Profilbild von Steffi_liest

Steffi_liest

Lesejury Star
offline

Steffi_liest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Steffi_liest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2019

Eine ganz andere Seite des Zweiten Weltkriegs

Ein mögliches Leben
0

"Ein mögliches Leben" von Hannes Köhler steckt voller Überraschungen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass es sich bei dem Roman "mal wieder" um eine Abhandlung über den Zweiten Weltkrieg handelt, bei ...

"Ein mögliches Leben" von Hannes Köhler steckt voller Überraschungen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass es sich bei dem Roman "mal wieder" um eine Abhandlung über den Zweiten Weltkrieg handelt, bei der man auf jeder Seite den erhobenen Zeigefinger vor sich sieht. Weit gefehlt - "Ein mögliches Leben" ist so viel mehr als das!
Der Roman spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, allerdings weit weg von den Hauptkriegsschauplätzen in den USA. Franz und seine Kameraden im Gefangenenlager kriegen wenig vom Kriegsgeschehen mit - die einen sind froh darüber, den Greuel entflohen zu sein, während die anderen noch dem verlorenen Heldenruhm nachtrauern. Nach und nach geraten die beiden Gruppen aneinander - mit verheerenden Folgen...
Der Autor hat die verschiedenen Charaktere hervorragend herausgearbeitet, ich konnte das Dilemma, in dem der Protagonist Franz aufgrund seiner Erziehung, aber auch aufgrund seiner Erlebnisse steckte, förmlich spüren. Die Entwicklung, die er im Laufe des Romans durchlebt, ist durchwegs nachvollziehbar - bis hin zu der Erkenntnis, welches "mögliche Leben" Franz sich gewünscht und warum er es am Ende aufgegeben hat.
Neben alledem ist der Roman auch eine ergreifende Familiengeschichte, die zeigt, wie die Erlebnisse und Entscheidungen eines einzelnen auch seine nächsten Verwandten beeinflussen können. Köhler hat dieses Thema auf sehr sensible Weise umgesetzt, ohne dabei kitschig oder realitätsfremd zu werden.

Für dieses Buch vergebe ich fünf von fünf Sternen und empfehle es gerne weiter.

Veröffentlicht am 25.06.2019

Zutiefst erschütternd, spannend und wunderschön!

Wind in deinen Segeln
0

Was für ein schönes Buch! "Wind in deinen Segeln" von Jessica Winter ist kein klassischer, platter Liebesroman, sondern die Geschichte zweier Menschen, die beide ein gewaltiges Päckchen zu tragen ...

Was für ein schönes Buch! "Wind in deinen Segeln" von Jessica Winter ist kein klassischer, platter Liebesroman, sondern die Geschichte zweier Menschen, die beide ein gewaltiges Päckchen zu tragen haben und die erst durch die liebevolle Unterstützung des jeweils anderen eine neue Perspektive für ihr Leben finden.
Emerald und Gabriel sind noch sehr jung, haben aber beide schon allerhand unschöne Dinge erlebt. Welche das im Detail sind, erfährt der Leser häppchenweise im Verlauf des Buches - ich fand die Geschichte dadurch sehr spannend und auch nicht unbedingt vorhersehbar. An der ein oder anderen Stelle war ich zutiefst erschüttert und beinahe zu Tränen gerührt - wie viele junge Menschen auf dieser Welt müssen wohl ähnliche Dinge ertragen??? Die Autorin hat einige sehr ernste Themen wunderbar in die Geschichte eingebettet und mir dadurch viel Stoff zum Nachdenken und Dankbarsein gegeben.
"Wind in deinen Segeln" ist Band 1 der Ready-to-be-found-Reihe - das Ende kommt deshalb auch sehr abrupt und hat mich leider recht unvorbereitet getroffen und unbefriedigt zurück gelassen. Band 2 ist für Herbst 2019 angekündigt - bis dahin heißt es ausharren!
Für diese wunderschöne Buch vergebe ich 5 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 05.03.2018

Malerei, Mord und Tulpenhandel

Tulpengold
0

Der historische Kriminalroman "Tulpengold" von Eva Völler hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen - nicht zuletzt aufgrund eines unglaublich sympathischen und absolut außergewöhnlichen Protagonisten. ...

