Profilbild von Buchkomet

Buchkomet

Lesejury Profi
offline

Buchkomet ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchkomet über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

Absolut fantastisch geschrieben

Kampf der Könige
0

Bei „Kampf der Könige: Das Haus Plantagenet und das blutige Spiel um Englands Thron“ geht es um die Dynastie der Plantagenets, jene Familie, die England und zeitweise halb Frankreich über gut zweieinhalb ...

Bei „Kampf der Könige: Das Haus Plantagenet und das blutige Spiel um Englands Thron“ geht es um die Dynastie der Plantagenets, jene Familie, die England und zeitweise halb Frankreich über gut zweieinhalb Jahrhunderte geprägt, geformt, verheizt und immer wieder an den Rand des Abgrunds geführt hat. Jones spannt dabei einen großen Bogen: vom Aufstieg der Familie im 12. Jahrhundert über Kreuzzüge, innere Machtkämpfe, politische Intrigen und persönliche Tragödien bis hin zu ihrem Niedergang. Es ist die Geschichte einer Herrscherfamilie, die kaum zur Ruhe kam, weil Macht hier nie selbstverständlich war, sondern immer neu erkämpft, verteidigt oder verloren wurde. Für mich war dieses Buch damals der Einstieg in die spannende Welt der Geschichte.

Im Zentrum stehen bekannte, aber auch weniger präsente Namen: Eleonore von Aquitanien, Richard Löwenherz oder Johann Ohneland, dessen Regentschaft oft als gescheitert gilt, der mit der Magna Carta aber ein Fundament legte, das bis heute nachwirkt. Später folgen Heinrich III. und schließlich Richard II., kunstsinnig, empfindsam und politisch überfordert. Jones erzählt all das nicht als trockene Abfolge von Jahreszahlen, sondern als Geschichte von Menschen, die Entscheidungen trafen und mit deren Konsequenzen leben mussten.

Meine persönliche Beziehung zu diesem Buch ist eine besondere. Ich habe es damals im englischen Original gelesen, was nicht immer leicht war, mich aber doch beeindruckt hat. Geschichte fühlte sich plötzlich lebendig und greifbar an. Für mich ist „Kampf der Könige“ eines der besten Bücher von Dan Jones überhaupt. Es ist der Grund, warum ich ihn bis heute für einen der besten populärwissenschaftlichen Historiker halte. Dieses Buch hat mich geprägt, mein Interesse an Geschichte vertieft und mir gezeigt, wie spannend Sachbücher sein können, wenn sie gut geschrieben sind. Es ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine Einladung, sich auf eine wilde, blutige, faszinierende Epoche einzulassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2025

Starker zweiter Band

The Pancrator Principle - Der Formwandler
0

Wenn es um Cyberpunk geht, bin ich eigentlich immer sofort dabei: schmutzige Städte, Neonlichter im Regen, Überwachung, Megakonzerne, Menschen, die ihren Körper zur Ware machen, um irgendwie zu überleben. ...

Wenn es um Cyberpunk geht, bin ich eigentlich immer sofort dabei: schmutzige Städte, Neonlichter im Regen, Überwachung, Megakonzerne, Menschen, die ihren Körper zur Ware machen, um irgendwie zu überleben. Und trotzdem tue ich mich mit Cyberpunk als Leser oft schwer. Viele Bücher setzen stark auf Technik und Konzepte, verlieren dabei aber das Menschliche aus den Augen.

Umso bemerkenswerter war es für mich, dass The Pancrator Principle – Der Formwandler genau hier ansetzt. Schon der erste Band konnte mich vor über einem Jahr begeistern, vor allem wegen der Welt und der Figuren. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf Band zwei.

Die Geschichte setzt ein Jahr nach der Niederlage des Widerstands ein. Berlin 2070 ist kein Ort zum Leben, sondern zum Überleben. Die Rebellen sind geschwächt, der Untergrund ist ihr letzter Rückzugsort, während die neue Regierung einen gnadenlosen Überwachungsstaat etabliert. Im Zentrum steht erneut Nyssa. Gezeichnet von Verlusten, voller Zweifel, aber nicht bereit aufzugeben. Um gegen die KI Vedam überhaupt noch eine Chance zu haben, muss sie neue Bündnisse eingehen und moralische Grenzen überschreiten.

Parallel dazu entfaltet sich Vedams Geschichte und die ist für mich eines der Highlights des Buches. Diese KI ist kein klassischer Bösewicht. Sie ist intelligent, manipulativ, erschreckend konsequent und in ihrem Streben nach Unabhängigkeit fast schon tragisch. Dass man als Leser stellenweise Verständnis, ja sogar Mitleid empfindet, ist hohe erzählerische Kunst.

Die Atmosphäre ist wieder on top: Berlin fühlt sich real, dreckig und bedrückend an, die Stadt ist mehr als nur Kulisse. Gleichzeitig gibt es kleine, zärtliche Momente, in denen Menschlichkeit zelebriert wird. Die Figuren tragen die Geschichte wieder mühelos, allen voran Nyssa, ihre Entwicklung ist konsequent und nachvollziehbar. Dazu kommen die gelungenen Illustrationen und der begleitende Song, die das ohnehin starke Kopfkino noch einmal verstärken.

Unterm Strich ist „Der Formwandler“ für mich eine starke Weiterentwicklung der Reihe. Ernster, komplexer, spannender. Ich wollte so gerne noch länger in dieser Welt bleiben, ich kann es kaum erwarten, wenn der dritte und finale Band erscheint. Wer mit dem Genre etwas anfangen kann, oder bisher eher damit gehadert hat, sollte dieser Reihe unbedingt eine Chance geben. Es lohnt sich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2025

Sehr toll

Nirgendwann
0

Das Cover ist ein echtes Schmuckstück. Auffällig, hübsch und sofort ein Blickfang und so ziemlich passend für das, was sich zwischen den Buchdeckeln von Nirgendwann: Plan B war auch Mist verbirgt.

Im ...

Das Cover ist ein echtes Schmuckstück. Auffällig, hübsch und sofort ein Blickfang und so ziemlich passend für das, was sich zwischen den Buchdeckeln von Nirgendwann: Plan B war auch Mist verbirgt.

Im Mittelpunkt steht Jo. Jung, ohne Geld und ohne Job. Sie kommt aus einem Elternhaus, das von Gewalt und Missachtung geprägt war, und trägt den Wunsch mit sich, ihre Geschwister irgendwann da herauszuholen. Doch die Realität der Großstadt ist hart. Wer nichts vorzuweisen hat, wird schnell zur Zielscheibe: übergriffige Männer, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, skrupellose Vermieter. Diese Welt ist nicht freundlich.

Jos Art, sich trotzdem nicht völlig brechen zu lassen, überzeugt auf ganzer Linie. Sie ist chaotisch und manchmal überfordert, aber sie bleibt aufmerksam und menschlich. Und genau das öffnet ihr dann Türen. Der Roman zeigt: Unterstützung existiert, aber man muss bereit sein, sie anzunehmen. Und selbst dann hört das Dunkle noch nicht einfach auf.

Die Figuren tragen die Geschichte mühelos. Jo trifft auf Carlo, der ihr komplettes Gegenteil ist: kontrolliert, aber auch introvertiert. Und auf Hänsel, einen Rentner, der durch Jo wieder Nähe, Struktur und Lebenslust findet. Diese kleine Gemeinschaft wirkt authentisch und gibt der Geschichte Wärme und Halt.

Ein besonderer Kniff sind die Einschübe aus der Perspektive des „Büdchens“. Als Beobachter erzählt es vom gesellschaftlichen Wandel: von früheren Begegnungen und Gesprächen. Da wird der Roman stellenweise fast philosophisch und überraschend gesellschaftskritisch, sehr gelungen.

Handwerklich gibts nichts zu meckern, die Geschichte ist flüssig und gut zugänglich. Die Geschichte ist spannend und die Figuren punkten in diesem Buch. Nirgendwann: Plan B war auch Mist ist eine Geschichte nah am Leben. Rau, manchmal düster, aber immer wieder durchzogen von Hoffnungsschimmern. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2025

Sehr lehrreich

Kreuzfahrer
0

Die Kreuzzüge gehören zu den dunkelsten, brutalsten und zugleich folgenreichsten Kapiteln der Geschichte. Kreuzfahrer von Dan Jones macht daraus aber kein trockenes Geschichtsbuch, sondern liefert eine ...

