir eine Person besonders sympathisch - der Rechtsmediziner Dr Ivo Beddenbrook

14 Jahre später gibt es ein Deja-vu. Wieder eine Sturmflut, wieder ein Leiche im Wasser wieder , ein Mord. Zu meiner Freude begegne ich erneut Ivo, der mittlerweile zur Kripo gewechselt ist. Seine Mitstreiterin ist Cinzia Rix . Sie ist nicht einfach im Umgang, aber eine gute Ergänzung zu Ivo und im Laufe der Ermittlungen gefiel mir ihre Art immer besser. Nun beginnen schwierige Nachforschungen. Auch der Todesfall Carolin gewinnt erneut an Bedeutung . Schicht für Schicht kommt die Wahrheit ans Licht . Und vieles war so furchtbar, dass ich tief betroffen war. Mir fiel es schwer zwischen Opfer und Täter zu unterscheiden . Und oft ertappte ich mich dabei, den Täter zu feiern.

Das Buch hat mich in Atem gehalten und keine Sekunde gelangweilt. Auch die Einblicke in das Privatleben der ermittelnden Beamten haben mir gefallen. Sie haben mir besonders Ivo und Rix näher gebracht und dabei die Krimihandlung nicht dominiert. Am Ende werden die Verbrechen aufgeklärt und alle offenen Fragen überzeugend beantwortet. Ich fand den ersten Fall von Ivo und Rix sehr gelungen und er macht definitiv Lust, weitere Fälle mit ihnen zu lösen.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein Hoch auf die Freundschaft und die kleinen Dinge im Leben

Mathilde und Marie
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Marie flieht nach einem Schicksalsschlag , der ihre Welt ins Wanken gebracht hat, aus Paris ohne konkretes Ziel. Im Zug trifft sie zufällig die 77jährige Jonina, die ihr zuhört und sie in ihr Heimatdorf ...

Marie flieht nach einem Schicksalsschlag , der ihre Welt ins Wanken gebracht hat, aus Paris ohne konkretes Ziel. Im Zug trifft sie zufällig die 77jährige Jonina, die ihr zuhört und sie in ihr Heimatdorf Redu einlädt. Marie fasst Vertrauen und kommt mit. Das Bücherdorf Redu liegt in den Ardennen und seine Beschreibung klang in meinen Ohren märchenhaft. Die Bewohner nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Es gibt zum Beispiel jemanden, der Papier herstellt . ohne sich Gedanken um Gewinn zu machen und sich einfach über sein Arbeitsergebnis. Das Leben läuft in ruhigen Bahnen. Dazu trägt bei, dass es kein Internet gibt und kaum Verkehr. Nur zweimal im Jahr erwacht das Dorf mit seinen 13 Buchhandlungen aus seinem Dornröschenschlaf. Zum Fest der Bücher an Ostern und der Nacht der Bücher im Sommer fluten Touristen den beschaulichen Ort. Auch Marie lässt sich treiben und unternimmt lange Spaziergänge mit der Hündin Anneliese. Sie lernt die Stille der Natur kennen und schätzen. , begeistert sich für den Nachthimmel mit seinen Sternen und erlebt bewusst das Erwachen der Natur im Frühling. Marie und Jonina haben eine enge Bindung, die durch lange Gespräche über das Leben und Bücher verstärkt wird. Als Jonina aus heiterem Himmel Redu verlässt, lernt sie Mathilde näher kennen . Die beiden werden enge Freundinnen und geben sich gegenseitig Halt

Mich hat das Buch sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Für mich ist Redu ein Synonym für all das, was unser Leben bereichern und glücklicher machen kann und was wir all zu oft vergessen. Es ist eine Freude zu lesen, wie Dorfbewohner sich umeinander kümmern und die Freundschaft zwischen Marie und Mathilde den beiden hilft, Schmerz zu verarbeiten. Es reicht zuzuhören, ein Lächeln zu schenken oder einfach gemeinsam zu schweigen. Mich persönlich haben die Beschreibungen der Natur besonders angesprochen. Wie man Hektik und Stress hinter sich lassen kann, wenn man einfach mal den Blumen beim blühen zuschaut., sich über den Gesang der Vögel freut. Im Grunde sind es banale Dinge, die man wahrscheinlich deshalb oft vergisst. Gut, dass der Autor mich daran erinnert hat. Was mich ein wenig gestört hat, Probleme, die zu unserem Alltag leider gehören, gibt es in Redu nicht . Trotzdem wäre es sicher nicht schlecht, ein wenig Redu zu wagen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Lauernde Schatten oder nur Einbildung ?