Der historische Kriminalroman "Tulpengold" von Eva Völler hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen - nicht zuletzt aufgrund eines unglaublich sympathischen und absolut außergewöhnlichen Protagonisten. Pieter sieht die Welt mit anderen Augen - er leidet am Asperger Syndrom und betrachtet deshalb alles durch die Logikbrille. Gefühle sind ihm fremd, was in der ein oder anderen Szene zu irrsinnig komischen Missverständnissen führt. Für mich ist er der liebenswerteste Held seit Forrest Gump.

Auch die weiteren Charaktere sind gut herausgearbeitet. Interessant fand ich, dass die Autorin ihren Kriminalfall im direkten Umfeld des "Alten Meisters" Rembrandt van Rijn stattfinden lässt. Eva Völler hat dieser historischen Person, aber auch den Schauplätzen mit Leichtigkeit Leben eingehaucht - ich habe mich oft ins Amsterdam des 17. Jahrhunderts zurück versetzt gefühlt. Hervorzuheben ist dabei ihre Detailtreue, die dem Leser ganz nebenbei einige interessante Hintergrundinfos über Rembrandt's Amsterdam, seine Kunst und seine Zeitgenossen vermittelt. Gerade die Umstände des Tulpenfiebers, das zum Zeitpunkt des Romans gerade in Amsterdam grassiert und das einen wichtigen Bestandteil der Handlung ausmacht, fand ich absolut unglaublich..

Bei "Tulpengold" handelt es sich um einen historischen Kriminalfall. Ich muss zugeben, dass für mich die Betonung eher auf dem Geschichtlichen als auf dem Kriminalistischen lag. Dennoch hat mich das Rätsel um die Tulpenmorde gepackt und ich konnte bis zum Ende mitfiebern, wer denn nun all die reichen Amsterdamer Bürger auf dem Gewissen hat. Pieter hat sich dabei als gewiefter Hobby-Detektiv erwiesen, der allein mithilfe von logischen und stochastischen Schlussfolgerungen versucht, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Mein Fazit: 5 Sterne von 5 für einige Stunden erstklassiger Unterhaltung. Ich würde gerne eine Fortsetzung lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.02.2026

Ankunft des Monarchfalters

Trag das Feuer weiter
0

"Trag das Feuer weiter" ist der Abschlussband einer Trilogie von Leila Slimani. Das Buch lässt sich eigenständig lesen, aber um das große Ganze zu verstehen, wäre Vorwissen vermutlich gut. Slimani beschreibt ...

"Trag das Feuer weiter" ist der Abschlussband einer Trilogie von Leila Slimani. Das Buch lässt sich eigenständig lesen, aber um das große Ganze zu verstehen, wäre Vorwissen vermutlich gut. Slimani beschreibt in ihrer Buchreihe starke Frauen, drei Generationen einer Familie, die gegen viele Widerstände zu kämpfen haben, um sich am Ende ihren Traum zu verwirklichen. In Falle der Protagonistin Mia ist dies die Schriftstellerei - nach Oma Mathilde und Papa Mehdi ist sie bereits die dritte Daoud, die diesen Traum hegt, und diejenige, die ihn nun endlich wahr werden lassen kann. Der Monarchfalter ist angekommen.

Die Geschichte erzählt von Mia, die in den 80er-Jahren in Marokko aufwächst und erst durch ihren Weggang nach Frankreich erfährt, wie sich Freiheit anfühlt. Endlich kann sie ihre Homosexualität offen leben, ohne komisch angesehen zu werden. Und endlich ist sie unter jungen Menschen, die sie verstehen und schätzen, wie sie ist. Ähnliches erlebt auch ihre Schwester Inés, die von Geburt an auf ihr hübsches Aussehen reduziert wird, sich später mit Lügengebilden in den Mittelpunkt spielen muss und die Schwierigkeiten hat, ihre stark ausgeprägte Sexualität in Marokko auszuleben.

Neben der persönlichen Ebene gibt es viele Hinweise auf die politische Lage im Land und die spezielle Situation der Familie Daoud, die grundsätzlich eine eher liberale Einstellung vertritt. Die Daouds wohnen im Ambassadors, dem Viertel, das der gehobenen Schicht zugeordnet ist und in dem die Kinder in die französische Schule gehen. Ein Culture Clash innerhalb des eigenen Landes… Gerade Vater Mehdi erlebt, in welch widersprüchlicher Gesellschaft sie leben und wie schnell das mühsam errichtete Kartenhaus ohne eigenes Zutun zusammenfallen kann.

Der Roman ist sehr facettenreich geschrieben, es gibt Wechsel in der Zeitebene, in den Orten ebenso wie in der Erzählperspektive. Die Sprache schönt nichts – gerade in den ersten Kapiteln, die Mias Kindheit und Jugend wiedergeben, ist der Ton derbe und die Handlung oft schockierend. Doch genau so soll es sein, denn genau daran erinnert sich Mia, als sie sich als Erwachsene zu Heilungszwecken zu Besuch in Marokkko aufhält und dort in ihre Familiengeschichte eintaucht.

Mein Fazit: Ich habe die ersten beiden Bände nicht gelesen, konnte dem Roman aber dennoch gut folgen. Schriftstellerische eine großartige Leistung, die zum Nachdenken anregt und Lust auf mehr macht…

Veröffentlicht am 01.02.2026

Bewegend, erwachsen und voller Tiefgang

Falling Like Stars
0

Wow, das war wieder einmal ein richtig gutes Buch von Emma Scott. Ich war von der ersten Seite an total gebannt und konnte das Buch die nächsten sieben Stunden lang - bis zur letzten Seite - nicht aus ...

Wow, das war wieder einmal ein richtig gutes Buch von Emma Scott. Ich war von der ersten Seite an total gebannt und konnte das Buch die nächsten sieben Stunden lang - bis zur letzten Seite - nicht aus der Hand legen.

Der Roman erzählt von Rowan, die seit ihrer Jugend mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen hat und sich darüber nicht gestattet ihr Leben wirklich zu leben. Sie ist eine Einzelgängerin, die sich all die guten Dinge im Leben versagt und sich sogar oft in Situationen bringt, mit denen sie ihr Schicksal so ein wenig herausfordert.
Auf der anderen Seite haben wir Zach, einen gefeierten Hollywood-Star, der in einer ungesunden On-Off-Beziehung mit seiner Jugendliebe Eva feststeckt. Er hält verzweifelt an der Vergangenheit und an der Person, die Eva früher einmal war, fest und lässt deshalb ihr inzwischen zutiefst narzisstisches, manipulatives und missbräuchliches Verhalten über sich ergehen.
Als Rowan und Zach sich treffen, ist die Anziehung von Anfang an riesengroß und für beide stellt sich plötzlich die Frage, wie sie diese frisch aufkeimenden Gefühle mit ihrem aktuellen Lebensmodell in Einklang bringen können. Und ob vielleicht doch beide ein wenig Glück im Leben verdient haben.

Emma Scott erzählt die Einzelschicksale ihrer Protagonisten mit viel Gefühl und Tiefgang. Ich bin total glücklich darüber, auf wie vernünftige und erwachsene Weise sich die Geschichte entwickelt hat. Keiner rettet den anderen, sondern jeder rettet erst mal sich selbst, bevor er sich in Gänze auf den anderen einlassen kann. Dennoch stehen beide von Anfang an zu ihren Gefühlen, sprechen sie offen an und sehen, wohin das Leben sie führt. Sehr erfrischend, dass die Beziehung der beiden mal nicht von Missverständnissen und Non-Kommunikation geprägt ist.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die jeweils einen kleinen zeitlichen Sprung markieren. Die kleinen Unterbrechungen sind nicht weiter störend, sondern vielmehr notwendig, um die Authentizität der Geschichte zu untermauern. Denn eins ins klar: Niemand arbeitet ein 10jähriges Trauma innerhalb von 2 Tagen auf. Die einzelnen Kapitel sind aus Sicht von Rowan oder Zach geschrieben. Zusätzlich gibt es zwischendrin noch Artikel aus einem Online-Klatsch-Magazin, die den Textfluss auflockern.

Mein Fazit: Ein wundervolles, bewegendes Buch, das sicherlich noch ein Weilchen nachhallen wird. Ich habs total gerne gelesen und kann es unbedingt weiterempfehlen.