Die Kreuzzüge gehören zu den dunkelsten, brutalsten und zugleich folgenreichsten Kapiteln der Geschichte. Kreuzfahrer von Dan Jones macht daraus aber kein trockenes Geschichtsbuch, sondern liefert eine vielstimmige und menschliche Erzählung.

Dan Jones ist für mich einer der besten populären Historiker unserer Zeit, und einer meiner liebsten Autoren. Dieses Buch bestätigt das erneut. Er teilt die Geschichte der Kreuzzüge in drei große Abschnitte: den Aufbruch und die ideologischen Grundlagen bis zum Fall Jerusalems 1099, die Hochphase der Kreuzfahrerstaaten in Syrien und Palästina sowie schließlich den langsamen, unaufhaltsamen Niedergang, unter dem Druck innerer Machtkämpfe und aufstrebender Reiche wie der Mongolen und Mamluken.

Jones erzählt dabei nicht langweilig und trocken. Natürlich werden Päpste, Könige und Feldherren beleuchtet. Aber ebenso präsent sind einfache Pilger, Frauen, Dichter, byzantinische Prinzessinnen, sunnitische Gelehrte und Menschen, die zwischen die Fronten geraten sind. Engländer, Spanier, Balkanbewohner, Araber, sogar Wikinger. Diese Einzelschicksale verdichten sich zu einem Gesamtbild, das die Kreuzzüge als das zeigt, was sie waren: ein chaotisches, widersprüchliches Geflecht aus Glauben, Gewalt, Opportunismus und menschlicher Hoffnung.

Jones schreibt wie immer klar, präzise und erstaunlich zugänglich. Selbst komplexe Zusammenhänge bleiben verständlich. Wer mit Geschichte sonst wenig anfangen kann, wird hier nicht abgeschreckt, im Gegenteil.

Kreuzfahrer ist dabei kein romantisierender Blick zurück und auch keine Moralpredigt. Es ist eine ehrliche, differenzierte und hervorragend erzählte Geschichte einer Epoche, die bis heute nachwirkt. Für mich ein rundum gelungener Geschichtsausflug und eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Geschichtsnerds.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Meisterwerk

Jasper Field
0

„Jasper Field“ hat alles, was ich gerade an Literatur so mag. Zum Teil ein Wirtschaftskrimi, Politthriller, Coming-of-Age-Story und dazu zwei queere Figuren. Zusammen ergibt das ein Buch, das ich nicht ...

„Jasper Field“ hat alles, was ich gerade an Literatur so mag. Zum Teil ein Wirtschaftskrimi, Politthriller, Coming-of-Age-Story und dazu zwei queere Figuren. Zusammen ergibt das ein Buch, das ich nicht nur verschlungen habe, sondern das mich hinterher regelrecht in eine Leere gestürzt hat, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Dieses seltsame Gefühl, wenn etwas Großes endet und man dafür noch gar nicht bereit ist.

Es wirkt fast so, als wäre dieses Buch für mich geschrieben worden.
Mit Superlativen halte ich mich ja meist zurück: hier kann ich das gar nicht.
Jasper Field ist nicht nur das beste Buch, das ich vermutlich je gelesen habe, sondern wird in Zukunft auch wertungstechnisch zum Maßstab meiner Rezensionen.

Der Autor hat sich mit diesem Buch in die Riege meiner Lieblingsautoren geschrieben. Man mag es zudem kaum glauben, aber das Buch ist im Selbstverlag erschienen. Ich hätte es mit Leichtigkeit in einem großen Publikumsverlag gesehen.

Simon Jarr hat mit diesem Debüt etwas geschaffen, das man nur selten findet: einen Roman, der Thriller, Drama und Gesellschaftskritik mühelos vereint. Einen Polit- und Wirtschaftsthriller, der über sich hinauswächst, der die Macht der Medien, den Wert von Wahrheit und die Grenzen von Moral beleuchtet. Und mittendrin zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Max Sandberg, Erbe eines Zeitungsimperiums, und Jasper Field, der geheimnisvolle Fremde mit einer Vergangenheit, die alles verändert.

Knappe 850 Seiten. Keine zu viel, im Gegenteil, ich hätte locker noch 200-300 Seiten mehr lesen können. Ich wollte einfach nicht, dass diese Geschichte endet.

Jasper Field ist für mich nicht einfach nur Buch, es ist ein literarisches Meisterwerk. Und vermutlich sogar das beste Buch, das ich je gelesen habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere