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Veröffentlicht am 08.02.2026

Eine Pflichtlektüre

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
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Caroline Darians (Familien-)Geschichte ist kaum wie eine andere ein Wachrütteln im Hinblick auf sexuellen Missbrauchs, chemischer Unterwerfung, misogyne Strukturen des Patriarchats und den noch weiten ...

Caroline Darians (Familien-)Geschichte ist kaum wie eine andere ein Wachrütteln im Hinblick auf sexuellen Missbrauchs, chemischer Unterwerfung, misogyne Strukturen des Patriarchats und den noch weiten Weg von Frauen, um als gleichwertiges Mitglied innerhalb der Gesellschaft angesehen zu werden.

„Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ ist nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern auch ein starkes gesellschaftliches Dokument über Vertrauen, Verrat, familiäre Rollenbilder und die Frage, wie man mit einer Wahrheit lebt, die das eigene Leben fundamental erschüttert.

Wir alle haben den erschreckenden Prozess und die Geschichte hinter Gisèle Pelicot sowie ihrer gesamten Familie erfahren, aber diese ersten Tage nun durch eine Art Tagebuch selbst von Caroline Darian verfolgen zu können, ist eine schwere Kost, jedoch gleichzeitig so wichtig ist, dass dieses Buch als Pflichtlektüre gelten sollte.

„Der Prozess soll im Laufe des Jahres 2024 […] stattfinden. Mama ist dann über 70. Wird sie die Kraft und Widerstandsfähigkeit finden, sich dem zu stellen […]?“ - Dieses Zitat stammt vom 28. November 2021 und knapp drei Jahre später wird Gisèle das prägende Gesicht für Opfer sexueller Gewalt sein, die den Scham der Opfer auf die Gesichter der Täter legen wird. Gisèle, Caroline sowie die weibliche Mitgliederinnen der Familie sind starke Frauen, welche sich gegen die Täter stellen und sich ihre Stimmen zurückholen.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Genevieve Novaks Generationenporträt

No Hard Feelings
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Genevieve Novaks Debütroman "No Hard Feelings" ist ein Porträt einer Generation, welche im Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung, gesellschaftlichen Erwartungen und innerer Zerrissenheit lebt. Genevieve ...

Genevieve Novaks Debütroman "No Hard Feelings" ist ein Porträt einer Generation, welche im Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung, gesellschaftlichen Erwartungen und innerer Zerrissenheit lebt. Genevieve Novak gelingt es, eine Stimme einzufangen, die gleichermaßen humorvoll, verletzlich sowie pointiert ist und somit eine enorme Authentizität entfaltet.

Im Zentrum steht Penny, eine Protagonistin, die von Beginn an ambivalent wirkt. Sie ist scharfsinnig in ihrer Beobachtungsgabe, ironisch im Ton, zugleich jedoch tief verunsichert. Gerade diese Vielschichtigkeit macht sie zu einer Figur, die weder idealisiert noch dämonisiert wird, sondern eine facettenreiche Darstellung menschlicher Widersprüche bietet, was womöglich die meisten Lesenden aus dem eigenen Lebensalltag kennen.

Wie ein Stich ins Herz ist Genevieve Novaks Kunststück, existenzielle Themen wie Angst, Isolation und das Scheitern an gesellschaftlichen Normen in eine Sprache zu kleiden, die zugänglich bleibt ohne an Schärfe zu verlieren. Der Roman oszilliert zwischen satirischer Zuspitzung und beinahe poetischen Momenten der Selbsterkenntnis.

Auch bietet "No Hard Feelings" eine thematische Breite an Inhalten, die viele in Pennys Alter beschäftigen: Neben Fragen nach beruflicher Orientierung und Selbstdefinition nimmt der Roman auch die unsichtbaren Lasten mentaler Gesundheit in den Blick. Dabei gelingt Genevieve Novak eine sensible Gratwanderung, denn sie reduziert diese Aspekte nicht auf ein bloßes „Problem“, sondern zeigt, wie sie zum integralen Bestandteil einer Biografie werden und wie sehr sie prägen, ohne dass sie allein definieren. Penny ist weit mehr als ihre Ängste, Unsicherheiten und Fehler. Neben diesen vermeintlich "negativen" Aspekten, wird Penny besonders durch ihre positiven Charakterzüge greifbar und sympathisch. Sie ist reflektiert und eine starke Frau, welche sich in ihrer Welt behaupten möchte.

