Profilbild von Krani

Krani

Lesejury Star
offline

Krani ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Krani über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2026

Echt

Villa Rivolta
0

Valerias Vater ist Revolutionär in Italien und wird von den Deutschen in den letzten Kriegstagen erschossen. Ihre Mutter geht mit ihr nach Mailand, wo Freunde des Vaters ihr eine Anstellung in ihrem Haus ...

Valerias Vater ist Revolutionär in Italien und wird von den Deutschen in den letzten Kriegstagen erschossen. Ihre Mutter geht mit ihr nach Mailand, wo Freunde des Vaters ihr eine Anstellung in ihrem Haus geben. Sie leben in der Villa Rivolta, dem Haus jener Autobauerfamilie, die mit der Isetta bekannt wurde und später sehr elegante und schnelle Sportwagen baute. So kommt es, dass Valeria in einer prächtigen Villa aufwächst mit Piero, dem Sohn des Unternehmers, als bestem Freund.
Die Geschichte ist sehr lebendig erzählt. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Valeria und Piero. Beide sind starke, unabhängige Persönlichkeiten, die sich ihren höchst unterschiedlichen Herausforderungen stellen. Die Sprache ist poetisch und bildreich. Das Nachkriegsitalien mit seinen bestimmenden Klassenunterschieden, seiner Hitze, seiner Autoleidenschaft und den revolutionären Träumen wird sehr anschaulich gezeigt. Man hat das Gefühl, mitten im echten Leben zu sein.
Ich fand es erschreckend und faszinierend zugleich, wie das Bewusstsein einer Klassenzugehörigkeit von den Eltern ganz unterschwellig an die Kinder weitergegeben wird. So hat der Unternehmersohn ein ganz anderes Selbstbewusstsein und Lebensgefühl in der Welt als die Arbeitertochter. Trotzdem sind sie enge Freunde. Dies ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern eher eine Studie über Klassismus und das Verhältnis von Reich und Arm. Und über Freundschaft.
Ich habe es verschlungen. Ein großartiges Buch, auch wenn nicht alle Fragen geklärt werden. Aber das ist im Leben ja auch nicht anders.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Chaotisch

Die Enthusiasten
0

Es geht um ein Buch. Das zehnte Buch von Laurence Sterne ist angeblich aufgetaucht und eine Gruppe Fans will es unbedingt haben. Im Zentrum dieser Gruppe steht Vince Bär, über dessen buchverrückte Eltern ...

Es geht um ein Buch. Das zehnte Buch von Laurence Sterne ist angeblich aufgetaucht und eine Gruppe Fans will es unbedingt haben. Im Zentrum dieser Gruppe steht Vince Bär, über dessen buchverrückte Eltern und Geschwister ebenfalls berichtet wird.
Von einer Geschichte kann man hier kaum reden. Es sind Erzählungen, Erinnerungen, Assoziationen, weiter gedachte Ideen, Zitate aus Büchern. Die Sprache ist ausgefeilt und selbst immer wieder Thema. Das Ganze mäandert und wächst sich weitschweifig aus. Doch es liest sich trotzdem flüssig und leicht. Die Personen sind genauso schräg wie der ganze Text, der so viele einzelne Geschichten enthält. Es ist ein Abenteuer, das zu lesen.
Völlig hingerissen war ich, als zum Ende hin sich doch noch alles rundet, alle Fäden verknüpft werden und es trotz der äußerst chaotischen Erzählweise mit einem ganz neuen Aspekt doch noch eine Auflösung gibt. 5 Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

Lesenswert

Der Fluss der Zeit
0

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert ...

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert sich die Welt. Auch wir verändern uns. Dem ist diese Geschichtensammlung auf der Spur.
Es geht um Dankbarkeit, die sich im Laufe der Zeit verändert. Es geht um vergangenes Leben, das plötzlich gegenwärtig wird und kaum wiederzuerkennen ist. Es geht um den einen Moment, in dem ein Leben kulminieren kann. Und schließlich geht es auch um das Warten.
Mercier ist ein toller Erzähler. Man wird sofort in seine Geschichten hinein gezogen. Der philosophische Aspekt erschließt sich nicht immer, manchmal muss man ein bisschen nachdenken, warum er genau diese Geschichte erzählt. Besonders berührt hat mich der Busfahrer in Töten mit Lärm. Auf kleinstem Raum stehen hier menschliche Universen und Abgründe nebeneinander, fein beobachtet und mit großer Distanz vorgestellt.
Fünf Häppchen Literatur für Zwischendurch, sehr lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2025

Reise in eine fremde Zeit

Das Erbe der Drachenkrone
0

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die ...

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die abenteuerliche Geschichte einer interessanten Persönlichkeit. Eleanor erlebt ein für die höheren Töchter jener Zeit ganz normales Schicksal: Sie wird im Alter von dreizehn Jahren an einen fremden alten Mann verheiratet, und zwar an Llewellyn ap Gruffydd, den wahren Fürsten von Wales. Ständige Kriege um die englische Krone und um die Freiheit von Wales sowie zwischen Familienmitgliedern erschütten immer wieder ihr Dasein. Alles ist sehr gründlich und umfassend recherchiert, bis hin zu den Persönlichkeiten der Beteiligten, soweit sie sich heute noch rekonstruieren lassen.
Das ist, wie schon die Vorgängerbände, sehr spannend zu lesen. Ein echter Schmöker.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.12.2025

Gruselig und spannend

Wer die Toten stört
1

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ...

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ist sprachlich ganz im Stile jener Zeit geschrieben. Das Gruselige, das Toten anhaftet, weht geradezu durch durch die Buchseiten. Huh! Manche der eigentlich grauenhaften Szenen erscheinen durchaus komisch. Und es ist schließlich der Beginn der modernen Medizin. Nur so kann man erfahren, wie es im menschlichen Körper aussieht: indem man ihn aufschneidet und hineinsieht.
In diesem Spannungsfeld entwickelt sich der junge James, und ebenso der Roman. Stehen zuerst noch der Gruselaspekt und die Faszination im Vordergrund, so wird das Ganze schnell zu einem Krimi und dann zu einem Thriller, in dem es darum geht, nicht selber zur Leiche zu werden, sondern Mörder zu überführen. Ganz nebenbei erlebt James noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Es passiert also eine ganze Menge auf diesen vierhundert Seiten. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung