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Lenex

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Ungemütlich, mitreißend, berührend

Half His Age
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Waldo wächst mit einer vernachlässigenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen in Alaska auf. Sie versucht, die Lücken in ihrem Leben mit Sex und Konsum zu stopfen. Mit ihrem neuen Englischlehrer Mr. Korgy ...

Waldo wächst mit einer vernachlässigenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen in Alaska auf. Sie versucht, die Lücken in ihrem Leben mit Sex und Konsum zu stopfen. Mit ihrem neuen Englischlehrer Mr. Korgy scheint es endlich jemanden zu geben, der Waldo wirklich sieht.
Ich habe Jennette McCurdys Memoir geliebt und mich daher sehr auf ihr Romandebüt gefreut. Umso mehr freut es mich, dass es mir richtig gut gefallen hat. Es ist ein Buch, das verstört, aber zugleich sehr intelligent Themen wie Konsum und Klassismus verhandelt – und trotz all der Düsternis immer wieder überraschend witzig ist.
Waldo ist eine faszinierende Protagonistin. Sie musste viel zu früh zu viel Verantwortung übernehmen und sieht vieles klarer als Gleichaltrige. Ihren exzessiven Konsum von Fast Fashion und Make-up ordnet sie selbst eindeutig als Bewältigungsstrategie ein. Sie reflektiert darüber, wie sie – und viele andere Frauen – versuchen, sich durch Kleidung und Kosmetik Selbstwert zu erkaufen. Oder darüber, wie sie sich an männliche Gegenüber anpassen, um ihnen zu gefallen. Waldo ist intelligent, beobachtet scharf und treffend, durchschaut vieles, schafft es aber trotzdem nicht, aus ihren eigenen Mustern auszubrechen. Ziemlich klar erkennt sie die leeren Phrasen und hohlen Versprechungen von Mr. Korgy – und verfällt ihm dennoch.
„Half his age“ tut weh beim Lesen, gerade weil es so ehrlich und unbequem ist. Ein Buch, das lange im Kopf bleibt.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Welches Leben ist das Richtige?

Im Leben nebenan
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Toni ist Anfang dreißig, lebt zusammen mit ihrem Freund Jakob in Hamburg und arbeitet in einer Werbeagentur. Eines Tages wacht sie in einer Art Parallelversion ihres Lebens auf. In diesem anderen Leben ...

Toni ist Anfang dreißig, lebt zusammen mit ihrem Freund Jakob in Hamburg und arbeitet in einer Werbeagentur. Eines Tages wacht sie in einer Art Parallelversion ihres Lebens auf. In diesem anderen Leben ist Antonia mit ihrer Jugendliebe verheiratet, wohnt im Einfamilienhaus in der Heimatstadt und hat plötzlich ein Baby. Wir begleiten nun beide Lebensstränge für mehrere Monate.

„Im Leben nebenan“ ist ein nachdenkliches, ruhiges und introspektives Buch, das trotzdem sofort einen Sog erzeugt. Und das ganz viel mit mir gemacht, viele Gedanken angestoßen hat. Wie soll man sich bloß für ein Leben entscheiden, wo es doch so viele Optionen gibt? Eine Frage, die mich schon lange umtreibt, tue ich mir doch schon immer schwer mit Entscheidungen und liebe „Was wäre wenn…“-Gedankenspiele.

Anne Sauer gelingt es, beide Lebenswelten mit ihren Höhen und Tiefen und ohne Wertung darzustellen. Eine große Stärke ist die Darstellung weiblicher Erfahrungen und gesellschaftlicher Erwartungen. Außerdem ist das Buch voller schöner Alltagsbeobachtungen. Zwischenmenschliche Töne werden sehr gelungen eingefangen.

Ein absolut lesenswerter Roman, bittersweet, traurig und tröstlich zugleich.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Zwischen Schwere und Schwerelosigkeit

Himmel ohne Ende
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Charlie ist 15 und fühlt sich irgendwie verloren in der Welt. In der Schule ist sie eher eine Außenseiterin. Als sich dann auch noch ihre beste Freundin von ihr abwendet und ihre alleinerziehende Mutter ...

Charlie ist 15 und fühlt sich irgendwie verloren in der Welt. In der Schule ist sie eher eine Außenseiterin. Als sich dann auch noch ihre beste Freundin von ihr abwendet und ihre alleinerziehende Mutter einen neuen Partner kennenlernt, scheint alles zu zerbrechen. Doch mit dem Auftauchen von Pommes, der neu in ihre Klasse kommt, beginnt sich etwas zu verändern.

Was kommt heraus, wenn man eine Portion Coming-of-Age, eine Prise "Gilmore Girls" und jede Menge Millennial-Referenzen mischt? „Himmel ohne Ende“. Julia Engelmann fängt dieses typisch jugendliche Lebensgefühl ein – ein ständiges Schwanken zwischen Schwere und Schwerelosigkeit.
Zugegeben, manchmal war’s mir etwas zu viel. Einige Wendungen waren für mich zu vorhersehbar (und nicht notwendig), manche Lebensweisheiten hätten gerne subtiler verpackt sein dürfen.
Und doch hab ich es sehr gerne gelesen. Diese kleinen Details – Kurbelfenster, Soaps, iPods, Tagträumen im Bus oder die Lotto spielende Oma – geben dem Buch ein warmes, nostalgisches Gefühl. Und vor allem: Die wunderbare Freundschaft zwischen Charlie und Pommes, das Herzstück der Geschichte.
Insgesamt ein empfehlenswerter Coming-of-Age-Roman – solide, berührend, stellenweise vielleicht ein wenig kitschig, aber mit Herz. Er erfindet das Genre nicht neu und hat das auch gar nicht nötig.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Amüsante und tiefgründige Kritik an der Arbeitswelt

Geht so
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Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid und hasst ihren Job. Sie empfindet alle ihre Aufgaben als sinnlos und nicht ihren Werten entsprechend. Also „spielt“ sie Büro, wie sie es nennt, und gibt ...

Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid und hasst ihren Job. Sie empfindet alle ihre Aufgaben als sinnlos und nicht ihren Werten entsprechend. Also „spielt“ sie Büro, wie sie es nennt, und gibt vor, schwer beschäftigt zu sein, während sie in Wahrheit meistens Youtube-Videos schaut. Sie leidet an einer Angststörung und nimmt täglich verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel, um durch den Tag zu kommen. Sie genießt den Monat August, da viele ihrer Kolleg*innen Urlaub haben. Doch dann wird kurzfristig ein Team-Event angesetzt, das sogar eine Übernachtung beinhaltet – für Marisa ein Albtraum.

„Geht so“ hat mir viel Spaß gemacht und ich habe Kritik an der Arbeitswelt in Romanform so noch nie gelesen. Die Geschichte wird mit viel Zynismus und trockenem Humor erzählt, ohne Marisas Probleme ins Lächerliche zu ziehen. Die Autorin thematisiert „Quiet Quitting“ und „Bullshit Jobs“ und beschreibt Gedanken und Gefühle, die wahrscheinlich viele Menschen nachvollziehen können. Denn auch, wenn man seinen Job prinzipiell gerne mag, ist es wohl für niemanden ganz einfach, jeden einzelnen Arbeitstag früh aufzustehen, in die Arbeit zu fahren und die erwartete Leistung zu erbringen, ganz egal wie es einem gerade geht oder was privat los ist. Interessant fand ich auch, wie Marisas Marketingjob mit Kapitalismus und Feminismus in Zusammenhang gebracht wurde.

Gegen Ende ließ das Buch etwas nach. Das Teamevent fand ich ein bisschen enttäuschend, das Ende hätte ich mir anders gewünscht. Trotzdem fand ich „Geht so“ insgesamt richtig stark und gebe eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.05.2025

Mit dem Camper durch die Berge

Otto fährt los – Ein Sommer in den Bergen
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Endlich Sommerferien! Die Zwillinge Luzie und Klara mit ihren Eltern Yurika und Christian fahren mit Campingbus Otto in den Urlaub. Es geht quer durch die Berge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. ...

Endlich Sommerferien! Die Zwillinge Luzie und Klara mit ihren Eltern Yurika und Christian fahren mit Campingbus Otto in den Urlaub. Es geht quer durch die Berge in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viel Raum die Natur einnimmt und wie liebevoll die Details gestaltet sind: unter anderem findet man eine Karte, ein Rezept mit Kaiserschmarren und eine detaillierte gezeichnete Packliste. Im Text werden die Lesenden bzw. Zuhörenden immer wieder mit Fragen angesprochen, was ich ebenfalls charmant fand.
Die Illustrationen sind warm und stimmig - bunt, aber eher gedämpft - und passen gut zur entspannten Atmosphäre des Buches. Die Handlung selbst verläuft eher gemächlich und ruhig. Ein großer Spannungsbogen oder ein klarer Höhepunkt fehlen, dafür punktet das Buch mit vielen kleinen, charmanten Abenteuern der Familie.
Die Sprache ist insgesamt gut verständlich, wirkt aber stellenweise etwas holprig. Das kann aber an meiner österreichischen Herkunft liegen. Insgesamt ein schönes Buch für alle, die entschleunigte Geschichten und Natur mögen – mit viel Herz und einer Prise Abenteuer.