Hinter meiner Tür
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Lisa war der festen Überzeugung, ihr Leben im Griff zu haben. Dabei halfen ihr eine penible Ordnung und das Credo, dass man ohne fremde Hilfe auskommen sollte. Das ändert sich an dem Tag, als sie glaubt, ...

Lisa war der festen Überzeugung, ihr Leben im Griff zu haben. Dabei halfen ihr eine penible Ordnung und das Credo, dass man ohne fremde Hilfe auskommen sollte. Das ändert sich an dem Tag, als sie glaubt, verfolgt zu werden und Tom in ihr Leben tritt, dem sie gerne ihr Herz schenken würde. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie sich ständig beobachtet fühlt Selbst ihre Wohnung, ihr sicherer Zufluchtsort, wird zur Bedrohung. Sie glaubt, Gegenstände seien dort bewegt worden und stören dadurch ihren Ordnungssinn. Ihre Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass ihre Oma früh an Demenz erkrankt ist und sie befürchtet, erste Symptome zu zeigen.

Tom gibt ihr Sicherheit, aber ihre Befürchtungen ihm anzuvertrauen, wagt sie nicht. Als weitere Zwischenfälle passieren, beginnt sie auch Tom zu misstrauen. Die Angst hat Lisa in ihrem Würgegriff. Um ihren Halt nicht völlig zu verlieren, beschließt sie, ihre Routinen beizubehalten. Die Ordnung ist ihr Anker im Leben und kostet sie beinahe das Leben.

Ich fand es sehr gut und realistisch beschrieben, wie kleine - vermeintliche - Abweichungen im Alltag, Lisas Angst immer mehr steigern. Sie versucht, eine Erklärung und einen Schuldigen zu finden und gerät dadurch in eine Abwärtsspirale des Misstrauens und der Isolation. Mit der Entwicklung am Ende habe ich nicht gerechnet und fand sie auch nicht völlig überzeugend, weil sie sich so nicht angedeutet hat. Trotzdem waren die damit verbundenen Ereignisse packend und nichts für schwache Nerven .

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wenn Legenden zum Leben erwachen

Die Gesichter des Mithras
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Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar ...

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar kann er nun Livia heiraten, doch seine wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zusehend. Als ihm ein blinder Sohn geboren wird, was als schlechtes Omen gedeutet wird, bleibt der Familie nur die Flucht nach Triportae. Während sich Livia weiter dem Christentum zuwendet, gerät Lucius immer mehr in den Bann des Mithraskults.

Diesen Handlungsstrang fand ich spannend und sehr lebendig erzählt. Ich konnte Lucius gut leiden und fand sein Schicksal , besonders aus heutiger Sicht, mehr als ungerecht. Es machte mich regelrecht wütend. Auch konnte ich die Anziehungskraft des Mithrasglaubens gut nachvollziehen, obwohl ich die Rituale seltsam fand.

In der Gegenwart dreht sich alles um die Archäologin Nora, die ich im Jahr 2018 bei Ausgrabungen in Triportae treffe. Durch Zufall entdeckt sie ein Heiligtum des Mithras, das sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Das löst einen medialen Wirbel aus und beschert Nora das Angebot einer Professur in Chicago.

Ich mochte Nora nicht wirklich. Sie ist ehrgeizig und will unbedingt Karriere machen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich hatte nur den Eindruck, dass sie alles so interpretiert, dass dies der einzige Weg ist. Als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet, wird ihre Welt durcheinander gewirbelt und sich muss ihre Lebenssituation neu überdenken.. Doch das Arbeitsangebot ist zu verlockend. Es gibt auch warnende Stimmen, die Stelle nicht anzunehmen. Nora hält es für Neid und misstraut zunehmend ihrem persönlichen Umfeld.

Hatte ich mit Lucius Mitgefühl und habe sein sein Schicksal betrauert, war ich auf Nora nur wütend. Sie hatte das Hintergrundwissen, das Lucius fehlte. Sie hatte immer die Wahl.

Ich fand die Geschichte ungewöhnlich und dabei geschichtlich interessant. Für mich war die Verknüpfung der beiden Zeitebenen sehr gut gemacht . Zu meiner Freude gibt es ein interessantes und informatives Nachwort des Autors, das weitere Wissenslücken schließt.

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