In "No Hard Feelings" schimmert zugleich eine subtile Gesellschaftskritik durch. Der Roman zeigt, wie neoliberale Leistungslogiken, soziale Medien und kulturelle Narrative von „Erfolg“ das Selbstbild junger Erwachsener destabilisieren. Zugleich entwirft er das Bild einer Generation, die versucht, ihre Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als Teil ihrer Identität anzuerkennen.

Damit ist Genevieve Novaks Debüt weit mehr als ein klassischer Coming-of-Age-Roman. Es ist ein literarisch pointiertes Zeugnis einer Gegenwart, die zwischen Ironie sowie Ernst schwingt und die in Penny eine Protagonistin gefunden hat, deren innere Kämpfe uns nicht nur zum Schmunzeln bringen, sondern auch zu einem tieferen Nachdenken über die Bedingungen unseres eigenen Lebens.

Ein tolles, kluges und zugleich berührendes Debüt, welches die Frage nach Selbstbestimmung sowie Zugehörigkeit auf eindrucksvolle Weise ins Zentrum rückt.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Zwischen Zugehörigkeit und Zerbrechlichkeit

Bestie
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Selten hat mich ein Buch so berührt und mitgerissen wie „Bestie“. Schon nach wenigen Seiten war ich vollkommen in der Geschichte gefangen und von Kapitel zu Kapitel wurde die Handlung immer mitreisender. ...

Selten hat mich ein Buch so berührt und mitgerissen wie „Bestie“. Schon nach wenigen Seiten war ich vollkommen in der Geschichte gefangen und von Kapitel zu Kapitel wurde die Handlung immer mitreisender. Joana Junes Sprache ist präzise, atmosphärisch und voller Zwischentöne, sodass man sich unmittelbar in Anouks und Delias (bzw. Lillys) Welt wiederfindet. Gerüche, Geräusche, Gefühle und Gedanken sind so spürbar, dass man meint, selbst Teil der Handlung zu sein.

Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist die enorme Vielschichtigkeit. Die Figuren sind nicht glatt oder eintönig, sondern kantig, widersprüchlich sowie echt. Sei es Lillys Drang nach Zugehörigkeit und ihre Bereitschaft, dafür Grenzen zu überschreiten oder Anouks Zerbrechlichkeit und ihre soziale Isolation - all das wird mit großer Ehrlichkeit erzählt. Ich habe mich in vielen Momenten zum Teil selbst wiedererkannt. Egal, ob es die Angst ist allein zu sein oder der Wunsch Teil von etwas zu werden. Dies sind wahrscheinlich Empfindungen, die jeder bereits erlebt hat, jedoch heben die Protagonistinnen dies nochmal auf eine andere Ebene.

Hinzu kommt eine thematische Tiefe, die weit über das Persönliche hinausgeht. Joana June wirft einen kritischen Blick auf die Fassade von Social Media ohne dabei zu moralisieren. Gleichzeitig verneigt sie sich spürbar vor der Kraft von Literatur, Theater und Sprache. Frauen stehen im Mittelpunkt, mit all ihren Stärken und Schwächen ohne dass männliche Figuren völlig außen vor bleiben. Gerade diese Balance macht den Roman so überzeugend.

Lesende sollten sich auf emotionale Achterbahnfahrten einstellen. Wendungen und Konflikte überraschen, machen wütend, traurig, aber auch nachdenklich. Besonders spannend finde ich die Interpretationsspielräume diverser Figuren und Wörter. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht spoilern, sondern die Tür offen halten für alle, die die Reise in Anouks und Delias Welt noch vor sich haben.

Auch das zwischenmenschliche Verhältnisse, besonders zwischen Anouk und Delia, haben mich beeindruckt. Die Art, wie beide miteinander umgehen, stellenweise zueinanderfinden, war fragil, realistisch und berührend. Es ist ein vorsichtiges Annähern auf Augenhöhe, was solidarisch, ehrlich und mit offenem Herzen stattfindet.

So vielschichtig wie die Figuren ist auch das Ende: nicht abrupt, aber schneller als erwartet. Alle wichtigen Fragen wurden geklärt, dennoch blieb in mir der Wunsch nach mehr. Manche Aspekte hätten gerne weiterentwickelt werden dürfen und das sage ich als jemand, der offene Enden sonst liebt. Ich wollte diese Welt einfach noch nicht verlassen, denn Delia/Lilly und Anouk sind mir im Laufe der Seiten tief ans Herz gewachsen.

Der Titel „Bestie“ ist so viel mehr, als er auf den ersten Blick erahnen lässt. Das Buch und die Welt ist es auf jeden Fall wert , dass man in sie eintaucht und sich in ihr verliert. „Bestie“ steht für Freundschaft, aber auch für so viel mehr.

Für mich ist „Bestie“ eines der stärksten Bücher des Jahres 2025. Ein Roman, der emotional aufwühlt, intellektuell fordert und sprachlich beeindruckt. Ich bin mir sicher, dass ich beim erneuten Lesen noch viele Nuancen und Metaphern entdecken werde. Ein Werk, das bleibt und das man gerne mehr als einmal lesen möchte.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ein toller Start in den Sommer

Funny Story
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„Funny Story“ ist eine schöne und herzerwärmende Geschichte zwischen Daphne und Miles, welche ebenso das Überwinden von Rückschlägen, das Finden der eigenen Stärke und das Erkennen, dass manchmal das größte ...

„Funny Story“ ist eine schöne und herzerwärmende Geschichte zwischen Daphne und Miles, welche ebenso das Überwinden von Rückschlägen, das Finden der eigenen Stärke und das Erkennen, dass manchmal das größte Glück in den unerwartetsten Situationen lauert thematisiert.

Das Buch ist eine perfekte Mischung aus Lachern, Tränen und einer menge Momente, die man selbst aus dem eigenen Leben kennt.

Die Chemie zwischen Daphne und Miles ist so greifbar, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man in ihren gemeinsamen Momenten hinfiebert und gleichzeitig die Luft anhält, wenn wieder mal alles droht schiefzugehen. Die Art und Weise, wie sie miteinander kommunizieren sowie agieren, wie sie sich gegenseitig herausfordern und letztlich auch unterstützen, ist herzerwärmend und echt.

Ich liebe Emily Henrys Schreibstil, der so leicht und unbeschwert ist, dass man geradezu über die Seiten fliegt. Die Geschichte bietet eindeutig mehr als ihr Titel: Sie hat Tiefgang, indem sie teils etwas philosophisch angehauchte, aber immerzu intellektuelle Themen anspricht. Gleichzeitig verliert die Geschichte nicht ihre typische RomCom-Leichtigkeit, indem die Grundidee faszinierend und "funny" zugleich ist.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Sprachlos

Das Reich der Sieben Höfe – Flammen und Finsternis
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„Das Reich der Sieben Höfe - Flammen und Finsternis“ ist ein unglaublich fesselndes und packendes Abenteuer, das die Geschichte aus dem ersten Teil noch weiter vertieft und neue, spannende Wendungen nimmt. ...

„Das Reich der Sieben Höfe - Flammen und Finsternis“ ist ein unglaublich fesselndes und packendes Abenteuer, das die Geschichte aus dem ersten Teil noch weiter vertieft und neue, spannende Wendungen nimmt. Die Charaktere, die wir bereits lieben gelernt haben, entwickeln sich auf beeindruckende Weise weiter. Besonders Feyre zeigt eine bemerkenswerte Wandlung, die sowohl emotional als auch psychologisch tiefgründig ist.

„Das Reich der Sieben Höfe – Flammen und Finsternis“ ist der zweite Teil der „Das Reich der Sieben Höfe“-Reihe von Sarah J. Maas und übertrifft in vielerlei Hinsicht den packenden, aber teilweise auch zähen ersten Band. Maas entführt ihre Leser erneut in eine magische Welt voller Geheimnisse, Intrigen und gefährlicher Machtspiele, doch in diesem Band geht es noch tiefer – sowohl in der Handlung als auch in der Charakterentwicklung.

Besonders Feyre, die nach den traumatischen Ereignissen unter dem Berg mit sich selbst und ihrer neuen Realität zu kämpfen hat, macht eine aussergewöhnliche Charakterentwicklung durch. Feyre ist nicht mehr die junge Frau, die in den ersten Teil voller Hoffnung und Unschuld startete. Sie ist verwundet, sowohl körperlich als auch seelisch, und steht vor der Herausforderung, ihren Platz in der neuen Welt der Fae zu finden. Hierbei wird Feyres innere Zerrissenheit und die psychischen Narben äußerst authentisch darzustellen.

Die Entwicklung von Feyre ist eine der faszinierendsten und emotionalsten Aspekte des Buches. Es wird nicht nur ihre äußere Reise beschrieben, sondern vor allem ihr innerer Wandel. Sie lernt, ihre Ängste zu überwinden, sich selbst zu behaupten und ihre Stärke neu zu entdecken. Dabei ist ihre Reise alles andere als einfach – sie muss sich mit Verlust, Schuld und den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen auseinandersetzen. Diese emotionale Tiefe lässt einem während des Lesens mit Feyre mitfühlen und machen ihre Geschichte besonders berührend und nachvollziehbar. Im Laufe der Geschichte wird sie immer mehr zu einer starken, unabhängigen Frau.

Auch die anderen Charaktere erhalten in diesem Band mehr Raum zur Entfaltung. Besonders die Figur von Rhysand bekommt eine neue Dimension. Rhysand, der zu Beginn des ersten Teils noch als undurchsichtiger Charakter erschien, wird hier zu einem der zentralen Protagonisten. Seine Beziehung zu Feyre entwickelt sich auf unerwartete und komplexe Weise, und die Chemie zwischen den beiden ist unbestreitbar. Die Wechselwirkungen zwischen Rhysand und Feyre sind sowohl voller Spannung als auch von einer tiefen Verbundenheit, die den Lesenden immer wieder in Atem hält.

Im Gegensatz dazu zeigt Tamlin eine andere Seite von sich. Er, der im ersten Band als der vermeintlich perfekte Held erschien, wird nun in einem anderen Licht dargestellt. Seine Bemühungen, Feyre zu schützen, erscheinen zunehmend kontrollierend und überfordernd, was zu einem emotionalen Konflikt führt, der Feyre zwischen zwei Welten hin- und herreißen lässt. Sarah J. Maas gelingt es, diese komplexen Beziehungen auf eine Weise zu schildern, die den Leser ständig zum Nachdenken anregt und die Bedeutung von Vertrauen, Freiheit und Macht in zwischenmenschlichen Beziehungen hinterfragt.

Ein weiteres herausragendes Element des Buches ist die Welt, die in „Das Reich der sieben Höfe“ erschaffen wurde. Die verschiedenen Höfe mit ihren einzigartigen Eigenschaften und ihrer Geschichte sind wunderbar detailliert und bildgewaltig beschrieben. Besonders der Nacht-Hof wird in diesem Band zu einem faszinierenden, geheimnisvollen Ort, der Feyre und die Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Auch die politischen und magischen Strukturen der Fae-Welt, welche im Laufe der Handlung immer weiter ausgebaut und so verflechtet werden, tragen dazu bei, dass das ganze Setting noch lebendiger und komplexer wirkt.

Die Handlung selbst ist durchzogen von überraschenden Wendungen, aufregenden Kämpfen und emotionalen Momenten, die den Leser bis zur letzten Seite fesseln. Sarah J. Maas gelingt es, Spannung aufzubauen, ohne jemals den emotionalen Kern der Geschichte aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte ist nicht nur eine Reise durch eine magische Welt, sondern auch eine Reise der Selbstfindung und Heilung, die sich intensiv mit Themen wie Trauma, Macht und der Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt voller Herausforderungen beschäftigt.

Die Liebesgeschichte ist alles andere als kitschig oder oberflächlich. Sie ist tiefgründig und von einer emotionalen Intensität geprägt, die den Leser in ihren Bann zieht. Es geht nicht nur um romantische Gefühle, sondern um die Frage, was es bedeutet, sich selbst treu zu bleiben und zu wachsen, während man gleichzeitig eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufbaut. Die Dynamik zwischen Feyre, Tamlin und Rhysand ist von Konflikten, aber auch von tiefer Zuneigung und Verständnis geprägt, was die Beziehung der Charaktere realistischer und nachvollziehbarer macht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Das Reich der Sieben Höfe – Flammen und Finsternis“ ein absolut gelungener zweiter Teil ist, der sowohl die Charaktere als auch die Handlung auf ein neues Niveau hebt. Jene Schwächen, welche im ersten Teil vorhanden waren, sind nun vergessen und man möchte dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so fesselnd ist die Handlung. Es ist eine Geschichte von Heilung, Selbstbestimmung und der Suche nach einem Platz in einer Welt, die sich ständig verändert. Ein absolut empfehlenswertes Buch!

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