Starker zweiter Band
The Pancrator Principle - Der FormwandlerWenn es um Cyberpunk geht, bin ich eigentlich immer sofort dabei: schmutzige Städte, Neonlichter im Regen, Überwachung, Megakonzerne, Menschen, die ihren Körper zur Ware machen, um irgendwie zu überleben. ...
Wenn es um Cyberpunk geht, bin ich eigentlich immer sofort dabei: schmutzige Städte, Neonlichter im Regen, Überwachung, Megakonzerne, Menschen, die ihren Körper zur Ware machen, um irgendwie zu überleben. Und trotzdem tue ich mich mit Cyberpunk als Leser oft schwer. Viele Bücher setzen stark auf Technik und Konzepte, verlieren dabei aber das Menschliche aus den Augen.
Umso bemerkenswerter war es für mich, dass The Pancrator Principle – Der Formwandler genau hier ansetzt. Schon der erste Band konnte mich vor über einem Jahr begeistern, vor allem wegen der Welt und der Figuren. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf Band zwei.
Die Geschichte setzt ein Jahr nach der Niederlage des Widerstands ein. Berlin 2070 ist kein Ort zum Leben, sondern zum Überleben. Die Rebellen sind geschwächt, der Untergrund ist ihr letzter Rückzugsort, während die neue Regierung einen gnadenlosen Überwachungsstaat etabliert. Im Zentrum steht erneut Nyssa. Gezeichnet von Verlusten, voller Zweifel, aber nicht bereit aufzugeben. Um gegen die KI Vedam überhaupt noch eine Chance zu haben, muss sie neue Bündnisse eingehen und moralische Grenzen überschreiten.
Parallel dazu entfaltet sich Vedams Geschichte und die ist für mich eines der Highlights des Buches. Diese KI ist kein klassischer Bösewicht. Sie ist intelligent, manipulativ, erschreckend konsequent und in ihrem Streben nach Unabhängigkeit fast schon tragisch. Dass man als Leser stellenweise Verständnis, ja sogar Mitleid empfindet, ist hohe erzählerische Kunst.
Die Atmosphäre ist wieder on top: Berlin fühlt sich real, dreckig und bedrückend an, die Stadt ist mehr als nur Kulisse. Gleichzeitig gibt es kleine, zärtliche Momente, in denen Menschlichkeit zelebriert wird. Die Figuren tragen die Geschichte wieder mühelos, allen voran Nyssa, ihre Entwicklung ist konsequent und nachvollziehbar. Dazu kommen die gelungenen Illustrationen und der begleitende Song, die das ohnehin starke Kopfkino noch einmal verstärken.
Unterm Strich ist „Der Formwandler“ für mich eine starke Weiterentwicklung der Reihe. Ernster, komplexer, spannender. Ich wollte so gerne noch länger in dieser Welt bleiben, ich kann es kaum erwarten, wenn der dritte und finale Band erscheint. Wer mit dem Genre etwas anfangen kann, oder bisher eher damit gehadert hat, sollte dieser Reihe unbedingt eine Chance geben. Es lohnt sich.